Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie
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Die Sache mit dem Regenwald (Teil 2):
DIE ZERSTÖRUNG DER REGENWÄLDER - EIN "MENSCHHEITSPROBLEM"?
Die tropischen Regenwälder werden abgeholzt, per Brandrodung zer-
stört und auf zahlreiche andere Weise rapide vernichtet. Zu die-
sem Faktum hat die demokratische Öffentlichkeit eine Sichtweise
in die Welt gesetzt, die ebenso verbreitet wie verkehrt ist: der
Erhalt der Regenwälder sei ein "Menschheitsproblem"; gelänge des-
sen "Lösung" nicht, stünde eine "globale Katastrophe" ins Haus.
Daß die Abholzung der Tropenwälder dem einen oder anderen Inter-
esse Probleme, ja mitunter sogar Existenzfragen aufwirft, kann
man z.B. bei den Indianern feststellen, denen mit den Regenwäl-
dern die Naturvoraussetzungen zerstört werden, von und in denen
sie bislang gelebt haben. Etwas ganz anderes ist es jedoch, die-
ses Verhältnis der Schädigung eines Interesses (z.B. der
Einheimischen) durch ein anderes Interesse (Geschäftsleute holzen
ab) umzudeuten in eine gemeinsame Betroffenheit "der Menschheit".
Die falsche Abstraktion, "die Menschheit leide unter der
Regenwaldvernichtung" will Täter und Opfer nicht auseinan-
derhalten, sondern gedanklich in ein Boot setzen, in dem sie end-
gültig nicht mehr unterscheidbar sein sollen. Für diese verkehrte
Gleichsetzung werden folgende Fehler bemüht:
Erhalt des Regenwalds für das Wohl der Menschheit
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Zur Begründung, weshalb jeder verantwortungsbewußte Mensch und
Bürger in der Erhaltung der Tropenwälder eine "Menschheitsauf-
gabe" zu sehen hätte, führen die Umweltschützer lauter vermeint-
lich allgemein-menschliche Ziele an, für die die Wälder nützlich
und erhaltenswert seien. Z.B. "könnten die Früchte (aus den
Regenwäldern) einen gewaltigen Beitrag zur Lösung der
Welternährungsprobleme leisten." "Krebsspezialisten sind davon
überzeugt, daß es in (den Wäldern in) Amazonien mindestens fünf
Pflanzen gibt, aus denen sich ein Supermedikament gegen Krebs
herstellen ließe." (Alle Zitate in diesem Artikel aus dem GREEN-
PEACE-Sonderheft Regenwald.)
Es mag ja sein, daß die Tropenwälder manch eine brauchbare
Pflanze enthalten, die ein Hungernder oder Kranker gebrauchen
könnte. Überhaupt nicht wahr ist aber die Behauptung des Zitats,
daß Hunger und Krebs "globale Probleme der Menschheit" seien, die
nur deshalb noch ihrer Lösung harrten, weil die bereitliegenden
Ressourcen in den Tropenwälder bislang ignoriert wurden. "Mensch-
heitsprobleme Hunger und Krebs" behauptet ja geradeweg als durch-
gesetztes, allgemeingültiges Anliegen, darin auch als Zweck der
deutschen Wirtschaft und ihrer Politiker, daß es um Sättigung und
Gesundheit der Leute ginge. Da ist doch der Bock zum Gärtner ge-
macht! Hat der Welthunger denn wirklich seinen Grund darin, daß
alle ihn abschaffen wollten und nur aus einem Mangel an Nahrungs-
mitteln noch nicht dabei erfolgreich waren? Oder liest man nicht
vielmehr im Wirtschaftsteil jeder Zeitung, daß die Kapitalisten
auf dem Weltagrarmarkt über lauter unverkäufliche Überschüsse
klagen, und gleichzeitig gibt es lauter arme Teufel, die hungern?
