Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION VOLKSZAEHLUNG - Vom Volkszählungsboykott
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WENN JUSOS PROTESTIEREN...
1987 ist allgemeine Volkszählung. Die SPD in Bonn und in Bremen
ist dafür. Schließlich ist jetzt im zweiten Anlauf sicherge-
stellt, daß für das Ausspionieren und die Kontrolle der Bürger
nur die Daten benutzt werden, die die Sicherheitsbehörden für
notwendig erachten. 1987 sind auch Bundestagswahlen. Da bekommen
die jungsozialistischen Wahlhelfer ein kleines Problem. Wie las-
sen sich mit dem Thema Volkszählung SPD-Stimmen bei Leuten ein-
fangen, die nicht für die Volkszählung sind? Z.B. so.: letzte Wo-
che gaben zehn Bremer Jungsozialisten unter Anteilnahme der Jour-
naille in den Amtsräumen des Innensenators einen beinharten Pro-
test gegen die Volkszählung zu Protokoll:
"Das lokalpolitische Argument des Innensenators, mit den neuesten
Zahlen mehr Geld für Bremen aus dem Länderfinanzausgleich heraus-
holen zu können, kehrt sich für die Jusos um: 'Es kann angenommen
werden, daß die Einwohnerzahl nach unten korrigiert werden muß,
und Bremen daher weniger Geld bekommt.'" (taz, 1.12.86)
Wenn man Lokalpatriotismus mit Protest verwechselt, eröffnet der
Boykott der Volkszählung ungeheure Perspektiven. Jeder nicht aus-
gefüllte Fragebogen vertuscht die Schrumpftendenzen im Stadt-
staat, in Bonn merkt man nichts, und der Landeshaushalt ist ge-
rettet. Das muß selbst Kröning unter die Haut gehen! Der Erfolg
der Stimmenfischerei konnte nicht ausbleiben.
"Senatsdirektor Kahrs sagte zu, einen Termin für eine Diskussi-
onsveranstaltung zu suchen, und der Pressesprecher verabschiedete
die Protestant/inn/en mit Händedruck." (dito)
Tschüß, bis morgen abend im Ortsverein.
P.S. Die amtliche Zurückweisung des flauen Juso-Protests ist auf-
schlußreich. Der Staat hat Vorsorge getroffen, seinerseits einen
Volkszählungsboykott zu boykottieren. Wie der Leiter der Abtei-
lung Bevölkerung/Wahlen Jürgen Dinse, sagte, würden die Bremer
schon jetzt 'penibel gezählt'. Große Überraschungen erwartet
Dinse deshalb nicht, und selbst ein Boykott hätte keinen Einfluß
auf die Bevölkerungszahlen. Die Statistiker sind nämlich befugt,
auf die Daten der Meldeämter zurückzugreifen, 'wenn im Einzelfall
eine Auskunft innerhalb von sechs Wochen nach dem Zählungsstich-
tag nicht zu erreichen ist'." (WK, 9.12.86)
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