Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK FAMILIE/FRAU - Fröhliches im Intimbereich
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Die "Benda-Kommission" gibt Empfehlungen zur Gentechnologie
GESETZMÄSSIGES KINDERZEUGEN
Das Herz der Genetiker schlägt höher, denn ihre Wissenschaft ist
momentan in aller Munde. Die Öffentlichkeit zerreißt sich das
Maul wegen der Märchen; die über diesen Teil der Biologie ver-
breitet werden. Angeblich setzen sich nämlich die Wissenschaftler
frühmorgens ans genetische Reißbrett-und konstruieren sich die
Wunschgebilde, die sie nachmittags im Labor zusammensetzen las-
sen.
Der "Spiegel" fragt deswegen sofort nach, ob "die Gentechnik -
der Weg zur Menschenzüchtung?" sei und stellt fest:
"Kein Zweifel: Juristen und Rechtsphilosophen, Moraltheologen wie
auch Mediziner sind längst ins Hintertreffen geraten bei ihren
Versuchen, mit dem Entwicklungstempo der angewandten Biowissen-
schaft Schritt zu halten." (Spiegel Nr. 49/85)
Dies geht laut "Spiegel" aus dem Bericht der "Benda-Kommission"
hervor, "die den 'rechtlichen Handlungsbedarf' der Bundesregie-
rung abschätzen, sollte". Wenn also die renommiertesten Wissen-
schaften bei der anderen Abteilung nicht mehr durchblicken, dann
muß Einhalt geboten werden.
Doch wobei - an der Gentechnologie stört sich die Politik gerade
nicht:
"Ein Verbot oder ein Moratorium in der Genforschung hält die Kom-
mission nicht für erforderlich. Angesichts der Chancen, die sich
für die Menschheit durch diese Technik bilden, sei deren weitere
Erforschung förderungswürdig, heißt es in dem Papier." SZ,
26.11.)
"Wir" müssen schließlich wissenschaftsmäßig am Ball bleiben -
schon weil die Konkurrenz nicht schläft.
Was kann einen Staatsmann dann an der ganzen Chose so besonders
interessieren - das Kinderkriegen natürlich: "Retortenbe-
fruchtung", "Samen-/Eispende", "Embryonenspende", "Leihmutter",
"Reagenzglasbefruchtung" und was man sich auf diesem Gebiet sonst
noch in den kühnsten Träumen alles vorstellen kann, für einen
Politiker nationale Angelegenheiten ersten Ranges.
Hier fordert die Kommission "klare Aussagen, was Rechtens oder
Unrecht ist". Es geht eben nicht an, "durch Anerkennung eines
rechtsfreien Raumes, indem der Staat auf eine Wertung verzichtet,
diese der eigenverantwortlichen Entscheidung des einzelnen zu
überlassen". Wo kämen wir auch hin, wenn schon Kinder das höchste
Gut eines Staates sind, es einfach den Beteiligten zu überlassen,
ob sie sich ein Blag zulegen wollen und auf welche Art und Weise
sie es sich besorgen.
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