Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK FAMILIE/FRAU - Fröhliches im Intimbereich
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Die Deutschen - zu wenig?
KOPFPRÄMIEN FÜR EMBRYOS
hat Familienminister Geißler ausgesetzt. Die dürfen natürlich
nicht so, heißen, aus "humanitären" Erwägungen - und sind auch
keine; denn dafür, daß das Kinderkriegen sich finanziell lohnt,
sorgen sie ja gar nicht.
Zwischen 1.350,- und 3.000,- D-Mark kann die Regierungsstiftung
"Mutter und Kind" an Frauen auszahlen, die unerwünschte Kinder
austragen. Damit ist keineswegs vorgesehen, daß diese Frauen auf
jeden Fall eine finanzielle Unterstützung bekommen. Die christli-
che Stiftung zur Pflege der deutschen Rasse dient einem höheren
Beweisziel: Weil es für unterlassene Abtreibungen ein paar Mark
geben könnte, kann es überhaupt keine "soziale Indikation" geben,
materielle Gründe also, "Vater Staat" keine Kinder schenken zu
wollen.
"Dem Führer Kinder schenken" -
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diese Zeiten sind bekanntlich vorbei. Die Mutterkreuze wurden ab-
geschafft. Heute herrschen Freiheit und Demokratie - da können
Frauen gar keine bloßen "Gebärmaschinen" sein. Deswegen können
sie aber erst recht nicht einfach machen, was sie wollen. Bei so-
viel Freiheit muß einfach jede anständige deutsche Frau Kinder
zur Welt bringen wollen - egal, ob i h r p e r s ö n l i c h
der "Kindersegen" paßt oder nicht.
Kinderkriegen - eine intime Angelegenheit, die nur die glückli-
chen Eltern etwas angeht? Wo kämen wir denn da hin?! Bei uns ist
die Privatsphäre schließlich staatlich geschützt. Also ist der
Staat auch dafür zuständig. Die F a m i l i e hat er sogar un-
ter seinen besonderen Schutz gestellt. Also ist die Staatsgewalt
auch ganz besonders fürs Vorschriftenmachen verantwortlich. Die
Produktion der zukünftigen Untertanen ist eine viel zu wichtige
Angelegenheit, als daß sie ein ordentlicher Rechtsstaat einfach
der Lebensplanung irgendwelcher Privatleute überlassen könnte.
Deshalb ist es nur konsequent, wenn Politiker, die mit dem
"geborenen Leben" ihrer Untertanen sehr verschwenderisch kalku-
lieren, mit dem Paragraphen 218 ihren Anspruch auf jedes
"ungeborene Leben" geltend machen.
Dieses Gesetz geht erstens davon aus, daß Kinder hierzulande häu-
fig kein Grund zur Freude, sondern ein P r o b l e m sind. Des-
wegen befiehlt das Gesetz zweitens unter Androhung von Gefängnis-
strafen, daß dieses P r o b l e m n i c h t z u g e l t e n
h a t. So bringt man werdende Mütter in Not.
Wenn dasselbe Gesetz, das die Notlage für die Frauen
s c h a f f t, auch noch gewisse, genau festgelegte
A u s n a h m e n definiert, wann ein Schwangerschaftsabbruch
erlaubt werden kann - dann hat man das als großzügiges staatli-
ches Entgegenkommen zu sehen und zu würdigen. Damit wurde in der
sozialliberalen Ära Politik gemacht. Organisationen wie Pro Fami-
lia waren zur Durchsetzung solch "fortschrittlicher" Familienpo-
litik vorgesehen. Innerhalb der durch den Paragr. 218 geschaffe-
nen Notlage wurde den werdenden Eltern ein bißchen Berechnung zu-
gestanden - ein Interesse, dem Terror eines Haushalts mit Kindern
ohne genügend Mittel zu entgehen.
Genau diese Aufgabe haben die Beratungsstellen auch erfüllt. Als
"Vermittler" zwischen Frauen in Not und der Rechtslage haben sie
sich um die Verwaltung und Regelung der A u s n a h m e n vom
generellen Abtreibungsverbot gekümmert. Auf die Erklärung, daß
die Hauptaufgabe ihrer Organisation darin besteht, Frauen "in Ge-
wissensnöten" zu helfen, sich zum "Ja zum Kind" durchzuringen,
legen die Vertreter von Pro Familia den größten Wert. Sie haben
damit einem Paragraphen zu einem "menschlichen Gesicht" und zur
Durchsetzung verholfen, dessen Klartext die Männer von der Chri-
sten-Union so vorbuchstabieren:
"Das Bundesverfassungsgericht erklärte 1975 eindeutig, daß der
Lebensschutz des ungeborenen menschlichen Lebens für die gesamte
Zeit der Schwangerschaft Vorrang habe vor dem Selbstbestimmungs-
recht der Schwangeren. Nur Umstände erheblichen Gewichts und Kon-
flikte von solcher Schwere, daß von der Schwangeren über ein be-
stimmtes Maß hinaus Opfer zugunsten des ungeborenen Lebens mit
den Mitteln des Strafrechts nicht erzwungen werden können (!!),
können einen Schwangerschaftsabbruch rechtfertigen."