Dann hat der Welthunger offensichtlich seinen Grund nicht in ei-
nem absoluten Mangel an Eßbarem, sondern wird von den weltweit
tätigen Geschäftsleuten und Außenpolitikern geschaffen. Nämlich
dadurch, daß die durchaus reichlich stattfindende Produktion von
Lebensmitteln ausschließlich dem Geschäftszweck des ge-
winnbringenden Verkaufs dieser Waren unterstellt wird, jede Be-
dürfnis ohne hinreichend prallen Geldbeutel also von diesen Le-
bensmitteln ausgeschlossen ist.
Und ebensowenig ist die Vermeidung von Krebs ein allgemeiner
Zweck der deutschen Gesellschaft - die Allgegenwart krebserzeu-
gender Stoffe am Arbeitsplatz, in Lebensmitteln und auch sonst
überall entspringt ja gerade dem Umstand, daß die Verwendung sol-
cher Gifte in zahlreichen Fällen für ihre Produzenten sehr loh-
nend ist. Asbest als kostengünstiger Baustoff, Nitrite als
Konservierungsstoff nicht nur für Aldi-Würste, all das schafft
zwar für so manchen Arbeiter und Konsumenten ein Krebs"problem",
ist deswegen aber noch lange kein "Menschheitsproblem Krebs". Die
maßgeblichen "Menschen" - nämlich die, die in den Geschäftsetagen
über die Rohstoffe und Verarbeitungsmethoden der kapitalistischen
Produktion entscheiden, und die, die in die Arbeitsgesetze hin-
einschreiben, wieviel Asbest usw. ein Arbeiter am Arbeitsplatz
aushalten muß - sind ja gerade die Urheber all der krebserzeu-
genden Lebensumstände. Dieses gar nicht so schwer anzugebende
Verhältnis von Urhebern und Betroffenen der Krebsgifte ist auf
jeden Fall gründlich weggelogen, wenn Tätern und Opfern die ge-
meinsame Aufgabe zugedacht wird, sie könnten den Krebs bekämpfen,
indem sie in den Regenwäldern auf der anderen Erdhalbkugel nach
einem Wundermittel suchen.
Die angeführten guten "Menschheitsziele", die durch den Regen-
waldabbau angeblich in Mitleidenschaft gezogen werden, sind
ebenso zahlreich wie beliebig. Dies liegt daran, daß die Hungern-
den, Krebskranken und überhaupt alle Elenden dieser Welt zwar
gerne von den Baumschützern zitiert werden - aber doch nie, um
einmal den wirklichen Zwecken auf den Grund zu gehen, die solche
Zustände schaffen! Aus jedem angeführten und vermeintlich von je-
dem Menschen kritisierten "Übel" soll immer haargenau das Eine
folgen: daß keinem tropischen Baum ein Blatt gekrümmt werden
soll.
Zerstörung des Regenwalds = "Klimakatastrophe"?
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"Mit dem Sterben der Regenwälder ist das klimatische Gleichge-
wicht auf der Erde dramatisch bedroht."
Angespielt wird auf Klimamodellrechnungen, die für den Fall der
Zerstörung der Regenwälder vorhersagen, daß es möglicherweise im
Durchschnitt auf der Erde wärmer wird, womit vielleicht der mitt-
lere Meeresspiegel anstiege. Wer ist jetzt "dramatisch bedroht"?
Es mag ja sein, daß so manche Bewohner tiefgelegener Landstriche
einem vermuteten Anstieg der Meeresspiegel mit ziemlichem Unbeha-
gen entgegensehen. Ein "Menschheitsproblem" liegt allerdings auch
hier wieder nicht vor: Wenn die erwartete Klimaveränderung
tatsächlich Interessen schädigt, wäre es ja wohl die erste und
wichtigste Aufgabe festzustellen, welche Interessen denn da am
Werk sind, die diese "anthropogene" Änderung verursachen, statt
alle Menschen in einem gemeinsamen Boot "Erdglobus" zu wähnen.
