Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK ALLGEMEIN - Die Verwaltung der Armut
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Münchner Hochschulzeitung, 21.04.1980
Sonderausgabe Sozialwesen
ROCKER UND IHRE FREUNDE
Sozialarbeit mit Rockern, oder - wie es im Jargon heißt -
"aggressiven Jugendlichen", ist eine heikle Sache. Aggressiv, wie
sie sind, vereiteln sie manch gut gemeinte Bemühung, mittels ei-
nes Jugendfreizeitheims mehr Sinn in die triste Freizeit junger
Menschen zu bringen, indem sie hin und vor wieder Mobiliar wie
Besucher kurz und klein schlagen. Besonders bedenklich, daß sie
dabei nicht einmal vor den Heimleitern selbst haltmachen, wie ein
in gewisser Weise artverwandter Amtsbruder, der evangelische
Pfarrer von Nürnberg-Reichelsdorf, erfahren mußte, der "einen
Nachmittag pro Woche sein Gemeindezentrum zur Verfügung stellte
(und) resignierte, als er schließlich von einem "Looser" tätlich
angegriffen wurde." (NN vom 5.7.79) - Auf der anderen Seite ist
die Aufgabe, gerade den härtesten aller Outlaws einen Sinn für
"angemessenes soziales Verhalten" beizubringen, höchst reizvoll.
Nicht, daß es etwas Besonderes wäre, daß diese Jugendlichen häu-
fig in Schwierigkeiten stecken -
"Jugendliche, die Brachialaggressionen als Konfliktlösungssche-
mata betreiben, unterliegen gesellschaftlichen Sanktionen ... der
Aufenthalt im Knast reduziert den Menschen." (Kraußlach / Düwer /
Fellberg, Aggressive Jugendliche, München 1978, S. 120) -
das ist bei Fixern, Obdachlosen usw. genauso. Aber an der unbere-
chenbaren Gefährlichkeit dieser Klientel, die ganz außerordentli-
che Ansprüche an den Einsatz der Helfer stellt, kann sich die
Größe des eigenen Idealismus unter Beweis stellen: Wer hier mit-
mischt, der darf sich - ganz ohne Eitelkeit - zur Aristokratie
der Sozialarbeiterschaft rechnen.
Quasi als Belohnung kann man dafür aus dieser Tätigkeit noch
einen besonderen Grad an Befriedigung ziehen, scheinen doch Roc-
ker etwas an sich zu haben, das sie über die Laschmänner von son-
stigen "gefährdeten Jugendlichen" weit hinaushebt:
"(es war schön,) die Jugendlichen in ihrer Einmaligkeit und Ori-
ginalität zu erkennen und lieben zu lernen...
Die Jugendlichen haben uns verändert und wir haben uns überhaupt
erst kennengelernt ... Dafür sind wir ihnen dankbar." (S. 11)
Um auf so etwas zu kommen, muß man sich allerdings einige falsche
Urteile nebst dazugehörigen Illusionen geleistet haben.
Muskeln stark - Ich schwach
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Ein Sozialarbeiter hält sich viel darauf zugute, sich in seiner
Meinung über Rocker vom Normalbürger, der sie ins Gefängnis oder
Arbeitshaus wünscht, zu unterscheiden; was ihm mit einer überaus
branchentypischen Sichtweise gelingt:
"Wir sehen den Schwerpunkt unserer Aufgabe darin, darauf hinzu-
weisen (!), daß Rocker selbst O p f e r sind. Immerhin wurde
16, 17 oder mehr Jahre lang auf ihnen herumgetrampelt. bis sie zu
diesem Verhalten kamen." (S. 92)
Daß Rocker nicht die Söhne von Playboys sind, ist bekannt. Eini-
germaßen komisch ist es jedoch, gerade bei denen, die andere und
häufig genug sich selbst zum Opfer machen, von hilflosen Spiel-
bällen der Gewalten zu reden; zumal auffällt, daß man weder etwas
davon erfährt, wessen "Opfer" die Lederjacken sind (Eltern?
