Quelle: Archiv MG - BRD RECHTSSTAAT DEMORECHT - Die Sorge um den inneren Frieden


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       Der Veranstaltungskommentar
       

"VERSCHÄRFUNG DES DEMONSTRATIONSRECHTS?"

"Wie man eine polizeistrategische Debatte als freie Diskussion für die Öffentlichkeit inszeniert - diese gelungene Mischung aus Stärke und Liberalität hatte das "Bonner Hochschulforum" diesmal (am 4.6.) zu bieten. Das Thema war schon vorher abgehakt, der einzige Trick das Frage- zeichen. Saßen deshalb die für solche Fragen allein kompetenten Herrschaften am Podium, also Politiker, Polizeiführer und ein Rechtswissenschaftler, so bestand die Aufgeblasenheit der Veran- staltung darin, bei d i e s e m Thema: "Welche Mittel will der Staat gegen seine ungebührlich demonstrierenden Bürger einsetzen" auch noch Offenheit vorzuführen! Peinlichkeit kam trotzdem nicht auf, - als ein Fachschaftler vor friedlich versammelter Mannschaft die Frage stellte, "wie wir mit den bürgerkriegsähnlichen Zuständen fertig werden", er also unbedingt glaubhaft machen wollte, die Handhabung des Demonstrationsrechtes sei N o t w e h r des Staates in höchster Bedrängnis. Lieber Freund, d a n n disku- tierst du auf keinem Podium mehr! - als die Teilnehmer mit der Beschwörung einer Hilflosigkeit des Staates ("Für die 80.000 Demonstranten gäbe (!) es gar nicht ge- nügend Gefängnisse") sich durchaus Massenverhaftungen im Vorfeld einer Demo (wie man sie sonst gerne den "Unrechtsregimes" vor- rechnet) und andere totale Staatszugriffe vorstellen wollten, um dann in grenzenloser Güte oder dem bedauernden Gestus des Nicht- machbaren davon wieder abzurücken. - als der ganze Witz also darin bestand, die gleichen Leute sich gegen eine Verschärfung des Demonstrationsrechts aussprechen zu lassen, die diese Möglichkeit überhaupt erst auf die Tagesordnung gesetzt haben. Für das beruhigende Argument, das bestehende Recht biete g e n ü g e n d Handhabe - alles unter Kontrolle -, sollte so etwas wie Dankbarkeit aufkeimen. So einen Zirkus gibt es wirklich nur in der Demokratie: über's staatliche Zuschlagen labern! P.S. Der Oberwitz: Ausgerechnet die Polizei versinnbildlichte am perfektesten Pluralismus und Meinungsfreiheit, diese hehren Güter unserer Gesellschaftsordnung. Sie schickte nämlich gleich zwei Vertreter, einen pro und einen contra! Ob die vor lauter Disku- tieren nicht ihren Einsatz verschlafen? Sei's drum. Die Besucher des "Hochschulabends" haben einen richtig anheimelnden Abend ver- bracht. zurück