Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie


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       4. Studientag zum Gesundheitslernen an der Uni Dortmund:
       Uni-Angebot der Woche:
       

GUTER RAT IN SCHWERER ZEIT

Der diesjährige Studientag steht unter dem Motto: "Gesund leben lernen in dieser Welt. Ist das möglich - lohnt es sich?" Klar, die Frage ist rhetorisch zu verstehen und will sagen: wich- tiger denn je...! Darauf kommt es heutzutage - nach Tschernobyl, Rheinvergiftung etc. - an! Unfreiwillig hat Rektor Velsinger freilich in seinem Grußwort zum Tage fast den Witz solcher Veran- staltungen verraten: Die Sorge um die Erhaltung der Gesundheit taucht immer dann ver- stärkt auf, wenn Gefährdungen gegeben sind, die sich der Einfluß- nahme des einzelnen entziehen. Auch wenn er es sicherlich nicht so gemeint hat, da ist durchaus was dran: Immer wenn gut demokratische Bürger - und die akademi- sche Jugend und ihre Betreuer sind da immer vorneweg - mit Schä- digungen konfrontiert werden, auf deren Verursachung sie keiner- lei Einfluß haben, fällt ihnen ein, sie müßten viel verantwortli- cher leben: Wenn Regierungen Kriege vorbereiten, verfallen Intel- lektuelle auf Friedenserziehung oder auf Aufrufe zur Friedfertig- keit im eigenen Lebensbereich, wenn die freie Marktwirtschaft ziemlich schonungslos Luft, Wasser, Wälder etc. runiert, fahren Studenten und Dozenten mit dem Fahrrad zur Uni statt mit dem Auto, setzen Rauchverbote in Seminaren durch und sortieren ihren Müll zuhause fürs Recycling. So zeigen sie P r o b l e m b e- w u ß t s e i n für die "anstehenden Fragen" und drücken sich nicht davor, auch gleich was zu machen. Als erstes ist man da also einer gefragt, der - von wegen Fach- wissen - nicht so Kundigen Auskunft erteilen muß. Professor Nach- tigall will z.B. auf dem Gesundheitstag über die Auswirkungen ionisierender Strahlungen auf Mensch und Umwelt ------------------------------------------------------------ informieren. Das ist natürlich furchtbar wichtig. Zwar hat schon jeder dreißig Mal seit Tschernobyl Informationen dieser Art in der Presse, auf Veranstaltungen an der Uni und in der Stadt er- halten (und sie nicht zufällig im einzelnen wieder vergessen), weiß also längst, daß die anfallenden Schäden ziemlich gravierend und noch gar nicht ganz überschaubar sind, aber I n f o r m a- t i o n ist ja ganz wichtig, absolute Voraussetzung! Für was eigentlich? Will man etwa Schlüsse hinsichtlich dessen ziehen, warum so ein Zeug dem Bürger staatlicherseits zugemutet wird? Da wittert man bei leisesten Hinweisen in diese Richtung doch als kritischer Intellektueller gleich das 'politische Süppchen', das da wieder jemand unverschämterweise auf der Betroffenheit kochen will! Glaubt man, die Information böte eine Handhabe, mit der man irgendetwas an Schädigung abstellen kann? Das dementieren die Informanten schon selbst - trotzdem, Informationen (aus denen kein einziger vernünftiger Schluß folgen soll) sind immer wieder neu gaaanz wichtig. Darauf hat man als Bürger schließlich ein R e c h t, und ein verantwortlicher Mensch läßt sich das von niemandem bestreiten. Apropos Gift: Haushalt als Umweltbelast(et)er ------------------------------- Gilt die These "Haushalt blank macht Umwelt krank", oder ist nicht vielmehr der private Haushalt eines der Hauptopfer einer zunehmenden Verschmutzung unserer Umwelt? Informationen zu dieser These und Argumente für beide Aussagen wollen wir in unserer Ar- beitsgruppe vorstellen und diskutieren. hier kann man sich also mal so richtig bewußt werden, wie leicht- fertig "w i r" mit der Gesundheit umgehen. Wie gesagt, wer wollte hier schon fragen, warum wieviel Gift staatlicherseits er- laubt ist, warum Chemiefirmen tatsächlich rücksichtslos schädli- ches Zeug produzieren? Nein, nachdem wir uns zu Verantwortlichen erklärt haben, hat man Schuldige zu benennen, als da wären: die Chemieindustrie, die Putzwütigen, die Billigproduzenten, -konsu- menten, kurz: alle die, die aus Leichtfertigkeit/Böswilligkeit unverantwortlich handeln. Da läßt sich schön streiten, wer mehr schuld ist - doch das sei vorweggenommen: wie bei jeder Erörterung wird auch hier ein einerseits-andererseits