Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION REVIS - Links von der SPD


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       Studentenpolitik
       

WAS SIND DAS FÜR LEUTE, DIE HEUTE BEIM SPARTAKUS LANDEN

"Vielleicht hat der eine oder andere schon vom MSB SPARTAKUS ge- hört - wußten Sie schon, daß es sich beim SPARTAKUS erst in zwei- ter Linie um eine besondere Form studentischen Küssens handelt? - Schließlich verteufeln uns hin und wieder auch diverse normale Tageszeitungen." Diese Verteufelung machen wir nicht mit, sondern wollen ganz ernst die Titelfrage beantworten. Streng materialistisch, indem wir aus der Art und Weise der Agitation des MSB den Schluß zie- hen, daß die so für den Spartakus Gewonnenen auch so sind, wie man sie erwischt hat. So viel sei vorher schon verraten: Es kann nur Gutes über diese Menschen berichtet werden. Also: Was sind das für Leute? 1. Menschen mit starker Einbildungskraft. ----------------------------------------- Eine bundesweite Recherche des MSB Spartakus über den Stand der Studentenbewegung beendete alle Spekulationen über ihr Ableben und sprach das erlösende Urteil über sein kränkelndes Patenkind: "... und sie bewegt sich doch!" Sogar "kräftige Stürme" werden da diagnostiziert - und das wie immer aus kompetenter Hand, ist doch der Spartakus der "Schlüssel für den erfolgreichen Verlauf der Studentenbewegung". Außerhalb der Hochschulen gestaltet sich das "sich zunehmend in außerparlamentarischen Aktionen artikulierende Protestpotential" noch breiter - wie schon seit Gründung des MSB im Sommer 1971: "Gerade auch die Streiks und Aktionen der Arbeiterklasse nehmen zu. Deutlichstes Beispiel: Der Kampf der Dortmunder Hoesch-Arbei- ter und einer ganzen Stadt um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze - 70.000 auf einer Demonstration." - die, ganz nebenbei, vom SPD-Stadtrat angezettelt wurde, natür- lich außerparlamentarisch. 2. "Studenten unter Studenten", die drunter leiden -------------------------------------------------- Wer sich heutzutage aus gutem Grund auf ein Studium an bundes- deutschen Hochschulen einläßt, kommt neben dem Studienbuch ohne sein Zutun in den Genuß a) B e t r o f f e n e r zu sein; b) als solcher - unabhängig von seinem Willen - zum natürlichen Liebesobjekt eines jeden Spartakisten zu werden. Die "aktive Rolle" ("Macht müde Macker munter!") übernimmt der MSB dabei deswegen, "w e i l auch wir von der Misere an den Hochschulen b e t r o f f e n sind." Die ureigensten Wünsche der Studenten sind deshalb leicht aufgespürt: sie wollen studie- ren. 3. fleißig, kindlich, kinderlieb -------------------------------- Mit der Autorität des "ebenfalls Betroffenen" zieht der MSB gegen die widrigen Begleitumstände eines modernen Studiums und für die Wünsche der armen Studenten in den Kampf: Gegen "den Raubbau an der Bildung", für den "Ausbau der Hochschulen", denn "es geht um unsere Kinder!" Weil vor allem das knackige Erstsemester dadurch ein "gewachsenes Interesse an kontinuierlichen Arbeitsformen" be- kommt, wird also gehüpft ("hopp, hopp, hopp - PH-Schließungs- stop"), gepflanzt ("...vor dem Stuttgarter Landtag eine kleine Tanne pflanzen") und gesungen ("oh, du lieber Augustin, alles ist hin"), auf daß die Hochschule "erhalten bleibt, wir dort weiter studieren können, und damit später kleine Kinder in kleinen Klassen von gut ausgebildeten Lehrern etwas lernen können." - z.B. Hänschen klein, das alte pa- triotische Kampflied... Alles angeblich Negative ist beim MSB positiv und konstruktiv: "Sind wir einfach zu faul zu studieren? Wollen wir uns einen schönen Tag machen? NEIN! WIR STREIKEN, WEIL: wir für den Ausbau des Studiums an der HWP sind. Denn bis jetzt können wir lediglich 6 Semester studieren." 