Schule? wahrscheinlich alles!), noch, wie das "Herumtrampeln"
sich ausgerechnet in die Rockernatur umgesetzt hat (es wird ja
schließlich nicht jedes Proletenkind zum Rocker!). Aber wahr-
scheinlich kommt es auf die Beantwortung dieser Fragen auch weni-
ger an, und die Leute mit dem sozialen Schwerpunkt wollten nur
wieder einmal kundtun, daß ihr "Dagegensein" auf jeden Fall eine
Parteinahme f ü r die Klienten und damit für die eigene Arbeit
beinhaltet.
Zur Bekräftigung müssen "Erklärungen" herhalten, die schon immer
unterstellen, was sie zu ergründen vorgeben -
"Das Bild in der Öffentlichkeit (ist) im wesentlichen durch die
Presse zustandegekommen. (Presse bestimmt Presse, logisch!) (Da
mit) wird den Jugendlichen ein bestimmtes Verhalten und Aussehen
zugeschrieben (!) ... Das Verhalten wird zwanghaft (!). Wem
Stärke und Brutalität zugeschrieben werden, der muß (!) sie auch
einlösen." (S. 166. Weil hinter jedem Rocker die Presse mit ihrem
bekannten Revolver steht!) -,
und deren Leistung besteht darin, einen Rocker zum Objekt pädago-
gischer Tätigkeit zu machen: Da es diesen Leuten n i c h t
e r l a u b t wurde sich zu ordentlichen Menschen zu entwickeln,
muß man allerhand an ihren Einstellungen herumdoktern, um die an-
geblich hinter ihren Handlungen stehenden besseren, aber bisher
ganz verschütteten Anlagen ans Tageslicht zu befördern.
Es ist deswegen kein Wunder, daß das "Opferdasein" eines proleta-
rischen Jugendlichen nicht darin besteht, daß er kein Geld hat,
solange er noch Zeit für sich hat, und ihm nach der Schule außer
Maloche wenig bleibt, sondern, daß in seinem Schädel etwas nicht
mehr hinhaut: Jemand, für den das Menschsein erst beim gesetze-
streuen = sich "normgerecht verhaltenden" Staatsbürger beginnt
und der jedem, der über die Stränge schlägt Willen und Grund dazu
bestreitet, hängt einem "aggressiven Bracchialtäter" das ver-
rückte Problem hinauf, keine Identität zu haben, bzw. nur eine
ganz kleine:
"Die Jugendlichen müssen (schon wieder!) sich in Solidar- und
Notgemeinschaften zusammenschließen, um zumindest eine Minimal-
identität (für die Erfindung dieses Dings müßte es einen Preis
geben, ist es doch für einen Sozialarbeiter der wahre Stein der
Weisen, der einem aber auch wirklich alles erklärt!) bewahren zu
können ... Wir halten die Organisation der Jugendlichen in
Rockergruppen" für eine logische, existentiell notwendige
Reaktion der jenigen, denen es nicht ermöglicht wurde. sich zu
Ich-starken Subjekten zu entwickeln." (S. 82)
Wieder einmal wird das alte sozialpadagogische Dogma aufgewärmt,
daß der Mensch noch vor Essen und Trinken ein anständiges Selbst-
wertgefühl braucht, - also sich unabhängig von dem, was er hat,
tut und ist, akzeptieren und für gut halten soll -, und dessen
Fehlen wird ausgerechnet bei Leuten, die so viel von sich und ih-
rer Lebensweise halten, daß sie eine eigene Gegenkultur einrich-
ten, bedauert.
Die Gesellschaftskritik, die immer betont, wie auf den Rockern
"herumgetrampelt" wird, löst sich demgemäß in den ungeheuer weit-
gehenden Vorwurf auf, den "Deklassierten" wurde es hierzulande
schwergemacht, eine gute Meinung über sich zu haben:
"Sie genießen keine gesellschaftliche Anerkennung." (S. 57)
oder, wie es auf noch zeitgemäßere Weise der bekannte Rockerpfar-
rer Weißbach auszudrücken versteht:
"Das Idealbild des angepaßten und konsumierenden Bürgerlichen ist
eine permanente Vergewaltigung junger Menschen, von denen manche
eben dadurch zur Gewalt getrieben werden." (Weißbach, S. 12)
Diesen Herrn, der den Talar unter der Monteursuniform versteckt,
liegt wenig an Armut und erzwungener Dummheit vieler Jugendli-
cher, stattdessen faselt er vom Gewaltcharakter von Bildern und
empfiehlt derlei "Brutalitäten" zu lassen, damit die, die nicht
viel zu konsumieren haben, damit zufrieden sein k ö n n e n und
nicht auf unschöne Gedanken kommen m ü s s e n.