An bedrohte Interessen ist bei der Abstraktion "Klimakatastrophe"
allerdings von vornherein nicht gedacht. Es soll ja auch gar
nicht geprüft werden, für wen eine Klimaveränderung schädlich,
gleichgültig oder sogar nützlich wäre. Wer war denn schon mit dem
bisherigen Wetter zufrieden? Der Gesichtspunkt, daß ein weltwei-
ter Temperaturanstieg etliche bisherige Wüsten zu fruchtbarem
Agrarland machen könnte, wird von den Umweltschützern jedenfalls
gar nicht erst zur Debatte zugelassen.
"Dramatisch bedroht" sein soll laut Zitat kein Interesse, sondern
das "klimatische Gleichgewicht". Was ist denn das überhaupt? Eine
Erfindung der Ökologen, die ganz jenseits von jedem Anliegen, das
der eine oder andere Mensch haben kann, einen Geschädigten fin-
giert: "Die Natur" sei das Opfer, weil die Regenwaldabholzung sie
davon abhalte, ihrem Bemühen um ein "klimatisches Gleichgewicht"
nachzukommen. Ein Gleichgewicht zwischen was eigentlich? In wel-
cher Phase der Erdgeschichte mit ihren dauernden Klimaverände-
rungen, Eiszeiten und Warmperioden sollte dieses Gleichgewicht
jemals geherrscht haben? Und wem hier das
"Strahlungsgleichgewicht" einfällt, daß die auf der Erde von der
Sonne aufgenommene Strahlungsmenge gleich der abgestrahlten ist:
solch ein natürliches Gleichgewicht kann man durch
"Treibhauseffekte" ohnehin nicht außer Kraft setzen; wenn es wär-
mer werden sollte, stellt sich eben ein neues Gleichgewicht ein.
"Konsum zerstört Regenwald"
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Die Argumentation von GREENPEACE begann damit, lauter tatsächlich
oder vermeintlich geschädigten Interessen nachweisen zu wollen,
daß alle guten Menschen sich für die Erhaltung des Regenwalds zu-
sammenfinden müßten. Bei der Ausmalung der "Klimakatastrophe"
sind diese Umweltschützer dazu fortgeschritten, als eigentliches
Opfer nicht mehr die Anliegen der Leute, sondern die "Natur" für
sich zu erklären. Und damit werden sie radikal. Vom Standpunkt
des Fanatismus des Naturerhaltens gleichgültig gegenüber jedem
Interesse, das sich auf diese Natur bezieht oder beziehen könnte,
fahnden sie nach Verbrechern am Wert Natur. Die Umweltschützer
bekennen sich hier explizit dazu, daß ihre Warnung vor einer
"globalen Katastrophe" nicht damit zu verwechseln ist, die Schä-
digung von Interessen irgendwelcher "Menschen" abzuwenden; viel-
mehr wird jedes Interesse sehr prinzipiell verdächtigt, sich an
den erfundenen Naturprinzipien zu vergehen. So schreitet GREENPE-
ACE zu einer blindwütigen Verurteilung praktisch aller überhaupt
irgendwie betätigter Interessen, die endgültig nichts mehr
auseinanderhalten will:
"Mit blindkonsumierender Mentalität schiffen wir (?) heute, ob-
wohl das Schwinden der Tropenwälder bekannt ist, immer noch klaf-
terweise Tropenholz in unsere (?) Häfen ein, und finden genügend
Abnehmer für die exotische Ware." "Selbst Besenstiele werden aus
den Urwaldriesen hergestellt. So hat auch bei uns jeder seine
Hand mit an der Kettensäge."
Die Botschaft ist eindeutig: Wir alle vernichten mit unserem
Konsum die Regenwälder. Daran ist nichts wahr.
Erstens ist das "Wir" gelogen. Es wird ja glatt so getan, als
seien die mit Holzhandel ihre Geschäfte bestreitenden Kapitale
nicht damit beschäftigt, ihren Kunden das Geld aus der Tasche zu
locken, sondern "uns alle" mit Holz zu "versorgen".
