Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK ALLGEMEIN - Die Verwaltung der Armut


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       Dortmunder Hochschulzeitung Nr. 24, 28.06.1983
       
       FHS-Professor Gerhild FLIEDNER: Methoden der Sozialarbeit
       

GRUNDLAGEN DER SOZIALARBEITERETHIK

In den Methodenveranstaltungen für angehende Sozialarbeiter geht es (zumal nach 1 1/2 Stunden dröger Paragraphenklopperei in Recht) immer recht zwanglos zu: Man genießt geradezu das persön- liche, fast schon intime Klima, wo man sich einbringen kann, alle ganz verständnisvoll tun. Und die Dozentin ist schon allein des- wegen gern gesehen, weil bei ihr als Antwort auf die Frage Wie sollen wir Sozialarbeit machen? ----------------------------------- gerade nicht die Dienstvorschriften und die Sozialgesetze (die hier als "trocken", "kalt", auch als "bloß" gehandelt werden, nachdem sie bei der Kollegin noch "objektiv" hießen) drankommen, sondern eine ganz freie Debatte stattfindet über wünschenswerte Ziele und die Schwierigkeiten, sie umzusetzen. Frau FLIEDNER bringt dazu als Denkanstöße mögliche Definitionen von Sozialar- beit ein, die berühmte Theorieprofis aufgestellt haben (natürlich ist es viel schöner, wenn die Studenten selbst ihre Einfälle sam- meln, aber nun denn), so meint z.B. ein gewisser LOTHMAR: "Die Sozialarbeit leistet als notwendige soziale Institution einen Beitrag an die Milderung von Spannungen, die zwischen dem beschleunigten sozialen Wandel und den Kräften der Beharrung in Einzelnen oder Gruppen entstehen können." und das verweist auf einen wichtigen Aspekt; und zwar nicht des- wegen, weil er irgendetwas Rationelles über die Sozialarbeit ge- sagt hätte, sondern weil man anhand des Zitats sich ein "Problem" herbeiassoziieren kann, das man als bedenkenswert einfach einmal in den Raum stellen sollte. Die soziologische Verdrehung, daß So- zialarbeit nicht etwa zweckmäßige staatliche Verwaltung der Armut ist, sondern eine Reaktion auf "Wandel" und "Beharrung" - schöne Subjekte und sehr einleuchtende Zwecke von Staat und Bürgern! - ist keines Gedankens wert, denn um die Analyse, was Sozialarbeit ist, geht's hier nämlich gar nicht; anregend ist indes die ideo- logische Botschaft: Um Milderung von "Spannungen" geht es der So- zialarbeit - was kann uns denn da einfallen? - Arbeitslose Ju- gendliche? - Immer gut! - Gibt es da nicht Spannungen zwischen Institution und Klient? - Brav, die Idee; denn rübergekommen ist offensichtlich die erwünschte moralische Sicht des Jobs: Sozial- arbeit sollte verstanden werden als das Bemühen, eine, wenn auch "naturgemäß" schwierige Harmonie zwischen Gesellschaft (und hier soll man nicht an Eigentumsordnung, Ausbeutung, Opferprogramme denken, sondern "Wir alle") und Einzelnen herzustellen. W. HOLLSTEIN kann da einen zusätzlichen Akzent setzen: "... daß Devianz und Delinquenz, wie immer sie sich äußern mögen, eine Reaktion auf Schäden der Gesellschaft (die arme!) darstellen und dergestalt ein Protestpotential dessen verraten, der ab- weicht." Nachdem man ja ohnehin schon ganz freischwebend über Sozialarbeit redet, ist es da nicht sehr edel, den Klienten die Ehre anzutun, ihr Treiben: Verwahrlosen, Saufen, Randalieren, Stehlen letztlich als wichtigen Fingerzeig auf die Ungerechtigkeiten dieser Welt zu deuten? Auch hier taugen vorzüglich die falschen soziologischen Abstraktionen wie Devianz und Delinquenz, die einfach als Abwei- chung vom Normalen betrachten, wenn einer angesichts seiner Not- lage auf's Klauen verfällt oder einer, statt sich für seine Kin- der krummzulegen, zur Flasche greift - also