Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK ALLGEMEIN - Die Verwaltung der Armut
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 1, 23.10.1979
WAS EIN KÜNFTIGER SOZIALARBEITER LERNEN MUSS
Sozialarbeit studiert man nicht einfach, wie man Maschinenbau,
Betriebswirtschaft oder Sprachen studiert. Bei Sozialarbeit geht
es einem darum, später einmal M e n s c h e n zu h e l f e n,
und zwar denen, die in dieser Gesellschaft nicht ordentlich zu
Rande kommen. Und wer im FOS-Praktikum seine ersten Erfahrungen
mit der landläufigen Sozialarbeiterpraxis gemacht hat, der ist in
aller Regel der Auffassung, e r möchte einmal mit seinen Klien-
ten besser verfahren, ihnen effektiver helfen. Ihn stört aufgrund
seiner Erfahrungen die Tatsache, daß die Klienten eine staatliche
oder von Verbänden getragene Unterstützung bekommen, die ihr
Elend möglicherweise etwas lindert, aber 1. verändern diese Hil-
fen nicht g r u n d s ä t z l i c h deren Lage, weshalb sich
die Klienten i.d.R. nach kürzester Zeit in derselben Notlage wie-
derfinden, die Ursachen ihres Elends werden nämlich nicht besei-
tigt, und 2. handelt es sich stets nur um Einzelfälle, deren Si-
tuation verbessert wird, an anderer Stelle entsteht aber immer
wieder die gleiche Not. Solche Sozialarbeit ist darum eigentlich
Sisyphusarbeit.
Klarstellungen seitens der Sozialpädagogik
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Mit seinen Vorstellungen, daß sozialarbeiterische Handwerkelei
ein trostloses Geschäft ist und man deshalb Lösungen der Probleme
suchen müsse, scheint der angehende Sozialarbeiter bei der wis-
senschaftlich betriebenen Sozialpädagogik an der richtigen
Adresse:
"So ist die Sozialpädagogik, um ihrer eigenen Wirksamkeit willen,
gezwungen, in ihre Konzeption aufzunehmen... die objektiven Be-
dingungen der entstehenden Hilfsbedürftigkeit wie der Hilfe
selbst." (Mollenhauer)
Und weil jedem, der sich damit beschäftigt, klar ist, daß die
verschiedenen Formen des Elends in dieser Gesellschaft nicht ein-
fach Z u f a l l s produkte sind, sondern ihre Gründe in der
spezifischen Form des Reproduktionsprozesses dieser Gesellschaft
haben, ist der Sozialpädagoge gesellschafts k r i t i s c h:
"... so sah und sieht sich die Sozialpädagogik dem W e r d e n
dieser Gesellschaft gegenübergestellt, d.h. konkret: den Schäden,
die sie dem Menschen zufügt oder zuzufügen im Begriffe scheint.
So produziert die Gesellschaft im Sozialpädagogen einen ihrer
heftigsten Kritiker. Durch die immer wieder neu auftretenden
Schäden gibt sie der Kritik immer neue Nahrung. (ders.)
Der aufmerksame Leser muß sich nun freilich fragen, ob diese
"heftige Kritik" auch bereit ist, die Konsequenz aus dem Gesagten
zu ziehen. Wenn die G e s e l l s c h a f t kritisiert wird,
weil sie ständig die Schäden produziert, muß man doch fragen,
w o d u r c h dies geschieht. Wenn die Schäden "immer wieder neu
auftreten", hat es auch keinen Sinn, an den jeweiligen Opfern
herumzuarbeiten, muß man vielmehr die Ursachen bekämpfen.
