Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION WAA - Von Wackersdorf
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Pfingsten in Wackersdorf:
"DIE POLIZEI HÄTTE SCHIESSEN DÜRFEN"
(Bayerischer Innenminister Hillermeier, Weser-Kurier, 22.5.86)
Gesundheitsruin in den Fabriken und neue Armut draußen; strah-
lende Atomkraftwerke für die Nation und eine satte Erhöhung der
Krebsrate für die Bevölkerung; obendrauf noch eine Wiederaufbe-
reitungsanlage in Wackersdorf, die den staatlichen Brennstoff-
kreislauf "autark" und die Verseuchung der Landschaft und ihrer
Bewohner komplett macht - das ist der soziale Friede der Demokra-
tie. S t ö r u n g des sozialen Friedens heißt einzig und al-
lein der Protest gegen solche Zumutungen wie die WAA. Da fragt
kein Minister und kein Pressefritze, was die Demonstranten einzu-
wenden haben. Was zählt schon die Gesundheit der Leute, die ohne-
hin nicht fürs Privatvergnügen da ist! Daß Leute überhaupt gegen
einen Beschluß der Staatsgewalt anstinken, gilt als, unerträgli-
che Nötigung des Gewaltmonopols. Das bayrische Innenministerium
d e f i n i e r t unter dem Beifall der Öffentlichkeit eine De-
monstration als K r i e g s e r k l ä r u n g an den Staat -
und läßt sie von seinen beamteten Gewalttätern prompt entspre-
chend beantworten:
* Hundertschaften gehen im Laufschritt gegen Demonstranten,
Frauen und Kinderwägen vor!
* Daß die Polizei noch k e i n e n erschossen hat, vermerken
Einsatzleiter und Innenminister als Zufall!
* Neue Distanzwaffen spendiert Hillermeier seiner Einsatztruppe!
Damit das Demonstrationsrecht noch wirksamer geschützt und Demon-
stranten noch besser abgeräumt werden können!
* Der Landfriedensbruchtatbestand soll wieder ins Strafrecht ge-
schrieben werden! Zusammenprügeln vor Ort reicht nicht. Erwischte
Demonstranten brauchen einen lebenslangen Denkzettel!
* Staatsminister Möllemann fordert in BILD den Einsatz der "Anti-
Terror-Einheit GSG 9". Wer auch nur das Maul gegen die WAA am
falschen Ort zur falschen Zeit aufmacht, gehört wie ein Terrorist
erledigt!
G e w a l t t ä t e r heißen nicht die bis an die Zähne bewaff-
neten Polizeistreitkräfte, sondern diejenigen, gegen die sie mit
aller Härte vorgehen, Gewalt darf kein Mittel der Politik sein,
heißt es von oben! Also gehen die Vertreter des Ge-
walt m o n o p o l s gegen jeden vor, der die Gewalt als aus-
schließliches Mittel s t a a t l i c h e r Politik in Zweifel
zieht. Und sei es auch nur durch ein Spruchband oder ein Ge-
sichtstuch gegen Tränengas.
Kampfhubschrauber hauen Gasgranaten in die herumstehenden Men-
schentrauben vor Wackersdorf! So wird mit kriegsähnlichen Hand-
lungen gegen demonstrierende Bürger der innere Friede gesichert.
Wer da "friedlicher" oder "unfriedlicher" Demonstrant ist, ent-
scheidet sich weder am Knüppel in der Hand, noch am Tuch im Ge-
sicht. Was der Staat als "unfriedlich" beurteilt, wird auch so
behandelt. Und der hält jeden Demonstranten für einen zuviel! Wie
ließ doch der bayrische Innenminister Hillermeier ausrichten:
"Polizei hätte schießen dürfen!"
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Was hat ein Staat mit seinem Volk wohl vor, wenn er sich bei der
Beseitigung des letzten Restes von Kritik soviel Mühe gibt?
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