Quelle: Archiv MG - BRD RECHTSSTAAT DEMORECHT - Die Sorge um den inneren Frieden
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 41, 20.10.1981
DEMONSTRATIONSFREIHEIT HEUTE
Letzteres Interesse ist auch das einzige, wonach gegenwärtig in
der BRD D e m o n s t r a t i o n e n beurteilt werden. Ihre
Teilnehmer mögen bezwecken, was sie wollen; die Politisierung der
bundesdeutschen Öffentlichkeit ist so weit fortgeschritten, daß
allein schon die Tatsache, daß da überhaupt p r o t e-
s t i e r t werden soll, sogleich Debatten hervorruft, ob
Demonstrieren denn in Zeiten, wo unbedingtes D a f ü r s e i n
gefragt ist, noch erlaubt sein darf. Der US-Außenminister hat bei
seinem jüngsten Trip in die Frontstadt der Freiheit zur
Anschauung gebracht, was die herrschende Einstellung zur
Demenstrationsfreiheit ist: wo doch Bundeswehr und US-Regierung
diesen hohen Wert vor den Russen schützen, entfällt jeder Grund,
gegen Bundeswehr und US-Regierung zu sein und gegen sie zu
demonstrieren; kurz: weil man demonstrieren darf, darum soll man
es bleiben lassen!
Ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht die öffentliche Be- und Ver-
urteilung von Demonstrationen im Falle der Bonner Friedensdemo
vom 10. Oktober. Die Regierung stellt fest, daß sie Protest gegen
ihre Friedenspolitik durch Aufrüstung als "regierungsfeindlich"
auffassen müsse und definiert, wo "ernster Friedenswille" aufhört
und "Gewalt" anfängt: bei "Einseitigkeit" und "Antiamerikanis-
mus". Die Friedensbewegung sagt eilfertig "SS20" vor "Pershing
II", will im Westen keinen einzigen Politiker entdeckt haben, mit
dem sich nicht in Sachen Frieden zusammenkommen läßt, und
demonstriert Freude über den SPD-Eppler, der "Friedenswillen in
Friedenspolitik umsetzt". Nachher ist die Demo ein großer Erfolg
- für die Parteien, die "beruhigt" zur Kenntnis nehmen, daß
300.000 dem an sie angelegten Maßstab in aller Friedfertigkeit
entsprochen haben. Jetzt ist viel zu tun für die Frie-
denspolitiker aller Schattierungen, den demonstrierten "Frie-
denswillen" für die Fortführung ihrer Politik einzuspannen.
So geht demokratische Vorkriegs-Friedens-Politik - Frieden an der
Heimatfront als Auftrag für den Friedenskampf des NATO-Bündnisses
in der Welt!
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