Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK BESCHAEFTIGUNG - Vom demokratischen Arbeitsdienst


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       Die Ideologie der Woche
       

PROBLEM NR. 1: ARBEITSLOSIGKEIT

Bild ansehen Das größte Problem "DAS GRÖSSTE PROBLEM in den westlichen Industrieslaalen heißt Ar- beitslosigkeit. Obwohl die Wirtschaft in den westlichen Indu- strieländern seit 1983 Jahr für Jahr gewachsen ist, nimmt die Zahl der Erwerbslosen nicht ab. Im Gegenteil: sie steigt. ("Süddeutsche Zeitung", 4.5.) Wer hat denn eigentlich Probleme mit den Millionen Arbeitern, denen mit der Beschäftigung auch der Lohn gestrichen wurde? D i e U n t e r n e h m e r? Die haben doch dafür gesorgt, daß ihre Belegschaften ausgedünnt wurden. Die Entlassungen von Leu- ten, deren Anwendung im Betrieb nicht mehr rentabel ist, ist das Ergebnis geschäftstüchtiger unternehmerischer Kalkulationen und sonst nichts. Von wegen "obwohl" die Wirtschaft wächst! Ihr Wachstum produziert außer den entsprechend ungemütlichen 'Arbeitsplätzen' auch die 'Arbeitslosen'! D i e P o l i t i k e r? Die sind erstens schwer dafür, daß die deutsche Wirtschaft weltweit Maßstäbe in Sachen Produktivität setzt. Dazu müssen selbstverständlich Rationalisierungen mit ih- ren "leider unumgänglichen" Entlassungen durchgeführt werden. Zweitens können sie sich mit ihrem Gelaber über das "brennende Problem der Arbeitslosigkeit" und ihren grandiosen Lösungsvor- schlägen hervorragend in Szene setzen. Das Geld für die Armuts- Verwaltung knöpfen sie weitblickend den (Noch-)Beschäftigten per Quellenabzug ab. Und die Begründung, daß bei steigenden Arbeits- losenzahlen das Arbeitslosengeld gekürzt werden muß, beherrschen sie perfekt. D i e G e w e r k s c h a f t e n? Die setzen doch unter jede Kündigung ihre Unterschrift - wenn sie 'betriebsnotwendig' ist. Daß sich Beschäftigung für ein Unternehmen lohnen muß, leuchtet ihnen schwer ein. Das Wachstum darf durch keine gewerkschaftliche Forderung geschmälert werden. Genug Geld, "obwohl" arbeitslos, kommt also schon gleich nicht in die Tüte. Das verbietet die Lohngerechtigkeit, die ohne profitablen Dienst Schaden leidet. Lieber fordern die Arbeitervertreter: Noch mehr Wachstum und In- vestitionen für Arbeitsplätze! Wenn dafür immer mal wieder Ar- beitsplätze gestrichen werden, fragen die gewerkschaftlichen Funktionäre, ob das dem Erhalt der verbleibenden dient. So gese- hen sind Entlassungen leider unvermeidlich. Aber nur unter ge- werkschaftlicher Mitwirkung. Außerdem berechtigen sie zum Ruf nach der Politik, die den "Kampf gegen die Arbeitslosigkeit" nicht entschieden genug führt. Da kann dann die Gewerkschaft auch nichts machen. U n d d i e A r b e i t s l o s e n s e l b s t? Die haben zwar jede Menge Probleme, werden aber erstens sowieso nicht ge- fragt. Zweitens haben sie andere Sorgen und können sich nicht auch noch darum kümmern, ob in Presse, Funk und Fernsehen auch genügend über sie als "nationales Problem" diskutiert wird. Drit- tens könnten sie überhaupt nichts unternehmen in Sachen "Kampf der Arbeitslosigkeit". Denn wie sollten diejenigen, die vom Kapi- tal nach dessen Geschäftsbedarf gerade entlassen werden, ihre An- wender dazu zwingen, sie weiterhin lohnend zu benutzen?! zurück