Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK FAMILIE/FRAU - Fröhliches im Intimbereich
zurück
Erziehung
FAMILIENGLÜCK IN THEORIE UND PRAXIS
Nach unseren Entdeckungen über das unstillbare Sinnbedürfnis der
Intelligenz, welches sich gegenwärtig wieder mehr dem Familien-
kreis zuwendet und im Kind den Gegenstand von Engagement und Op-
fer entdeckt, der dies den Eltern danken soll, getrauen wir uns
nicht mehr auszuschließen, daß auch MSZ-Leser, nachdem sie sich
jahrelang von Freund und/oder Freundin haben enttäuschen lassen,
auf die Idee verfallen, sich Kinder anzuschaffen, um endlich ein-
mal ungetrübte Zuneigung verströmen und empfangen zu dürfen, nach
der Devise
Vater werden ist nicht schwer...
--------------------------------
Etwas Gewaltsames hat dieser Gedanke schon, weshalb sich auch in
schöner Regelmäßigkeit Klagen darüber einstellen, daß mit den
Kindern Probleme heranwachsen und Erziehung schwieriger sei, als
einen Sack Flöhe zu hüten. Aber niemand läßt sie deswegen sein.
Im Gegenteil - guter Rat wird sehr geschätzt und soll deshalb an
dieser Stelle unterbleiben. Mit der eifrigen Begutachterei elter-
licher Erziehungspraxis soll diese ja nicht kritisiert, sondern
ihr Erfolg bejammert werden, der sich nie so recht einstellt, wie
die Erziehungs i d e o l o g i e es gern hätte. Das heißt natür-
lich nicht, daß es ihn nicht g i b t: Die brisante Mischung aus
überschwenglicher Liebe und erzieherischem Verdruß, die sich über
das Kind ergießt, hat noch allemal e i n Resultat: Das Kind
lernt, seinen Willen lavierend einzusetzen - ein ebenso trostlo-
ses wie gelungenes Abbild seiner an der Erziehungsfront kämpfen-
den Eltern.
...Vater sein dagegen sehr
--------------------------
"Mach ich es auch richtig?" ist die ängstlich an einem allgemei-
nen Erziehungsmaßstab ausgerichtete Frage der keineswegs nur aka-
demisch gebildeten Mütter und Väter. Als ob Erziehung versagen
könnte. Noch hat jede Gesellschaft mittels Lob und Tadel, Zucker-
brot und Prügeln die junge Generation daran gewöhnt, sich auf
diese Wirklichkeit einzustellen und anständig mitzumachen. Die
alberne Sorge und Unsicherheit der Eltern in Bezug auf die
"richtige Erziehung" entlarvt sich an ihrer praktisch vorgetrage-
nen Sicherheit, daß ihre tagtäglichen willkürlichen Zurechtwei-
sungen des Kindes diesem nicht unbedingt schaden und alle mögli-
chen Nebenwirkungen und eventuelle Spätfolgen beschert. Die Ideo-
logie der Erziehung will dagegen z.B. glauben machen, daß das
Schlimme an prügelnden Eltern nicht darin besteht, daß sie den
Willen ihres Sprößlings brechen wollen, sondern darin, daß sie
die künftige Lernfähigkeit des Erdenwurms und damit dessen Le-
benschancen beeinträchtigen. Weswegen sich auch hartnäckig die
Auffassung hält, daß eine Tracht Prügel noch niemandem geschadet
habe. Auch sein Hosenscheißen zu beenden lernt jedes Kind ebenso
wie Laufen und Sprechen, und "determiniert" wird deshalb in "den
wichtigsten beiden ersten Jahren" noch lange nichts. Hier äußert
sich eben nicht die an sich brave Hoffnung der Eltern, daß es ih-
rem Kind besser gehen möge als ihnen, die sich im übrigen einfach
dadurch praktische Geltung verschaffen könnte, daß es so gut um-
sorgt wird, wie es die Mittel der Eltern erlauben. Vielmehr set-
zen sich die, die es ja so "gut meinen" mit ihren noch so unfer-
tigen und daher als 'süß' geltenden Geschöpfen flott über deren
bißchen Subjektivität hinweg mit der lieblosen Problematisierung,
ob das, was man tut, der Zukunft des Kindes nützt. Daß die sich
daraus bestimmt, was die Gesellschaft in Ausbildung und Beruf
über die Tauglichkeit ihrer Mitglieder befindet, können auch die
besorgten Erziehungsberechtigten nicht vergessen machen, möchten
sie diese Tatsache doch ausgerechnet dadurch leugnen, daß sie ihr
in der F a m i l i e Rechnung tragen und ihren lieben Kleinen
das Leben schwer machen mit dem Anspruch, sie müßten lernen, sich
'ordentlich' aufzuführen, weil nur 'brave' Kinder lieb seien.
Auch wenn kindlicher 'Anstand' keine Karriere als Bundeskanzler
garantiert, so ist man doch stolz, 'alles getan' zu haben, den
Jungbürger im Laufstall mit blöden Vorschriften oder Versprechun-
gen im richtigen Moment zum Kuschen zu bringen und ihn so gesell-
schaftsfähig zu machen.
