Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK FAMILIE/FRAU - Fröhliches im Intimbereich
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"Frau" als Argument
DIE QUOTIERTE FRAU
Die billige parteipolitische Berechnung wird ehrlich vorgetragen,
und damit geadelt. Die Quote soll Frauenstimmen bringen! Vor al-
lem von den Grünen. Die müssen wieder einmal mit ansehen, daß ei-
nes ihrer Themen siegt. Es wird von den anderen Parteien übernom-
men und ist damit als "grünes Argument" dahin. Die CDU will sich
die normalen Abläufe der innerparteilichen Konkurrenz nicht von
Garantieplätzen für Frauen durcheinanderbringen lassen und muß
gegen die Quotierung anstinken: Sie fragt an, ob man das gehei-
ligte Prinzip der gleichen politischen Repräsentation durch Pro-
porz garantierende Quoten nicht übertreibt und damit die ebenso
heilige Freiheit der Wahl zerstört; auch soll die Würde der Frau
und ihre Chance zu selbständiger Etablierung in der Politik durch
Reservate und Schutzzonen untergraben werden. CDU-Oberfrau Rita
ließ sich ein einfaches Argument gegen den Geschlechterproporz
einfallen und lag damit völlig schief: Sie meinte, es käme doch
auf die Politik an, die gemacht wird, und nicht darauf, ob sie
von Frauen gemacht wird. Bald aber fand sie ihren richtigen Ge-
danken selber matt und drohte ihrer Partei lieber mit einer Nach-
ahmung der SPD-Quoten.
Zurecht. Denn dank jahrelanger Bemühungen der Grünen ist die
Frauenfrage endgültig in ein Repräsentationsproblem verwandelt
worden, und Repräsentation hat für Demokraten einen eigenen Wert,
eine eigene Gerechtigkeit und ihren Lohn in sich selbst: Die SPD
hat gar keine Versuche unternommen, vorzugaukeln, ihre Politik
würde sich mit 40% garantierten (statt 25% zufälligen) Frauen ir-
gendwie ändern. Kein Mensch - auch frauenbewegte Frauen nicht -
erwartet so etwas von der Quotenregelung - ohne daß man/frau sie
darum kritikabel finden würde. Richtig, ja überfällig finden
fortschrittliche Menschen den Wahlschlager der SPD sowieso, und
wer immer noch ein Argument dafür braucht, dem wird ganz immanent
Auskunft erteilt: "Die Männer würden es auch nicht gerecht fin-
den, mehrheitlich von Frauen regiert zu werden."
Das Bedürfnis nach R e p r ä s e n t a t i o n scheint ein ganz
selbständiges politisches Bedürfnis zu sein; Die Frage, was man
davon hat, gehört da einfach nicht hin.
Politische Repräsentation
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Das Schöne an Lincolns so unwidersprechlich gefundenen Satz vom
government of the people, by the people, for the people, ist, daß
in Demokratien nicht der Widerspruch der drei Präpositionen her-
ausgehört wird, sondern vielmehr ein Begründungsverhältnis zwi-
schen ihnen: Wenn das Volk vom Volk regiert wird, dann scheint
ganz selbstverständlich auch schon für das Volk, im Interesse der
Regierten Macht über sie ausgeübt zu werden. Von seinesgleichen
scheint der Mensch automatisch gut regiert zu werden. Und Herr-
schaft wird durch Repäsentation zu einer Art Dienstleistungsver-
hältnis. Dieser demokratische Grundsatz hat den einst kolonialen
Völkern das heute unbestrittene Recht auf einheimische Herrschaft
eingetragen, und in der bürgerlichen Gesellschaft alle einst au-
ßerhalb stehenden Klassen und Rassen zu Bürgern gemacht:
"Arbeiter und Arbeiterparteien in die Parlamente!", war die Ant-
wort der kapitalistischen Staaten auf die Klassenfrage am Anfang
des 20. Jahrhunderts; ein Neger als US-Präsidentschaftskandidat
ist die politische Überwindung der Rassendiskriminierung. Wenn
heute Frauen in der SPD dieselben Ämter bekleiden und dieselben
nationalen Anliegen als Sachzwänge dem Volk präsentieren wie frü-
her nur Männer, dann ist dies per se F r a u e n p o l i t i k:
government by women = for women. Als wollten sie bestätigen, daß
ihre Anliegen immer schon bloß symbolische und philosophische ge-
wesen sind, lassen die Frauen das staatsoffizielle Dementi von
M ä n n e r h e r r s c h a f t als Befriedigung ihres Anliegens
durchgehen. Die F r e m d h e r r s c h a f t des anderen Ge-
schlechts ist abgeschüttelt, weil nun auch Frauen nach ihrem Be-
völkerungsanteil in der Politik von Frauen r e p r ä s e n-
t i e r t werden.
