Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION TERRORISTEN - Die Gegengewalt der Ohnmacht


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       Terroristenprozeß gegen die Jordanier Hasi und Salameh
       

DIESMAL: "IN MOABIT DEN WEG NACH DAMASKUS SUCHEN!" (SZ)

Berlin bietet der bundesdeutschen Öffentlichkeit eine ungewöhnli- che Schau: einen Prozeß, in dem ein Landgericht gegen einen frem- den Staat, Syrien, als Bombenleger ermittelt. Die kundigen Pro- zeßjournalisten von FAZ bis taz sind sich jedenfalls einig: Ob die Angeklagten Hasi und Salameh eine Bombe an die Wand der Deutsch-arabischen Gesellschaft in Westberlin gelegt haben, ist nebensächlich, bzw, nur mittelbar interessant. Wie in einem Krimi setzen sie stattdessen ihre rechtsbewußten Leser auf eine Fährte, wie der Prozeß politisch betrachtet werden soll: "In Moabit den Weg nach Damaskus suchen" (Süddeutsche Zeitung). Mit Berichten über die Angeklagten, die geeignet sind, für tiefste A b s c h e u gegen sie zu sorgen, ist es daher diesmal nicht getan. Aus einem in London rechtskräftig als Terroristen verur- teilten Jordanier und seinen zwei in Berlin angeklagten Landsleu- ten, die das Bombenattentat gestanden haben, sollen schließlich Kronzeugen werden. Auch ohne das neue Gesetz. Also sorgt man sich öffentlich um die G l a u b w ü r d i g k e i t der Angeklag- ten. Und fahndet mit nach "Geheimdienstkontakten", die für die überschrift taugen: "Deutliche Spuren nach Damaskus" (taz). Den Unfug, Geheimdienstaktivitäten würden nicht mehr von den ein- schlägigen Diensten in Köln und Pullach enttarnt und erledigt, sondern von den Robenträgern in Moabit, soll jeder glauben. Dabei darf er sich natürlich nicht von gewissen Ungereimtheiten stören lassen, die höchste Instanzen verantworten. Immerhin hatte Frankreichs Premier Chirac, dem im Ernstfall gründlichere Geheim- dienstdossiers vorliegen als einem Londoner Gericht, den Kronzeu- gen für Thatchers Vorgehen gegen Syrien einigermaßen demontiert. Er hatte nämlich angedeutet, der israelische Geheimdienst habe der schwangeren Braut Hindawis die Bombe ins iäschchen getan, um über Hindawi Syrien zu diskreditieren. Die Angelegenheit wurde auf höchster Ebene zwischen London und Paris und zwischen Chirac und Kohl bereinigt. Danach hatten die israelischen Agenten den geplanten Anschlag nur entdeckt, statt eingefädelt. Auch die Berliner Kronzeugen für die deutsche An- klage Syrens haben einen kleinen Haken. Sie wurden schon mal ein- schlägig verhört, aber um libysche "Hintermänner" zu enttarnen. "Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft bestätigte der Vernehmungs- beamte Salamehs, die libysche Botschaft könne zunächst ins Ge- spräch gekommen sein, weil (!) die mit dem Fall befaßte Sonder- kommission gleichzeitig wegen des Bombenanschlags auf die Schöne- berger Diskothek "La Belle" gegen Hasi ermittelt habe." (Weser- Kurier ) Die Wahrheitsfindung geht verschlungene Wege. Bundeskanzler Kohl hatte damals, rechtzeitig einige Tage nach dem US-Bombardement Libyens, "beweisfähige nachrichtendienstliche Quellen dafür..., daß das libysche Volksbüro in Ostberlin für den blutigen Terror- anschlag... die Verantwortung trägt." (16.4.86 im Bundestag) Und die rechtschaffenen Bundesbürger hatten die nationalistische Ge- nugtuung, daß die "eigenmächtigen US-Rambos" letztlich doch nur gute deutsche Gerechtigkeit hatten walten lassen. Nun ist Syrien dran. "Wie aus Kreisen der Staatsanwaltschaft bekannt wurde, sollen die Ermittlungen in Sachen "La Belle" demnächst eingestellt werden." (SZ) Ungereimtheiten dürfen eben nicht stören, wenn die längst be- schlossene NATO-Feindschaft gegen den letzten Partner der UdSSR im Nahen Osten, Syrien, als wohlbegründete Konsequenz eines Ur- teils erscheinen soll, das nach allen Regeln bundesdeutschen Straf- und Prozeßrechts getroffen wurde. zurück