Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie


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       Münchner Hochschulzeitung, 24.11.1982
       Sonderausgabe Sozialwesen
       
       Schwarz/Engelhardt: Ökologie  kontra Ökonomie? Politische Aspekte
       einer politischen Kontroverse
       

HAT WACHSTUM EINEN SINN?

Die Einleitung des Referenten Schwarz: "Die Frage der Ökologie und des Friedens ist das Thema Ihrer Ge- neration. Sie müssen dieses Thema angehen und verbreiten - nur so gibt es die Chance, daß auch die ältere Generation, zumindest ei- nige davon, die Wichtigkeit dieses Problems erkennen und sich be- teiligen können." Ein Fall von sonst so verpöntem "missionarischem Bewußtsein"? Eine Aufforderung zur Veränderung einer Welt, in der Krieg, Armut Ausbeutung die Normalität sind? Schwarz stellt seine Aufforde- rung, tätig zu werden, gleich in den gewollten Rahmen: "Seit ich mich mit diesem Problem befasse wird meine Sicherheit in der Beantwortung solch wichtiger Fragen immer kleiner statt größer. Wir müssen alle umdenken - auch in der Wissenschaft. Die Funktion der Wissenschaft, Wahrheit zu stiften, ist brüchig ge- worden. Richtig und Falsch sind überholte Kriterien: einheitlich muß die Wissenschaft denken." Kritik soll nicht auf R i c h t i g k e i t bedacht sein - so als ginge es um nichts? Kommt es denn nicht darauf an, zu w i s s e n, was Grund und Zweck der Misere ist die man beklagt - also auch zu wissen, w o g e g e n man sich richten muß? "Einheitliches Denken" als "Lösung" von Krieg, Armut und diversen Unzuträglichkeiten, die Staat und Kapital bewirken? In diesem Se- minar ist man sich darin einig, daß man den Schlüssel zur Kritik der in der Welt geltenden Zwecke in sich und der eigenen Weltan- schauung gefunden hat - vor jeder Befassung mit der Wirklichkeit. Man verpflichtet sich auf einen G l a u b e n, und zwar einen k r i t i s c h e n. Das Weltbild, das dort vorgetragen wird, läßt uns allerdings fragen, in welcher Welt diese Kritiker ei- gentlich leben: Profit ------ - ein harter Maßstab. Nach den Kriterien von Kosten und Ertrag werden Leute beschäftigt und zur Arbeit gezwungen, die sie nicht "glücklich" macht und noch nicht einmal in Ruhe leben läßt: die Arbeit, die sich für Unternehmer lohnen soll, zerstört in der Zeit der "Arbeitsfähigkeit" Freizeit und Gesundheit und läßt den Abgedienten im Alter die Fähigkeit zu äußerst begrenzten Freuden übrig. Nach demselben Maßstab werden Leute, die sich für den Be- trieb nützlich gemacht haben, entlassen. Maschinerie, nach Kosten und Ertrag kalkuliert, ist billiger als lebendes "Arbeits- material" und ein Grund für die Ruinierung von Arbeitere- xistenzen. Im Seminar Schwarz/Engelhardt denkt man so darüber: Unternehmer - das sind Leute, die "teure Arbeitsplätze nicht mehr bezahlen können und deswegen im- mer mehr Leute ausstellen; die laufend soziale Kosten produzie- ren, die auf den Steuerzahler überwälzt werden; die also, weil sie in Kriterien des 'ökonomischen Modells' denken und deswegen auf hohe Wachstumsraten fixiert sind, die sozialen Folgen einfach abwarten - statt sie und das Scheitern des 'ökonomischen Modells' von vorneherein zu bedenken: die, weil sie partout nicht vom Ge- winndenken ablassen wollen, neue Technologien brauchen, die sie staatlicherseits