Kurzum, man ist sich einig, daß das Schlimme an der Klassenge-
sellschaft die mangelnde Aufmerksamkeit für die "Unterschichtler"
ist, die ja gar nicht mehr wollen als ein bißchen "Anerkennung".
All die ausführlichen Schilderungen der tristen Erfahrungen von
Rockern in Elternhaus und Schule sollen nur den einen Beweis lie-
fern, daß unter solchen Bedingungen die Ausbildung so wichtiger
Eigenschaften wie Selbstwert und Ich-Stärke verhindert wird. Die
materielle Beschränktheit der Arbeiter erscheint den sozialen
Gutachtern so wenig als Problem, daß sie die Bedürfnisse des Le-
bens gleich als "Kompensationen" fehlender Anerkennung behandeln.
Arbeiterfamilien kaufen sich also ihren Fernseher aus reiner An-
geberei und schaffen sich dadurch familiäre Probleme -
"Der Versuch, den geringen gesellschaftlichen Status durch mate-
riellen Status zu kompensieren, zugingt die Familie häufig da zu,
daß die Frau mitarbeitet ... (Gerade die Anstrengung, zumindest
materiell den gesetzten Normen und Werten zu entsprechen, also
anerkannt zu sin, schafft häufig Probleme: Raten können nicht be-
zahlt werden..." (S. 78)
und die Kinder werden als schichtgemäße Halbidioten hingestellt,
die nie was kapieren, weswegen man ihnen am besten nützt, wenn
man sie nichts lernen läßt:
"Stillsitzen, spontane Wünsche Aufschieben (wie es ein Studien-
ratssohn, der zweimal im Jahr - aber nur in den Ferien! - zum
Schifahren geht, so vorbildlich vorexerziert!), leise sein und
den Finger heben (unheimlich schwierig!) überfordern das Unter-
schichtskind." (S. 80) (Worauf es spontan ein Motorrad kauft,
darauf herumzappelt, laut brüllt und das Messer hebt!)
"Looser": Verlierer mit Idealen
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Sozialarbeiter stellen nun zu ihrer Freude fest, daß es für sie
bei den Rockern einige ganz beachtliche Ansatzpunkte gibt: Ganz
im Gegensatz zu Arbeitslosen, Obdachlosen u.ä., die sich komi-
scherweise immer als Versager fühlen und deswegen nur noch
resignativ herumhängen, statt auf Arbeitssuche zu gehen, tun
diese Burschen ja allerhand für ihr zartes Ich:
"Die Gruppe hat positive Aspekte ... Positiv: Solidarität, Zusam-
mengehörigheitsgefühl, Identität ... Zu den wesentlichen Zielen
unserer Arbeit zählt, daß wir die positiven Aspekte der Gruppe
stärken und fördern wollen." (S. 44)
Dieses Lob der zur "Solidargemeinschaft" verhimmelten Gang der
Leute mit der Einheitskluft und dem Messer in der Tasche ist ein
starker Tobak - man muß sich nur einmal überlegen, was da be-
weihräuchert wird.
Wer die Zeit, die er nicht im Bett verbringt in nietenbeschlage-
nen Lederjacken und Wiegeschritt herumstolziert, der demon-
striert, daß er die Inkarnation des harten Mannes sein will; und
wer diese Kleidung mit Eisernen Kreuzen und Patronenhülsen ver-
ziert, der tut kund, wo sich die Tugenden eines harten Mannes am
besten verwirklichen lassen. Auf den bedenkenlosen Einsatz der
eigenen Kraft, um andere niederzumachen auf das unbeeindruckte
Aushalten eigener Blessuren mit der dazugehörigen Selbstüberwin-
dung kommt es an, und der obligate Totenkopf zeigt an, welches
Ideal man dabei verfolgt. Um Heldentum zu beweisen, muß man na-
türlich nicht auf den Krieg warten: diesem Zweck kann man auch
das proletarische Dasein dienstbar machen. Ein Rocker fährt nicht
mit dem Golf, sondern mit einem schweren Motorrad herum, weil man
damit Mut und Geschicklichkeit beweisen kann - vor allem, wenn
man mit 110 ohne Helm in die Kurve geht oder zentimetergenau vor
einem Abgrund abbremst.
