Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie


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       Ideologie der Woche
       
       "UNO: Menschheit  vernichtet eigene Lebensgrundlage/ Heftige Kri-
       tik an  Abholzen der  Regenwälder und Vergiftung der Umwelt/ Täg-
       lich 220.000 neue Erdenbürger" (Süddeutsche Zeitung, 20.5.)
       
       Von allen guten Geistern verlassen, diese Erdenmannschaft: Nichts
       besseres zu  tun, als sich zugrunde zu richten?! Das kann ja wohl
       nicht wahr sein. - Ist es auch nicht.
       Was heißt hier "Menschheit"? Man wird doch wohl noch auseinander-
       halten können:  Großgrund- und  Plantagenbesitzer, die  mit Holz,
       Rindern und  anderen Geschäftsartikeln  handeln, Musterfarmen von
       VW so  groß wie  ein Bundesland  - und  Millionen Indios, die mit
       kärglichen Mitteln  ihr (Über-)Leben  sichern wollen  und in  die
       Slums wandern;  amerikanische und  europäische Agrarkonzerne, die
       ganze Landstriche  für Erdnüsse,  Ölsaaten und  andere weltmarkt-
       dienliche Rohstoffe reserviert und zurechtgemacht haben - und die
       wachsende Zahl  schwarzer Habenichtse,  die daneben  notgedrungen
       das letzte Brennholz verfeuern; eine deutsche Kraftwerksindustrie
       und Energieunternehmen  mit ihren kostengünstigen Dreckschleudern
       und strahlenden Meilern - und die Masse der Stromverbraucher, die
       für die  notwendige Energie  nicht schlecht zahlen müssen... Aber
       man muß nur auf die fehlenden Bäume und Sträucher, die dicke Luft
       deuten, vornehm  die herrschenden  Zwecke und  offensichtlichsten
       Gegensätze  übergehen,   und  schon  gehen  Indios  und  Schwarze
       (deutsche Kühlschrankbesitzer  nicht zu  vergessen)  als  größter
       Teil des  ideellen Gesamttäters  "Menschheit" mit ihren hilflosen
       Überlebens'strategien' (und alltäglichen Konsumbedürfnissen) "uns
       allen mindestens  genauso an die Lebensgrundlagen wie diejenigen,
       die ihnen tatsächlich das Leben schwermachen.
       Was heißt hier "Vernichtung der eigenen Lebensgrundlage"? - Klar,
       man kann einfach die unübersehbaren Fakten in alle Zukunft hinein
       verlängern, wie  wenn sie  naturgesetzlich wirken.  Dann hat  man
       zwar nichts erklärt, aber die zivilisierte Öffentlichkeit bestens
       bedient - mit einer Prognose: Dann ist sie demnächst da, die rie-
       sengroße  unausweichliche   Katastrophe,  säuberlich  statistisch
       hochgerechnet mit  der Zunahme der Erdbevölkerung, die den Globus
       recht, bzw. schlecht bewohnt.
       Bloß: Immer  mehr Energiebedarf ist noch lange nicht dasselbe wie
       immer mehr  Gift im  blauen Äther;  mehr Ackerbau  und  Viehzucht
       nicht gleichbedeutend  mit Versalzung  und Kahlschlag  usw.  usw.
       Zehrt sie bloß auf, die Menschheit, oder schafft, pflegt und ver-
       bessert sie  nicht doch auch ein bißchen ihre Produktionsgrundla-
       gen, immer  dann und so nämlich, wenn und wie es sich für die Ge-
       schäftsleute und Weltwirtschaftspolitiker rechnet?
       Und überhaupt!  Wen stören  denn eigentlich  die angeblich so un-
       haltbaren Zustände,  unter denen  das weltweite Geschäft prächtig
       gedeiht und die vielen Millionen Hungerleider, die weder die Mit-
       tel zum  Leben, geschweige  denn die  Macht haben,  den Globus zu
       ruinieren, bloß  zu den leidigen Unkosten zählen? Wo es um Bilan-
       zen und  Herrschaftssicherung geht,  was zählt  da wohl? Gewinne,
       Zinsen und  Grundeigentum oder Wasserstellen, Saatgut und saubere
       Luft; Waffen und Staatskredite oder Mehlsäcke und zufriedene Mas-
       sen? Aber das ist sowieso egal, wenn zum tausendsten Mal die War-
       nung in die Welt gesetzt wird, so könne es nicht weitergehen. Für
       die Katastrophenpropheten  von UNO, Club of Rome und Öko-Institu-
       ten zählt  ja gar nicht, was gegenwärtig alles mit der Menschheit
       angestellt wird, sondern daß es damit zuende gehen könnte, daß es
       demnächst, in  ein paar  Jahren, irgendwann nicht mehr so weiter-
       geht, wie  es täglich weitergeht. Das muß verhindert werden, for-
       dern sie.  Wie, darüber  läßt sich frei und munter streiten, wenn
       vom Kanzler  bis zur  Latzhose alle  in dem sorgenvollen Ruf ein-
       stimmen: "Wir  müssen etwas  tun!" Wer dabei der "wir" ist, steht
       jedenfalls felsenfest:  die Zuständigen in aller Welt. Die Macht-
       haber werden an eine fiktive Verantwortung für den Globus gemahnt
       und im  Interesse der  Menschheit zum  Durchgreifen aufgefordert.
       Den übrigen  "wirs" bleibt  der Griff zur Pfandflasche. Der Griff
       zum Verhüterli  ist allerdings schon wieder ambivalent: Die Deut-
       schen dürfen schließlich nicht aussterben.

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