finanzieren lassen". Eine sehr "e i n h e i t l i c h e" Sichtweise: Der Glaube daran, daß Arbeit sinnvollerweise anders verteilt und gemacht werden sollte, ist Anlaß zur Kritik - aber wie: Da wird der eigene Gesichtspunkt als U r t e i l an die Unternehmer an- gelegt - so als ob ausgerechnet die, die die Arbeitslosigkeit herstellen, ein Problem mit ihr hätten. Arbeitslosigkeit gilt um- standslos als Indiz der Krise des Kapitals - so als ob nicht seit eh und je Marktwirtschaften mit hoher Arbeitslosenrate i h r e n Fortschritt sehr gut befördert hätten. Arbeitslosigkeit s o l l eben das Problem des Kapitals sein. Die Unternehmer haben nämlich laut den alternativen Beschäftigungsanhängern "zu wenig Geld, um A r b e i t s p l ä t z e z u s c h a f f e n". Unternehmer mögen entlassen und öffentlich verkünden, daß "Arbeitsplätze" für i h r e n Zweck zu teuer sind - Kritiker des Profits tun so, als ob ausgerechnet diejenigen, die das Geld der Gesellschaft auf sich versammeln, um es nutzbringend anzulegen, die "teure Ar- beitsplätze" dann einrichten, wenn was dabei rausspringt, an den Kosten der Arbeitsplätze die sie um der "B e s c h ä f t i- g u n g" willen einrichten wollten "scheitern" würden. Eine merkwürdige Logik die man an die Welt anlegt: Wenn Unternehmer ausgerechnet für das zu wenig Geld ausgeben wol- len, was man selbst für angebracht hält, dann würden sie schon wollen, aber können tun sie nicht. Der sehr gutgläubige, schon nicht mehr naiv zu nennende Wunsch, Profit und Beschäftigung, Ka- pitalinteresse und der eigene Standpunkt sollten sich doch ver- tragen, nimmt an den Realitäten des Gewinnprinzips keinen Anstoß: der "e i g e n t l i c h e" Zweck der Unternehmer ist Beschäf- tigung". Die Differenz zwischen dem eigenen Standpunkt und dem der Unternehmer konstatiert man, um ihnen das, was sie nicht tun, anzukreiden und deren eigenes Problem vorzustellen. Worin besteht eigentlich das Kontroverse zum kritisierten Profit? Man hat ein Rezept zur Krisenbewältigung anzubieten, ein Rezept, das die Vor- stellung aufmacht, daß "im Prinzip" die Lösung des Problems ganz einfach wäre, wenn - ja wenn nur der Wille dazu vorhanden wäre. Die Unternehmer denken in "Kriterien des 'ökonomischen Modells'" - ist denn zu glauben, ihnen fehle nur ein bißchen Schulung in "einheitlichem", "ökonomischem Denken", um sich "eines Besseren" zu besinnen? Praktizieren denn die Unternehmer ein "Modell", von dem sie wie kleine Kinder partout nicht ablassen wollen? Ist denn ihr "Beharren auf hohen Wachstumsraten" "stur" und zwecklos - und nicht Gewinn ihr Zweck? Die Seminarkritik am Profit ist ein ein- ziger Appell an das bessere Gewissen des Kapitals, das es um s e i n e r s e l b s t w i l l e n vertreten soll: Sieht es denn nicht an den "sozialen Folgen" und deren Kosten, daß das Gewinnprinzip sich nicht lohnt? Diese Frage stellt man ausgerechnet denen, die Arbeitslose produzieren weil sie andere Interessen haben als die Sorge um die Existenz der von ihnen Abhängigen. Empörung über die Härten, die Unternehmer den Lohnab- hängigen zumuten? Nicht die Spur: "K u r z f r i s t i g" sol- len die Unternehmer denken, wenn sie des Profits wegen auf den lohnenden Einsatz von Kosten bedacht sind und deshalb ihr Geld in neue Technologien investieren. An der eigenen