Das ganze demonstrative und rituelle Gehabe verrät, daß Rocker
gewillt sind, aus ihren Mängeln positive Ideale zu machen: Außer
Körperstärke haben sie nichts zu bieten - also soll es
d a r a u f ankommen. Da ihre Geschicklichkeit nicht gefragt
ist, beweisen sie ihre Existenz. Da es bei ihren Aktionen auf
nichts ankommt, stellt man sich selber Aufgaben, die man dann mit
Mut bewältigen kann. Da man nichts gilt, demonstriert man, daß
man trotzdem wer i s t - die Verlierer der Konkurrenz nennen
sich selbst stolz "Looser" oder "Hell's (!) Angels".
Rocker zeichnet neben dem Stolz auf das, worauf sie im Kapitalis-
mus reduziert wurden, ein radikaler Antimaterialismus aus, der
jede Rücksicht auf sich selbst als Schwäche und Verrat an den
Idealen der Treue Kameradschaft und Ehre brandmarkt. Der Stolz
auf die eigene Barbarei paart sich deshalb mit der Verachtung des
gewöhnlichen Materialismus der Arbeiter, die um ein paar Kröten
willen sich der Zucht der Arbeit, wo diese Tugenden nichts wert
sind, unterwerfen.
Da sie ungeheuer moralische Menschen sind, wird ihr höchst ausge-
prägtes G e r e c h t i g k e i t s g e f ü h l beleidigt, wenn
sie sehen daß die persönliche Leistung, die ausschließlich auf
Kraft und Härte beruhen darf, nichts bringt, sondern eben Geld
und Schulerfolg, Dinge, die sie nicht anzubieten haben. Nicht daß
sie etwas gegen Unterordnung hätten - aber der Richtige müßte der
Boß sein und nicht ein Männchen mit Notenbuch und Nickelbrille.
Die, die in der Konkurrenz dauernd verlieren, weil sie im Ver-
gleich zu anderen nicht die gefragte Leistung bringen, sind also
der Meinung, daß alles auf Leistung anzukommen habe - eben auf
die "wirkliche" des "ganzen Mannes".
Da auf i h r e Leistungen keiner was gibt außer denen, die von
vornherein auf demselben Trip sind, praktizieren sie ihren
"Leistungsvergleich" neben dem bürgerlichen Leben in den
bekannten "Gruppen", mit ihrer starken Hierarchie, die in diver-
sen Schlägereien herausgefunden wurde, und den sie verklärenden
Idealen von Solidarität und Treue. Hier gilt wirklich nur der Be-
ste etwas, und noch die kleinste Lebensäußerung wird dem Kampf um
barbarische Kriterien unterworfen: Saufen tut man nicht, weil's
schmeckt, sondern weil's darauf ankommt, wieviel einer
v e r t r a g e n kann; Weiber interessieren nur, soweit sie gut
ausschauen und bei ihnen "was geht", was ihnen, wenn was gegan-
gen ist, die Beschimpfung "Schnalle" einbringt; denn der Größte
ist, wer am meisten Weiber aufreißen kann. Kartengespielt wird,
um den Mitspieler fertigzumachen, und auch Automaten knackt man
weniger wegen der Zigaretten, sondern um seine Traute zu bewei-
sen.
Daß auf solche Ideen keine Fabrikanten oder Intellektuelle kom-
men, auf die gehört wird, wenn sie etwas zu sagen haben, liegt
auf der Hand. Daß aus einem Unterschichtskind deshalb notwendi-
gerweise ein Rocker wird, ist ein Gerücht; immerhin gehört schon
einige Verrücktheit dazu, sich zum erzwungenen Antimaterialismus
auch noch eine eigene antimaterialistische Ideologie zuzulegen
und daraus, daß Leistung sich nicht auszahlt, das Ideal einer
"eigentlichen" Leistung zu schustern.
