Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION RECHTE-KRITIKER - Verteidigung des Friedens
zurück
Münchner Hochschulzeitung Nr. 6, 09.01.1985
Fernsehen und Afghanistan-Demos:
EIN STÜCK WEIHNACHTLICHE AUFRÜSTUNG
Das durfte in der weihnachtlichen Russenhetze "Afghanistan"-Heu-
chelei und Jahresendabrechnung mit Kritikern und "Miesmachern"
natürlich wieder einmal nicht fehlen: das heuchlerische Getue,
mit ihren Haßtiraden gegen die Sowjetunion und ihren obszönen
Liebeserklärungen an das große Amerika stünden die linientreuen
Vorbeter der bundesdeutschen Öffentlichkeit als einsame Wächter
des Wahren und Guten auf fast schon verlorenem, jedenfalls mutig
vorgeschobenem Posten.
Da wurden erst in sämtlichen Fernsehnachrichten mit liebevoller
Ausführlichkeit die kläglichen Afghanistan-Demos, u.a. die in
Bonn, gewürdigt, zu der selbstverständlich kein bundesdeutscher
Reaktionär den Arsch hochkriegt - wozu auch: Seine Regierung er-
ledigt die anti-kommunistische Empörung ja längst unvergleichlich
viel wirksamer im Namen aller guten Deutschen, und einem Volk
gleichgesinnter Passanten und Mitbürger braucht ein bekennender
Antikommunist auch nichts groß demonstrieren. Das Deutsche Fern-
sehen wollte nun aber mal den Vorwurf mangelnden Engagements los-
werden, also wurde die antitussische Demo in Bonn nur einerseits
zum Teil eines machtvollen weltweiten Aufschreis hinstilisiert.
Andererseits wurde sie für zu klein befunden und eines kritischen
Nachrufs gewürdigt. Der Kommentator - frommer Augenaufschlag
Marke Kohl - hat die Massen vermißt ... aber w e l c h e? Die
Vorwürfe gingen nicht an den RCDS oder die Junge Union oder all
die demokratischen Freiheitshelden denen gar nicht genug afghani-
sche Moslem-Fans sterben können zum Beweis für die Vernichtungs-
würdigkeit des sowjetischen Systems. Nein, schämen sollten sich
alle, die das Jahr über jemals demonstriert haben, weil sie etwas
g e g e n die Politik der BRD und ihrer Verbündeten einzuwenden
hatten (und mehr als das Vorzeigen von Parolen als oppositionel-
ler Einwand ja bekanntlich nicht gestattet ist in diesem ordent-
lichsten aller Staatswesen, die je auf deutschem Boden ...). Den
"Friedensbewegten", die so aufrührerisch sind, den neuen NATO-
Atomraketen mit einer gewissen Skepsis gegenüberzustehen:
d e n e n wurde mal wieder die Rechnung aufgemacht, s i e hät-
ten es an der Tugend der "Ausgewogenheit" fehlen lassen.
Eine schöne Moral: Wer es wagt, sich gegen das im eigenen Lande
herrschende System - und sei es nur eine Unterabteilung des zu-
ständigen Militärsystems - auszusprechen, der hat sich das Recht
dazu mit der Demonstration zu verdienen, daß er natürlich vor al-
lem für dieses System und gegen alles und jeden ist, den die ei-
gene Regierung zu ihrem Feind erklärt. Noch hat der Kommentator
nicht nach der Polizei gerufen, damit die der "Unausgewogenheit"
ein Ende setzt - also für das Unterbleiben der falschen und den
massenhaften Besuch der richtigen Demonstrationen sorgt. Noch hat
er sich damit begnügt, das faschistische Bild von einem opposi-
tionell krakeelenden Mob und der eingeschüchterten Mehrheit auf
die Bildschirme der Nation zu malen.
Noch hat die nationale Kriegsbereitschaft eben etwas theoreti-
sches an sich ...
zurück