Ein Sozialpädagoge freilich zieht eine andere Konsequenz:
"Eine Gesellschaft, die die Möglichkeit einer eigenen Veränderung
nicht denken k a n n (?) (weil sie sich absolut setzt), nicht
diskutieren will, (weil sie, obschon aufgeklärt, an der Stabili-
sierung des Gegebenen, aus welchen Gründen auch immer (dem Sozi-
alpädagogen sind sie also wurscht!) interessiert ist) oder vor
dieser Möglichkeit resigniert (das wirds sein!), kommt mit: einem
eingeschränkten Erziehungsbegriff... aus (eine harte Kritik). Die
Erziehungsplanung ist dann isoliert, fungiert als Zuträger zu
dieser Gesellschaft, bestätigt deren Faktizität, damit aber auch
jene Bedingungen, die einen Teil der Sozialpädagogik zwingen,
sich mit immer den gleichen Notständen zu befassen. Die Möglich-
keit der Aufklärung dieser Bedingungen und ihrer planenden Einbe-
ziehung in den Erziehungsvorgang ist heute für einen angemessenen
Begriff der Erziehungswirklichkeit konstitutiv."
Ganz entgegen seiner Thematisierung g e s e l l s c h a f t l i-
c h e r Gründe beharrt er darauf, das Ganze als p ä d a g o-
g i s c h e s Problem zu sehen. Er bleibt seinem Berufsstand
treu und will sich nach wievor mit den Opfern zu schaffen machen
und denen e r z i e h e r i s c h e Maßnahmen angedeihen
lassen, so als ob es an i h n e n läge, wenn die
G e s e l l s c h a f t ihnen "Schäden" zufügt -, wodurch die
Schäden zwar nicht behoben, aber die Geschädigten daran gewöhnt
werden, sich auf manierliche Weise abzufinden. Nur meint der
Sozialpädagoge - und das ist das, was einen fortschrittlichen von
dem des alten Schlags unterscheidet - tue eine "pädagogische
Wende der Gesellschaft" not; und er verordnet ihr deshalb einen
"angemessenen Begriff der Erziehungswirklichkeit". Was heißen
soll - und jetzt stellt er alles völlig auf den Kopf -, eben die
Bedingungen, die für die "immer gleichen Notstände sorgen", pla-
nend in den Erziehungsvorgang einzubeziehen". Wie das wohi gehen
soll? Der Rausschmiß wird planend in die Erziehung des Arbeitslo-
sen einbezogen, zu teure Mietwohnungen als Erziehungshilfe für
Obdachlose!? Aber nicht umsonst hat Mollenhauer es auf einen
"angemessenen Begriff" abgesehen, und den sollen sich eben seine
Klienten, die angehenden Sozialarbeiter, zueigen machen: Wenn sie
schon darauf verpflichtet werden, sich mit pädagogischer Kurpfu-
scherei an den Opfern der Wohlstandsgesellschaft zu schaffen zu
machen, dann garantiert ihnen ein "kritisches Bewußtsein", das
hinten und vorne die gesellschaftliche Bedingtheit der eigenen
Tätigkeit zu z i t i e r e n weiß, eine "reflektierte" Stellung
zum eigenen Tun. "Hilfe", die den Hilfsbedürftigen nur das eine
beibringt, daß sie ihre Bedürftigkeit in gesitteter Form zu er-
tragen haben, verschafft sich ein gutes Gewissen dadurch, daß
mehr ja auch nicht m ö g l i c h sei, weil ja eben diese
gesellschaftlichen Bedingungen...
Im übrigen kann man das auch ganz plump ausdrücken:
"Wir wissen, daß an allem der Kapitalismus schuld ist, aber wie
kann man hier und heute helfen." (Rothenhan)
Was der Student aus dem sozialkritischen Gerede also als Lehre
für sich zu ziehen hat, ist ganz einfach: Daß seine Arbeit keine
Abhilfe des Elends sein wird, soll ihn nicht stören, schließlich
ist Gesellschaftsveränderung nicht sein Job. Er hat sich trotzdem
und gerade deswegen um so eifriger zu bemühen, seinen Klienten
eine sozialpädagogische Betreuung angedeihen zu lassen. Dabei hat
er denn auch keinen Grund, zu resignieren, denn er erfährt - wenn
er es richtig sieht - immer wieder neu "das Glück der pädagogi-
schen Begegnung im persönlichen Bezug" und daneben eröffnet sich
für ihn ja immer noch das weite Feld sozialkritischer Nörgelei.
