Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie
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Ökologie
KOMPENSATORISCHE PFLEGE DER NATÜRLICHEN STAATSGRUNDLAGEN
UND REAKTIONÄRE NATURPHILOSOPHIE
Die Ökologie gilt als jüngster, fortschrittlichster Zweig der
Biologie, als neuartige Betrachtungsweise der Natur überhaupt
oder als interdisziplinäre Integrationswissenschaft, die bis in
die Kybernetik, Soziologie und Religion hineinreicht.
Einigkeit herrscht darüber, daß zu den wesentlichen Ergebnissen
der Ökologie Auskünfte folgenden Kalibers zählen:
"Der Mensch kann daher mit all seinem Wirken nie außerhalb der
Natur und ihrer Gesetzlichkeit stehen." (I, 9)
"Eine wichtige Aufgabe des Ökologen liegt...auch in dem ständigen
Hinweis, daß sich nichts bessern wird, wenn der Mensch glaubt,
auch weiterhin außerhalb der Natur stehen zu dürfen." (II, 6)
"Wir bringen eine sehr neue und dringend notwendige Haltung in
diese Welt...Es ist die Haltung, in der der Mensch sich wieder
versteht als einer, der eingesetzt ist nicht als Ausbeuter und
Plünderer der Erde, sondern als ihr Pächter und Heger." (zitiert
in III, 177)
Solche besinnlichen Worte taugen eher für moderne Sonntagspredig-
ten, als daß sie zur Kenntnis der Gesetze beitragen, die in den
Naturgegebenheiten wirken und - einmal bekannt - für deren zweck-
mäßige Einrichtung angewendet werden können. Keine Naturwissen-
schaft sonst befindet es auch wie die Ökologie ernstahaft für nö-
tig, das Publikum, die Fachkollegen eingeschlossen, laufend zu
ermahnen, sich den Gesetzen, die sie ermittelt haben will, zu un-
terwerfen, statt sie sich zunutze zu machen.
Solche Quintessenzen aus dem Wissen, das Ökologen für sich in An-
spruch nehmen, klären ja auch gar nicht über irgendeine bisher
noch unbekannte Beschaffenheit der lebendigen oder toten Materie
auf, sie bestreiten auch keine einzige Erklärung irgendeiner Na-
turwissenschaft, geben aber eine abweichende Auffassung über den
rechten Umgang mit Naturgegebenheiten zum Besten. Ökologen zie-
hen, ohne ernsthaft einen wissenschaftlichen Fehler nachweisen zu
wollen, die Leistung in Zweifel, die ihre Kollegen, seien es Bio-
logen, Chemiker, Physiker, ganz automatisch für sich in Anspruch
nehmen, wenn sie Naturzusammenhänge erklären: mit ihren theoreti-
schen Ergebnissen über natürliche Wirkungsverhältnisse Anweisun-
gen auf die praktische Beherrschung der Natur bereitzustellen,
indem man ihre Gesetze zweckentsprechend kombiniert und kontrol-
liert wirken läßt.
Der Generalvorbehalt gilt dem t e c h n o l o g i s c h e n Um-
gang mit der erkannten Natur, den erfolgreichen Anstrengungen,
sie sich verfügbar zu machen. Und Ökologen machen auch gar kein
Geheimnis daraus, daß dieser Vorbehalt einem praktischen Inter-
esse entspringt, das sie gegen unliebsame Folgen der Naturbeherr-
schung zur Geltung bringen wollen:
"Erhaltung der Natur" - ein staatsdienliches Programm
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Wenn Ökologen sich theoretisch und praktisch diesem Programm wid-
men, dann befassen sie sich - entgegen ihrer eigenen Behauptung,
neue grundlegende Einsichten in die Gesetzmäßigkeit des Lebendi-
gen und seiner Lebensumstände zu liefern - gar nicht damit, noch
völlig unbekannte biologische Grundlagen zu erforschen. Vielmehr
verhalten sie sich zum umfangreichen Wissen über die Wechselver-
hältnisse der belebten und unbelebten Natur selber wie eine An-
wendungswissenschaft, welche die jeweiligen naturwissenschaftli-
chen Kenntnisse neu reflektiert, sortiert und erweitert, um damit
praktische Vorhaben realisierbar zu machen. Technologisches Wis-
sen zielt ja darauf, durch die gelungene Kombination von Natur-
stoffen und -gesetzen e r w ü n s c h t e u n d b e r e c h-
n e t e W i r k u n g e n zu erzielen. Auf diese Weise ent-
wickelt technologischer Forscherdrang und Erfindergeist immer
gezieltere, wirkungsvollere und umfassendere Möglichkeiten, sich
die Natur für alle möglichen produktiven und konsumtiven Be-
dürfnisse dienstbar zu machen - Möglichkeiten, die dann nach ganz
anderen Gesichtspunkten Wirklichkeit werden als denen einer ein-
gebildeten technischen Vernunft oder naturwissenschaftlichen Ver-
antwortung, egal, was darunter alles an Menschen freundlichem
verstanden werden mag.