Sympathy für the devil
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Ein Sozialpädagoge jedenfalls weiß aus diesem Privatfaschismus
die "Solidarität" und "Identität" zu schätzen. Mit ihrem Wahn-
sinnsidealismus - ohne Rücksicht auf sich selbst Für die Gruppe
und ihre Werte einzustehen - scheinen sie ihm - der Möglichkeit
nach - sehr wertvolle Mitmenschen. Nicht umsonst fühlen sich be-
sonders Pfarrer angezogen: Rocker besitzen etwas, was es sonst
auf der Welt viel zu wenig gibt - Sozialgefühl und Verantwortung,
die sich nur in etwas falscher Weise betätigen.
Natürlich wollen sie sich verbeten haben, mit der Gruppe in allen
Punkten übereinzustimmen:
"Gleichzeitig müssen die negativen Aspekte vermindert bzw. abge-
baut werden." (S. 44) "Zwanghaftes, ein(!)dimensionales Verhalten
ist aufzuheben." (S. 42)
Gut ist, daß sie zusammenhalten, und einer für den anderen ein-
steht; wie sie das machen, ist eher übertrieben:
"Rocker (haben eine) rigide Identifikation mit bürgerlichen Nor-
men und Werten." (S. 42)
Scharf darauf, die saublöden Rockerideale für sich auszunutzen,
trennt er alles, was sie tun, von ihrem Grund und Zweck: Ihm ist
wurscht, daß sie zusammenhalten, weil sie auf Schlägern aus sind,
und meint, das eine wäre ohne das andere zu haben. So fühlt er
sich zu einem idealistischen "Ihr s o l l t nicht prügeln, an-
sonsten bleibt wie ihr seid" aufgerufen und ist von dem beständi-
gen Wunsch beseelt, die lieben Jungens noch mit einigen Kapiteln
Pfadfinderumerziehung zu veredeln. Nicht umsonst liegt das Ideal
der Rockerarbeit darin, sie einmal dazu zu bringen, einem alten
Mütterchen die Kohlen in den vierten Stock hochzutragen - das ist
ehrenvoller und solidarischer als einem anderen die Fresse zu po-
lieren.
Die Versuche, sie dahin zu bringen, gehören zu den eher komischen
Seiten des Bildes. Die Sache lebt auf der einen Seite von der
verzweifelten Bemühung der Betreuer die Achtung der Jugendlichen
zu erringen ohne die größten Schläger oder standfestesten Säufer
zu sein (obwohl ein Quentchen davon schon dazugehört!); auf der
anderen von der recht kühlen Kalkulation, daß man für einen täg-
lich benutzbaren Jugendraum mit Billigbierausschank auch mal vor
die Tür gehen kann, wenn's was zu klären gibt. Von da aus erklä-
ren sich die eigenartigen Verlaufsformen, wie die, daß in Nürn-
berg zum Kirchentag Pfarrer auftauchen, die in Lederbekleidung
Gottesdienst halten, daß Sozialarbeiter auf einmal begeisterte
Mechaniker werden, Schanklizenzen beantragen und einen Teil ihrer
Zeit dafür hergeben, sich den Beschimpfungen der empörten Anwoh-
ner zu stellen.
Irre an der Aufgabe werden sie so schnell nicht:
"Ich konnte nicht dauernd den Überlegenen spielen, der sich all
die Zerstörungen mit viel Geduld anschaut. Irgendwann platzte mir
der Kragen und ich schrie beinahe ohnmächtig vor Wut: Ihr alten
Scheißhammel, wenn ihr glaubt, daß ich diese Bude dichtmache,
dann habt ihr euch in die Finger geschnitten, haut nur alles kurz
und klein. Hier, nehmt doch diesen Stuhl." (S. 121)
Schließlich hat man es mit Opfern zu tun, denen das Leben keine
andere Chance gelassen hat, und immerhin:
"Wir sehen als Erfolg an, daß der Clubkeller nach sieben Jahren
immer noch existiert." (S. 48)
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