Für den Sozialpädagogen ist die Welt von vorneherein eine, die
nach pädagogischen Maßnahmen nur so schreit. Zu dem derzeitigen
"Problem Nr. 1", der Arbeitslosigkeit, mag ihm sogar noch einfal-
len, daß hier die Unternehmen durch Rationalisierungsmaßnahmen
auf Kosten der Arbeiter ihre Gewinne hochhalten, und daß der ka-
pitalistische Produktionsprozeß, weil er auf der Ausbeutung der
Arbeitskraft beruht, die Ursache des Elends der Arbeiter ist,
aber e r wird "Arbeitsloseninitiativen" gründen. Darin wird er
feststellen, daß die Arbeitslosen Gefahr laufen, ihr
"Selbstwertgefühl zu verlieren" (daß sie ihr Auskommen verlieren,
ist kein sozialpädagogisches Problem). Darum wird er ihnen ermög-
lichen, daß sie ihre Probleme und Erfahrungen in Gruppen austau-
schen können. Schließlich werden daraus dann die Überlegungen re-
sultieren, wie sie durch eigene v e r m e h r t e Anstrengungen
wieder zu Arbeitsplätzen kommen können, auf denen sie schlechter
als früher bezahlt werden. Das ist "Hilfe hier und heute".
Die wissenschaftliche Fundierung der Moral
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Der angehende Sozialarbeiter, dem nun klar sein muß, daß sein so-
ziales Engagement, das er mitzubringen bereit ist, durchaus will-
kommen ist, wenn er es an der richtigen Stelle nutzbar macht, muß
im Studium freilich noch lernen, wie er die Probleme seiner künf-
tigen Praxis wissenschaftlich einzuordnen hat. Immer wieder wird
er z.B. mit Leuten konfrontiert werden, die sich störend gegen-
über den normalen Verkehrsformen dieser Gesellschaft verhalten.
So gibt es z.B. Jugendliche, die von Zeit zu Zeit sich Sachen an-
eignen, die ihnen nicht gehören. Was ist mit denen los?
Einem Entwicklungspsychologen fällt als wissenschaftliche Erklä-
rung dieses Phänomens ein, man sollte ihr Verhalten als "soziale
Delinquenz" bezeichnen. Damit ist zunächst einmal klargestellt,
daß dieses Verhalten nicht normal ist, zweitens, daß diese Leute
eine Disposition zu solchem Fehlverhalten haben, es ihnen an der
Fähigkeit mangelt, "i h r e Schwierigkeiten" zu lösen. Für
einen Psychologen ist also jemand, der Sachen stiehlt, die er ha-
ben will, aber sich nicht leisten kann, nicht einer, der etwas
tut, wodurch er mit dem Gesetz in Konflikt gerät, sondern einer
mit abartigen N e i g u n g e n und unentwickelten F ä h i g-
k e i t e n mit sich selbst fertigzuwerden.
Zwar ist auch dem Entwicklungspsychologen klar:
"Die überwiegende Mehrzahl von jugendlichen Deliquenten kommt aus
armen Familien, die in absteigenden armseligen Wohngebieten, di-
rekt an das Zentrum der Stadt anschliessend leben." (Mussen),
doch dieser Umstand ist ihm keinen weiteren Gedanken wert, reicht
ihm doch ein Blick in die Statistik zu dem Schluß, den er ziehen
will:
"Aber nur ein geringer Teil von Kindern aus armen Familien, die
in Slums leben, wird tatsächlich kriminell"
Die Tatsache, daß nur ein Teil dieser Leute das Risiko in Kauf
nehmen, eingebuchtet zu werden, und die anderen auf Grund der
Drohung staatlicher Gewalt sich ihre Moral behalten "lieber arm
aber ehrlich", macht für den Entwicklungspsychologen den Schluß
zwingend:
"Das heißt aber, daß die sozioökonomischen Faktoren nicht die al-
leinige Ursache der Kriminalität sind."
