Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie
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"Umwelt" und "Ökologie":
DER GIFTMÜLL DES KAPITALS, SEINE IDEOLOGIEN
UND SEINE NATURSCHÜTZER
Für jede Produktion wird Natur gebraucht und Naturstoff ver-
braucht. Das ist e i n e Sache. Eine ganz a n d e r e ist es,
wie das geschieht. Mit dem biblischen Gebot "Macht Euch die Erde
untertan!" hat der K a p i t a l i s m u s auf seine Art ernst
gemacht. Er verfügt dazu über die nötigen Mittel - die Wissen-
schaft von der Natur und die moderne Technik - und ein gesell-
schaftliches Interesse: das G e s c h ä f t. Damit ist aber
auch schon klar, daß auf Land und Leute nur sehr begrenzt Rück-
sicht genommen wird, eben nach Maßgabe des Geschäfts. Der Normal-
sterbliche hat da wenig zu melden. Er muß schauen, welche Luft
ihm zum Atmen bleibt. Dafür betreibt d e r S t a a t, der den
Privateigentümern die Geschäftsfreiheiten gibt, auf der anderen
Seite "U m w e l t s c h u t z", er kümmert sich um die staats-
dienliche Kontrolle der privateigentümlichen Zerstörung der na-
türlichen Lebensbedingungen.
Wieder eine andere Sache ist es, wenn sich die Politiker ihre
Auflagen in Sachen Strahlenemission, Gift am Arbeitsplatz und
überall, ihre Bemühungen in Sachen Waldsterben und Algenwachstum
usw. als einen s o z i a l e n D i e n s t am Volk zugutehal-
ten. Und wenn Bürger ungefähr genauso denken und die politischen
Verwalter des marktwirtschaftlichen Wachstums nicht zu den
V e r u r s a c h e r n, sondern zu den B e k ä m p f e r n
des ruinösen Umgangs mit Mensch und Natur rechnen. Die Betroffe-
nen entdecken deswegen bei ihrer Aufregung nie die Taten, sondern
immer nur V e r s ä u m n i s s e der Politik - was die für
heilsam erachtete Kontrolle der Gesellschaft angeht. Die klagen
sie dann ein bei den regelmäßigen Umweltskandalen, bei denen die
Menschen eine schädliche Substanz nach der anderen als das Pro-
blem kennen und auch wieder vergessen lernen, das gerade schuld
am ungesunden Leben sein soll. Den lauten Ruf nach noch mehr
staatlicher A u f s i c h t nehmen die Politiker gern zur
Kenntnis und kümmern sich - demokratisch beauftragt - um die ge-
schäftsmäßige Nutzung und politisch kontrollierte Verseuchung von
Luft, Wasser, Erde samt lebendem Inventar.
Kaum noch etwas anderes ist es, wenn dieselben Bürger gar nicht
mehr an sich als Betroffene, sondern an kommende Generationen,
die Umwelt und die N a t u r selber als Opfer denken, das sie
vor Schäden bewahren wollen. Damit haben sie sich selbst, bzw.
den Menschen an und für sich als Täter dingfest gemacht und ein
ziemlich reaktionäres Rezept zur Lösung aller Umweltprobleme zur
Hand: allgemeine Ehrfurcht und Zurückhaltung gegenüber "der Na-
tur"; S e l b s t b e s c h r ä n k u n g heißt der Appell an
die Verantwortung von jedermann und niemand. Und nicht wenige be-
mühen sich, diesen Aufruf in ihrem privaten Leben, so schlecht es
eben geht, wahrzumachen. Daraus ist glatt schon wieder ein blü-
hendes Geschäft geworden. Kein Wunder, daß da die
W i s s e n s c h a f t nicht abseits stehen will und den Besin-
nungsaufsatz - Gedanken von Fluch und Segen der Technik - umwelt-
mäßig ausgestaltet. Während der technische Fortschritt seinen ge-
schäftlichen Gang geht, pflegen Naturwissenschaftler, Philosophen
und andere das allgemeine "Umweltbewußtsein", mit dem sich jeder
ziemlich genauso wie immer verantwortlich in den ungemütlichen
Gegebenheiten der kapitalistischen Umwelt zurechtfindet.
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