Ein klares Wort! Wo selbst d a s G e f ä n g n i s
v e r s a g t, fängt das Reich der Freiheit an, die ein christ-
licher Moralathlet vom Schlage Heiner Geißlers einer werdenden
Mutter zugestehen will.
Pro Familia hat diesen Zwang als Vergünstigung verkauft; das paßt
dem Minister nicht. Dieser Art von Beratung will er die staatli-
chen Geldhähne zudrehen. D a f ü r wurde die Stiftung 'Mutter
und Kind' geschaffen. Jede noch so familienfreundliche Rücksicht-
nahme auf die Lebensumstände der betroffenen Frauen ist diesem
Staatsmann der Wende ein Greuel. Wenn in unserer freiheitlichen
Demokratie einer bestimmt, wann wieviele Kinder nötig sind, dann
sitzt er in der Regierung. Einen Grund, auf die Geburt eines
neuen Staatsbürgers zu verzichten, kennen Politiker vom Schlage
eines Heiner Geißlers schon: Voraussehbare 'Mißgeburten'.
'Mißgeburten'
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müssen nicht ausgetragen werden. Dieselben Herren, die sonst bei
jeder Gelegenheit mit farbigen Glanzfotos von Embryos winken und
Reden über den unantastbaren, gottgewollten Wert jeder Eizelle
halten, wissen ganz genau, wo für sie der Wert menschlichen Le-
bens beginnt. Mit Verlaub, Herr Geißler, wo steht das denn ge-
schrieben, daß ein Krüppel keine Seele hat, Sie Christ, Sie! Aber
aus der katholischen Morallehre werden Sie Ihr Unterscheidungs-
merkmal auch nicht haben. Viel eher schon von einem anderen deut-
schen Staatsmann, der auch viel über "unwertes Leben" wußte. Denn
nützlich muß das Untertanenvolk sein. Leute, die von Natur aus
dem Staat nichts nutzen und nur Kosten bereiten, will sich ein
Staat, der Großes mit seinem Volk vorhat, nicht leisten. Die dür-
fen großzügigerweise weiterhin abgetrieben werden.
Man kann das ganze Problem natürlich auch anders sehen: Es gibt
viel zu wenig Deutsche und viel zu viele Menschen. Siehe nebenan!
***
Hans Heigert im Leitartikel der Süddeutschen Zeitung vom 16.7.84
"Die medizinische Photographie hat ans Licht gebracht, was andere
Wissenschaften vorher konstatiert hatten, daß nämlich ein neuer,
anderer, eigener Mensch schon kurz nach der Nidation erkennbar
ist. Der elende Spruch 'mein Bauch gehört mir' ist damit natur-
wissenschaftlich widerlegt worden."
Dümmer geht's kaum noch: Den Embryo, der abgetrieben werden soll,
g i b t es tatsächlich! Und was ist damit streng
"naturwissenschaftlich" bewiesen? - Die Bäuche stecken voller Pa-
ragraphen und gehören ganz und gar Kohl, Geißler und Co.
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Familienminister Heiner Geißler:
"Wenn schon private Unannehmlichkeiten ausreichen, Kinder zu tö-
ten, darf man sich über keine wie immer geartete Grausamkeit die-
ser Welt wundern."
Im Klartext:
Wenn es schon das alleinige Recht des Staates ist, über Leben und
Tod zu entscheiden,
wenn die legitimen Staatsinteressen es schon erforderlich machen,
daß die Herren in Bonn sich eine Armee mit modernstem Tötungsge-
rät halten und ihrem Volk eine private Unannehmlichkeit nach der
anderen bescheren,
wenn schon "unsere" freiheitlichen NATO-Interessen jede wie immer
geartete Grausamkeit in aller Welt rechtfertigen,
- dann haben sich die Untertanen auch gefälligst bedingungslos
als Material dafür zur Verfügung zu stellen.
***
Der bayerische Kultusminister Hans Maier auf dem Katholikentag:
"Ich wünsche mir, daß die Tötung ungeborener Menschenkinder in
diesem Lande genauso viel Emotionen auslöst wie die Tötung von
Robbenbabies im fernen Kanada."
Konsequent gedacht, Herr Kultusminister, deshalb rennen Sie mit
Ihrer Aufforderung vermutlich offene Türen ein. Wer nämlich,
wenn's ums Töten geht, so hartnäckig in den Kategorien von
S c h u l d u n d U n s c h u l d d e s O p f e r s denkt,
daß ihm das Schlachten von Tier b a b i e s die Tränen in die
Augen treibt, dem wird zum Thema 'Abtreibung' garantiert auch
einfallen, daß der Embryo nichts dafür kann.
Bei weniger niedlichem Viehzeug und ausgewachsenen Menschen sieht
die Sache selbstverständlich anders aus.
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