Das Repräsentationsverhältnis widerlegt die sonst gerne gepfleg-
ten Lebenslügen der Demokratie, nach denen es in der Politik
schwer um Kompetenz, Sachverstand und Programme gehen soll.
Tatsächlich stellt das völlig leere V e r t r a u e n des Re-
präsentierten zum Repräsentanten die Verbindung zu dem ursprüng-
lichen Anliegen her. Eine Person gleichen Geschlechts (Rasse,
Standes) genießt dieses Vertrauen qua Biologie und Lage, und muß
ja wohl a l s F r a u für Frauen eintreten. Von gewissen Ge-
genbeispielen wie dem Geschlecht der Mrs. Thatcher läßt sich das
Repräsentationsbedürfnis da nicht irre machen.
Die Frau - ein bürgerlicher Stand,
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anerkannt mit seinen Sonderproblemen
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Die p o l i t i s c h e E m a n z i p a t i o n, welche unter-
drückte Rassen und Schichten dadurch erfahren, daß auch sie Re-
präsentanten in die Zentren der Macht schicken dürfen, soll und
muß genommen werden als die E r f ü l l u n g der kritisch vor-
getragenen Anliegen, und ist doch nichts als der E r s a t z
dafür. Die wirklichen Übel werden so nicht abgestellt, sondern
als v e r t r e t u n g s w ü r d i g e P r o b l e m e dieser
oder jener Bevölkerungsgruppe a n e r k a n n t. Im Sinn dieser
Umdeutung war die Frauenbewegung in den letzten 20 Jahren ebenso
erfolgreich wie einst die Arbeiter- und die Negerbewegung: Die
Frauenproblematik g i l t und wird b e t r e u t. In jedem
Stadtrat, Betriebsrat und in jeder Universität gibt es eine
F r a u e n b e a u f t r a g t e - selbstverständlich eine Frau,
nur sie genießt das Vertrauen der Geschlechtsgenossinnen. Sie
kümmert sich um die anerkanntermaßen besonderen Probleme und
Schwierigkeiten der Frauen - die eben weiterbestehen. Überall
sind staatlich geförderte F r a u e n h ä u s e r entstanden,
weil Eheterror und Prügelszenen ebensowenig beseitigt wurden wie
die ruinöse Doppelbelastung durch Kindererziehung und Beruf. Här-
tere Strafen für Vergewaltigung führen nicht dazu, daß die Verge-
waltiger aussterben. Und wenn ein Arbeitgeber Frauen schlechter
bezahlt, dann darf er vor Gericht nicht das Geschlecht als Grund
nennen.
Die Frau - dieser E r f o l g ist unbestreitbar - wird erst
seit ca. 20 Jahren als vollgültiges und selbständiges Mitglied
der bürgerlichen Gesellschaft anerkannt. Erst die sozialliberale
Koalition am Anfang der 70er Jahre hat mit ihrer Reform des Ehe-,
Renten- und Arbeitsrechts die letzten Reste der Rechtsstellung
beseitigt, die die Frau als Anhängsel der Familie definiert und
eine Beziehung auf die bürgerliche Gesellschaft nur über den Ehe-
mann vorgesehen hatte.
Freilich dieser Sieg, die völlige Angleichung ihrer Rechtsstel-
lung an die der Männer, hat das Los der Frauen nicht verbessert,
die unterbezahlt, vom prügelnden Ehemann abhängig im Kinderbewa-
chen aufgehen. Umgekehrt hatten die Reste der alten Rechtsstel-
lung die Hochschul- und Berufskarrieren anderer Frauen nicht be-
hindern können, die daher ökonomisch selbständig, verheiratet
oder nicht, einem Kinderwunsch folgen oder ihn lassen konnten.
Warum aber will den engagierten Frauen die Inkongruenz ihres Sie-
ges an der Rechtsfront mit der wirklichen Lage der einen wie der
anderen Frauen so gar nicht auffallen?
