Quelle: Archiv MG - BRD SOZIALPOLITIK ALLGEMEIN - Die Verwaltung der Armut


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       Wochenschau
       

NORBERT BLÜM,

als ehemaliger Arbeiter, Katholik und Christdemokrat die ideale Besetzung für das Arbeitsministerium im Kohl-Kabinett, um den Ar- beitern die blanke Gemeinheit als Dienst an der Arbeit mit treu- doofem Grinsen und hessischem Dialekt glaubwürdig zu verkaufen. Vorletzte Woche in der ARD-Sendung "Schlag auf Schlag" servierte er dem IG-Metall-"Tarifexperten" Jantzen in Sachen "Lohnpause" so viele von diesem unwiderlegbare Gemeinsamkeiten, daß der am Ende wie ein entlarvter Bauernfänger abzog und sich nur noch dadurch zu retten wußte, daß er versicherte, mit dem "Kollegen Blüm" an- sonsten auf Duzfuß zu stehen - nur die "Regie" habe ihn zum "Siezen gezwungen". Die dabei wieder erfolgreich vorgeführte Blümsche "Logik" des 'Hau-ich-deine-Oma-mußt-auch-du-dich-hauen- lassen' handelte sich kaum Widerspruch ein. Blüm: "Wenn schon die Rentner Opfer bringen, dann müssen auch die Arbeiter Abstriche hinnehmen!" Warum will eigentlich niemandem auffallen, daß der kleine Strahlemann damit immer nur ein von ihm und seiner Regie- rung geschaffenes Opfer hernimmt, um den nächsten "Eingriff ins soziale Netz" bzw. Zugriff auf das Geld derer, die davon ohnehin zu wenig haben, den Betroffenen als g e r e c h t zu verkaufen? Konsequente Vollendung dieser systematischen Massenverelendung sind Blüms Einlassungen zur Gesundheitslage der Nation. Daß das ständige Anwachsen der industriellen Reservearmee (auf politisch: "Das Problem der Arbeitslosigkeit") Arbeiter und Angestellte zwingt, auch krank am Arbeitsplatz bei Gefahr seines Verlustes zu erscheinen, ist dem Blüm Indiz für Gesundung in Sachen Arbeiter- moral. "Wir haben den niedrigsten Krankenstand seit Kriegsende!" heißt unverblümt die Siegesmeldung vom Triumph ökonomischer E r p r e s s u n g über die Physis des deutschen Arbeiters. Und als Endsieg peilte der rotbackige Schreibtischtäter aus Bonn letzte Woche noch den Sieg gesunder Durchhaltequalitäten über die "Kostenentwicklung im Gesundheitswesen" an. Keine ärztliche Be- handlung in "Bagatellfällen", dafür "nachbarschaftliche Selbst- hilfe". Daß die Krankenkassenausgaben pro Versicherten im letzten Halbjahr nur noch um 1,9% stiegen und die Tendenz weiter fällt, ist für den kleinen Mann, der nach ganz oben kam, ein Sieg der "Solidarität" über die Wehleidigkeit. Er wird es mit "uns" noch weit bringen. zurück