Die Gewißheit, daß so einem Zwerg gar nichts anderes übrig
bleibt, als seinen Willen in der geforderten unvernünftigen Ma-
nier, was sich im einen Augenblick 'gehören' soll und dann wieder
nicht, auszubilden, trägt sich elterlicherseits als aufmerksamer
Kommentar vor, wie fortgeschritten der 'Entwicklungsstand' des
jeweiligen Häwelmanns gerade ist. Zweifelhaft, wie die Freude der
Alten an der Fähigkeit des Nachwuchses ist, sich auf deren Gebote
einzustellen und auszuprobieren, ob und wie sie sich eignen, ei-
gene 'Ansprüche' anzumelden, kann nicht ausbleiben, daß in der
Familie häßliche Töne aufkommen, wenn der kindliche Wille sich
g e g e n den seiner Erzieher dessen m o r a l i s c h e r
Mittel bedient: was die Blagen gezwungenermaßen ziemlich schnell
und nach ihren kindlichen Bedürfnissen und Möglichkeiten rausha-
ben. Dann läuft das quengelnde Balg voll auf und kriegt hingerie-
ben, daß sie eben nur M i t t e l sind, deren Einsatz den In-
teressen der Erwachsenen obliegt und ihrer Erziehungsgewalt die
irrationale Wucht verleiht, b e r e c h t i g t zu sein. 'Noch
haben wir das (!) Sagen', heißt es da, und das plärrende Kind
lernt, sich beim nächsten Mal taktisch klüger auf die Großen ein-
zustellen, die es zwar nicht verstehen k a n n, von denen es
aber abhängig ist.
Glück im Winkel
---------------
Alles Gezerre um Renitenz und alberne Besserwisserei der Gören,
an dem die Eltern sich über den Grund solch hausgemachter Schwie-
rigkeiten - ihre eigene von erzieherischer Willkür notwendig
durchsetzte Bildungsarbeit an einem 'anständigen Menschen' - klar
werden könnten; gilt i h n e n deshalb nicht als das, was es
objektiv ist, sondern lediglich als 'Problem', weil sie i h r e
ganze Freiheit und i h r Glück darin sehen, die Bornierung des
Jungvolks als d e r e n höchsten Lebenszweck durchzuhalten: Da-
für werden 'Schwierigkeiten' - die der Kinder zumal - g e r n in
Kauf genommen, belegen sie doch einer dümmlichen Erzieherlogik,
daß Unglück und Opfer die edle Absicht der Kinderaufzucht nur
umso strahlender erscheinen lassen. Die arschige Zufriedenheit
solcher Abstraktionskünstler beschert indes weder ihnen noch ih-
ren Opfern die kleine heile Welt, die sie sich abseits der großen
bösen einzurichten trachten. Häuslichen Zank und Streit mit ihren
Bälgern halten sie allein deswegen durch, weil sie ihre Liebe zu
diesen als A u s s c h l u ß von Kritik an sich selbst und ih-
ren Erziehungsvorstellungen sowie an ihrer Brut begreifen - auch
eine Art von L u x u s, die zudem Platz in der kleinsten Hütte
hat. Wie sagte doch eine einfache Frau: "Mein Kind ist mein Le-
ben".
Wo diese Affenliebe hinschlägt, wächst kein Kind mehr gescheit
auf. Seine Dummheit und Schwäche sind ja gerade die Eigenschaf-
ten, auf die der Zirkus a n g e w i e s e n ist, der um sie
herum abgezogen wird. Da wird getätschelt und gehätschelt, geju-
belt, daß der kleine Kerl zu seinem niedlichen Dingsda schon Wi-
wimacher sagen kann und nicht ohne Rührung registriert, wenn er
ihn wieder mal nicht beherrschen kann. Und obwohl es dann
manchmal etwas setzt, weil es D r e c k ist, der ja weggemacht
werden muß, sehen ihn die Muttertiere stets noch im rosigen Licht
der perversen Lobrede Mephistos glänzen: "Von hinten anzusehen -
die Racker sind doch gar zu appetitlich!"
Herrscht diese Einstellung auch über die Geschlechtsunterschiede
des Erziehungspersonals hinweg, so nimmt sie doch in der mütter-
lichen Physiognomie zusätzlich noch k ö r p e r l i c h e Ge-
stalt an - wie sich an ihrem stupiden Gluckengesicht unschwer
feststellen läßt. Das liegt natürlich nicht daran, daß solche
Frauen der Magie dreier K (Kind, Kochtopf, Kirche) verfallen wä-
ren, gegen die dann gern die Berufstätigkeit als 'selbständige'
magisch hochgehalten wird, sondern hat damit zu tun, daß sie ge-
rade als in der Regel zur beruflichen A b h ä n g i g k e i t
g e z w u n g e n e zusätzlich g e b u n d e n sind an den fa-
miliären Zusammenhalt, in dem sie ihre Handvoll Bedürfnisse re-
geln können, zu denen für sie auch das Hecken und Aufziehen von
Kindern gehört; diesem Z w a n g nämlich stellen sie sich
f r e i w i l l i g als ihrer sie vor den Männern auszeichnenden
"größten Aufgabe".
