Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK BESCHAEFTIGUNG - Vom demokratischen Arbeitsdienst
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Nicht nur Bonn ist die Familie teuer:
SIPPENHAFT - STATT ARBEITSLOSENHILFE
Daß Zahlungen der Bundesanstalt für Arbeit nicht dafür da sind,
Arbeitslose durchzufüttern, ist schon lange oberster staatlicher
Grundsatz und durchgesetzte Praxis. Jüngstes Beispiel dafür ist
eine Entscheidung des Parlaments, die ab 1. Juli in Kraft tritt:
"Der Bundestag verabschiedete eine Veränderung der Arbeitslosen-
hilfe-Vorschriften, die die Anrechnung sogenannter fiktiver Un-
terhaltsansprüche bestätigt. Arbeitslose haben so nur dann An-
spruch auf Arbeitslosenhilfe, wenn sie alle Unterhaltsansprüche
etwa gegenüber Eltern, Kindern und geschiedenen Ehepartnern
ausgeschöpft haben... Danach gilt ein Arbeitsloser nicht mehr als
bedürftig, wenn er auf Unterhaltsansprüche verzichtet oder Hand-
lungen unterläßt, die Voraussetzung für das Entstehen oder Fort-
bestehen eines derartigen Anspruchs sind." (Süddeutsche Zeitung
vom 3./4.6.)
Nötig wurde die Vorschrift, weil das Bundessozialgericht der Pra-
xis der Arbeitsämter, die immer schon so verfahren sind, in ver-
schiedenen Fällen widersprochen hatte. Nun herrscht endlich
Rechtsklarheit: Die Richter fällen keine falschen Urteile mehr,
die Arbeitsämter können ab jetzt ganz beruhigt das tun, was sie
schon immer getan haben, und diejenigen, die jahrelang eingezahlt
haben, müssen kapieren, daß der Sozialstaat nicht dafür da ist,
um die unter dem Titel Arbeitslosenversicherung einkassierten
Gelder für relativ chancenlose Arbeitssuchende aus dem Fenster zu
werfen. Die müssen zuerst Eheleute, Kinder und Eltern zur Kasse
bitten, wenn sie deutlich über dem Sozialhilfesatz liegen und so-
gar noch denjenigen zur Last fallen, denen sie per Scheidung zu-
künftig aus dem Weg gehen wollten.
Das ist praktische Solidarität, wie der Sozialstaat sie liebt.
Nach dem Motto: Wenn schon Armut, dann bitteschön aber auch soli-
darisch! betreibt Bonn Familienpolitik im wohlverstandensten
Sinne. Sie schont die staatlichen Kassen und macht auch dem letz-
ten Arbeitslosen klar, daß seine Familie alles andere als seine
Privatsache ist, ganz gleich, ob er selber jemals an die Gründung
einer solchen staatlichen Zwangsanstalt gedacht hat oder wie alle
anderen einfach nur hineingeboren wurde.
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