Frauenemanzipation I:
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"Gleichberechtigung!"
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Seit den Tagen der Suffragetten antwortete die Bewegung der
Frauen auf die Rolle, welche Frauen im Kapitalismus spielen müs-
sen, mit dem Ruf nach Gleichberechtigung. Nie wollten sie den
Grund und Zweck bekämpfen oder auch nur wissen, warum und wofür
ihnen die ungeliebte Frauenrolle abverlangt wurde: An Haus und
Herd durch Kinderaufzucht gebunden, durch die Ehe über die Gren-
zen der Liebe hinaus an den Mann gekettet, ihm zu ehelichen
Diensten verpflichtet und von seinem Einkommen abhängig, beim
Geldverdienen von vornherein schlechter ausgebildet ("das Kind
heiratet ja!"), schlechter bezahlt und als industrielle Reser-
vearmee den Konjunkturen der Geschäfte ganz besonders ausgelie-
fert - das alles erschien dem Emanzipationsstreben der Frauen ein
grundloses Unrecht s p e z i e l l g e g e n s i e; e i n e
r e l a t i v e S c h l e c h t e r s t e l l u n g gegenüber
den Männern, der sie den erzbürgerlichen Spruch von der
G l e i c h b e h a n d l u n g entgegensetzten. Sie hatten kei-
nerlei Kritik am kapitalistischen Getriebe außer der, das sie da-
bei nicht genauso mitmachen durften, wie die Mitglieder des ande-
ren Geschlechts mußten: Sie klagten Chancen ein, d i e e s
g a b. N u r n i c h t f ü r s i e.
Nie wollte ihnen auffallen, daß ihre Schlechterstellung Produkt
der Gleichbehandlung nach den Maßstäben der gültigen Wirtschafts-
ordnung war und ist: Wo Löhne Kosten sind und der Arbeitgeber
möglichst viel Leistung für wenig Geld sehen will, da sucht er
sich seine knapp kalkulierten Leistungsträger - schon gleich bei
übervollem Arbeitsmarkt - nach extrem kleinlichen Maßstäben aus.
Die wirkliche, oder auch bloß mögliche Einschränkung des Zur-Ver-
fügung-stehens, die das Kinderkriegen (samt staatlichem Mutter-
schutz) nun einmal für den Arbeitgeber bedeutet, schlägt als Kon-
kurrenznachteil gegen die Bewerberin aus und muß von ihr durch
lohnmäßige Sonderangebote so wie Extraleistung ausgeglichen wer-
den.
Die Frauenemanzipation wollte gegen diese Gleichbehandlung stets
als grundlose Benachteiligung und veraltetes Vorurteil angehen,
und engagierte sich in dem Beweis, daß Frauen genauso anpacken
und arbeiten können wie Männer, wenn nicht noch mehr.
Nie galt die Frauenkritik der staatlichen Benutzung der Liebe zur
Verpflichtung auf Treue und Fürsorge über die Vergänglichkeit der
Liebe hinaus; nie der Belastung des Geschlechterverhältnisses mit
den Kosten und Opfern der völkischen Reproduktion. Die Kritik
galt ausschließlich einer ungleichen Verteilung der Opfer im die-
sem Verhältnis zwischen Mann und Frau und wollte vom a n d e r s
v e r p f l i c h t e t e n Mann einen analogen G r a d des
Opfers einklagen: auch Abspülen, auch Kindererziehen, auch dem
Glück der Frau dienen, wie sie dem seinen.
Selbst die kessen Sprüche vom Bauch, der "mir gehört", wollten
der staatlichen Pflicht zum Austragen der neuen Volkssubstanz
nicht mehr entgegensetzen als den Anspruch, den Zeitpunkt der ak-
zeptierten Mutterrolle selbst bestimmen und mit der für Frauen
eben besonders schwierigen Karriereplanung vereinbaren zu dürfen.
So alt die Suffragetten-Forderungen nach gleichem Wahlrecht, nach
Öffnung der Schulen und Berufe für Frauen und nach Legalisierung
der Abtreibung auch sein mochten, eine echte weibliche Volksbewe-
gung wurde dieses Fordern erst, als es durch Gewähren Recht be-
kam. So richtig eingeklagt wurden die gleichen Chancen, als es
sie gab; und zwar von denen, für die es sie gab.
