Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie
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EINFÄLLE STATT ABFÄLLE
heißt eine Ausstellung im Bremer Überseemuseum, in der "Spielzeug
und Gebrauchsgegenstände aus der 3. Welt gezeigt werden, die bei
uns oft unbesehen in den Mülleimer wandern." (Alle Zitate aus dem
Beiheft zur Ausstellung). Da gibts Petroleumlampen aus
Fruchtsaftdosen, Spielzeugfahrräder aus Abfalldraht oder gar
einen Milchkanister aus einem alten Insektizidkanister zu sehen.
Gegenstände, die sich Menschen in der 3. Welt gebastelt haben,
weil sie zu arm sind, um den Verkäufern entsprechender Waren ih-
rem Gewinn zu versilbern. "Not macht erfinderisch", heißt die De-
vise. Das wird wohl so sein. Aber was ist so schön daran, daß man
sich die Ergebnisse dieses Erfindungsgeistes im Museum ansehen
soll? Was sollen Schulkinder daraus lernen, die massenhaft durch
die Ausstellung gezerrt werden?
Die Botschaft
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"Damit gibt uns die Ausstellung den Anlaß, über unser Verhältnis
zu Wertstoffen in unserer Wegwerfgesellschaft nachzudenken," denn
"ein Hauptproblem unserer Zeit liegt im Überfluß, der uns in Form
gigantischer Müllberge zu ersticken droht."
So betrachtet ist die Armut in der 3. Welt sehr von Vorteil. Sie
produziert entweder überhaupt keinen Müll oder recycled ihn öko-
logisch. Wer nichts hat, wirft auch nichts weg! Hier dagegen soll
es das Müllproblem deshalb geben, weil "wir" zuviel konsumieren
und deshalb immer zuviel auf den Müll schmeißen. Ökologisch be-
trachtet ist also der Wohlstand zu verwerfen, weil er Müll produ-
ziert, die Armut dagegen zu begrüßen, weil sie Müll vermeiden
hilft. Damit wäre eigentlich der Tod am ökologischsten. Danach
konsumiert man gar nichts mehr, schmeißt also auch gar nichts
mehr weg.
An dieser Betrachtungsweise stimmt gar nichts, legt sie doch den
Grund für das sogenannte Müllproblem in das Verhalten der Konsu-
menten. Konsum überhaupt produziert aber gar kein Müllproblem,
Konsum als Geschäftsmittel dagegen schon. Unter welchen Bedingun-
gen, mit wieviel Giftausstoß und -beimengungen bei Material wie
Verpackung, Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände produziert
werden, das haben sich doch die Konsumenten nicht ausgedacht. All
das richtet sich ausschließlich nach Geschäftserwägungen: Die
Konsumenten müssen bezahlen, sonst konsumieren sie gar nichts,
nicht mal Kalbfleisch mit Hormonen.
Dieses Prinzip heißt Profit. Es regiert auch in der 3. Welt - nur
fallen die Konsequenzen etwas anders aus. Armut hat dort die ex-
treme Form des Massenelends, weil die meisten erst gar nicht vom
Kapital benutzt und bezahlt, sondern nur ihrer überkommenen Sub-
sistenzwirtschaft beraubt werden.
Aber gegen das Geschäft will ja keiner der Müllkritiker und Recy-
clingfanatiker was sagen. Wachstum muß sein, was allerdings nicht
wachsen soll, ist der Wohlstand der Leute. An d e m entdecken
sie dann den Dreck, den der Profit aus Kostengründen produziert.
So paart sich die heftige Liebe zur freien Marktwirtschaft des
Profits mit der Bezichtigung von unser aller "Anspruchsdenken",
dem die Umweltsünden des Kapitals in die Schuhe geschoben werden.
Für Leute, die sich diesen Schuh anziehen, ist die Ausstellung
gemacht: Das erzwungene "Müllrecycling" der armen Schlucker in
der 3. Welt, die unter die Räder unserer "wirtschaftlichen Ver-
nunft" gekommen sind, darf als Vorbild für unser ökologisches Be-
wußtsein genossen werden.
Ihr habt vielleicht Einfälle!
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