schlechten Wirt- schaftslage, an den Schwierigkeiten, die sie in der Verfolgung i h r e s berechnenden Zwecks haben, sollen sie merken, daß es auf etwas anderes angekommen wäre - eine "vernichtende" Kritik, die den Standpunkt des angeblichen Gegners bemüht, um der eigenen Weltmacht Geltung zu verschaffen. Und zur Unterstreichung solcher Kritik bemüht man auch noch die offizielle Hetze der Politiker, daß die "sozialen Kosten" unerträglich hoch wäre - eine Hetze, mit der sie die täglichen Kürzungen am Lebensunterhalt der Bevöl- kerung begleiten. Der Staat als "Steuerzahler": So wird die ein- vernehmliche Kumpanei zwischen "der Wirtschaft", die Lohnabhän- gige schädigt, indem sie sie entweder arbeiten läßt oder raus- schmeißt und dem Staat, der die Verwaltung der so produzierten "Sozialfälle" unter zwangsweiser Zuhilfenahme der Gelder seiner Bevölkerung übernimmt, zu einem einzigen B e l e g für den Nachweis, daß die eigene Weltanschauung in der Welt gilt, weil sie gelten s o l l t e: als "langfristige" Perspektive zur Ret- tung der Arbeit und der Nation. Kritik des Profits steht bei Schwarz/Engelhardt nur für eins: für "stures Beharren" der Unternehmer auf hohen Wachstumaraten", die "nicht sein müßten". Mit der Kritik am Wachstum hat man das un- ternehmerische Prinzip, aus ihrem Geld mehr Geld zu machen und diesem Zweck die Bevölkerung zu unterwerfen, zur ganz unökonomi- schen falschen Einstellung des "Habenwollens" erklärt. Seltsam: Dasselbe "Argument", das von Staat und Kapital als Kritik des ach so furchtbaren "Anspruchsdenkens" derer, die nichts haben, vorge- bracht wird, - "Egoismus: d a ß m a n w a s f ü r s i c h w i l l - taugt hier als Kritik des Grundes der Beschränkungen der Bevölkerung. Falsches Bewußtsein ------------------- - die Stellung, sein Fortkommen dadurch sichern zu wollen, daß man sich in den vorgeschriebenen Bahnen bewegt. Ein Fehler also, weil die Lohnabhängigen sieh auf die Bedingungen einstellen, die ihnen diktiert werden. Das bekommen sie zu spüren: in der Arbeit und anderen zerstörerischen Wirkungen; an ihrem Lohn, mit dessen derzeitiger Senkung ihnen das, was fÜr sie notwendig ist - sei es ein gescheites Auto oder ein Italienurlaub - bestritten wird; an der Entlassung und der Höhe des Arbeitslosengeldes, das ihrer Überflüssigkeit für das Kapital darin gerecht wird, daß sie damit nicht auskommen können. So wenig bei Schwarz/Engelhardt der Profit als das gilt, was er ist, so wenig ist die Beschränkung der Leute durch das Gewinn- prinzip von Interesse. Die Kritik des Profitinteresses ist hier d a s s e l b e wie die Kritik des Interesses an einem angeneh- men Leben: Die "Produktion für den Tauschwert" ist Produktion für "kapitalistisch erzeugte" "f a l s c h e" Bedürfnisse, nämlich "überflüssige" und "künstliche" Bedürfnisse. Damit hat man im Se- minar kein Problem: den Richter zu machen über das, was andere Leute haben dürfen, sollen und was nicht - so als ob es nicht in der Welt des Kapitals genug Beschränkungen gäbe, die den Leuten auferlegt werden. Am Willen der Leute unterscheidet man säuber- lich, ob es wirklich i h r Wille ist oder nicht, obwohl doch das Interesse selbst - sei es das an einem Fernseher, einem Auto oder an mehr Freizeit - diese Unterscheidung gar nicht hergibt, weil es ihr Wille i s t. Den Maßstab