Frauenemanzipation II:
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Volksbewegung gegen Diskriminierung
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Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden die Frauen in Deutschland mehr-
heitlich immer mehr ins kapitalistische Berufsleben eingeglie-
dert: noch vor den Gastarbeitern waren sie die erste industrielle
Reservearmee, die als Ressource erschlossen wurde. Diese
"Befreiung" aus der Enge der Familie aber hatte mit Emanzipation
nichts zu tun. Sie führte vielmehr nur zur allgemeinen Gewohnheit
erst des Zu-, dann des Doppelverdienens sosehr, daß heute kein
Mensch einen proletarischen Lohn von Mann oder Frau mehr daran
mißt, daß man damit eine Familie ernähren können müßte. Nur ein
Einkommen in der Familie ist heute Ausdruck entweder besonderer
Armut (Kinderreiche, Arbeitslose) oder besonders hoher, bei Ar-
beitern und kleinen Angestellten unüblicher Verdienste.
Seit Ende der 60er Jahre, mit der Ausweitung von Gymnasien, Uni-
versitäten und Sozialberufen, stand den Frauen erstmals auch die
Konkurrenz um die früheren Positionen der Berufshierarchie in be-
merkenswerter Quantität offen. Viele ergriffen die Chancen, die
ein expandierender Arbeitsmarkt eröffnete, betätigten sich wie
die Männer, machten d e s h a l b entdeckte Differenzen ihrer
Karrieren und Einkommen als ungerechtfertigte Relikte aus einer
anderen Zeit dingfest und deren Beseitigung als ihr Recht gel-
tend. Die e r s t e Generation der voll berufstätigen und öko-
nomisch selbständigen Frau pflegt die Neuerung, die sie dar-
stellt, ohne sie verursacht zu haben, als von sich durchgekämpft.
Im Bewußtsein ihrer Avantgarderolle findet die Akademikerin seit-
dem mehr in der Lage der Arbeiterfrau, zu der sie ein Vertre-
tungsverhältnis einnimmt, als an ihrer eigenen, ein Bild der Wi-
derstände einer f r a u e n f e i n d l i c h e n G e s e l l-
s c h a f t, die sie überwinden mußte. Von dieser Zeit datiert
die Verallgemeinerung des weiblichen Emanzipationsstreben und aus
dieser Frauenschicht rekrutiert sich der Feminismus: das
zeitgemäße Selbstbewußtsein der modernen Frau, die die berufliche
Karriere nicht mehr nur nebenher und bis zur Heirat, sondern als
selbständiges Lebensziel neben (oder vor) die Familienpflichten
setzt.
Je mehr die Reste jener alten Rechtsstellung der Frau beseitigt
wurden, die sie als Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft nur
per Familie gelten ließ, desto lauter und allgemeiner wurde der
Ruf danach.
Die erfolgte Angleichung der Rechtsstellung der Frau an die des
Mannes, die gleichmäßige Definition beider als selbständige Kon-
kurrenzsubjekte hatte den ökonomisch selbständigen Frauen ein
paar, wegen ihrer Selbständigkeit aber gar nicht wichtige Hinder-
nisse (bei der Scheidung etwa) aus dem Weg geräumt. Die Lage der
proletarischen Masse der Frauen in Beruf und Familie konnte sich
jedoch durch Rechtsanpassungen gar nicht ändern. Ganz unbeschadet
der j u r i s t i s c h e n E r l a u b n i s, gleich mitzu-
konkurrieren und ökonomisch selbständig zu sein, hat sich die
Doppelfunktion der Frau als Grund ihrer schlechteren Berufschan-
cen erhalten und immer wieder durchgesetzt: Daß Frauen in ihrer
Mehrheit wegen des Kinderkriegens und -Erziehens nicht ganz so
fest auf die Betriebskarriere setzen wie die Männer und mögli-
cherweise einmal nicht ganz so sicher zur Verfügung stehen, wirkt
sich trotz aller gleichen Rechte gegen sie aus, weil es halt kein
rechtliches Problem ist.
