Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION WAA - Von Wackersdorf


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WAA WACKERSDORF: EIN GROSSMACHTPROJEKT UND SEINE DEMOKRATISCHE ABWICKLUNG

Daß in der nun in Bau gehenden WAA Wackersdorf radioaktive und andere hochgiftige Stoffe in gewissen Portionen freigesetzt wer- den; daß also ganz notwendig auch der nähere und weitere Umkreis samt seiner Bewohner damit "angereichert" wird, ist kein Geheim- nis. Es geht in Ordnung, weil der Staat Höchstwerte für Dauer- und Kurzzeitvergiftungen festgelegt hat, bei deren Einhaltung Vergiftungen durch Gesetzeskraft unschädlich sind. Das beweisen schließlich die anderen Kernkraftwerke und zahllose sonstige In- dustriebetriebe, die innerhalb der gültigen Grenzwerte, also to- tal sauber Krankheiten verbreiten. Daß der Staat zahlreiche Anliegen kennt und fördert, um deretwil- len sich die Ruinierung der "Bürger" lohnt, will freilich niemand für ein Argument gegen den Staat halten. Lieber sorgt man sich über die Möglichkeit von Katastrophen, de- ren Folgen doch garantiert dem Staatszweck zuwiderlaufen. Oder um den Wald. Mit Milliardenbeträgen - aus Steuern und Strompreiserhöhungen für die kleinen Stromverbraucher - finanziert der Staat die WAA, so daß sie für deren Betreiber zum Geschäft wird. Offenbar hält er die Selbstversorgung in Sachen Energie, auch wenn sie teuer kommt, für unabdingbar - für den Fall, daß es einmal "hart auf hart " zugeht. Kriegs- und Krisenfälle wollen eben nicht vermie- den, sondern wohlgeplant sein. Die Rolle, für die Otto Normalverbraucher dabei jetzt und in Zu- kunft vorgesehen ist, müßte einem glatt zum Staatsfeind werden lassen. Es sei denn, man macht eine fiktive "volkwirtschaftliche Gesamt- rechnung" auf, die davon absieht, wer die Kosten trägt und wer den Gewinn hat - und schon kommt per Saldo ein Minus heraus, das doch der Staat selbst nicht wollen kann, in den Augen seiner selbsternannten Finanzberater. Mit einer Plutoniumfabrik macht sich die BRD nicht nur in der En- ergieversorgung ein Stück weit unabhängig: sie steigt auch in die Plutoniumtechnologie ein, unerläßliche Voraussetzung eigener Atomwaffen. Auch wenn die BRD für den Krieg gegen den Ostblock massiv und immer mehr mit amerikanischen Atomwaffen aufgerüstet wird, auf die Möglichkeit z u s ä t z l i c h e r, e i g e- n e r Atomsprengköpfe - gegen wen sollen die wohl losgehen?! - will unser Staat auf keinen Fall verzichten. Für einen Hinweis auf den entschiedenen und eigenständigen Kriegswillen will das keiner nehmen. Stattdessen sorgt man sich um den guten Ruf unserer Friedensrepublik oder entrüstet sich über vermehrte Kontrollen unbescholtener Bürger im "Atomstaat". An seiner Entschlossenheit, das Vorhaben durchzuziehen, will der Staat nicht den leisesten Zweifel aufkommen lassen. Jede noch so staatsfromme Kritik, jede kreuzbrave Protestveranstaltung gilt ihm als staatsfeindlich und wird als "Widerstand" mit bürger- kriegsmäßigem Polizeiaufgebot beantwortet. So eben wird ein geistiger Schulterschluß hergestellt - vor- kriegsmäßig. Die Protestler bejammern derweil ihre unverdiente Behandlung: Sie seien doch gewaltfrei bis zur Selbstaufopferung und heimat- verbunden wie die ganze reaktionäre Oberpfalz. Sie hätten Opposi- tion doch nie mißverstanden als Stimmungsmache zur praktischen Bestreitung dieses Staates. So sind dann Leute, die eine Kirche am liebsten von außen sehen, in den Taxöldener Forst gezogen, um gemeinsam mit Pfaffen Anti- WAA-Messen zu feiern. Haben mit denen, die sie bislang Spießbür- ger geheißen haben, ein Freundschaftshaus gebaut und mit Förstern Bäumchen gezählt. Das hat sich ausgezahlt: Sogar Leute, die die WAA für ein Kriegsprojekt halten und es auch noch sagen, haben von den Oberpfälzern Brote geschmiert bekommen weil sie sich in die Einheitsfront aller guten Heimatschützer eingereiht haben. Unter dem Motto: "Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht" sind sie pünktlich zur endgültigen Räumung ein letztes Mal angetreten, um sich erklärtermaßen wegtragen und einbuchten zu lassen. Eine letzte Klarstellung sozusagen, daß "Widerstand" nichts auch nur mit dem Versuch zu tun hat, die Vorhaben des Staates zu verhindern - wie also ihre ganze Opposition gemeint war: Als Beitrag zum inneren Frieden mit sich selbst. Auf daß man sich hinterher noch ins Gesicht sehen kann. zurück