Die Ökologie, die sich um die Erhaltung natürlicher Bedingungen
sorgt, durchdenkt ebenfalls alle möglichen technischen Vorgehens-
weisen, stattfindende wie geplante oder denkbare, aber genau um-
gekehrt auf u n g e w o l l t e W i r k u n g e n hin, deren
Vermeidung sie sich zum Anliegen macht. Sie untersucht und prüft
gesondert, was mit den diversen 'Eingriffen' in die Naturgegeben-
heiten alles an s t ö r e n d e n Veränderungen in diesen Gege-
benheiten, also an dem Material bewirkt wird, mit dem erfolgrei-
che Technologie hantiert. Und sie forscht weiterhin Verfahren und
Möglichkeiten aus, wie solche Folgen zu vermeiden, Schäden zu be-
grenzen, stoffliche Quellen zu erhalten sind und welche techni-
schen Verfahren besser unterbleiben sollten. Unter diesem Ge-
sichtspunkt macht sie sich die verschiedensten Wirkungszusammen-
hänge zwischen Lebendigem und seinen natürlichen Bedingungen zum
Gegenstand, untersucht Tierpopulationen, Landschaften, Klima,
Nahrungsketten, Energieprozesse, Licht-, Luft, Wasser- und son-
stige Verhältnisse, um unliebsame Rück- und Wechselwirkungen des
produktiven Umgangs mit diesen Verhältnissen auszumachen. Sie
kümmert sich um Anreicherungen von (Schad-)Stoffen in Boden, Was-
ser, Luft und Organismen, um Vor- und Nachteile chemischer und
biologischer Schädlingsbekämpfung, die Umwandlung aller möglicher
natürlicher Lebensräume, das Verschwinden von Arten und die Fol-
gen, Klimaveränderungen und was das für Pflanzen und Viehzeug be-
deutet, die Verwüstung der Sahelzone, das Ozonloch, Ursachen und
Wirkungen der Veralgung von Flüssen und Meeren und vieles andere
mehr. Dabei bedient sie sich ausgiebig biologischer, chemischer,
physikalischer, geologischer, metereologischer Kenntnisse und
plädiert aus diesem Wissen für diese oder jene Unterlassung, für
Verfahren schonenden Umgangs mit Naturbedingungen, für weniger
chemische Düngung, mehr Mischwaldaufforstungen, phosphatfreie
Waschmittel, Stop der Urwaldrodung, mehr Naturschutzgebiete,
"mosaikartige" Landschaftsnutzung, Walfangverbote und anderes
mehr. Kurz: Ökologen sind T e c h n o l o g e n e i n e s
p f l e g l i c h e n U m g a n g s m i t d e r N a t u r
und kümmern sich exklusiv darum, daß die die natürlichen Voraus-
setzungen möglichst nicht durch ihre gesellschaftliche Nutzung
ruiniert werden.
...und seine Fehler
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So sehr die gravierenden Folgen moderner industrieller Naturbe-
und -vernutzung, steigenden Energie- und Rohstoffverbrauchs,
wachsender Bevölkerungszahlen usw. auch für solche Bemühungen zu
sprechen scheinen und den Ökologen zum Beweis dafür dienen, daß
an ihren Schlußfolgerungen kein Weg vorbei führt - das Programm
dieser Wissenschaft ist keineswegs so folgerichtig und unzweifel-
haft menschenfreundlich, wie ihr gern zugestanden wird und sie
sich zugutehält. Erstens was den G r u n d betrifft. Schließ-
lich beruhen alle ökologischen Anstrengungen darauf, daß die Zu-
sammenhänge und Wirkungen, die diese Wissenschaftsabteilung zu
ihrem Gegenstand macht, bei den sonstigen technologischen Überle-
gungen und Anstrengungen laufend nicht ernsthaft mitbedacht und -
berücksichtigt, sondern beiseite gelassen werden, und das nicht,
weil das alles prinzipiell noch unbekannt wäre. Sie verdanken
sich einer unübersehbaren theoretischen und praktischen
G l e i c h g ü l t i g k e i t gegen bestimmte Folgen techni-
scher Beherrschung und Nutzanwendung von Naturgesetzen und -mit-
teln. Vom Atom bis zur Großlandschaft, vom Gestein bis zum Vieh-
zeug ist zwar alles von den Einwirkungen des industriellen Fort-
schritts betroffen, aber so, daß säuberlich geschieden wird, was
davon noch in den Umkreis der normalen technologischen Planung
fällt und was nicht mehr. Diese Planungen t r e n n e n laufend
das, was als nützliche und w ü n s c h e n s w e r t e Möglich-
keiten und Verfahren gilt, auf die es a n k o m m t, von lästi-
gen Folgen ab, die man zu 'Nebenwirkungen' erklärt, die uninter-
essant, v e r n a c h l ä s s i g b a r oder naturnotwendig und
deshalb hinzunehmen seien. So sortiert man die im Prinzip bekann-
ten Wirkungszusammenhänge willkürlich auseinander und scheidet
ausgerechnet die unliebsamen, ganz und gar nicht nebensächlichen
von denen, um die es allein geht und um die man sich deshalb erst
einmal allein kümmert.
