Quelle: Archiv MG - BRD RECHTSSTAAT ALLGEMEIN - Eine humanitäre Errungenschaft?


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       Marxistische Schulzeitung Bremen, 01.02.1982
       

FRIEDHOFSPFLEGE: GNADE ODER STRAFE?

Ab Februar wird den zu einer Geldstrafe verknackten Bürgern bei Zahlungsunfähigkeit eine neue Alternative aufgemacht: "Statt Ge- fängnis Schnee schippen, Friedhöfe und Grünanlagen pflegen." (Weser-Kurier, 12.1.82) Was mag sich der Senat dabei wohl gedacht haben: Dienst am Allgemeinwohl als Strafe, als Gefängnisersatz! Wird der deutschen Jugend nicht in 10 und mehr Schuljahren beige- bracht, daß allgemeinwohlverpflichtete Tätigkeit in sich selbst bereits den höchsten Lohn enthält? Führt nicht jeder Berufspoli- tiker dem Nachwuchs immer wieder eindringlich vor Augen, daß es nichts Befriedigenderes für ihn gibt, als sich "im Dienste für die Allgemeinheit" (Weser-Kurier) abarbeiten zu d ü r f e n. Und jetzt soll in Bremen eben derselbe Dienst die Alternative zum Knast darstellen! Wie paßt das zusammen? Ganz einfach: Das "Allgemeinwohl" ist für diejenigen, die es ge- setzlich definieren und zu ihrer Durchsetzung allerhand unfreund- liche Akte nicht scheuen, natürlich eine einzige G n a d e. Für diejenigen, die vor lauter Steuer- und anderen Verpflichtungen aufs "Allgemeinwohl" ihre Bußgeldbescheide nicht mehr zahlen kön- nen, ist es eine einzige S t r a f e. zurück