Quelle: Archiv MG - BRD RECHTSSTAAT ALLGEMEIN - Eine humanitäre Errungenschaft?
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Die Geiselgangster:
OHNE RECHTSEMPFINDEN, OHNE MORAL? - VON WEGEN!
"Was müssen das für Menschen sein, die so eines Verbrechens fähig
sind?"
Mit dieser Frage geben Zeitgenossen ihre Meinung zum besten, daß
es sich bei einem Geiselgangster um einen ziemlichen Unmenschen
handeln muß. Leute eben, die kein Gesetz kennen, denen jedes mo-
ralische Empfinden fehlt. Das reine Gegenteil eines anständigen,
gesetzestreuen Bürgers.
Von wegen!
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Man muß nämlich für Gesetz und Moral einiges übrig haben, um auf
die Idee zu kommen, es in der bürgerlichen Welt durch Verbrechen
zu etwas zu bringen.
So ein Bankräuber, der das Eigentumsrecht b r i c h t, muß von
eben diesem Recht eine sehr hohe Meinung haben. Er will es ja
f ü r s i c h n u t z e n, indem er Eigentum aus
f r e m d e r Hand in seine e i g e n e befördert. Nichts kön-
nen Diebe weniger leiden, als anschließend beklaut zu werden!
Und an Moral gebricht es Verbrechern auch nicht, wie man an dem
"eiskalten" Geiselnehmer Rösner studieren kann. Begründet hat der
nämlich seinen Rechtsbruch unter Hinweis auf seine schwierige
Vergangenheit: Er sei immer in Erziehungsheimen und Knasts herum-
geschubst worden. Dieser Mann hat also gegen den Vorwurf,
U n r e c h t zu begehen, gekontert, daß er m o r a l i s c h
zum Verbrechen b e r e c h t i g t sei. Er sei ja nur deshalb
zum Verbrecher geworden, weil man ihm nie eine Chance gegeben
habe, mit anständigen Mitteln zu etwas zu kommen. So besehen ist
sein Bankraub nichts als s e l b s t o r g a n i s i e r t e
W i e d e r g u t m a c h u n g begangenen Unrechts. Dieser Mann
t e i l t also ganz offensichtlich den guten Glauben jedes an-
ständigen Bürgers an die Nützlichkeit der bürgerlichen Lebensum-
stände - und sieht sich e b e n d e s h a l b zum Rechtsbruch
befugt. Er glaubt allen Ernstes, die Chancen in der Konkurrenz
würden vergeben, damit sich jedermann ein Auskommen verschaffen
könne - und moniert deshalb seine miese Lage als
V o r e n t h a l t u n g von Chancen. Er hält seine Situation
allen Ernstes für eine a u s d e m R a h m e n der gültigen
Gerechtigkeit f a l l e n d e n
U n r e g e l m ä ß i g k e i t, die es eigentlich in dieser Re-
publik nicht geben dürfte. Dieser Mann teilt mit anderen Worten
die gültige Einbildung, hier könne es jeder zu etwas bringen,
wenn er das Zeug dazu habe - von ein paar Pechvögeln abgesehen.
Gerade so, als wären die Chancen in der Konkurrenz nicht dazu da,
die Mehrzahl der Leute auf lebenslange Arbeit und Armut zu ver-
pflichten, damit sie sich fürs Kapital nützlich machen. Und eben
diese von tausend anständig, aber arm gebliebenen Bürgern ge-
pflegte Idee vom u n v e r d i e n t e n Schicksal macht ihn
zum Verbrecher mit dem allerbesten Gewissen. Und die Heuchelei
des gewöhnlichen Moralisten beherrscht er auch: Jede Schweinerei,
die er begeht, ist ihm von außen aufgezwungen worden.
Man sieht: Vieles hat dieser Geiselnehmer im Leben verpaßt, aber
moralische Indoktrination hat er reichlich abgekriegt.
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