Warum beim Produzieren ausgerechnet die ruinösen Rückwirkungen
auf die Naturvoraussetzungen unberücksichtigt bleiben, ist jeder-
mann bekannt und sicher keine Folge natürlicher Sachzwänge. Der
Natur ist es schließlich gleichgültig, was mit ihr angestellt
wird; sie hält sich an ihre Gesetze und erlaubt gerade dadurch,
die verschiedensten Wirkungen in Kraft zu setzen oder auszuschal-
ten. Die Kriterien für die Trennung entstammen vielmehr dem In-
teresse am profitablen Einsatz technischer Mittel für Unterneh-
mer, die notwendige Kosten für ihre Produktionsanlagen und deren
Funktionieren von lästigen Unkosten für die Berücksichtigung der
Folgewirkungen auf die Umgebung und weitere Landschaft unter-
scheiden, die sie sich sparen. Es ist dann an den politischen
Verwaltern des Wirtschaftswachstums, zu entscheiden, inwieweit
sie sich für den Fortbestand der staatlichen Verhältnisse doch
darum kümmern wollen, daß die Natur - wie ja auch die Arbeits-
kraft - durch die kapitalistische Nutzung in dem Maße angegriffen
wird, wie sie als profitliches Produktionsmittel taugt.
Zweitens heben die ökologischen Bemühungen diese Trennung gar
nicht auf, sondern g e h e n von ihr a u s, indem die ver-
nachlässigten Wirkungen als zusätzlich zu berücksichtigenden,
k o n k u r r i e r e n d e n Gegenstand und Gesichtspunkt in
die naturwissenschaftliche und technologische Forschung und An-
wendung einbringen. Das Programm "Erhaltung der Natur" ist näm-
lich gar kein Plädoyer für einen planerischen Umgang mit der Na-
tur, der sie als universelles Lebensmittel nutzt, umgestaltet und
verbessert. Es repräsentiert vielmehr einen verselbstständigten
R e p a r a t u r s t a n d p u n k t, der kritisch zum rück-
sichtslosen Umgang hinzutritt. Daß das k o m p e n s a t o-
r i s c h e B e m ü h e n um die Pflege der beanspruchten
Produktions- und Konsumtionsgrundlagen - früher als Neben- und
Untergesichtspunkt in jeder Abteilung Technologie angesiedelt -
den Charakter einer eigenen Wissenschaft mit dem Auftrag
'Erhaltung der Natur' angenommen hat, verdankt sich ja auch dem
ungebrochenen fortdauerndem Erfolg unternehmerischer Naturbe-
herrschung und den immer universelleren Zerstörungen, die diese
Erfolge mit sich bringen.
Diese Wissenschaft h i n k t also logisch wie praktisch diesem
Universalismus h i n t e r h e r. Als Nachtrabwissenschaft be-
zieht sie sich auf die unliebsamen Ergebnisse angewandter Natur-
wissenschaft als ihren negativen Ausgangspunkt und macht sich
dazu lauter K o r r e k t u r g e d a n k e n. Dabei kommt sie
nicht nur praktisch immer zu spät, macht sich für die Vermeidung
von Schäden stark, die längst eingetreten sind, fordert die Be-
wahrung von Verhältnissen, die immer schon umgekrempelt und zer-
stört sind - was der Wissenschaft eigentümlicherweise den Ruf
eingebracht hat, besonders ehrenwert und gesellschaftsdienlich zu
sein. Auch theoretisch hat ihr kompensatorischer Standpunkt seine
Haken.
Einerseits sind ihre Untersuchungen nie so recht a b z u-
s c h l i e ß e n und ihre Ergebnisse nie vollständig - nicht
deswegen, weil die Natur überhaupt unendlich, komplex und
allzusammenhängend wäre, wie die ökologischen Systemtheoretiker
behaupten. Vielmehr weil sie dem stattfindenden Umgang mit Feld,
wald, Wiese, Boden, Luft und Wasser gerade das als W i l l k ü r
vorwirft, was die Naturgegebenheiten erlauben und die herrschen-
den Produktionszwecke gebieten: die säuberliche Scheidung unmit-
telbar interessierender produktiver Wirkungen von weiteren für
nebensächlich erklärten Umständen. So ist es an den ökologischen
Forschern, alle vernachlässigten Wirkungszusammenhänge wieder und
erstmalig einzubringen, nähere und fernere Wechselwirkungen gel-
tend zu machen und die Berücksichtigung von allen zu fordern. Da
ihre Untersuchungen, Entdeckungen und Vorschläge immer schon von
den Verheerungen überholt werden, die der praktische Fortschritt
der Zivilisation gerade wieder ins Werk setzt, bleibt für diesen
Wissenschaftszweig immer mehr als genug zu untersuchen, entdecken
und vorzuschlagen, was wieder nicht bedacht worden ist. Und so
entschieden, wie sich einerseits darum nicht gekümmert wird, er-
klären sie es zum wesentlichen und eigentlich bestimmenden Ge-
sichtspunkt. Sie haben deshalb das wissenschaftliche Anliegen,
alle, aber auch wirklich alle Zusammenhänge zu bedenken, die eine
Rolle spielen oder spielen könnten, so daß sie sich schließlich
als Zusammenhangsfanatiker aufführen, denen jede festgestellte
Beziehung nur als eine unter anderen gilt, die darüber nicht ver-
gessen werden dürften.
