Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie
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UMWELTSCHUTZ + LUFTSCHIFF = 160 ARBEITSPLÄTZE?
Die Freunde einer "Alternativen Fertigung" bei MBB haben die
jüngst in London tagende Nordseekonferenz zum Anlaß genommen, ihr
"Denkmodell Luftschiff" mal wieder "zu einem Thema zu machen,
über das gesprochen wird" (Dokumentation). Ihre Idee: mit der
Überwachung der "besorgniserregend" verschmutzten Nordsee durch
Luftschiffe "könnten gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe ge-
schlagen werden: Die Umweltsünder in der Nordsee würden gefaßt,
das verschmutzte Meer hätte wieder eine Chance, und es würden
rund 160 neue, hochqualifizierte Dauerarbeitsplätze geschaffen."
(Weser-Kurier, 24.11.87)
Also ein rundum menschenfreundliches Produkt, dieses Luftschiff!
Um es als solches darzustellen, muß man allerdings ein paar Er-
findungen in die Welt setzen:
1. Luftschiffe sind nützliche Geräte
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Es mag ja sein, daß sich mit diesen Dingern allerhand Nützliches
anstellen ließe. Bloß: dazu muß sich natürlich auch ein
K ä u f e r finden. Nützlich sind Produkte ja hierzulande nicht
dadurch, daß sie irgendein v o r h a n d e n e s
B e d ü r f n i s befriedigen, sondern dadurch, daß sie
z a h l u n g s f ä h i g e N a c h f r a g e befriedigen.
Nicht umsonst ist der Projektgruppe daher als Käufer der
S t a a t eingefallen: der hat ja genügend Geld. Um den Kauf von
Luftschiffen durch den Staat zugleich als menschenfreundlichen
Auftrag darzustellen, muß man allerdings dessen "Leistungen" in
Sachen Umweltschutz etwas verdrehen und ihn als Oberaufpasser
über "Umweltsünder" darstellen, der am liebsten jede Giftabladung
verhindern würde. Die Wahrheit ist das kaum: schließlich haben
Politiker selbst jahrzehntelang die Nordsee ihren Kapitalisten
als Müllkippe freigegeben - was erst zu dem Ergebnis geführt hat,
das jetzt gemeinsam "in den Griff" bekommen werden soll. Und das
geschieht so, daß sich die Anrainerstaaten der Nordsee um zukünf-
tige Gift-E i n l a ß-Quoten streiten - von wegen "saubere Nord-
see"!
Die Projektgruppe sieht die Sache etwas anders: nach ihrer Auf-
fassung scheitern alle gutgemeinten Schutzmaßnahmen des Staates
daran, daß es "kein ausreichendes Küstenüberwachungssystem gibt,
das in der Lage wäre, Umweltverschmutzer ausfindig zu machen"
(Dokumentation). D a s Problem haben die Anrainerstaaten wahr-
haftig nicht: wenn z.B. der in staatlichen Anlagen anfallende
Atommüll gemäß staatlichen Vorschriften auf dem Meeresboden ver-
senkt wird, werden sie schon wissen, wer wieviel radioaktives
Gift wo freisetzt. Daß neben den vielen e r l a u b t e n Ver-
dreckern nicht noch u n erlaubte ihren Dreck da loswerden sollen
- darum sorgen sie sich schon. Von wegen "saubere Nordsee"!
2. Luftschiffe sichern Arbeitsplätze
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Na klar - w e n n es dafür Käufer gibt, w e n n sie sich ge-
winnbringend produzieren lassen, dann sichern sie
g e n a u s o v i e l e Arbeitsplätze, wie der Betrieb Leute an
ihnen 'rumbasteln läßt. Und? Wer soll sich jetzt darüber freuen?
Auf den Gedanken, Luftschiffe als Arbeitsplatzsicherungsmittel
anzubieten, kommen die alternativen Gewerkschafter bloß über
einen kreuzverkehrten Gedanken. Der geht so: w e n n bei MBB
"Kapazitäten freiwerden", d a n n drohe "Vernichtung von
Arbeitsplätzen". Die k ö n n t e n aber erhalten werden - eben
mit der Produktion der Luftschiffe.
