Quelle: Archiv MG - BRD RECHTSSTAAT DEMORECHT - Die Sorge um den inneren Frieden


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 20, 22.07.1981
       
       Wochenschau
       

GEROLD TANDLER

ließ letzte Woche mit dem todsicheren Instinkt für politisches Feingefühl eines bayerischen Innenministers von der CS(Gas)Union seinen Kampfstoff auf dem Dachauer Kasernengelände, das ehemals den SS-Wachmannschaften des KZ gedient hatte, am lebendigen Ob- jekt ausprobieren. Dem ZDF-Magazin vom letzten Mittwoch verdanken wir Bilder, die beim betrachtenden MHZ-Redakteur erstmals mitlei- dendes Gefühl für Polizisten aufkommen ließ: 6 junge Burschen ohne Gasmaske marschierten untergehakt gegen den vollen Strahl eines Wasserwerfers mit CS-Ladung an, begannen nach halber Strecke zu schwanken und taumelten wie Zombies wieder zurück. Der Kameraschwenk fing das Tandlersche Gesicht gerade in dem Moment ein, wo der Anflug eines genüßlichen Grinsens den Eindruck er- weckte, hier werde ein Horrorfilm nebst seiner Wirkung auf die Fans dieses Genres dokumentiert. Vom Reporter befragt, was er denn von den Meldungen über die gesundheitsschädlichen Folgen des Gases halte, erklärte Tandler wörtlich: "Als Innenminister muß ich mich um die Gesundheit meiner Polizisten kümmern und nicht um die der Demonstranten." Als hätte ihm sein persönlicher Referent einen dezenten Tritt ans Bein gegeben, fügte er noch schnell hinzu: "Was heißt hier Demonstranten. Für mich sind das nichts anderes als gewalttätige Chaoten." Tags zuvor an der Universität in Erlangen, wo Tandler für den RCDS auftrat und vom Publikum Pfiffe und nicht mehr allzu Frisches aus deutschen Landen ernten durfte, war er konsequent einen Schritt weiter gegangen in seiner Differenzierung zwischen Polizisten und demonstrierendem Vieh: "Hirnlose Chaoten!". Das ihm von Studenten entgegengehaltene Transparent mit der Aufschrift "Heute Kotzgas - Morgen Zyklon B" wird diesen Mann nicht erschüttert haben, der die öffentliche Aufregung über sein Dachauer Experiment von seinem Pressesprecher mit der kühlen Feststellung kontern ließ: "Irgendwann muß man auch in Dachau normal werden." (Süddeutsche Zeitung vom 14. Juli) zurück