4. Retter der Uni und voll Liebe für die ältere Generation ---------------------------------------------------------- So wurden die Aktionstage nicht nur wieder ein großer Erfolg, sie offenbarten eine "neue Qualität der Bewegung": Die ganze Hoch- schule ist nämlich betroffen. "Professoren, ja Rektoren, Unipräsidenten marschieren an der Spitze von Demonstrationen, drohen, ihre Hochschulen zu schlie- ßen." Einzigartig die Chance, "zusammenzuarbeiten, sich kennenzulernen, Vertrauen zu gewinnen, Beziehungen zu knüpfen", ja so kann "eine große bildungspolitische Koalition der Betroffenen entstehen." 5. Jungen, die sich entschuldigen, bei Papi ------------------------------------------- "Wir erklären hiermit noch einmal, daß sich die Aktion nicht ge- gen das Rektorat richtete, wie es vielleicht nicht klar genug von uns herausgestellt wurde, sondern in erster Linie gegen das arro- gante Verhalten des Wissenschaftssenators Franke, der es bisher nicht für notwendig hielt, vor den Haushaltsberatungen den Stu- denten Rede und Antwort zu stehen. ... Ich finde diese Herangehensweise (gemeint ist die mangelnde In- formation durch die Uni) gelinde gesagt 'unverständtich'. Sie schürt Mißtrauen gegenüber der Hochschulleitung!" 6. Konsequente Kämpfer ---------------------- "Wir hoffen, daß die Bevölkerung versteht, in welch schwieriger Situation wir uns befinden, und daß wir nur äußerst ungern so scharfe (!) Protestformen gewählt haben. Die Situation jedoch er- scheint sie zu erfordern; natürlich ist dieser Protest nicht Selbstzweck, sondern er steht im Interesse einer qualifizierten Ausbildung." Selbst Streikposten werden in Marburg aufgeboten, um den Lehrbe- trieb aufrechtzuerhalten und ein Teach-in der MG (= "Streikbruch") zu verhindern. 7. Echte Friedensfreunde ------------------------ die gegen Rüstung viel haben, weil sie so teuer ist, weswegen das Mensaessen so schlecht, die Wohnungsnot so groß und das Studium so schmal ist. Gegen das sowjetische Waffenarsenal aber haben sie nichts, denn das ist billig, weil es der Entspannung dient. Nicht zuletzt deshalb muß man für Frieden sein, weil die SU hat die Bombe und könnte ja...! 8. Lautere Antikommunisten -------------------------- Wer in die Nähe des MSB gerät, braucht keine Angst zu haben, groß mit der Ideologie aus Leipzig und Moskau behelligt zu werden. Das kommt erst ganz, ganz spät, wenn man über diverse Kaffeekränzchen für Unorganisierte, Fachschaftsposten und Vereins-AStA-Posten auch die unverbrüchliche Freundschaft der Sowjetunion zu schluc- ken bereit ist - in der es natürlich auch Probleme gibt. Vorerst findet der MSB hier genug "Chaoten", die er dem gesunden Antikom- munismus seiner umworbenen Schäfchen zu fressen gibt. 9. ...die ihre geistige Umwelt sauberhalten ------------------------------------------- Vor allem meiden sie den Teufel in Gestalt der MG, die man "isolieren" möchte und mit der kein für die Fachschaft angewärm- tes Erstsemester diskutieren soll. Dabei appelliert der MSB an die Anständigkeit seines potentiellen Umfeldes: Die MG-ler sind so total gegen den Staat und überhaupt alles, daß es sehr unan- ständig sei. 10. Frauen, die eine unfertige Antwort auf ihr Geschlecht suchen. ----------------------------------------------------------------- "Viele Studentinnen betrachten den MSB Spartakus mit einer gewis- sen Skepsis. Wir Frauen im Spartakus werden mit Stellungnahmen konfrontiert wie: - Der Marxismus kann nicht allein die theoretische Grundlage zur Befreiung der Frau sein. Was Marx und Engels zur Frage des Klas- senkampfes geschrieben haben, ist zwar gut und schön, aber den Widerspruch zwischen den Geschlechtern haben sie nicht richtig analysiert... Wir haben auf diese und andere Fragen keine fertigen Antwor- ten..." 11. Mädchen, die jugendlich unberührt geblieben sind ---------------------------------------------------- "Trotz der netten Leute hatte ich doch einige Skrupel, so alles mögliche zu fragen, aber ich habe gemerkt, daß man die Leute vom FSR alles fragen kann; auch die 'blödesten' Fragen werden beant- wortet und oft stellt sich hinterher heraus, daß die Frage über- haupt nicht so blöd war, wie man erst gedacht hatte. Ich fand, daß der FSR so richtig ein Mädchen für alles war." 12. Gestandene Mannsbilder, die sich nichts vergeben ---------------------------------------------------- "In der gemeinsamen Freizeit, bei Feten und Ausflügen wurden Kon- takte vertieft und somit eine gute Basis geschaffen für den Start in das neue Semester..." "Hier haben wir neue Kontakte geknüpft, viele unorganisierte Kom- militonen haben zum ersten Mal Erfahrungen mit Spartakisten und ihrer Arbeit gemacht. Es ist unsere Aufgabe, diese Kontakte nicht abreißen zu lassen." 