Zweitens stimmt die Behauptung nicht, daß Konsum der Grund dafür
sei, daß hinterher die Natur verwüstet ist. Daß Besenstiele aus
tropischen Hölzern gefertigt werden und diese zudem so beschafft
werden, daß die Wälder nicht wieder aufgeforstet, sondern zuneh-
mend einfach abgeholzt werden - das entspringt doch gar nicht dem
harmlosen Interesse an einem Besenstiel, sondern ist das Ergebnis
einer kapitalistischen Kalkulation, die nach der kostengünstig-
sten Rohstoffquelle Ausschau gehalten hat.
Drittens stimmt es also nicht, daß jeder Käufer ein Miturheber
der Abholzung sei. Wenn man seinen Besenstiel im Warenhaus kauft,
ist doch die ganze Produktion schon längst gelaufen; und die wird
nicht durch den Konsumenten entschieden, sondern durch denjeni-
gen, der mit diesen Waren ein Geschäft macht und so darüber be-
stimmt, was man überhaupt als käufliches Ding im Regal vorfindet
- und was nicht. Es ist also eine pure Fiktion, ein Konsument
könnte mit seinen Kaufentscheidungen irgendwie praktisch darüber
mitbestimmen, wie die geschäftsmäßige Benutzung der Tropenwälder
stattfindet.
Der politische Nutzen der Regenwald-Ideologien
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Die Fehler der obenstehenden ökologischen Betrachtung der Regen-
wälder haben Eingang in die offizielle deutsche Politik gefunden.
Mittlerweile zitieren nicht nur GREENPEACE und die GRÜNEN das
"Menschheitsproblem Regenwald", sondern auch CDU, FDP und SPD in
ihren Reden zur "weltweiten politischen Verantwortung". Schwer
daneben liegen allerdings die Baumschützer, wenn sie meinen,
darin zeige sich eine Einsicht der Staatslenker in die Umwelt-
schutzideen. Es ist nämlich genau umgekehrt: Die Umweltphrasen
sind eine dermaßen gründliche Verharmlosung der tatsächlichen
Zwecke deutscher Politik, daß diese Ideologien von den Politikern
als ausgesprochen brauchbar entdeckt wurden, ihren Taten einen
weiteren erlogenen Ehrentitel umzuhängen.
Das Gerede von den "Menschheitsproblemen" gefällt den deutschen
Politikern so gut, weil sie darin gleich als die Zuständigen an-
gesprochen sind, die darüber zu entscheiden haben, wie es im
Lande und in der Welt zuzugehen hat. Und zwar gar nicht in dem
rationellen Sinne, daß die deutschen Politiker mit ihren Ent-
scheidungen die Macher all der unschönen Umstände sind, die welt-
weit anzutreffen sind - z.B. indem der Genscher Agrarhan-
delsabkommen mit "unserer 3. Welt" schließt, die den Afrikanern
qua Export die Erdnüsse entziehen. Vielmehr umgekehrt: ausgerech-
net diese Repräsentanten der Staatsgewalt werden angesprochen als
lauter Kämpfer gegen die Umstände, die sie in Wahrheit produzie-
ren. So zutrauliche Appelle hört der Mann mit seinen großen Ohren
gern: Sie stellen dem Imperialismus ein denkbar gutes Zeugnis
aus.
Und wenn dann jemand immer noch nicht mit den Zuständen auf der
Welt zufrieden ist, dann können die politischen Macher schon wie-
der auf die Umweltideologien zurückgreifen, um sie zum Nie-
dermachen dieser Kritik zu benutzen: 'Wie soll denn der Genscher
den Regenwald retten, wenn ihr konsumgeilen Konsumenten dauern
Besenstiele aus Tropenholz kauft?' Im Namen des Werts 'Umwelt'
wird vom dienstbaren Volk Bescheidenheit verlangt, die den Aus-
übern der deutschen Staatsgewalt innen und außen die Freiheit
verschafft, rücksichtslos gegenüber jedem Interesse dem deutschen
Wirtschaftswachstum freie Bahn zu schaffen.
So ist die ökologische Ideologie "Unser Regenwald muß gerettet
werden" die nützliche Idiotie zum Wirken der deutschen Großmacht
weltweit. (Dazu Näheres in Teil 1.)
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