parteilich die Sache vom Standpunkt des Flutschens der Gesellschaft betrachten. Dabei ist die entsprechende Sichtweise längst als allgemein gültige un- terstellt, interessieren soll hier lediglich ein so intellektuell abgesichertes Selbstverständnis der Sozialarbeit: Ist der Beruf nicht furchtbar verantwortungsvoll? Laufend muß man Anpassung verlangen, wo die Gesellschaft so in Ordnung doch auch nicht ist. Also merke: Immer schön verständnisvoll, wenn Dir ein Klient Über den Weg läuft! Noch ein Anstoß: HEIMLER: "Es ist nicht notwendig, daß die Gesellschaft etwas für die Leute tut, sondern daß sie den Menschen auf allen Ebenen ermöglicht, etwas für sich selbst zu tun. Wir dürfen nicht... Menschen schaf- fen, die unfähig sind, mit ihrer Nutzlosigkeit umzugehen." Dieser Herr hat über Sozialarbeit (nicht) gehandelt, indem er sich ein moralisches Grundproblem ausgedacht hat: Bevormundung contra Selbsttätigkeit. Zwar hätte 3500 DM Sozialhilfe sicherlich nichts mit Bevormundung zu tun, so wenig wie 550 DM mit Befähi- gung zur Eigeninitiative und Selbstwert zu tun hat, aber sind solche ethischen Prinzipien nicht ein gutes Korsett für diejeni- gen, die ihren Klienten klarmachen müssen, daß es das Beste für sie ist, sich weiter abzustrampeln, auch wenn es sich überhaupt nicht auszahlt? Fazit: Reflexionen Über "Was soll Sozialarbeit sein?" dienen nicht der Aufklärung über das, was Sozialarbeiter machen (müssen), sondern sind Übungen, sich ganz frei und locker positive Einstellungen zum Beruf zurechtzulegen. Grundprinzipien für die Praxis ------------------------------ Doch mit guter Absicht und frischem Idealismus ist man noch kein rechter Sozialarbeiter. Diese lösen nämlich noch nicht das Pro- blem, wie es gemacht werden soll. Und das steht jetzt als Metho- denlehre auf der Tagesordnung. Dabei geht es um die Einsicht, wie einem die diversen Tätigkeiten des Sozialarbeiters als selbstver- ständliche Notwendigkeiten vorkommen können. Auch dieser Punkt wird sehr glatt und abgehoben, p r i n z i p i e l l erledigt: "Was stellen Sie sich unter den Begriffen 'Konzept, Methode, Ver- fahren' vor?" Daß es hier theoretisch nichts zu klären gibt, ist offenkundig, weshalb die erste richtige Antwort lautet: "man braucht sie als Sozialarbeibeiter". Damit ist das erste Lernziel auch schon erreicht: Sozialarbeitertätigkeit muß geplant sein, da kann man nicht einfach machen, was einem gerade so einfällt (ach was!). Jetzt kann sich das Seminar "gemeinsam erarbeiten", was da denn so alles wohl zu berücksichtigen sei: die Situation der Klienten, ihre Vergangenheit, die Familienverhältnisse, die Anforderungen der Institution, die möglichen zur Unterstützung heranziehbaren Personen usw. - das alles fällt, so erfährt man, in den Bereich "Diagnose". Eingeführt ist damit das "erste Grundprinzip für die Praxis der Sozialarbeit", und auf den Standpunkt der Praxis hat man sich nun laufend zu stellen, denn nicht der Frage, was wird da gemacht, dient das theoretische Interesse, sondern der, wie kann man das, was zu tun ist, hinkriegen. "Die Diagnose, d.h. die genaue Kenntnisnahme der Phänomene, mit denen es der Sozialarbeiter zu tun hat, ist nur dann für alle Prozesse der Sozialarbeit wirklich effektiv, wenn sie die konkre- ten Bedingungen des jeweiligen sozialen Dienstes berücksichtigt, wenn sie zum großen Teil aus dem Hilfeprozeß hervorgegangen ist, an dem der Klient selbst engagiert und beteiligt ist, wenn sie transparent werden läßt, daß sie ständiger Modifikation unterwor- fen ist, weil sich der Gegenstand selbst auch verändert, und wenn sie der Sozialarbeiter dem Klienten in der