Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION REVIS - Links von der SPD


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       MSB/SHB
       

DIE LOGIK DES OPTIMISMUS VON UNTEN

Sommer 82. England hat gerade in Falkland gewonnen, Israel met- zelt im Libanon, in Deutschland gibt es wieder erste Hurra-Mani- festationen - und aus der Perspektive linker Friedensbewegter ist die Weltlage samt Kräfteverhältnis hoffnungsvoll. Man selbst ist die Kraft, "auf die die Zukunft bauen kann, die sie vielleicht erst ermöglicht" (Rotkäpchen, MSB Bonn, 3. Juniwoche), die Demon- stration der CDU dagegen war eine "der Ewiggestrigen, eine Demo der Mumien." Wie man sich doch in die Tasche lügen kann! Ganz so, als habe sich die Zukunft dafür entschieden sich nur nach den Vorstellun- gen der Friedensfreunde zu richten, bietet man sich als deren Baumeister an. B i s d a h i n kann man dann ja eigentlich Tee trinken gehen und bräuchte sich nicht einmal mit Euren Transpa- renten in Bonn zu tummeln. Oder habt Ihr Angst, "die Zukunft" könnte, entgegen ihrer objektiven Tendenz, doch übersehen, daß Ihr sie "erst ermöglichen" wollt? Das wäre aber dumm von der Zu- kunft. Hat sie doch dann nicht gespannt, daß sie mit den jetzigen Staatsmännern keine Chance hat, jemals zu beginnen. Die denken westlicherseits nämlich nicht etwa an die sehr bestimmte, für sie sehr nützliche Zukunft, wie schön die Welt erst ausschaut, wenn NATO-Kraft die Russen weggeputzt hat (mit oder ohne Krieg!) und die ganze Welt im Glanze des Friedens in Freiheit 2000 erstrahlt - nein, nach revisionistischer Logik wollen sie - Mumien die sie sind - die Welt "in Schutt und Asche legen", u m die rosige Zu- kunft zu verhindern. Klar: Wer an der Kriegsplanung der Politiker nur die Z e r s t ö r u n g sehen will (und nicht, daß die Op- ferung eigenen menschlichen Kriegsmaterials und nationalen Reich- tums der Zerstörung des F e i n d e s zu d i e n e n hat); wer daraus den Schluß zieht, Krieg werde um des blöden Zwecks willen geführt, alles inklusive die eigene Nation für immer zu Klump zu hauen - das wäre in der Tat "Wahnsinn" (und nicht um der handfesten Absicht willen, hinterher einen noch gelungeneren, ge- waltigeren, also für die Staats- und Geschäftsinteressen noch nützlicheren Frieden aufzubauen); wer demnach nicht wahrhaben will, wie frei die Vertreter der Freiheit mit Krieg u n d Frie- den kalkulieren, der klärt nicht nur nicht über Zwecke und Mittel des Imperialismus der NATO auf - wie MSB/SHB sich brüsten -, son- dern der verharmlost auch die (kommenden) Macher dieser Politik, als Negativbild der eigenen Dialektik, als "ewiggestrige Mumien". Auf diese Weise e r s e t z t ein hoffnungsfrohes Weltbild den Kampf gegen die Zustände auf dieser Welt. Als entsprechend naives Selbstlob fällt die Einschätzung der CDU- Demonstration "Gemeinsam für Frieden in Freiheit" aus, auf der erstmalig in der Geschichte der demokratischen BRD ein Riesen- platz voller Nationalisten der Aufforderung seiner Herren folgte, nur noch Deutschland, die Hymne, Ronald und Amerika zu kennen und zu lieben. Helmut Kohl soll nichts als "Unsinn verzapft" haben, als ob dieser Mann nichts als sein Name wäre, seine Worte nicht den furchtbaren Sinn machten, den amerikanischen Freund als tod- sicheren Partner willkommen zu heißen, um Deutschland zu stärken, und er nicht über die Mittel verfügte, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Ganz in diesem Sinne hält der SHB (offensiv, 4/82) die Worte: 'Thank you America, thank vou for peace and freedom' kei- nesweg für den so betitelten Anspruch der NATO-Partner auf Welt- herrschaft, sondern für eine "Verleugnung der eigenen Ziele"! Und daran muß ein aufrechter Friedensbewegter wohl auch glauben, sonst würde er an seiner eigenen Friedenssehnsucht irre werden. Statt spätestens an dieser Manifestation der P o l i t i k, die ihre braven Untertanen für das feierliche Bekenntnis zu ihr, zu ihren internationalen Interessen und Vorhaben, ihren Waffen und ihren Idealen, einspannt, zu bemerken, daß Frieden d e r e n Metier ist (weil es auch sein Zwilling, der Krieg, ist!), wirft er den Machern beleidigt vor, sich ungerechtfertigt jenes feinen Etiketts zu bedienen, das doch die Friedensbewegung von unten für sich gepachtet hat: "Anbiederung, schmutziges Verleugnen politischer Ziele, spricht aus dem Versuch Kohls, verlorene Felle zurückzugewinnen." (SHB) Nehmt's doch mal umgekehrt: Wenn man erst gar nicht versucht, der Politik etwas von ihren Fellen wegzunehmen, also mit ihr um die Krone des besseren Friedensapostel konkurrieren will und dabei bestenfalls moralischer Sieger wird, dann kann man auch nicht das peinliche Problem bekommen, sich von den Herrschaften, die über Krieg und Frieden entscheiden, distanzieren zu müssen. Ein be- zeichnendes Problem der Friedensbewegung! Auf den Begriff bringt es der SHB, wenn er der christdemokratischen Demo genau das vor- wirft, was er sonst an der Friedensbewegung so lobt ("der 10.6.: ein Volksfest des Friedens, die Einheit: unsere Stärke") "Die CDU war nur zu diesem Volksfest des Minimalkonsens in der Lage." (offensiv) Der kleine Unterschied: Bei der CDU ist dies kein "nur"; für die Friedensbewegung ist dies dagegen ihr zentraler Fehler. Wenn Frieden ein Volksfest sein soll, dann ist auch jedes politische Volksfest eines für den Frieden (wenn auch manchmal unter falscher Führung): "Die CDU hat uns gezeigt, daß es trotz ihrer Rüstungshetze in der Basis Schwachstellen gibt, Menschen, die eigentlich guten Willens sind, nur das Pferd noch nicht erkannt haben, auf das sie set- zen." (offensiv) Ach so! Dann haben sich die 100.000 CDU-Mobilisierten nur im Da- tum geirrt?! Oder wer? zurück