Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION TERRORISTEN - Die Gegengewalt der Ohnmacht
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LEKTIONEN ZUR FOLTER
"Was die Folter angeht, so glaube ich ausschließen zu können, daß
sie in Italien praktiziert wird, wenigstens wenn man unter Folter
nicht ein paar Tritte in den Hintern oder Kinnhaken versteht,
die, in der Theorie, niemand verpassen dürfte, die aber tatsäch-
lich jede Polizei, auch die korrekteste und sanfteste - und die
italienische Polizei gehört dazu - verabreicht."
"Ich sage, 'ich glaube ausschließen zu können', weil ich noch bei
keinem Verhör anwesend war."
"Aber da ich von gewissen 'signorini' verhört worden bin, die an
Methoden zur Beschleunigung eines Geständnisses nichts von nie-
mandem dazulernen konnten - ich spreche von der deutschen SS -,
weiß ich sehr genau, wie so etwas in der Praxis abgewickelt wird
und wie überflüssig dabei die Folter ist. Da reicht es schon, den
Befragten ununterbrochen 10 oder 12 Stunden lang dem Druck der
Befragung auszusetzen, vorzugsweise nachts und unter einem Licht
mit starker Voltzahl, um die Nerven kaputtzumachen und dem Mund
jedes gewünschte Geständnis zu entlocken."
"Aber mehr noch: Die Folter läßt sich nicht verheimlichen, man
sieht sie dem Gefolterten auf den ersten Blick an, auch wenn er
keine Verletzungsspuren aufweist: Man sieht sie am erloschenen
Blick, am Zittern, an der Langsamkeit der Reflexe, am Mangel an
Reaktionen. Und mir scheint nicht, daß die Terroristen, die be-
haupten, gefoltert worden zu sein, diesen Anblick boten. Im Ge-
genteil: dreist und unverschämt brüllten und lachten sie nur
hämisch in ihren Käfigen."
"Alles in allem scheint mir die Folter wenig, um nicht zu sagen
gar nicht wahrscheinlich." (Indro Montanelli in "Oggi")
Lektion Nr. 1:
Sehen Sie das Folter p r o b l e m erstmal theoretisch, zumal
hier die Grenzen fließend sind. Die Frage: wo fängt sie an, wo
hört sie auf, ist nur durch die Praxis zu entscheiden.
Lektion Nr. 2:
Wenn a l l e (ein ganz klein wenig) foltern, kann von Folter
nicht die Rede sein: Die Sache hat unzweifelhaft ihre Vorzüge.
Lektion Nr. 3:
Sie waren nicht dabei! Also erheben Sie keine vorschnellen Vor-
würfe gegen zartbesaitete Ordnungskräfte, sondern schenken Sie
ihnen Vertrauen!
Lektion Nr. 4:
Sie waren nicht dabei! Also informieren Sie sich genauestens über
die Feinheiten des Folterwesens, um mitreden zu können.
Lektion Nr. 5:
Merken Sie sich: Beim Foltern kommt's auf das Geständnis an - und
mittelalterliche Methoden wie Daumen- oder Beinschrauben waren
schon unter den Nazis nicht mehr up to date.
Lektion Nr. 6:
Identifizieren Sie jeden, der sich nicht um die Effektivität des
Polizeiapparats kümmert, als Staatsfeind. Schmettern Sie den Ver-
gleich zwischen den Verhörmethoden Ihres und des Nazi-Staates da-
mit ab, daß bei der SS von Folter nicht die Rede sein kann!
Lektion Nr. 7:
Lassen Sie sich nichts vormachen: Folter ist brutal! Schauen Sie
sich die Gefangenen genau an:
- Solche, die nach der Tortur noch die Kraft zur Behauptung auf-
bringen, gefoltert worden zu sein, sind in den seltensten Fällen
wirklich gefoltert worden.
- Solchen, die noch mehr überschüssige Energie aufweisen, täte
ein wenig - Sie wissen schon, was ich meine - nicht schlecht, um
sie endlich zu zivilisieren.
Lektion Nr. 8:
Formulieren Sie gerade zu so einem heiklen Thema wie der Folter
stets die offizielle Sprachregelung als Ihre ganz persönliche
maßgebliche Meinung!
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