Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 15, 11.06.1981
       
       Prof. Maurer (FU Berlin)
       

ÖKOLOGISCHE ETHIK?

Di 26 5. um 19.00, HS E03 im Germanistischen Institut veranstal- tet vom stud. Sprecherrat und Ak Kaktus. Da haben sich zwei Disziplinen gefunden. Wo die Ökologie als "Wissenschaft von den Gleichgewichtsbeziehungen in der Natur" der Natur die hochmoralische Absicht anhängt, nur ja nicht ins Straucheln zu kommen, hat die Ethik, - immer auf der Suche nach solch hehren Zwecken, um den Menschen ihre Zwecke als nichtswür- dige Willkür von Winzlingen zu bestreiten -, leichtes Spiel. So brauchte der Referent das Gleichgewicht der Ökologie nur als "Eigenrecht der Natur" zu explizieren, um angesichts der "ökologischen Krise" (= besagtes Straucheln) die "Relativierung des menschlichen Handlungsrechts" für "ökologisch angemessen" zu halten. Wenn schon der notorische Tugendbold Natur über menschli- chen Eingriffen aus dem Gleichgewicht gerät, wieviel mehr "muß der Mensch", weil sittlich unreifer, zur Ruhe kommen und "in sei- ner eigenen Natur Befriedigung finden", indem er "den Augenblick um seiner selbst willen genießt". Wie er es mit seiner unglückse- ligen Verbrechernatur freilich schaffen soll, "das Sich-Ausleben der naturzerstörerischen Ersatzbefriedigung Konsum zurückzuhal- ten", wußte auch der Referent nicht zu beantworten, außer damit, daß er halt soll: "Neue Einstellung" heißt das auf ethisch. So müssen angesichts des irrenden Fragezeichens in der "Ökologischen Ethik?" wieder einmal wir die Perspektive weisen. Wenn Referent und Auditorium den langen Augenblick von 19.00 bis nach 21.00 auch nicht um seiner selbst willen genossen haben, sich selbst genossen haben sie schon in der Demonstration ihrer partnerschaftlichen Verantwortung ausgerechnet der Natur gegen- über. Und diese Befriedigung ihrer eigenen Schafsnatur ist immer- hin ein Anfang. zurück