Auch keine reine Freude
-----------------------
Hierfür zu werben haben sich allerdings vor allem ausgesprochene
Profi-Mütter wie die dümmlich glotzende Karin Struck ("Die Mut-
ter") als lukratives Geschäft vorbehalten, wenngleich zu allen
Zeiten auch schon besonders aufgeschlossene männliche Begutachter
der Erziehungsszene mit dieser Propaganda erfolgreich auftraten:
"Das bedeutet das Hüten und Wahren jenes Unbewußten, des noch un-
geballten, deshalb aber gerade ursprünglichen Lebens." (Rosen-
berg, Der Mythus des 20. Jahrhundeits, 551)
Es wird damit auch klar, daß die ideologische Forderung nach
"Aufhebung geschlechtsspezifischer Erziehungsrollen", die die Vä-
ter bis aufs Gebären der erzieherischen Freuden der Mutterschaft
teilhaftig werden lassen möchte, nicht auf der Grundlage männli-
chen Neides auf weibliche Privilegien erwächst, sondern sich der
freien intellektuellen Spinnerei verdankt, dem Kindererziehen
auch noch t h e o r e t i s c h alle möglichen sinnbedingten
Seiten abzugewinnen, um das imaginäre Vergnügen an ihm noch zu
steigern.
Diesen Luxus leisten sich mehr und mehr Eltern, die offenkundig
mehr Zeit als ihre ins Berufsleben eingespannten Nachbarn haben,
die angeblich nicht so kinderlieb sind - was zwar nicht stimmt,
von erzieherisch gebildeten Eltern aber trotzdem regelmäßig damit
"bewiesen" wird, welches Theater s i e mit ihren Superbabies
anstellen: Was sie "alles fürs Kind" tun, unterscheidet sich näm-
lich neben einem gewissen materiellen Mehraufwand für dessen Ver-
sorgung im wesentlichen nur durch m e h r U n s i n n bei des-
sen blödem Belabern als Erziehungsproblem. Da will man wissen,
daß "Hautkontakt" besser ist als Kinderwagen, weshalb man sich
die süße Last auf den Buckel schnallt, streitet über die notwen-
dige Länge der Stillzeit, die mangels Milch dann doch nicht so
lange ist wie bei irgendwelchen Negervölkern ('wie machen die das
bloß?'), rennt mit Handbüchern und Fachzeitschriften durch die
Gegend, die unwidersprochen behaupten, seinen Kindern mit Süßig-
keiten "etwas Gutes" zu tun, sei höchst gefährlich, weil die sich
"später dann nicht selten mit anderen Stoffen, die durch den Mund
aufgenommen werden: durch Zigaretten, Alkohol oder sogar Drogen",
(Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit) trösten,
usw. usf.
Wo bleibt da der Klassencharakter?
----------------------------------
All diese albernen Annahmen ändern im Prinzip überhaupt nichts an
der erzieherischen P r a x i s, die auch in bürgerlichen Fami-
lien die kleinen Ekel hervorbringt, die es mittels der verrückten
Zuwendung ihrer Eltern gelernt haben, wie man eine sachgerechte
Behandlung ihres "Falles" von Erziehung zu fordern hat. Weil sie
in den elementaren Kunstgriffen moralischer Verarschung des lie-
ben Nächsten so gut geschult werden und nach allen Regeln der
Kunst aufgeklärt sind über die an ihnen verfolgten Erziehungs-
ziele, entdecken sie alsbald eine Chance darin, sich als das Er-
ziehungsproblem aufzuspielen, als das sie zur Ausbildung ihrer
kleinen Persönlichkeit immerzu behandelt worden sind. Bei der
Entfaltung dieser Kunst mögen Kindsköpfe, die in den exzessiven
Genuß tagtäglicher Vorführung als a n g e h e n d e Erwachsene
gelangen, größere Fähigkeiten entwickeln, sich entsprechend dar-
zustellen. Das erlaubt ihnen dann zwar, ihren kindischen Charak-
ter besser zur Geltung zu bringen - sie sind entweder brav nicht
nur in dem Bewußtsein, das bringe vielleicht was, sondern in dem
Selbstbewußtsein, das sei schon was, oder sie sind ungezogen, wo-
bei sie sich dieselbe gehobene Bedeutung andersherum ausrechnen -
, aber der Vorteil, auch gegenüber ihren Altersgenossen, liegt
deshalb noch lange nicht auf ihrer Seite, weil ihre Mittel sich
im Unterschied zu denen der Älteren aufs Bravsein und dessen Ver-
weigerung beschränken und ein Gleichaltriger ihnen allemal eins
auf die Nase geben kann. Die besondere charakterliche "Bildung"
der Widerlinge aus "gutem Hause" darf man also getrost übergehen
- ebenso wie die besondere Einbildung ihrer Erzeuger, was einige
Freunde egalitärer Erziehung zwar auch wieder nicht gern hören
werden, aber in diesem Land dank elterlicher Hilfe schon durchge-
setzt ist.
zurück