Auf der anderen Seite zeichnet sich ihr Erhaltungsdenken durch
eine ziemliche W i l l k ü r aus. Die Gesamtheitsfanatiker ver-
stehen es lässig, bestimmte Zusammenhänge der angeblich unteilba-
ren Natur zu vernachlässigen und andere nicht. Auf welche Wir-
kungsgesetze sie sich jeweils kaprizieren, welchen Stücks der
vielfältig beanspruchten Natur sie sich theoretisch und praktisch
annehmen, wo sie etwas für unbedingt erhaltenswert ansehen und wo
nicht, folgt ja aus den festgestellten Gesetzlichkeiten für sich
ebensowenig wie aus dem abstrakten Standpunkt: 'Erhaltung tut
not!', der nach dem 'Wofür eigentlich?' ebensowenig fragt wie
nach den gesellschaftlichen Gründen. Angesichts der universellen
Zerstörungen ist jedes Trumm Natur von Haus aus ein Wert und eine
zu bewahrende Sache. Deshalb kommt hier die Naturliebhaberei mit
ihren zufälligen Launen ausgiebig zum Zuge; der eine nimmt sich
eines Moores, der andere des Steinadlers, ein anderer des drohen-
den Klimaumschlags, wieder ein anderer der bröckelnden Alpenre-
gion, noch einer des toten Rheins oder der Lebenszusammenhänge in
der Tiefsee an.
Aber die Liste der Gegenstände ihrer Sorge zeigt auch schon, daß
Ökologen noch in einem anderen Sinn willkürlich denken, in den
Bahnen berufständischer Verantwortung nämlich. Je nachdem wie
entschieden einer den Standpunkt der geschädigten Natur als ge-
sellschaftliches Interesse festhält oder aber die wirtschaftli-
chen Ansprüche, die zu den beklagten Verhältnissen geführt haben,
als auch berechtigte Anliegen einstuft, für die Natur erhalten
und zur Verfügung gestellt werden soll, reicht das ökologische
Streben vom Idealismus eines radikalen Naturfreundes bis zum Re-
alismus eines kostenbewußten Umweltplanungsberaters, der die gel-
tenden Maßstäbe für das Naturreparaturwesen selber mitreflek-
tiert.
Die ökologische Verantwortung
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Die wirklich geltenden Maßstäbe für die ökologischen Anstrengun-
gen setzen - wie gesagt - erstens negativ die an Kapitalwachstum
interessierten Unternehmer, indem sie alle für das unmittelbare
Funktionieren der Produktion überflüssigen Kosten scheuen, also
die Naturgegebenheiten als Reservoir ihrer profitlichen Unterneh-
mungen betrachten, dessen Gebrauch sie für selbstverständlich
halten und dessen zunehmende Unbrauchbarkeit als Lebensmittel sie
nichts angeht. Zweitens der Staat, der ihnen dies erlaubt und
sich anschließend der vernachässigten Konsequenzen für seine Na-
turgrundlage und ihre künftige Brauchbarkeit selber annimmt. So-
weit und weil die 'Nebenwirkungen' längst Haupt- und Staatsaffä-
ren geworden sind, treibt er U m w e l t p o l i t i k - mit
Rücksicht auf die unternehmerische Freiheit und ihre Konkurrenz-
zwänge sowie auf seine eigene Kasse natürlich, so daß sich die
Sorge um eine brauchbare Natur für das eigene und erst recht für
andere Völker in entsprechenden Grenzen hält.
Wenn ihm die Ökologen als eigene naturwissenschaftliche Repara-
tur- und Pflegeabteilung zur Hand gehen, erleben sie das Schick-
sal aller dienstbaren Geister. Sie erforschen Möglichkeiten, lie-
fern Modelle und machen lauter Vorschläge, wie man die Natur
schonend behandeln oder auch gar nicht benutzen könnte, aus denen
dann der staatliche Auftraggeber unter Abwägung aller entgegen-
stehenden Interessen die machbaren auswählt. So dienen Ökologen
mit ihrem Wissen praktisch dazu, mit einiger staatlicher Vor-,
Nach- und Entsorge den technischen Fortschritt am Laufen zu hal-
ten, der negativer Grund ihrer Anstrengungen ist. Dabei trifft
sie das Pech, als nachgeordnete Unkostenwissenschaft lauter unge-
liebte Notwendigkeiten anzumelden, also auch erst nach allen an-
deren Interessen an Wirtschaftsfortschritt, Reichtumsvermehrung
und Staatsgewalt zu einem gewissen Recht zu kommen. Andererseits
können sie auch wieder zufrieden sein über das zunehmende Ge-
wicht, das der Fortschritt in der kapitalistischen Verwendung von
Land und Leuten ihnen verleiht. So machen sie sich einerseits als
Experten für die Festlegung tolerierbarer Schadensgrenzen und als
Begutachter mehr oder weniger unbedenklicher Eingriffe nützlich;
sie kontrollieren und kanalisieren Schadstoffemissionen; sie
schlagen Alarm oder entwarnen, beraten die Umweltgesetzgebung und
lifern mit all dem einen Beweis nach dem anderen, daß der "Erhalt
der Natur" ein kompensatorisches Staatsprogramm ist und zu allem
anderen als zu brauchbaren Lebensgrundlagen für jedermann führt.
Vom Zustand in der Fabrik, der Verfassung der Arbeitskräfte und
ihrer Finanzen ganz abgesehen, die Ökologen ja nichts angehen.
