Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK ALLGEMEIN - Die Verwaltung der Armut


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       Bremen aktuell
       

CHRISTDEMOKRAT URBAN VERGEIGT

die Masche des Herrn. "Selig sind die Armen", hat Jesus im Geiste gepredigt und Generationen von Führungspersönlichkeiten nahege- bracht, wie man Armut anrichten und bei den Armen populär bleiben kann. Man muß sie ehren: Klasse Vorleistungen fürs Himmelreich! Oder mehr weltlich: Die bringen Opfer, mittellos und doch anstän- dig, alle Achtung! Und da verfällt der CDU-Abgeordnete Georg Ur- ban auf den unseligen Einfall, 50.000 Sozialhilfeempfängern in Bremen einfach abzusprechen, daß sie arm seien. Ein Aufschrei im Blatt des immer kleinen Mannes: "Keine Armut in Bremen? Mein Papi hat nicht mal Geld für meine Geburtstagskerzen... Schon morgens um 9 Uhr klingelten die Tele- phone, dutzende Bremer erzählten - oft unter Tränen - von ihrem schweren Schicksal." (BILD 10.1.) Nicht, daß der BILD-Papi Kerzen haben will, Unmäßiges schon gleich gar nicht, und zu nahetreten wollen die "dutzenden Bremer" auch niemandem. Für sie ist Armut ja ein "Schicksal"! Aber eines verlangt in ihrem Namen der BILD-Kommentator doch: "Armut gibt's leider doch... Auch der CDU-Abgeordnete Georg Urban hätte sie wissen können, mehr noch: wissen müssen. Dann hätte er nicht gewagt zu behaupten: In Bremen gibt es keine Armut. Es gibt sie, und sie tut weh, Herr Urban!" Prompt auf Sendung waren die Ministranten des frommen Henning Scherf: "CDU verharmlost das Armutsproblem eb. Wer meint, daß das Sozialhilfeniveau kein Armutsproblem dar- stellt, soll den Beweis antreten, wie komfortabel sich mit 392 Mark monatlich leben läßt. Mit diesem Vorschlag hat jetzt die So- zialbehörde auf die Ansicht des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Ge- org Urban reagiert, arm sei nur, wer nicht alle rechtlichen Mög- lichkeiten der Hilfe zum Lebensunterhalt ausschöpfe. damit werde die wachsende Armutsproblematik verharmlost, stellt die Behörde fest. Die Wirklichkeit sehe so aus, daß Essensausgabe und Klei- derkammern der Wohlfahrtsverbände einen Zulauf wie in den Nach- kriegsjahren hätten. 40 Prozent der 23000 Sozialhilfehaushalte in Bremen seien allein wegen Arbeitslosigkeit abhängig von Leistun- gen des Sozialamtes." (WK 10.1.) Die Pfennigfuchster vom Sozialamt müssen es ja wissen, was sie anrichten. Leute verarmen, das ist doch keine Schande. Aber dazu nicht stehen: Pfui, Pfui... zurück