Erstens wissen diese Gewerkschafter natürlich ganz genau, daß das
Entlassen von Leuten bei MBB jahrein, jahraus ganz ohne
"freiwerdende Kapazitäten" läuft - einfach über die Veränderung
der Produktion, durch die MBB immer mehr Produkt mit immer weni-
ger Lohnkosten fertigen läßt. Zweitens wissen sie also auch, daß
MBB nicht Leute zur Fertigung von Flugzeugen einsetzt, sondern
eine Stückkostenkalkulation anstellt, die diejenigen zu realisie-
ren haben, die auf diesen schönen Arbeitsplätzen arbeiten. Drit-
tens also setzt ihr Vorschlag eines neuen Produkts diese Kalkula-
tionen des Betriebs mit dem Lohn als ebenso selbstverständliche
Tatsache voraus wie die, daß mit "freiwerdenden Kapazitäten" dann
eben auch naturnotwendig Arbeiter von ihrem Einkommen "befreit"
werden. Viertens also u n t e r s c h r e i b e n sie all diese
Methoden des Kapitals, sein Gewinninteresse gegen die Arbeiter
durchzusetzen, als S a c h z w ä n g e - und wollen sie dennoch
an e i n e r Stelle n i c h t gelten lassen: wenn sich mit
Hilfe der Gewerkschaften neue Geschäftsmöglichkeiten für MBB auf-
täten - dann könnten die Leute doch Arbeit und Lohn behalten! Mal
ganz abgesehen davon, ob es eigentlich ein erfreuliches Lebens-
ziel ist, seine Tage auf einem MBB-Arbeitsplatz zu verbringen -
ob sich diese Idee realisiert, ist g e n a u s o in die freie
Kalkulation des Kapitals gegeben wie alle anderen Kalkulationen
mit Geschäft und Lohn. Und ausgerechnet d i e soll eine Chance
für Arbeiter sein, sich einen sicheren Lohn ausrechnen zu können?
Kann nicht wahr sein!
3. Bloß keinen Streit!
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Gegenüber einem S t r e i t mit dem Kapital um Lohn und Lei-
stung hat der V o r s c h l a g einer alternativen Geschäfts-
möglichkeit natürlich einen für einen Gewerkschafter unschätzba-
ren Vorzug: man bringt sich nicht in Gegensatz zu unser aller
Wohltäter, dem Arbeitsplatzbeschaffer Betrieb. Man hat sich eben
eine "Lösung" des "Arbeitsplatzproblems" ausgedacht, von der alle
etwas haben könnten: MBB ein Geschäft, der Staat nützliche Ge-
räte, die Arbeiter Arbeit - jedem das Seine, eben.
Eines fehlte diesem Vorschlag allerdings bislang zu seinem Glück:
weder MBB noch der erwünschte Käufer wollten von ihm etwas wis-
sen. In der Nordseekonferenz haben die alternativen Gewerkschaf-
ter eine Gelegenheit entdeckt, die beiden zusammenzubringen.
Und - wenn's dann klappt, haben die dann recht? Na klar.
"Klappen" tut's ja eben unter den angegebenen Bedingungen:
w e n n die Staaten ihr Nordseeüberwachungsprogramm um Luft-
schiffeinsatz ergänzen - und MBB sich mit der Produktion von dem
Zeug ein G e s c h ä f t ausrechnet, dann kommen die beiden auf
ihre Kosten. Die Arbeiter kaum. Denn die sind in dieser Rechnung
ja ohnehin bloß als abhängige Variable vorgesehen, die sich mit
dem zu bescheiden haben, was bei den Geschäften zwischen Kapital
und Staat so für sie abfällt. Sei es Lohn und Leistung, sei es
Arbeitslosenunterstützung - das zeigt sich dann. Wie immer.
F a z i t: Der Witz an der Luftschiffidee ist nicht, daß sie
nicht g i n g e - es ist schlimmer. W a s da gehen soll, ist
nichts, was man als Arbeiter begrüßen sollte. Denn der Gedanke
eines Produkts, mit dem sich der in Lohn und Entlassung aufge-
machte G e g e n s a t z zwischen Betrieb und Arbeitern
v e r s ö h n e n ließe, der führt immer nur zu einem: sich für
den Erfolg der G e g e n s e i t e einzusetzen, weil man selbst
von dem a b h ä n g i g ist. Das bleibt man dann auch.
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