Auf der anderen Seite machen sie sich für mehr staatliche Berück-
sichtigung stark. Sie erfinden ein "ökologisches Rechnungswesen",
um ihr Anliegen in ein staatsgünstiges Licht zu setzen, entwerfen
Modelle einer "mosaikartigen Landschaftsnutzung", die alle entge-
genstehenden Interessen umweltverträglich zu befriedigen ver-
spricht, und ersinnen wohl auch Vorschläge für alternative Tech-
niken, von denen dann wieder das, was sich lohnt, in unternehme-
rische Hand genommen wird. Am Ende sind auch kritische Umweltapo-
stel glücklich und halten das Umweltbewußtsein für ziemlich in
Ordnung, wenn wieder eine Wiese unter Naturschutz gestellt, in
einer Neubausiedlung routinemäßig ein Teich gebuddelt und Feucht-
biotop genannt wird und in manchen Vorgärten Nachahmung findet.
Überhaupt liegt ihr bedeutendster praktischer Erfolg in ihren
Beiträgen zur Umgangssprache. Ab sofort gilt eine feuchte Liege-
wiese als Mückenschutzgebiet, Eisenbahnböschungen sind Reservate
seltener Unkräuter, und auch die Bundeswehr weist die Panzerfah-
rer an, beim Scharfschießen Vogelnistplätze zu meiden. Damit ist
freilich das Feld technologischer Hilfestellung und wissenschaft-
licher Beratung der Politik bei ihrer Umweltpolitik verlassen und
der Übergang in die zweite hochgeschätzet Abteilung der Ökologie
gemacht: Die Konstruktion einer neuen "Naturwissenschaft" aus dem
Geiste des ökologischen Staatsinteresses und die ideologische Be-
treuung der Menschheit mit ihren Ergebnissen und Folgerungen.
Die ökologische Wissenschaft - systematische Naturverherrlichung
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In dem Kreis anerkannter Weltanschauungen reiht sich die Ökolo-
gie dadurch ein, daß sie aus ihrem B e r u f s s t a n d-
p u n k t ein E r k l ä r u n g s m u s t e r für die
Probleme, mit denen sie betraut ist, und für die Gesellschaft
überhaupt macht. Sie verbucht die kapitalistische Benutzung der
Natur als Rücksichtslosigkeit und d i e Natur als Opfer. Die
Kritik lautet von da an. Unterlassung hinsichtlich der Natur der
Natur. Vergessen sind ökonomische Berechnungen und Gründe,
beklagt wird die M i ß a c h t u n g ökologischer Gedankengänge
und Einstellungen. Ihren Auftrag verabsolutieren Ökologen damit
zu einer theoretischen Leitlinie, an der sich die herkömmliche
"instrumentelle" Wissenschaft blamiert; diese hat das Eigentliche
("Qualität") in Abstraktionen, denen der ökologische S i n n
fehlt, verschwinden lassen - und so den Ruin der Natur herbeige-
führt:
"Der Anspruch, es ließen sich auch bei ihr (der Biologie) alle
Qualitäten auflösen, zeugt von Unverständnis biologischen Den-
kens. Gerade diese falsche Einstellung führt zur Ausbeutung und
Zerstörung der Natur." (II, 5)
Umgekehrt machen sie aus dem von ihnen repräsentierten g e-
s e l l s c h a f t l i c h e n Interesse eine N a t u r-
gesetzlichkeit, interpretieren alle naturwissenschaftlichen
Kenntnisse entsprechend um und konstruieren auf diese Weise einen
neuen "Begriff" der Natur; lauter Gesetzmäßigkeiten, in denen die
Natur als S u b j e k t der in ihr herrschenden Wirkungs-
verhältnisse auftritt und mit jeder dieser Gesetzmäßigkeiten zur
Vorsicht im Umgang mit ihr verpflichtet. Durch die Ausgestaltung
dieses positiven Gegenbilds tritt die Ökologie als eine neue und
umfassende Grundlagenwissenschaft auf, die einerseits überall
dieselben einfachen Grundsätze der Natur am Wirken sieht, in
deren Umkreis andererseits die disparatesten Untersu-
chungsgegenstände aus allen Bereichen der Naturwissenschaften
fallen. Das ökologische System leidet freilich an dem Mangel je-
der Naturphilosophie, die sich auf naturwissenschaftliche Ergeb-
nisse beruft: Es widerspricht der eigenen Berufungsinstanz.