Die meisten Frauen und Mütter bleiben nicht nur wegen ihrer Le-
benslüge vom familiären Glück, sondern wegen der blanken Not auf
das Arrangement mit dem einst geliebten Gatten angewiesen. Des-
halb wird manche lustlose Erfüllung ehelicher Pflichten nicht zur
"Vergewaltigung in der Ehe", auch wenn es jetzt bald einen Para-
graphen dagegen geben soll. Mancher Ehekrieg bleibt in der Fami-
lie, mag das Scheidungsrecht noch so gleiches Teilen jenseits al-
ler Schuldfragen vorschreiben. Daß dieses Recht den normalen
Frauen die Freiheit nicht bringt, liegt nicht am Recht, sondern
am durchschnittlichen Masseneinkommen, das eine Versorgung von
zwei Haushalten in gar keiner Hinsicht erlaubt.
Es ist die spezielle Borniertheit der Frauenbewegung sich in die-
sen höchst verschiedenen Lebenslagen a l s F r a u e n betrof-
fen zu sehen. Daß alle Rechtsgleichheit nichts an der Lage der
normalen Frauen geändert hat, haben die Vertreterinnen der Un-
gleichheitskritik aus den besseren Kreisen nicht zum Anlaß genom-
men, die Vernunft der alten Forderungen nach rechtlicher Gleich-
stellung in Zweifel zu ziehen. Sie halten an dem Ruf nach glei-
chen Rechten fest und halten die Lage der von ihnen vertretenen
Frauen für den Ausdruck v e r w e i g e r t e r R e c h t e,
d i e e s g i b t. D i s k r i m i n i e r u n g heißt dies
und ist eine sehr positive Einstellung zu den juristischen Anord-
nungen der Staatsgewalt. Sie w ü r d e n G l e i c h h e i t
versprechen, aus anderen Gründen aber würde diese Gleichheit, auf
die sie ein Recht haben, den Frauen im praktischen Leben der Ge-
sellschaft verweigert. So registriert die Frauenbewegung ganz
falsch, daß es sich bei der Lage der Frau nicht um eine Rechts-
frage handelt. Frauenbewegte sehen es so, daß mehr dahintersteckt
als schlechte oder ungerechte Gesetze, aber nicht etwa staatliche
oder ökonomische Anliegen, sondern eine ganz grundsätzlich
falsche Einstellung der Männer zur Frau: Jetzt bekämpfen sie den
Geist der abgeschafften alten Gesetze als Männermoral. Diese
seien eben zu einer wirklichen Wertschätzung und Anerkennung der
Frauen nicht bereit. Die Frauenbewegung bekennt sich dazu, daß
die Gleichstellung der Frau nicht nur eine Frage der rechtlichen
Regelung ist, sondern eine Frage des Geistes, der in der Gesell-
schaft waltet.
Frauenemanzipation III:
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Positiver Geschlechtsrassismus gegen die Machos
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Jetzt erst wird die Frauenbewegung zum eigentlichen Feminismus
und die Entdeckung veweigerter Frauenrechte universell: Erst von
diesem Gedanken aus wird ein anzüglicher Männerblick dasselbe wie
eine Vergewaltigung (nur graduell verschieden), wird das unbe-
stimmte Personalpronomen der deutschen Sprache eine Beleidigung
des weiblichen Geschlechts usf. Erst auf diesem Standpunkt
schließt sich die Karrierefrau mit der "unterdrückten Frau", in
deren Namen sie kritisiert, wieder solidarisch zusammen und fin-
det sich mindestens ebenso b e t r o f f e n w i e d i e s e:
N i c h t n u r i n F a b r i k e n v e r d i e n e n Frauen
weniger, sie können auch nicht so leicht Chefarzt einer großen
Klinik werden wie Männer.
Der pur ideelle Standpunkt der Anklage im Namen verweigerter
Würde hat aber einen Widerspruch, der dem Feminismus erst seine
ganze Radikalität verschaffte: Einige Frauen fänden, daß es un-
würdig sei, ausgerechnet von den Arschlöchern den Respekt der
Frauenwürde zu fordern - ja zu erbetteln -, die den Frauen ihre
Würde nehmen. Daß man Anerkennung nicht fordern kann, registrier-
ten die Frauen; - aber nicht dahingehend, daß es ihnen darauf
eben auch nicht ankommen sollte, sondern ganz wie die verachteten
US-Neger mit ihrem: "Black is beautiful!" so, daß sie sich die
verweigerte Anerkennung eben selbst spenden und die Frauenwürde
sich wechselseitig als Frauen sichern: Als verachteter Stand be-
kennen sie sich zu sich selbst und sind stolz auf haargenau das,
was die Verächter verachten - den biologischen Zufall des kleinen
Unterschieds. Dieser wird dadurch ganz groß, nämlich zur absolu-
ten Hauptsache: Man versteht sich a l s F r a u - und pflegt
F r a u l i c h k e i t. Hat man früher gleiche Chancen und Zu-
gang zu der von Männern besetzten Welt von Geschäft, Bildung und
öffentlichem Leben gefordert, so nun Rassentrennung: Frauencafés,
Frauendiscos und Frauenräume in der Uni. Frauen sind anders, ha-
ben eine Frauentradition und Frauenideologie.