Und so kommt er seinem eigentlichen Anliegen immer näher:
"Daraus ergibt sich, daß die Jugenddelinquenz allein durch ökono-
mische Hilfsprogramme nicht abgeschafft oder bedeutend reduziert
werden kann. Delinquente (und potentielle Delinquente) benötigen
daneben auch soziale und psychologische Hilfe, um ihre persönli-
chen (!) Probleme adäquater lösen zu können; sie bedürfen sogar
i n e r s t e r L i n i e (na endlich!) dringend der psycholo-
gischen und sozialen Hilfe, und auch die Eltern müssen erzogen
werden, damit sie zu ihren Kindern bessere Beziehungen herstellen
können."
So ist eben letzlich doch alles ein Erziehungsproblem und vor al-
lem ein Versagen der Eltern, die das zugige Barackenleben nicht
mit entsprechend viel Nestwärme kompensiert haben.
Der analytische Psychologe ist sich mit dem vorgenannten darin
einig, daß "abweichendes Verhalten" nicht geht, und daß man des-
halb die Leute ändern muß. Daher erfährt auch bei ihm das Phäno-
men, daß gewisse Leute diese Ordnung nicht sonderlich lieben,
weil sie an ihr zugrundegehen, und deshalb sich nicht dran hal-
ten, die großartige wissenschaftliche Erklärung, daß es eben kein
ordentliches Verhalten ist. Den Grund für ihr Verhalten verlegt
er jedoch in eine gestörte Mutter- bzw. Vaterbeziehung seit frü-
hester Kindheit, die zu mangelnder oder übersteigerter Überich-
bindung führte. Deshalb gilt es zunächst mal, die Kindheitserleb-
nisse zu analysieren und dem Klienten seinen verfehlten Umgang
mit seinen Trieben aufzuzeigen. Selbstverständlich ist also auch
für diese Wissenschaft, daß jeder, der Sachen macht, die nicht
normal und nicht erlaubt sind, vernünftige Gründe dafür nicht ha-
ben kann, weshalb wissenschaftlich dafür das Unterbewußte verant-
wortlich gemacht wird. Darum verpflichtet sie ihn in der Thera-
pie, s i c h zu problematisieren, warum er sich nicht, so wie
es von ihm gefordert ist, verhalten könne.
Die Psychologen machen dem künftigen Sozialarbeiter also klar,
daß er seinen Klienten mit den falschen Abstraktionen der Psycho-
logie betrachten soll. Von den Gründen der Klienten und dem in
seinen Taten sich äußernden Willen sollen sie gerade absehen, in-
dem sie seine Handlungen als abweichendes V e r h a l t e n
fassen. Dann ist auch die Aufgabe derer, die mit ihnen zu tun ha-
ben, klar, Abweichler dazu zu bringen, künftig den Normen adäqua-
tes Verhalten an den Tag zu legen.
Von der Pädagogik wird dazu die schöne Legitimation beigesteuert.
Man soll nicht meinen, Leute, die in einer beschissenen Situation
sind, dazu zu bringen, sich auf jeden Fall an die Spielregeln der
bürgerlichen Gesellschaft zu halten, sei ein gewaltsames Ge-
schäft. Wenn Giesecke z.B. definiert:
"Dissozialität erweist sich also als fehlgeschlagene Kompensation
einer mißlungenen Identifikation",
dann drückt er unmißverständlich aus, was er von solchen Jugend-
lichen hält: Weil sie nicht tun, was sie sollen, haben sie
s i c h s e l b s t nicht gefunden. Womit klargestellt ist, was
man - pädagogisch gesehen unter "Selbstfindung" zu verstehen hat:
daß jeder das macht, was die Gesellschaft von ihm verlangt. Und
da muß der Pädagoge bzw. Sozialarbeiter eben mehr oder weniger
nachhelfen was aber nichts als liebevolle Zuwendung ist. Die Auf-
zählung aller denkbaren Einflußfaktoren für Lernen und Sozialver-
halten - von angebotenen Anlagen über soziales Milieu bis zur
Wohlstandsproblematik -, die die Pädagogikvorlesung einem im Stu-
dium präsentiert, ist von diesem praktischen Zweck geleitet.