Absicht zugänglich ma- chen kann, daß dieser sie im Verlaufe der Zusammenarbeit als an- gemessen und zutreffend nutzen kann." Da hat man doch endlich was in der Hand! Eine konkrete Hilfe für die Praxis? Sicher, was man jeweils im Einzelfall machen muß, weiß man nicht, aber das braucht gar nicht zu stören, in der Pra- xis ist das ohnehin meist kein großes Geheimnis. Die Botschaft ist aber trotzdem eine: In der Form von allgemeinen Merksätzen werden hier lauter Verkehrsschilder für Sozialarbeitergesinnung aufgestellt: Kümmere Dich um die Absichten Deiner Dienststelle, gehe auf Deine Klienten ein, paß Dich den jeweiligen Umständen an, siehe zu, daß das, was Du verlangst, dem Klienten einleuch- tet! Unterstellt ist bei dieser Gebotstafel längst, daß Sozialarbeit, wie sie betrieben wird, eine feine Sache ist - wenn man sie nur g e w i s s e n h a f t erledigt. Daß man zum Wohle der Klienten wirkt, ist das selbstgerechte Selbstbewußtsein, auf Basis dessen man sich stets aber fragen soll: habe ich auch alles beachtet, habe ich mir die erforderliche Mühe gegeben, bin ich genug auf die Leute eingegangen, ist mir wirklich gelungen, sie dazu anzu- halten, selbst mit ihren Sorgen fertig zu werden? "Prinzip Nr. V Alle Prozesse der Sozialarbeit erfordern, um als Prozesse in der Sozialarbeit auch wirksam zu werden, die Verwendung (Nutzung) von zwischenmenschlichen Beziehungen, um den anderen dazu zu bewegen, Entscheidungen zu treffen und nach eigenem Ermessen zu handeln. Darin besteht der eigentliche Kern des Hinarbeitens auf ein Ziel, das im Rahmen des angebotenen Dienstes als eigenes Ziel (des Kli- enten) verstanden wird." Die Kunst der Sozialarbeit besteht darin dies die Botschaft in dieser Abteilung 'Methoden' - sich selber stets vor Augen zu hal- ten, der Klient steht im Mittelpunkt: er müßte eigentlich wollen können, was von ihm an Anstand verlangt wird. Wenn Frau FLIEDNER im Folgenden auf "Aspekte und Überlegungen zum Beratungsgespräch mit Familien ------------------------------------------------------------ und zur Arbeit in Gruppen" -------------------------- zu sprechen kommt, dann geht es nur scheinbar "konkreter" zu als bisher, auch wenn hier mannigfache Rollenspiele stattfinden, in denen Sozialarbeiter und Klient gemimt werden. Nicht der Inhalt solcher Beratungen wird hier relevant - geschweige denn analy- siert - auch hier geht es darum, einen Aspekt zu vermitteln, un- ter dem der künftige Sozialarbeiter seine berufliche Tätigkeit betrachten soll, diesmal als "Kommunikation". Sehr wichtig und plausibel ist diese Tour, sich die Berufssituation zurechtzule- gen, weil eine gleichnamige Theorie so kluge Sprüche hervorge- bracht hat wie "Jedes Verhalten zwischen Personen hat Mitteilungscharakter, ist Kommunikation. Es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren." Satz 2 folgt zwar logisch aus Satz 1, nur ändert das nichts daran, daß 1 wie 2 ideologischer Quark sind. Natürlich kann man alles, was Menschen machen, sei es, daß sie Kinder erziehen, Re- kruten Befehle erteilen, alte Leute futtern, Säufern die Sozial- hilfe zusammenstreichen, als Kommunikation bezeichnen, nur warum sollte man, wenn damit jedem dieser "Verhalten" gerade das genom- men ist, was seinen spezifischen Zweck ausmacht? Was die Menschen machen, ist auf den eingebildeten Sinn all dieser Handlungen her- untergebracht, es ginge prinzipiell und wesentlich immer darum, sich aufeinander zu beziehen, letztlich miteinander auszukommen. Daß das Miteinander hinzukriegen (und da gibt es ja soo viele Hemmnisse bei den Psychos in uns allen!) d a s Problem sei, dieses kommunikationstheoretische