Die Natur - ein durch und durch zweckmäßiges System
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Für Ökologen ist es mit der Notwendigkeit, welche in den Na-
tur g e s e t z e n herrscht, nicht getan. Sie postulieren eine
Notwendigkeit auch für das Material, das die Natur bereithält und
leugnen damit die Zufälligkeit der naturgesetzlich zustandegekom-
menen Ergebnisse. Die Wirkungen von Ursachen gelten ihnen als Re-
sultate einer wohldefinierten Zweckmäßigkeit. Sie vertreten die
teleologische Auffassung, Natur sie ein einziger großer
Z u s a m m e n h a n g, und machen damit ihre Willkür bei der
Sammlung von Einflüssen und Abhängigkeiten zur methodischen Vor-
schrift, nichts Bestimmtes mehr auseinanderzuhalten:
"Es wird eine der wichtigsten Aufgaben für die Ökologen der Zu-
kunft sein, der Gesamtschau, dem holistischen Ansatz, zu gleicher
Bedeutung zu verhelfen wie dem Reduktionismus, der sich wohl be-
währt hat, aber keineswegs alle Probleme löst." (I, 15)
So lässig kann man sich als Abteilung der Biologie etablieren und
ihre Ergebnisse für zumindest beschränkt erklären. Dabei haben
Biologen über ihren Gegenstand, die verschiedenen Formen des or-
ganischen Lebens und die vielfältigen Verhältnisse, in denen sie
die Funktionen ihres jeweiligen Lebensprozesses ausüben, so ziem-
lich alles Wesentliche ausgekundschaftet - und keineswegs unter
Absehung vom "Ganzen". Zum Beispiel, daß für diese Prozesse anor-
ganische Gegebenheiten wie etwa das Klima, aber auch die Lebewe-
sen selbst als äußere Bedingung ihrer Existenz wirken und för-
dernden, hemmenden oder auch gar keinen Einfluß nehmen, so daß
sich das Gesamtbild der gerade betrachteten Landschaft als das
Zusammenwirken der vielen äußeren Notwendigkeiten ergibt. Inzwi-
schen weiß man auch längst, daß die jeweiligen Konstellationen
des Lebendigen und seiner Bedingungen äußeren Einflüssen und ka-
tastrophenähnlichen oder allmählichen Veränderungen nach den Ge-
setzen von Wirkung und Wechselwirkung zu verdanken sind. Und es
ist gerade die Qualität des Zufälligen an diesem Resultat, das
die gesonderte Betrachtung von Wald, Wiese, Tümpel usw. erforder-
lich macht.
Diesen Charakter bestreiten Ökologen aber, wenn sie ihre Wissen-
schaft als "Lehre vom Haushalt der Natur, die alle gegenseitigen
Beziehungen der Organismen und zu ihrer Umwelt einschließt", ein-
führen und ihre Gegenstände als "Ökosysteme" bestimmen wollen:
"Diese stellen in ihren größten Einheiten eigentlich nichts an-
deres dar als Landschaftstypen; nur hatte man früher etwas We-
sentliches, deren Systemcharakter, nicht erkannt." (II, 3)
Wenn das "Wesentliche" einer Landschaft darin bestehen soll, daß
sie ein "Komplex von Komponenten ist, die in gesetzmäßigen Bezie-
hungen zueinander stehen", dann abstrahiert man bei der Erklärung
gerade von den bestimmten Lebensfunktionen, den geographischen
und klimatischen Gegebenheiten etc., und postuliert statt dessen
ein Prinzip: Nicht, w i e die verschiedenen Seiten wirken, son-
dern d a ß sich der Naturzusammenhang durch Funktionalität aus-
zeichnet, ist die Auskunft; und daß jedes Tier und sonstige
Naturinventar seine höhere Bestimmung darin hat, zu einem
G e s a m t zusammenhang b e i z u t r a g e n.
Eine solche Betrachtungsweise tilgt auf der einen Seite jede ver-
nünftige Unterscheidung - "Die Welt ist aus Systemen aufgebaut" -
, um sie dann auf vollkommen begriffslose Weise wieder einzufüh-
ren:
"Als ökologische Systeme bezeichnet man alle jene, die über das
Niveau eines einzelnen Organismus hinausgehen." (II)
Die Ökologen wollen also im Prinzip das Neben- und Miteinander
organischer und anorganischer Natur, das Ensemble von Wasser und
Stein, Baum und Strauch, Fisch und Vogel als einen O r g a-
n i s m u s denken, bloß eben noch viel komplizierter, umfas-
sender als das Tier. So sollen sich z.B. Tier und Landschaft -
als "biologische Systeme" gleichgesetzt - folgendermaßen unter-
scheiden:
"Organismische Ordnung... Die Funktion des Ganzen entsteht durch
Koordination der Teile. Alle Vorgänge dienen der Erhaltung des
Gesamtsystems... Ökologische Ordnung... Die Funktion des Ganzen
ist durch Kompensierung der Kräfte möglich..." (II, 3 f)
Dem blinden N e b e n- und D u r c h e i n a n d e r von Not-
wendigkeit und Zufall bescheinigt hier die Ökologie, irgendwie
dem abstrakten Begriff des Organismus zu entsprechen, der sich
unwillkürlich als ein l e b e n d i g e s G a n z e s aufführt
und erhält.
Energiefluß und Stoffkreislauf - Gleichgewicht dank sparsamer
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Haushaltsführung bei knappen Mitteln
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Um der Vorstellung einer zweckmäßigen Ordnung, in der alle Teile
aufgehen, den entsprechenden I n h a l t zu geben - die Bestim-
mung nämlich, getrennt von den verschiedenen Formen und Beziehun-
gen seinen B e s t a n d zu sichern -, haben sich die Ökologen
physikalische und chemische Vorgänge zwischen belebter und unbe-
lebter Natur entsprechend zurechtgelegt. "Energiefluß" und
"Stoffkreislauf" heißen dafür die "beiden großen Prinzipien in
der allgemeinen Ökologie".