Einen Pädagogen interessiert nämlich nicht: wie sieht die Erzie-
hungstätigkeit in dieser Gesellschaft aus und was bringt sie her-
vor, sondern welche Bedingungen finden Erzieher vor, um dem Stu-
denten daran klarzumachen, wie schwierig seine Aufgabe ist. Mit
all diesen Faktoren muß er rechnen, Erziehung ist ein schwieriges
Geschäft, Scheitern kein Grund, aufzugeben - andererseits macht
die Schwierigkeit doch gerade den Reiz der Erziehungstätigkeit
aus.
Im Fach Soziologie hält man sich nicht mit der Frage auf, wie man
die Leute dazu bringen soll, sich mit dem, was von ihnen verlangt
wird, soziologisch zu sehen, wird das Thema von gesellschaftli-
chen Standpunkt aus betrachtet: Dissoziale v e r f e h l e n
ihre R o l l e n, die die Gesellschaft für sie vorgesehen hat.
Sie stehen negativ zu dem Ordnungssystem, daß j e d e Gesell-
schaft nun einmal haben muß. Ohne Rollen = Erwartungserwartungen
gibt's kein gesellschaftliches Miteinander, ist hier das Standar-
dargument. Dadurch werden einerseits die Zwänge, die es in dieser
Gesellschaft gibt, idealistisch in die Erwartung der Mitmenschen
verlegt und andererseits mit der Abstraktion. "Jede Gesellschaft
braucht e i n e Ordnung" die b e s t e h e n d e n Verhält-
nisse legitimiert.
Der Soziologe hat also nur ein Problem, aufzuzeigen, daß d i e
Ordnung, die es gibt, sein muß. Und darum weist er auch noch bei
solchen, die sich gegen die Normen dieser Gesellschaft verhalten,
nach, daß sie im Grunde nur "e i n s e i t i g die Wertmuster
der Gesamtgesellschaft erfüllen."
Der künftige Sozialarbeiter hat also - und das ist die Moral al-
ler aufgeführten Wissenschaften - zu lernen, die Probleme der
Klienten als d e r e n Probleme zu sehen. Und wenn er auch noch
so viel Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen hat, für
ihn kommt immer wieder raus: es ist zumindest a u c h ein Pro-
blem des einzelnen, wie er sich dazu stellt. Und damit hat er
seine berufsmäßige Tätigkeit, die Ausgeflippten mittels Gespräch,
erzieherischer Zwangsmaßnahmen und dergleichen wieder hinzubie-
gen, gerechtfertigt und ist aufs Scheitern vorbereitet.
Auf dem richtigen Weg
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So wird schließlich der angehende Sozialarbeiter in seiner Ent-
scheidung für diesen Beruf von dem, was er in seinem Studium zu
lernen hat, bestätigt. Hat er trotz seiner Erfahrungen im Prakti-
kum an der Sozialarbeit als menschenfreundlicher Tätigkeit fest-
gehalten und sich auch nicht dadurch beeindrucken lassen, daß in
der Gesellschaft, in der die Leute miteinander um ihre Existenz-
sicherung konkurrieren müssen, das Elend derer, die dabei auf der
Strecke bleiben, Sich-Kümmern um diese Leute also nur zu den lei-
digen Kosten des Staates und der Verbände zählt, so macht ihm das
Studium klar: sein Idealismus, den er sich trotz seiner Erfahrun-
gen erhalten hat, ist brauchbar, wenn er sich für die staatlich
organisierte Sozialarbeit einsetzt. Dafür hat er sich allerdings
einige Unarten abzugewöhnen. Sein Idealismus hat sich an den
praktischen Zwecken der Sozialarbeit zu relativieren, weswegen er
weder rebellisch werden noch resignieren soll, wenn ihn die
Früchte seiner Bemühungen enttäuschen. Seine Unzufriedenheit soll
er vielmehr produktiv einsetzen in Einfallsreichtum und vermehr-
tem Engagement in Sachen V e r w a l t u n g des Elends.
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