Quelle: Archiv MG - BRD RECHTSSTAAT DEMORECHT - Die Sorge um den inneren Frieden


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KÖNNEN DEMONSTRATIONEN EIN WIRKSAMES DRUCKMITTEL GEGEN DIE STAATSGEWALT SEIN?

Natürlich können sie. Wenn genügend Leute, auf deren Mitmachen die Staatsgewalt materiell angewiesen ist, offen und öffentlich die Erfüllung ihrer Ansprüche verlangen, mit der Kündigung ihres Mitmachens drohen, die verlangte Loyalität damit schon aufgekün- digt haben - dann gerieten selbst die siegesgewohnten bundesdeut- schen Polizeiminister in eine gewisse Krise. Mit der Demonstrationswelle, die zur Zeit gegen bundesdeutsche AKWs und den WAA-Bauplatz bei Wackersdorf anbrandet, haben Zim- mermann, Hillermeier und ihre schwerbewaffneten Befehlsempfänger dagegen ein leichtes Spiel: Es sind nicht die Leute, die den Staat ins Wackeln bringen kön- nen, weil ohne ihr Mittun in Sachen Macht und Reichtum nichts läuft, die diese Demonstrationskultur pflegen. Es fehlt nicht bloß an diesen Leuten, sondern erst recht an der Drohung, die von ihnen ausgehen könnte. Zu diesen Demonstrationen gehen die Leute als b e t r o f f e n e P r i v a t l e u t e hin, die sogar noch auf ihre ehrbaren Dienste pochen; nicht als geschädigte Klasse, die entschlossen wäre, ihre unverzichtbaren Dienste zu kündigen. So liegt es ganz in der Ermessensfreiheit der Behörden, für wie ernst sie diese Demonstrationen nehmen wollen. Das bißchen zur Gewohnheit gewordene Militanz gefährdet schlimmstenfalls ein paar Polizisten, aber nie und nimmer die Souveränität der Staatsge- walt. Deshalb kann der Polizeiminister genau das Maß angeben, in dem die Polizeiarmee die Demonstranten gefährdet, damit die sich das Protestieren lieber dreimal überlegen. Die jetzt doppelt betroffenen, enttäuschten und beleidigten, ehr- baren Privatpersonen überlegen sich das auch, mehrheitlich ord- nungsgemäß. Leider durchschauen sie das Spiel nicht, das die Staatsgewalt mit ihnen treibt. Statt dessen fügen sie ihrer harm- losen Beschwerde über die staatliche Atompolitik eine zweite, ebenso harmlose über ihr mißachtetes Recht auf friedfertiges De- monstrieren hinzu. Weil sie sich da ganz, besonders i m R e c h t fühlen, streiten sie über die polizeiliche Behandlung ihres Protests auch besonders gern und ausführlich. Von ihrem ur- sprünglichen Thema kommen sie damit immer weiter ab. Statt dessen nehmen sie nur eins immer wichtiger: ausgerechnet ihre grundso- lide Ehrbarkeit, gegen die die Staatsgewalt nun doch wirklich gar nicht gemacht sei. Damit haben deren Befehlshaber es gleich noch einmal doppelt so leicht bei der Entscheidung, ob sie das Zu- schlagen noch gründlicher anpacken, oder einmal eine friedliche Ausnahme zulassen wollen. zurück