13. Männer und Frauen ohne Überheblichkeit ------------------------------------------ "Offensiver an die Mitgliederwerbung herangehen, das heißt, die Kommilitonen mit ihren Problemen ernst nehmen, das heißt vor al- lem auch, die letzte Spur von Überheblichkeit abzulegen..." 14. Leute, die noch zuhören können ---------------------------------- "Das Bedürfnis, mal jemanden zu haben, mit dem man ganz ruhig über die gelaufenen Sachen reden kann, ist weit verbreitet." (sehr weit) "Wir sind aber diejenigen, mit denen man reden kann. Wir können zuhören, auch wenn es um persönliche Probleme unserer Kommilitonen geht. Als Spartakisten wollen wir Studenten sein, die Freunde haben, Freunde auch außerhalb der Reihen unseres ei- genen Verbandes. Wir handeln nach der Devise, alles ist gut," (alles?) "was zum Gespräch führt." 15. Solche mit Privatleben -------------------------- Lothar z.B. ist dazugekommen, "weil ich Genossen vom Spartakus kennengelernt habe, die durchaus nicht 24 Std. am Tag nur Politik machen, sondern auch ein Privatleben haben und das auch miteinan- der verbinden können." 16. Intellektuelle, die etwas zu sagen haben -------------------------------------------- "Wie kann man sinnvoll weiterkämpfen?... Hier müssen unsere Argu- mente auf den Tisch, denn sinnvoll kämpfen, das heißt doch in er- ster Linie, sich organisieren." 17. ...die Fragen stellen ------------------------- "Warum bist du noch nicht Mitglied im MSB Spartakus?" 18. ...begeisterungsfähig und froh sind --------------------------------------- "Mit großem Schwung und Begeisterung mit Stolz auf unsere gelei- stete Arbeit und vielen neuen Überlegungen... ...die hohen Ansprüche, die wir an unser Verbandsleben stellen, die Fortschritte, die wir dabei machen, tragen zum Stolz und der Freude bei, mit der wir Spartakisten sind." 19. Menschen, ganz normale Menschen - Persönlichkeiten ------------------------------------------------------ "Wir wollen in und mit unserem Verband teilnehmen am normalen Studentenleben. Darum gebt es." "Auf dieser Basis, daß uns die gleichen Probleme bewegen, ja, wir zum größten Teil selbst so leben wie andere Studenten, können wir besondere Ansprüche an unser Verbandskollektiv formulieren und systematisch die Verbesserung unseres Gruppenlebens angeben." "Auch unsere Zielvorstellung zur Entwicklung der Persönlichkeit, die Einheit von Selbstveränderung und Änderung der Umstände, die in revolutionärer Praxis realisiert wird, gilt nicht für uns al- lein. Die grundsätzliche Überlegung, daß man sich selbst nicht in abgeschiedener Innerlichkeit weiterentwickeln kann, gilt für alle Studenten, die sinnvoll leben und studieren wollen." 20. Gewinner des "Wettbewerbs zur Gewinnung neuer Mitglieder" ------------------------------------------------------------- für den Spartakus ----------------- Leute, die Ihr auch ganz Mensch sein und dem Leben einen Sinn ge- ben wollt, werdet Mitglied im MSB Spartakus! Dort besitzt Ihr alle die hervorragenden 20 Charakterzüge auf einmal. Und das ist nicht schlecht. Denn - würde Lenin sagen, wenn er heute Mitglied des MSB wäre: "Dem Bündel von sinnvollem Studium, sinnvollem Le- ben und sinnvoller (Werbe-)Technik wird keine noch so finstere Macht widerstehen können." Oder wie der wirkliche MSB-Vorsitzende so treffend sagt: "Die 'große' Politik kommt nicht erst nach der 'kleinen'." P.S. Alle Text- und Bildzitate sind wirklich vom MSB. zurück