Dogma ist wieder sehr lehrreich gerade für Sozialwirte. Es gibt der berufsmäßigen Taxiererei des Gegenübers, wie er auf das, was man von ihm will, anspringt, wie man ankommt, wie er vielleicht zu packen ist, eine wissenschaftliche Fundierung und Legitimation: "Jede Kommunikation hat einen 'Inhalts- und einen Beziehungsa- spekt': Inhaltsaspekt - Information einer Mitteilung, Beziehungs- aspekt - Beziehung zwischen den Kommunizierenden!" Und weil das in jeder (!) Kommunikation so ist, ist ganz klar, daß sich folgende Faustregel der angehende Sozialarbeiter hinter die Ohren zu schreiben hat: "Regel für SA: Einzelne Botschaften beobachten und wahrnehmen; Inhaltsaspekt von Beziehungsaspekt getrennt wahrnehmen!" Selbstwert ---------- Wenn jetzt ein fruchtbares menschliches Miteinander - als solches soll man sich ja inzwischen das Sozialarbeiter/Klient - Verhält- nis vorstellen - nicht klappt, dann hilft möglicherweise auch hier eine psychologische Deutung weiter. D i e Schwierigkeit der Leute ist es nämlich, ein adäquates Selbstwertgefühl zu ent- wickeln in allem, was sie machen letztlich geht es irgenwie immer darum: "Etwas geschieht jeder Person hinsichtlich ihrer selbst. "Etwas geschieht hinsichtlich der Wahrnehmung und Auffassung der einen vom anderen und umgekehrt. Sehen wir uns die universellen Reaktionsmuster etwas genauer an, die die Menschen gebrauchen, um eine drohende Ablehnung zu umgehen. In jedem Fall fühlt der Mensch die Bedrohung und reagiert auf sie, aber weil er 'Schwäche' nicht offen zeigen möchte, versucht er, sie auf fol- gende Weise zu verbergen: 1. durch Beschwichtigen, so daß die andere Person nicht ärgerlich wird, 2. durch Anklagen, so daß die andere Person ihn als stark an- sieht; 3. durch Rationalisieren, woraus sich ergibt, daß er die Bedrohung ganz harmlos ansieht. Er versucht seinen Selbstwert durch große Worte zu festigen; 4. durch Ablenken ignoriert er die Bedrohung und verhält sich, als sei sie gar nicht da." Aufschlußreich, und so richtig aus dem Leben gegriffen erscheint dieses psychologische Interpretationsraster der Leute, mit denen man zu tun hat (der wehrt sich nur!), weil es in unserer Gesell- schaft üblich ist, sich laufend moralisch auf die Welt zu bezie- hen. Kaum ist jemand arbeitslos geworden, soll er sich auch schon fragen, liegt das nicht (auch) an mir? Und ob man sich nun Selbstvorwürfe macht oder sich auf seine Wohlanständigkeit etwas zugute hält, indem man über die Ungerechtigkeiten lamentiert, die Frage nach den wirklichen Ursachen der beschissenen Situation taucht da erst gar nicht auf. Beurteilungsmaßstab ist stets die eigene Redlichkeit. Es ist ein gängiger Fehler (der einem, kaum ist man auf der Welt, beigebracht wird), nicht die Welt daraufhin zu begutachten, warum was passiert, warum man bei der Verfolgung seiner Interessen scheitert, sondern sich ins Visier zu nehmen, (nicht um eventuelle Fehler im Umgang mit seinen Lebensverhält- nissen korrigieren zu wollen, sondern:) zu fragen: Stimmt viel- leicht etwas nicht nicht mit mir? Und hat man erst einmal diese Verrücktheit hinter sich, sich ganz jenseits dessen, womit man sich abplagt, laufend zu prüfen, ob man denn anständig ist und mit sich im Reinen sein kann, wie man nun vor den Leuten dasteht, was die von einem denken müssen, dann entwickelt man tatsächlich praktische Kalkulationen, etwas dafür zu tun, daß man gut da- steht. - Die Psychologie hat nun alles andere im Sinn, als diesen schädlichen Umgang der Leute mit sich selbst zu kritisieren, sie erklärt vielmehr die Pflege des Selbstwertgefühls zu dem theore- tischen Schlüssel, die