dieser Beurteilung hat man in seiner Weltanschauung, die der Schlüssel der Erklärung dessen sein soll, weshalb Unzufriedenheit die Normalität ist: Wenn Kapi- tal und Staat die von ihnen Abhängigen beschränken, so kann von vorneherein nicht die Beschränkung das Kritikable sein. Das Pro- blem ist - die U n z u f r i e d e n h e i t, das Interesse, das beschränkt wird, die "Erzeugung" eines Interesses, das nie und nimmer befriedigt werden "kann". Vor der Vorstellung, "der Mensch" sei von Natur aus "maßlos", so daß er sieh jedes Bedürf- nis e i n r e d e n lasse, blamiert sich jede Realität: Daß in einer r e i c h t u m s produzierenden Gesellschaft Armut die Normalität ist - nebenssächlich. Videorecorder, die es gibt, die Vergnügen machen und die man nur unter Verzicht auf anderes be- kommt = "Manipulation". Eine seltsame Parteilichkeit für die Opfer des Kapitals: man ist f ü r sie und ihre Zufriedenheit - sie müssen "bloß" noch ihre Interessen abschaffen! Ihr w a h r e s Bedürfnis, darin ist man sich sicher, ist das "Eigentliche", der "Sinn" des Lebens, den sich die Manipulationstheoretiker für sie ausgedacht haben - und daß die Lohnabhängigen diesen "Sinn" nicht verfolgen, weil sie andere Sorgen haben, rechnet man ihnen als K r i t i k vor: Falsches Bewußtsein will man da entdecken, wo Leute "zuviel" wol- len. Und man ist sich nicht zu schade dazu, die freiwillige Un- terwerfung von Arbeitern unter die ihnen aufgezwungenen Beschrän- kungen ausdrücklich zu begrüßen: "Es wird viel zu wenig auf das Anliegen der Arbeiter eingegangen, für weniger Geld zu arbeiten". Sehamlos? Ja, aber mit Sendungsbewußtsein: Das w a h r e Be- dürfnis, das den Arbeitern fehlt, obwohl sie es eigentlich haben, liegt eben jenseits alles Materiellen: im S i n n d e r A r b e i t. Einen Nutzen soll die Arbeit schon haben für die, die sie machen - aber einen, der mit dem praktischen Zweck und dem Resultat dieser Arbeit nichts zu tun hat. Noch j e d e r Form von Arbeit (ganz unabhängig davon, welcher Nutzen dem Arbei- ter für seine Tätigkeit zugestanden wird) ist anzumerken, daß sie auf ein materielles Resultat zielt und durch dieses von vorneher- ein bezweckte Resultat bestimmt ist - der Sinngedanke will von diesem praktischen Zweck nichts wissen. Ausgerechnet bei der Ar- beit, also einer Tätigkeit, die ausschließlich um ihres materiel- len Resultats willen getan wird, verlangt er nach einem Resultat, das sich unabhängig von ihrem Resultat einstellt; nach einem ma- teriellen Ertrag, der schon mit dem Arbeitsvollzug gegeben sein soll. Was macht die Arbeit lohnend? Das Arbeiten - so lautet der Gedanke der Sinnsucher der Arbeit womit sie über die Arbeit nur gesagt haben, daß sie sie schlechthin gut finden. Noch nicht ein- mal die Situation der Arbeitslosen - weil sie nicht gebraucht werden, haben sie zu wenig Geld zum Leben - nehmen sie ernst: Ar- beitslosigkeit - ein Beweis für die Überholtheit einer "sinnentleerten" Arbeitsorganisation. Unternehmern ist der Lohn, den sie Arbeitern zahlen stets zu hoch - Kritiker der Arbeit stö- ren sich daran, daß überhaupt ein Nutzenkalkül an die Arbeit an- gelegt wird: Zweckfrei soll die Arbeit getan werden, dann ist sie sinnvoll. Gemäß diesem Weltbild unterscheiden sie "wahre" und "falsche" Bedürfnisse: "wahr" ist, was der Mensch zur Existenz