Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION REVIS - Links von der SPD
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DKP '89:
FRÜHER WOLLTEN WIR DIE WELT V E R Ä N D E R N;
JETZT MEINEN WIR, DASS WIR SIE NEU INTERPRETIEREN MÜSSEN
Auf der DKP-Veranstaltung "Von der Parteiruine zur radikalen Lin-
ken" (8.11.89) in der Heinrich Vogeler Buchhandlung in Bremen gab
der Referent - Prof. Fülberth - sinngemäß folgende Sicht der Welt
1989 zum Besten:
"Der Kapitalismus ist eine relativ junge Produktionsweise, die
noch Jahrhunderte fortdauern wird und zur Zeit gerade einen vor-
läufigen Endsieg errungen hat. Der Reale Sozialismus im Osten,
ohnehin nur eine Art Staatskapitalismus und kein Kommunismus, ist
gescheitert und löst sich auf. Die Aufgabe der bundesdeutschen
linken Intellektuellen liegt jetzt darin, die neueste
Entwicklungsphase des Kapitalismus genau wahrzunehmen."
Warum beschimpft die DKP nun ihre bisherigen Vorbilder, die Ost-
blockstaaten? Sie sind erfolglos in der Staatenwelt, also - so
die Interpretation - muß ihr System verkehrt sein, so daß es zu
Recht auf den Müllhaufen der Geschichte gehört. "Erfolg gibt
recht" heißt diese Logik, mit der dem Kapitalismus dann ein dic-
kes Lob ausgesprochen wird. W a s da Erfolg hat, steht gar
nicht zur Debatte: Kapital w a c h s t u m und 3 Millionen Ar-
beitslose, Weltschuldenmanagement und hungernde Neger etc. Daß
diese Sorte Gesellschaft sich als erfolgreich fortexistierend er-
weist, nimmt die DKP als Ausweis ihrer Existenz b e r e c h-
t i g u n g und weiß keinen Grund mehr zu ihrer Abschaffung, so
daß es ihr offenbar als unumgängliche Notwendigkeit einleuchtet,
daß der Kapitalismus noch mindestens bis zur nächsten Eiszeit
herrscht. Mit dieser Tilgung jeder Erinnerung daran, daß ihre
Partei einmal eine K r i t i k und Veränderung des herrschenden
Kapitalismus bezweckte, liegt das neue Programm fest: Den
Kapitalismus "wahrnehmen" und über den Sozialismus als in
biblischen Zeiträumen sich erfüllende Hoffnung philosophieren -
"Abwarten und Tee trinken" heißt die neue Kampfparole. Prost!
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