Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION TERRORISTEN - Die Gegengewalt der Ohnmacht


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       Wochenschau
       

DER HUNGERSTREIK DER RAF-GEFANGENEN

nötigt dem Staat nicht einmal mehr eine Terrorismusdebatte auf: Er ist bestenfalls ein Problem des Strafvollzugs für politische Häftlinge. Und darüber wird mit allem Zynismus juristischer Men- schenverachtung diskutiert: Die Auffassung c h r i s t l i- c h e r Politiker, sekundiert von der Springer-Presse plus FAZ, plädiert aus "humanitären Erwägungen" fürs Verreckenlassen, weil Zwangsernährung "menschenunwürdig" ist. Dahinter steckt natürlich die Überlegung, daß sich der freiheitliche Rechtsstaat prinzipiell zu nichts zwingen läßt, schon gleich gar nicht durch eine Spekulation auf seine Humanität. Und wenn seine Feinde dabei draufgehen, dann ist das ein "Selbstmord", der den Sicherheitsbehörden ein Problem preiswert vom Hals schafft. Die Liberalen, vertreten durch den Abgeordneten Hirsch, wollen nicht darauf verzichten, den Rechtsstaat gleich doppelt über seine bewaffneten Gegner triumphieren zu lassen: Wenn er sie aus dem Verkehr zieht - und wenn er sie dann im Knast mit allen Schikanen modernen Strafvollzugs traktiert: "Wenn der Arzt einen kritischen Zustand diagnostiziert hat, muß er einschreiten, weil der Staat sich für die Währung des Lebens entschieden hat." (Hirsch) Daß dies im Falle von "Terroristen" nicht so ohne weiteres zutrifft, sagt der "linksliberale" Hirsch allerdings sehr deutlich: "In der Frage der Zwangsernährung müßten die Mediziner im Einzelfall ihr Urteil fällen. Die Zwangsernährung soll aber nicht b e r e c h e n b a r gemacht werden." Ein gewisses Abkratzri- siko muß bleiben für den Häftling! - Bei solch' genuin-rechts- staatlichen Erwägungen ist es völlig selbstverständlich, daß be- reits der Gedanke, man solle doch den Forderungen der Hunger- streikenden entgegenkommen und ihre Sonderbehandlung per Isolati- onshaft aufheben, als "Sympathie für Terrorismus" gilt. zurück