"Lebewesen sind komplex aufgebaut, hochgradig 'geordnete' Sy-
steme, in denen Energie gespeichert ist." (IV, 133)
Ökologen beherrschen es, von den Eigentümlichkeiten des Aufbaus
organischer und anorganischer Substanzen mit Hilfe von Sonnen-
strahlungsenergie sowie von den Besonderheiten des Stoffwechsels
höherer Lebewesen gerade abzusehen, also auch den funktionellen
Zusammenhang, der zwischen beidem wirklich besteht, zu vernach-
lässigen. Man wäre geneigt, am Ende jedes Lebewesen mit einer Au-
tobatterie zu verwechseln, würden die ökologischen Systemtheore-
tiker nicht laufend klarstellen, daß sie ihre Ordnungsvorstellun-
gen noch eine Spur abstrakter meinen. Der eine setzt - die Veran-
schaulichung thermodynamischer Gesetze mit Systemvorstellung en
hat da einige Vorarbeit geleistet - die E n e r g i e umwandlung
mit 'Informationen' und 'Ordnungszuständen' gleich und bietet al-
len Ernstes mathematische Umrechnungsverfahren an. Der andere
sieht in Energie "letztlich die 'Grundwährung' der Ökosysteme"
und bemüht b e t r i e b s w i r t s c h a f t l i c h e Rech-
nungsweisen, um die Ordnungsweise im Natursystem vorstellig zu
machen:
"Alle Vorgänge lassen sich in Energiekosten oder 'Energieein-
heiten' ausdrücken." (I, 64)
Daß man das lieber auch lassen könnte, kommt Ökologen nicht in
den Sinn.
Statt dessen komplettieren sie die natürliche Buchführung durch
einen weiteren Posten, den S t o f f k r e i s l a u f. In den
Besonderheiten von Fauna und Flora erblickt das Auge des Ökologen
eine Welt von Stoffen, deren hauptsächliche Bestimmung es sein
soll, vorhanden zu sein und zu bleiben und damit ein existenziel-
les Problem zu lösen:
"Da alle diese Elemente (und viele andere lebensnotwendige) nur
in endlichen Mengen zur Verfügung stehen, müssen sie in einem
Stoffkreislauf immer wieder umgesetzt werden." (VI, 83)
"Kreisläufe - die ewigen Erneuerer." (IV, 85)
Jeden Stoffwechsel im Organismus und Stoffaustausch mit der Um-
welt überhöht der ökologische Kreislaufgedanke durch ein falsches
"damit", das aus dem V o r h a n d e n s e i n der Naturstoffe
folgen soll. Das muß man nur als Mangel deuten - nach dem Muster:
Weil Stoffe in b e s t i m m t e r Menge vorhanden sind, sind
n i c h t m e h r da, also herrscht K n a p p h e i t -, und
schon eröffnet sich ein weiterer teleologischer Gedankengang:
Würden die Naturstoffe nicht erhalten, sondern aufgezehrt, hörte
die Natur früher oder später auf zu existieren. Da es sie aber
gibt, muß Existenzerhaltung ihr Zweck sein, was man auch daraus
ersehen kann, daß kein Lebewesen seiner Existenzbedingungen ent-
behrt; es labt ja nur, was leben kann. Nach der Logik der Knapp-
heit zeichnet sich daher Natur durch die Vorzüge aus, die angeb-
lich einem guten Betrieb zukommen:
"Die Natur arbeitet mit dem Leben nach dem Sparsamkeitsprinzip,
wonach dasselbe Material mehrmals zum Aufbau von Lebewesen ge-
braucht wird." (V, 21)
"Es wird also 'restlos' alles wiederverwendet, findet ein Wieder-
eingehen in den Zyklus (ein recycling) statt." (VI, 84)
Nicht nur, daß alles V o r h a n d e n e für seine Erhaltung
stets n ö t i g ist, sondern auch, daß alles N ö t i g e
stets v o r h a n d e n ist, soll man tautologisch als weise
Einrichtung der Natur festhalten. Das passende Gedankenbild die-
ses wohlgeordneten Naturhaushalts ist die ökologische Theorie vom
"Gleichgewicht":
"Der natürliche Stoffkreislauf in einem Ökosystem ist ausgegli-
chen, so daß es zur Ausbildung eines sogenannten dynamischen
Gleichgewichts oder Fließgleichgewichts kommt." (VI, 84)
Genauso gerne verlegen sich Ökologen aber auch auf das ökonomi-
sche Bild einer B i l a n z, bei der sich Einnahmen und Ausga-
ben decken müssen, so daß Ökologie auch umstandslos in Vulgäröko-
nomie umschlagen kann:
"Haushalt ist zu verstehen im Sinne von 'haushalten', d.h. Ein-
nahme-Ausgabe-Vergleichen. Eine Bilanz, wie wir uns leicht am
Beispiel von Geldbewegungen auf dem Bankkonto klar machen können,
für einen bestimmten, mehr oder weniger langen Zeitraum ausgegli-
chen, positiv (Haben) oder negativ (Soll). Die Umsatzraten sind
insgesamt weniger entscheidend als eben die sich aus ihnen erge-
benden Bilanzen... geringe Ausgaben unter Umständen tödlich, wenn
ihnen keine Einnahmen gegenüberstehen." (III, 71)
Man begreift, welches Kunststück die Natur vollbringt, wenn sie
ihre Bilanz naturnotwendig im Prinzip immer ausgeglichen hält,
nur die Energie umwandelt, die sie sich zuführt, und die Stoffe
umsetzt, die in ihr vorhanden sind! Was früher einmal
"Schöpfungsplan" hieß - im ökologischen Bild vom H a u s h a l t
d e r N a t u r hat es seine säkularisierte Neufassung. Heute
heißt es nicht mehr: "Und der Herr sprach, es ist gut", sondern
streng funktionalistisch: systematische Selbsterhaltung der Natur
mit knapp bemessenen Mitteln.