Den Inhalt bezieht die Stolz bekannte Andersartigkeit der Frau
aus all den einst abgelehnten Macho-Rassismen von der weiblichen
I n f e r i o r i t ä t; n u n f r e i l i c h a l s
p o s i t i v u m g e w e r t e t e Eigenschaften, als Selbst-
verwirklichung und natürliche Bestimmung der Frau: F ü h l e n
s t a t t D e n k e n, g a n z h e i t l i c h s t a t t
a n a l y t i s c h, W u n d e r d e s L e b e n s s t a t t
T e c h n i k, M u t t e r o p f e r als Mutterglück. Woher
sonst als aus den auferlegten Rollen und erzwungenen Sozialcha-
rakteren der "frauenfeindlichen" Gesellschaft sollen die Femini-
sten ihre eigenste biologische Naturbestimmung herwissen? Der
neueste Schlager der immer reaktionärer auftretenden Fraulichkeit
ist die Forderung, die Geschlechtertrennung im Schulunterricht
wieder einzuführen. Die gemeinsame Erziehung der Kinder wird an-
geblich dem Mädchencharakter der Mädchen nicht gerecht, prägt ihn
nicht extra aus und erlaubt den "kleinen Machos" schon früh, die
Mädchen an den Haaren zu ziehen. Das bißchen Normalität, das
durch den täglichen Umgang der Geschlechter von klein auf zwi-
schen ihnen eingerissen ist, soll also rückgängig gemacht werden.
Manchen Feministen erscheint auch das Kopftuch, das türkische
Frauen so zuverlässig vor interessierten Blicken schützt, und die
mörderische Eifersucht ihrer Ehemänner wieder als recht angemes-
sener Ausdruck für die Würde der Frau.
Das Bedürfnis, ganz frau und darin frei zu sein, ist in - es darf
mitten im Kapitalismus als A r g u m e n t zu jeder Zeit und
bei jedem Anlaß vorgebracht werden. Dieses Argument verkündet in
allen Angelegenheiten des bürgerlichen Lebens dasselbe, nämlich
eine besondere Betroffenheit der Frau, um daraus ein extra Recht
auf Berücksichtigung abzuleiten. Mit "Emanzipation", mit einer
tatsächlichen Veränderung der Stellung der Frau, hat das garan-
tiert nichts zu tun - eingeklagt wird ja nur der Respekt vor der
Würde der Frau bei dem, was sie im kapitalistischen Betrieb und
f ü r ihn leistet. Und dieser Respekt ist dann am Werk, wenn
der Frauenstandpunkt vertreten werden darf und Gehör findet.
Einerseits ist frau deswegen leicht zufriedenzustellen - ihre Er-
wähnung in sämtlichen Affären, von der großen Politik übers Mili-
tär bis zu den kleinen Scherzen im Straßenverkehr leistet da her-
vorragende Dienste. Die Aufnahme von frau in die Verkaufsstrate-
gie der Politiker und ihre Beförderung zum Geschäftsartikel einer
freien Presse sind die passenden Antworten auf die Dummheiten der
Bewegung, die sich für den geschlechtlichen Artenschutz stark
macht.
Andererseits dürften die Anwälte der Frauenwürde kaum je zur
Beendigung ihrer Plädoyers kommen. Erstens weil die ausgiebige
Zirkulation ihres Standpunkts der einzige Fortschritt in der
Frauenfrage ist; zweitens, weil es aus ihrer Sicht der Dinge im-
mer noch haufenweise Machos gibt, denen es Bekenntnisse und Quo-
tierungen abzuhandeln gilt.
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