eigentlichen, innersten Zwänge jeglichen menschlichen Treibens offenzulegen: Alle Willensäußerungen der Menschen sind Versuche und heimliche Strategien, mit sich im Rei- nen zu bleiben. Und genau das sollen sie besser beherrschen ler- nen, dazu brauchen sie Hilfen. Dies soll ein aufgeklärter Men- schenbetreuer beherzigen, um feinfühlig dahingehend interpre- tierte Reaktionen seiner Mitmenschen - ganz frei von der von denen intendierten Absicht - in die richtigen Bahnen zu lenken. Psychohygiene ------------- Die Einsicht in die Notwendigkeit, seine Klienten später psycho- logisch und moralisch anzumachen, ergibt sich also ganz zwanglos, wenn man sich erst einmal klar gemacht hat, welche Dimensionen "Kommunikationen", und welche Wichtigkeit der "Selbstwert" für uns alle besitzen. In der Methodenausbildung wird diese Sicht- weise Woche für Woche eingeübt. Ihre Unterabteilungen werden in Form von Rollenspielen nahegebracht, in denen man sich dann gleich selbst einfallen lassen kann, was für ein harmonisches Miteinander alles erforderlich ist. Man beginnt zunächst mal da- mit, irgendeine Gesprächssituation zu erfinden und draufloszu- spielen, ohne daß gleich jedem klar sein muß, wofür das Spiel nachher ein Beleg sein soll. Im zweiten Teil bricht dann alles in eine große, betonte Verwunderung aus, was haben wir uns da bloß alles wieder zuschulden kommen lassen - unbewußt, versteht sich. Zur Hilfe bei der Entdeckung der Reihe von inneren Schweinehunden bei sich selbst und anderen bekommt man von Frau FLIEDNER hin und wieder kleine psychohygienische Beichtspiegel zugesteckt, wie z.B. folgenden, "Echtheit - Bist du ehrlich dir selbst und anderen gegenüber? Integrität - Sind die Worte, die du hast, deine eigenen oder inwieweit bist du von anderen abhängig? Mut - Inwieweit bist du bereit, deine verletzten Gefühle offenzule- gen? Spontaneität - Kannst du es riskieren, mit deinen innersten Gefühlen zu rea- gieren, ohne zu berücksichtigen, was andere darüber denken? Verantwortung - Kannst du dich auch dann akzeptieren, wenn du Gefühle und Ver- haltensweisen zeigst, die du selber nicht magst? Verbindlichkeit - Kannst du einen eigenen Standpunkt/eine eigene Meinung entwic- keln und vertreten? Bist du in der Lage, vor anderen Fehler und Unzulänglichkeiten einzugestehen? Kongruenz - Warum fällt es dir schwer, in verschiedensten Situationen dich gegenüber anderen so zu zeigen, wie du bist/wie es dir geht? Explosionsfähigkeit - Bist du in der Lage, dich in den Bereichen deiner Ausdrucksfä- higkeit von Freude, Ärger, Zorn und Sexualität gehen zu lassen?" Brav übt man dann im weiteren Verlauf, mal ein ganzes Gespräch lang, jeden Satz mit einem "ich finde" abzusoften, ein anderes mal wird bewiesen, wieviel Courage dazu gehört, den Mut aufzu- bringen, ganz persönliche Kontaktanzeigen zu schreiben und allen vorzulegen, mal erzählt man allen Leuten, wie schwer es einem fällt, seiner Freundin mal einen Wunsch abzuschlagen, wo man sie doch soo lieb hat. Niemandem ist es zu peinlich, beständig bei sich und anderen nach eventuell vorhandenen Schwierigkeiten mit sich selbst zu fahnden, und die dauernde Moralduselei, man muß sich verstehen wollen, offen, ehrlich und sonst noch was alles sein, zu ertragen/mitzumachen. Daß dies überhaupt als intellektu- ell reizvolle Tätigkeit angesehen wird, liegt daran, daß einem die moralisch-psychologische Betrachtungsweise von sich und der Welt längst in Fleisch und Blut übergegangen ist. Das erklärt an- dererseits auch, weshalb die Studenten der Sozialarbeit ewig ein abgeklärtes "wußte ich doch auch ohne Methodenausbildung" vor sich hertragen. zurück