Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 14,, 03.06.1981
Der Veranstaltungskommentar
DER ÜBERGANG VON DER ÖKOLOGIE ZUM FASCHISMUS
läßt sich theoretisch leicht erklären aus der beiden Ideologien
gemeinsamen r e a k t i o n ä r e n Welt-Anschauung, die der
Beherrschung der Natur, die von Ökonomie und Politik in Szene ge-
setzt wird, den Vorwurf macht, hier werde sich gegen die Erde
versündigt. Während Nazitheoretiker die geschändete Natur am Men-
schen selbst ausmachen der wider seine Blutsbestimmung entartet
sei, und der Faschismus damit ernst macht, indem er Träger der
Mißbildung ausmerzt, gerät die ökologische Bewegung dadurch bis-
weilen in einen Gegensatz zu den herrschenden Verhältnissen, daß
sie Resultate kapitalistischer Naturausnutzung angreift, an denen
Staat und Kapital sehr gelegen ist. Letzte Woche traten an der
LMU zwei Naturanwälte auf, die demonstrierten, daß man den ange-
sprochenen Übergang sehr wohl theoretiseh praktizieren kann, ohne
deswegen an der Universtität mit einem Raumverbot belegt zu wer-
den, weil man Gedanken propagiert, die den Boden der freiheit-
lich-demokratischen Grundordnung verlassen würden.
1
Am Montag, den 25. Mai referierte der Ex-CDUler und mittlerweile
auch Ex-Grüne Dr. Herbert Gruhl vor ca. 100 Zuhörern im Germani-
stischen Institut über "Die Ökologie als Grundlage der Ökonomie".
Das wissenschaftliche Niveau bewegte sich etwa auf der Ebene ei-
nes Vortrags, der den Beweis antreten wollte, daß die Astronomie
ohne ihre Grundlagen in der Astrologie zum Untergang verurteilt
sei. Gruhl wies auf die Bedeutung der Mikroorganismen für ein
mehrzelliges Leben hin, worunter er die Menschheit einordnete,
und gelangte zu dem Schluß, daß gerade deren schrankenloses Tum-
meln den Amöben nach und nach den Garaus mache. Die vielzelligen
aufrecht gehenden Zweibeiner vermehrten sich wie die Ratten
(Todsünde 1); orientierten die Produktion an der Nützlichkeit und
am Konsum (schön wär's!) und würden zuviel arbeiten, nur weil sie
sich das Sattessen zu sehr angewöhnt haben. Herr Gruhl hatte ei-
gentlich allen Grund zur Zufriedenheit, weil hohe Preise Massen-
arbeitslosigkeit und vielleicht demnächst ein Einsatz von kompak-
ten Landungen Mikroorganismen die Vielzeller an der
"CO2-Produktion" hindern; er ist aber unzufrieden, weil immer
noch zuviel "verbraucht" wird auf dem sinkenden "Raumschiff Erde"
ohne Heimatstation zum Auftanken". So befindet er sich in der
Lage einer zeitgenössisch-reaktionären Kassandra, die die von ihr
beschworenen Katastrophen geradezu herbeiwünscht, um diejenigen,
die seiner Scherkraft die verdiente Anerkennung verweigern, durch
Schaden klug werden zu lassen.
2
Tags darauf dann im überfüllten HS 101 der österreichische Maler
und Architekt Friedensreich Hundertwasser, eingeladen von einer
"Umweltaktion 'Arche Noah 2000'", die sich parteipolitisch durch
Zusammenarbeit mit dem Thomas-Dehler-Institut und der Friedrich-
Naumann-Stiftung" zu erkennen gibt. Was Hundertwasser bei seiner
"Politischen Vernissage" so von sich gab, eine Mischung aus
Unverschämtheit, Dummheit und Faschismus reinsten Wassers - wäre
weiter nicht skandalös, s'ist halt ein spinnerter Künstler, der
mit solchen Sprüchen sein ohnehin blendend laufendes Geschäft
noch ankurbelt, wenn nicht an die 800 Leute, darunter, so fürch-
ten wir, mehrheitlich Studenten der LMU diesem brutalen Geseiche
unwidersprochen lebhaften Beifall gespendet hätten, der selbst
dann nicht enden wollte, als Hundertwasser auf einen zaghaften
Einwand aus dem Auditorium ("Faschistoide Diktion?") mit einem
vollen, rückhaltlosen Selbstbekenntnis konterte:
"Warum schämen wir uns vor der Scheiße und spülen Sie weg? Mit
der Scheiße beginnt neues Leben. Wer die Humustoilette benutzt,
hat keine Angst vor dem Tod. Scheiße ist für die Auferstehung des
Menschen, sie ist Lebensbaustein, das wahre schwarze Gold, unser
Blut. Schmutz ist Leben, Sterilität ist Tod, aber es heißt 'Du
sollst nicht töten!' Abfälle sind schön. Der Humusgeruch ist der
Geruch Gottes und der Wiederauferstehung."
Solche Scheißphilosophie erbaut junge Intellektuelle 1981, die es
wohl für originell halten, wenn ein Wiener Luxusbohemien ganze
Passagen aus "Mein Kampf" in Ökojargon übersetzt:
"Die Bauern vergiften mit Agrobusinessdenken von satanischem Aus-
maß den ihnen anvertrauten Boden ... So wird schöpferische Impo-
tenz erzeugt, die in der Architektur Krebsgeschwüre aus Beton
zeitigt ... Wer nach den Gesetzen der Vegetation handelt, kann
nicht fehlgehen ... Der Mensch ist das gefährlichste Ungeziefer
... Man muß der Blattlaus sagen, daß sie schädlich ist, wenn
sie's nicht merkt, wird sie sich selbst ausmerzen ... Der Mensch
ist ein dummes Herdentier ... Wir stehlen der Jugend die Hoff-
nung, das läßt sie trübsinnig werden, wir verbieten ihnen Sinn,
kein Wunder, daß sie Rauschgift nehmen ... Wir müssen wieder le-
ben wie im Krieg ... Glücklichsein kommt nicht vom Reichtum."
Und während in Westberlin die demokratische Menschheit gegen eine
Ausstellung von Hitlers Lieblingsbildbauer Arno Breker Sturm
läuft, jubelt ihre Münchner akademische Abteilung einem Modemaler
zu, der Sätze losläßt, mit denen der Faschismus damals seine
Kunstpolitik durchsetzte:
"Die zeitgenössische Kunst ist entartet ... Die Kunstmacher sind
in der vordersten Reihe eines blinden Intellektualismus. Es ist
eine Mafia von frustrierten Intellektuellen, Parasiten, blaß und
weltfremd, die dem Volk diktieren will, was Kunst ist ... Weg mit
der intellektuellen Onanie. Warum fragt niemand den kleinen Mann,
was gut und richtig ist ... Die zeitgenössische Kunst ist pervers
... pervers wie ein Mörder, der niemand zum Umbringen findet ...
Museumsdirektoren, die mit Steuermitteln entartete Kunst kaufen,
müssen haftbar sein, gehören ins Gefängnis."
Auch und gerade an dieser Stelle tosender Beifall!
Wir sparen uns hier jeden weiteren Kommentar und überlassen dem
Leser das abschließende Urteil über Veranstalter, Referenten und
Publikum. Feststeht jedenfalls, daß die Freiheit der Kunst wirk-
lich eine demokratische Errungenschaft ist: Man stelle sich nur
vor, dieser Künstler dürfte nicht, was er macht. Am Ende besch-
lösse er noch, Politiker zu werden.
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