Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION REVIS - Links von der SPD
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Der Veranstaltungskommentar
ENTLARVT UND GESTÄNDIG!
Letzten Donnerstag fragten MSB Spartakus und DKP-Hochschulgruppe
sich und gut 300 Leute "Wie marxistisch sind die Marxistischen
Gruppen?". Referenten die MSB-Bundesvorständler B. Gäbler und W.
van Haaren, assistiert von Prof. Steigerwald (DKP-Experte für
"marxistische Forschung").
Seit langem die bestbesuchte p o l i t i s c h e Veranstaltung
des MSB. Das Interesse galt jedoch keineswegs solchen, nach Auf-
fassung des MSB anscheinend minder wichtigen Gegenständen, wie
z.B. der NATO, der Planung des 3. Weltkrieges, der neuen Regie-
rung in Bonn samt ihrem Massenverelendungsprogramm, sondern aus-
gerechnet der MARXISTISCHEN GRUPPE und der Klärung einer die Mas-
sen so brennend interessierenden Frage, ob das "M" vor dem "G"
authentisch sei wie vergleichsweise das "D" vor dem "KP". Weil
die MG bei ihren Themen für öffentliche Diskussionsveranstaltun-
gen die Prioritäten ein wenig anders setzt, fiel die vom Veran-
stalter angebotene Auseinandersetzung mit den zur Exkommunikation
Vorgesehenen aus und der MSB konnte sich ausführlich dem Zweck
widmen, schlagend und lückenlos den Beweis anzutreten, daß alles,
was die MG meint und macht, das schiere Gegenteil von Theorie und
Praxis des MSB und der DKP ist. Dabei konnte es nicht ausbleiben,
daß die "Entlarvung" des konkurrierenden Vereins als Material für
diverse Laudationes auf bürgerliche Institutionen und Verhält-
nisse hergenommen wurde. Ein Beispiel: Im Unterschied zum MSB be-
merkt die MG am U n t e r s c h i e d zwischen Faschismus und
Demokratie die G e m e i n s a m k e i t e n zweier Varianten
politischer H e r r s c h a f t, weshalb ihre Kritik am Fa-
schismus nicht dem Zweck gehorcht, Argumente für die Demokratie
zu finden. Daß letzteres ein Fehler ist, wurde selbst noch in den
Passagen des Referats deutlich, in denen die Demokratie mittels
des Faschismus gegen die MG verteidigt werden sollte:
"Daß die Demokratie einen unmittelbaren Nutzen für die Arbeiter-
klasse hat, läßt sich am Nazifaschismus beweisen. Wenn 1933 nicht
Faschismus, sondern Demokratie gewesen wäre, wären uns vielleicht
viele Hunderttausende Tote, vielleicht auch 20 Mio. Tote erspart
geblieben."
Man muß schon sehr geflissentlich von den aktuellen Leistungen
demokratisch beherrschter Staatswesen in Sachen Leichenproduktion
auf dem Globus absehen, ganz zu schweigen von den Resultaten de-
mokratischer Rüstung, die auf Wirkungen abzielen, von denen Hit-
ler und die Seinen nur träumen konnten, um in Herrschaft, die auf
demokratische Z u s t i m m u n g des Volkes setzt, ihre
B e s c h r ä n k u n g feiern zu können. Von ähnlicher "Logik"
waren auch die übrigen Abteilungen des an MG-Kritik Gebotenen,
die jeweils in blanke Rechtfertigungen von SPD, DGB, Friedensbe-
wegung, studentischem Sozialkampf etc. umschlugen, ohne ein ein-
ziges Argument der MG gegen diese "Kräfte des Fortschritts" wi-
derlegen zu können. War so auch gar nicht intendiert: Festgehal-
ten sollte lediglich die Differenz zum MSB werden, weswegen über-
all t h e o r e t i s c h e Defizite der MG - weil
A b w e i c h u n g vom MSB-Programm - und p r a k t i s c h e
Versäumnisse - weil S c h e i t e r n an MSB-Zielen - gebrand-
markt wurden. - Das häufige Zitieren von Marx und Engels (unserer
bescheidenen Auffassung nach lagen sie in ihrer Kritik des Kapi-
talismus goldrichtig, gehören sie studiert und nicht zur Beru-
fungsinstanz heruntergebracht!) gibt kaum Antwort auf das erle-
sene Problem, ob die erwähnten Herrn heute als Initiatoren der
VDS oder des DGB in Erscheinung treten würden.
Die Veranstaltung war insofern ein Erfolg, als sie klarmachte,
daß in der Tat zwischen MSB und MG ein himmelweiter Unterschied
besteht. Argumente, um die bestehenden Differenzen zwischen dem
MSB und seinen potentiellen Adressaten aufzuheben, wurden nicht
geboten. So gingen die paar, die sich einen Streit zwischen Ver-
anstaltern und dem personifizierten Thema der Veranstaltung ver-
sprochen hatten, bald wieder nach Hause. Denn dem Glauben, daß
die MG schuld daran ist, daß die DKP nichts taugt, hängen nur
Leute an, die den Mißbrauch der Berufungsinstanz "M" zu d e m
politischen Problem erklären. Die bauen den erwünschten Streit um
die Rechtsnachfolge einer Autorität zu einer nationalen Kampagne
aus, weil sie das für d a s Interesse von - Marxisten halten.
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