braucht - "Grundbedürfnisse", die durch "langlebige" ausgewählte "Gebrauchsgüter" und "gesunde Ernährung" befriedigt werden sol- len; "falsch" ist, was der Mensch vom Leben will. Eine saubere Differenzierung, die dem aktuellen Umgang mit der Arbeiterklasse sehr entgegenkommt! Rüstung ------- - Kriegsmaterial, das in der ganzen Welt zum Zweck des Tötens eingesetzt wird, von Soldaten, die für diesen Zweck ausgebildet sind. In Friedenszeiten werden Kriege in nahezu allen Teilen der Welt geführt, wird für den Dritten Weltkrieg gerüstet, wird die "friedliche" Politik des Westens in der ganzen Welt deswegen durchgesetzt, weil ein riesiger Militärapparat den wirtschaftli- chen und politischen Erpressungen, die er anderen Staaten auf- macht, den notwendigen Nachdruck verleiht. Im Seminar hat man einen anderen Grund für die Produktion von Waffen entdeckt, als den, sie anwenden zu wollen: "Auch wenn sich Reagan so äußert, daß man denken könnte daß er "kriegelüstern" ist - es geht bei der Rüstungsindustrie, für die die gesamte Industrie Zulieferfunktion hat, um etwas anderes: Das Kapital, fixiert auf hohe Wachstumsraten, erprobt in der Rü- stungsindustrie neue Technologien, mit denen es seine Krise be- wältigen will, Schlüsselfunktion dafür hat die Rüstungsindustrie, weil der dafür erforderliche Kapitalaufwand durch den Verteidi- gungsetat finanziert wird, weil der Absatz garantiert ist, und weil die Rüstungsindustrie sich durch hohes technisches Know-how auszeichnet." Ja, wenn das so ist: - Wenn man Äußerungen über die Gewinnbarkeit von Kriegen, ausge- sprochen von "befreundeten Politikern", die in jüngster Zeit Kriege in Falkland und im Libanon "mit"-geführt haben, nicht ernst nehmen w i l l; - wenn man sie erst als "kriegs l ü s t e r n e s Gerede" quali- fiziert, um dann die Unmöglichkeit eines grandiosen Krieges zu diagnostizieren - als ob Reagan und bundesdeutsche Politiker nicht den Zweck des "gewinnbaren" Krieges aussprechen würden: die friedliche oder eben kriegerische Vernichtung des Ostens als ernstzunehmenden Gegner; - wenn man den Zweck staatlicher Rüstungsaufträge, so als han- delte es sich um die Produktion von x-beliebigen Gütern, ebenso durchstreicht wie den Grund für das "hohe technische Know-how" in Sachen Tötungninstrumenten; - wenn so sicher feststeht, daß von allen Produktionsbereichen ausgerechnet die Rüstungsindustrie der Ort sein muß, wo Unterneh- mer die Bewältigung ihrer vermeintlichen Krise der Technologie angehen, und man sich deswegen Rüstung auch sparen können soll, weil es für sie keinen Grund außer diesem geben darf; - wenn man sich also dazu entschlossen hat auch das sehr eindeu- tige außenpolitische Interesse demokratischer Staaten nicht wahr- haben zu wollen, dann wird sich wohl auch der Staat in das eigene positive Weltbild einordnen lassen: ohne Sinn und Zweck macht er sich zum Erfüllungsgehilfen der Wirtschaft, die versucht, ihre "Strukturkrise" = "Sinnkrise der Arbeit" zu bewältigen. Dann hat man sich den Staat so zurechtgedacht, daß er als Adressat alter- nativer Vorschläge zur Rettung der Arbeit und des Sinns er- scheint. Fazit: ------ Was folgt eigentlich aus einer Analyse, die als Urteil über die in der Welt vorfindlichen Interessen festhält, daß sie nicht die eigene Weltanschauung praktizieren? Die überall "Krisen" ent- deckt, die den jeweilig Angesprochenen selbst nicht klar sind, weil sie nur auf ihr eigenes Interesse und dessen Verfolgung be- dacht sind: "Bloß" Konsum "bloß" Profit und "bloß" "konservative" statt "alternativer Krisenbewältigung"? Die überall Anlässe sieht, den eigenen Glauben an die Unerläßlichkeit eines "Sinns der Arbeit" zu predigen, ohne an den existenten Interessen einen Ansatzpunkt dafür ausfindig machen zu können? Selbstmord begehen die Sinntheoretiker darüber nicht - enthält doch ihre Welterklä- rung Argumente dafür, sich zum eigenen Glauben sehr distanziert zu verhalten - Profitproduktion, einerseits verurteilt als Umweltzerstörung, ist andererseits mit umweltfreundlicher Produktion sehr wohl ver- einbar. Da wird als Problem die "Notwendigkeit" aufgeworfen, die Rüstungsindustrie auf zivile, umweltorientierte und menschen- freundliche Produktion umzustellen. Und zugleich wird über Unter- nehmer-"Argumente" der Sorte aufgeklärt, daß die Behinderung der Produktion durch "Umweltfanatiker" deswegen ein Problem sei, weil sie Kosten verursache und das deutsche Kapital in seiner Konkur- renz mit den ausländischen Konkurrenten schlecht dastehen lasse. Und - kein Sturm der Entrüstung, sondern allgemeines Staunen und die "Einsicht", daß man auch so denken kann. Profit als Kriterium der Produktion - was soll dagegen schon einzuwenden sein? Auf die Verhinderung der vielbeklagten Naturzerstörung kommt es eben ge- nauso wenig an wie auf die Zerstörung der Leute. - Da wird die Notwendigkeit der Beseitigung der "Manipulation" zum Konsum diskutiert einschließlich der Frage, ob die Arbeiter dazu fähig" sind, vom verwerflichen Luxus abzulassen, der ihnen überflüssigerweise überall nachgeschmissen wird, wo sie ihn doch gar nicht brauchen. Und in der Generalkritik an diesen Manipula- tions-Blödis (die man natürlich nie als solche bezeichnen würde, weil man doch nur "unser Bestes" will) hat man schon die "Lösung" gefunden: Solange Profitproduktion herrscht, und "das wird wohl immer so sein", werden sie eben umgepolt mittels der zuvor heiß verurteilten Werbungs-Manipulation. Ob d a s nicht ein P r o b l e m ist? Ob sie dann nicht wieder aus falschen, näm- lich "Prestige"-Gründen für das wahre Bedürfnis sind? Und sind wir denn nicht alle irgendwo "manipuliert"? D a z u taugt eben heute das Manipulationsargument: zur Eröffnung einer theoreti- schen Debatte über "Möglichkeiten" und, Grenzen" der Veränderung d e s M e n s c h e n. Weil alles Manipulation ist, kommt's auf nichts an. Egal wie man sich entscheidet - die Hauptsache ist, man gefällt sich in dem Wissen, daß der Mensch das Problem ist, weil er die wahre Problematik seines Lebens gar nicht erfassen kann. "Missionarisches Bewußtsein" hat man bei Schwarz/Engelhardt: das "Wissen", daß das, was der Welt abgeht, das eigene Problembewußt- sein ist. Wenn dieses darin besteht, jedes existente Interesse mit einem "bloß" abzutun; wenn jedes Problem, das Leute haben, sich vor der eigentlichen "Krise", der "Krise des Sinns" als zu kleinlich ausnimmt - worin besteht dann eigentlich die Krise? Ist es das, worauf es euch ankommt - daß dieser Krisengedanke ver- breitet wird? In Zeiten, in denen die Krise des Kapitals und die Krise eines Rüstungshaushalts an der Bevölkerung durchgesetzt werden? zurück