herauskommen, auf jeden Fall ist man selber auch oft zu fahrläs- sig und nutzt nicht seine Chance. Anhand der Diskussionsergebnisse werden wir dann gemeinsam über- legen, welche Konsequenzen sich für die Gesundheit der Haushalts- mitglieder und für das alltägliche Handeln im Haushalt ergeben. Gute Vorsätze fassen! Und da man nun schon mal bei der Gewissenserforschung angekommen ist, läßt sich ganz allgemein und radikal die Frage stellen: wo, könnte man sagen, liegen letztlich unsere Schwächen? Ein "gesunder" Umgang mit Mitteln und Verhaltensweisen, ------------------------------------------------------- die Abhängigkeit erzeugen können - gibt es den? ----------------------------------------------- Vor dem Hintergrund der gegebenen Rahmenbedingungen sollen in dieser Arbeitsgruppe zwei Themen akzentuiert diskutiert werden: Wie groß ist das Spektrum der Mittel und Verhaltensweisen (Abhängigkeiten von Alkohol, Spielautomaten bis hin zur Abhängig- keit vom Lebenspartner), die Abhängigkeit erzeugen können. Wie sieht ein "gesunder" Umgang mit diesen Mitteln und Verhaltenswei- sen aus und unter welchen Bedingungen ist dieser zu erreichen? Ja, da kommen wir dem, was uns e i g e n t l i c h und i m t i e f s t e n das Leben schwermacht, schon immer näher. - nach Besuch dieses Arbeitskreises freuen wir uns schon auf das nächste 'Wort zum Sonntag', nicht wahr? Wer die Moral - so dick aufgetragen - nicht unbedingt anziehend findet, kann sich ja auch anspruchsvollere Gedanken machen. Im Angebot: Prof. Dr. Speck --------------- "Lebensqualität" - politisches Schlagwort ----------------------------------------- oder anthropologische Kategorie? -------------------------------- Wenn wir vom Mißbrauch des Begriffes "Lebensqualität" als eines politischen Schlagwortes bzw. einer "Leerformel" absehen, läßt sich damit offensichtlich etwas umschreiben, was als Vorausset- zung und Gesamtheit der Rahmenbedingungen gelingenden Menschseins verstanden werden kann. In diesem Sinne, also im anthropologi- schen Verständnis, soll gezeigt werden, daß sich aus der Fülle sehr divergenter Auffassungen einige Kriterien entwickeln lassen, die für eine "Humanisierung" des Alltags in der technologischen Gesellschaft kennzeichnend sind. Es wird also der - natürlich noch sehr vorläufige - Versuch vor- gedacht werden, wie es möglich werden könnte, den Begriff "Lebensqualität" zu denken. Ja, wenn das nicht endlich mal genau das ist, was einem immer schon abgegangen ist. Da reden die Leute von Krebsauslösern, Pseudokrupp und Asbestose und dabei hat sich noch niemand darüber Rechenschaft gegeben, daß die theoretische Unsicherheit der Menschheit schon im ganz Grundsätzlichen liegt. Da kann man schon wieder ganz demütig und klein werden. Auch nicht ohne Reiz: Prof. Dr. B. Schade ------------------- Umweltzerstörung und psychosoziale Gesundheit --------------------------------------------- Viele Menschen leiden in zunehmendem Maße an der belasteten und zerstörten Umwelt, aber nicht alle. Viele Menschen leiden auch an der mit der Umweltzerstörung einhergehenden Entfremdung von der Natur, viele scheinen dies jedoch positiv zu erleben. Ein wunder- sames Wesen, dieser Mensch: anstatt daß alle das Gleiche denken, sieht der eine das so, der andere so, da muß in den Seelenleben dieser hochgradig differenzierten Organismen doch was Ungeahntes vorgehen! Wer's aus der normalen Psychologievorlesung noch nicht weiß, sollte den Gesundheitstag als eine gute Gelegenheit nehmen, seine diesbezüglichen intellektuellen Defizite zu beheben! Bleibt schließlich noch die Frage von Professor Pfaff: Macht die Uni krank? Gesundheit angefragt im eigenen Haus: Macht auch die Institution der Universität wie so viele Organisationen der technischen Zivi- lisation uns krank? Spiegeln sich pathogene Strukturen der Ge- sellschaft in der Uni wieder? Wirkt die Wissenschaft und ihre geistige Monopolstellung heute nicht nur entfremdend in den menschlichen Beziehungen, sondern auch "erkältend" fürs Gefühlsleben und deformierend für die Per- sönlichkeitsstruktur? Versuch einer sicherlich deplazierten Antwort: diese Uni hält'ste im Kopf nicht aus! (Alle Zitate aus dem Ankündigungsblatt.) zurück