Fressen & Gefressenwerden - systemgerechte Verhaltensharmonie
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Von einer kreislaufgerechten Deutung bleiben auch die Erkennt-
nisse der Biologie über die Besonderheiten innerhalb der Tierwelt
nicht verschont. Vor allem Darwins Entdeckung über die Entstehung
der Arten stellt eine doppelte Herausforderung an das ökologische
Modell einer harmonisch in sich ruhenden Natur dar. Erstens wegen
ihrer w i s s e n s c h a f t l i c h e n Ergebnisse, die so
gar nicht zur Vorstellung von den Lebens- und Überlebensstrate-
gien der Natur passen. Die "Konkurrenz", in der sich Lebewesen
bezogen auf die jeweiligen Nahrungsquellen und andere Naturbedin-
gungen befinden, charakterisiert ja die g l e i c h g ü l-
t i g e Stellung, die Organismen zueinander einnehmen und durch
die sie sich wechselseitig zum Mittel, aber auch zur Schranke
ihrer Lebensfunktionen, z.B. ihrer Vermehrung werden.
Die ökologische Kritik bezieht sich deshalb auch gleich auf die
verkehrte Ü b e r s e t z u n g, die Darwins Theorie gefunden
hat: Die Übersetzung in einen "Kampf ums Dasein", in dem "das
Recht des Stärkeren" triumphiert. Daran stört einen Naturhaus-
haltsexperten freilich nicht die teleologische Umdeutung der Ver-
hältnisse im Tierreich oder die propagandistische Übertragung auf
politische Konkurrenzverhältnisse an sich, sondern allein die
R i c h t u n g der moralischen Botschaft:
"Dieses Prinzip darf jedoch nicht so verstanden werden, daß in
der Natur ein Kampf aller gegen alle herrscht. Vielmehr begün-
stigt die Selektion ein sich möglichst weitgehendes 'Aus dem Wege
gehen' der verschiedenen Organismen. Dadurch findet jede Art ihr
besonderes Wirkungsfeld in einem bestimmten Ordnungssystem." (II,
3)
Ökologen stehen radikal auf dem Standpunkt eines sinnvoll organi-
sierten Ganzen und stellen daher dem Bild vom Kampf der Lebewesen
das Bild ihres gelungenen Z u s a m m e n lebens zur Seite. Da-
bei soll der positive Inhalt der geglückten Naturstrategie, die
in der Theorie von den "ökologischen Nischen" vorstellig gemacht
wird, ausgerechnet in der gelungenen Vermeidung von "Disharmonie"
liegen. So wird aus der Tatsache, daß drei verschiedene Vogelar-
ten, womöglich gemeinsamen Ursprungs, auf einem Baum sitzen, ein
"geglücktes ökologisches Experiment":
"Ein ökologischer Sonderweg und damit Konkurrenzvermeidung ist
demnach dadurch möglich, daß verschiedene Arten unterschiedliche
Elemente eines Lebensraumes nutzen." (VI, 36)
"Die Bildung unterschiedlicher ökologischer Nischen...ermöglicht
die Koexistenz vieler Arten im gleichen Biotop." (VI, 39)
- und das soll wieder äußerst zweckmäßig für das System als Gan-
zes sein, weil es sich so als Ganzes erhält...
Der blinde Mechanismus der Artenentwicklung und -verteilung er-
scheint in ökologischer Sicht als ein Konkurrenzmechanismus, der
auf seine eigene Vermeidung hinwirkt. Als "ökologische Sonderung"
bekommt so auch noch der Evolutionsmechanismus die "Leistung" zu-
gesprochen, allem Vorhandenen unter den Knappheitsbedingungen
seinen Platz zu sichern. Das Gehacke der Arten auf- und gegenein-
ander hat sich damit ebenfalls aufgelöst in einen nützlichen Bei-
trag zur friedlichen Koexistenz im Biotop, in dem alles zueinan-
derpaßt und ineinandergreift - und deswegen auch unverzichtbar
ist. Kein Wunder, daß die Mentalität des Tierfilms, der liebevoll
die bunte Vielfalt der Natur dem staunenden Betrachter vorführt,
im Reich der Ökologie fröhliche Urständ feiert; daß Wissenschaft-
ler allen Ernstes die S y m b i o s e zum Urbild "ökologischer
Moral" machen und als Vorbild von Hilfsbereitschaft empfehlen
(III, 174) und andererseits Tiere zu wahren Lebenskünstlern
erklären:
"Wieso kümmern sich diese Egoisten" (die Rede ist von der Sym-
biose zwischen Ameise und Blattlaus) "um fremde Interessen, ohne
daß man ihnen Edelmut oder Angst vor Strafe unterstellen kann?
... Kooperation, das zeigen die Computer-Simulationen wie auch
die Beobachtungen der Natur, ist Teil einer erfolgreichen Überle-
bensstrategie, die auch egosistische Geschöpfe übernehmen müssen.
Ameisen und Blattläuse jedenfalls haben ihre Lektion perfekt ge-
lernt... Großen Nutzen aus der Überlegenheit anderer zu ziehen,
ist also eine selbstzerstörerische Tat." (VII, 12 ff.)
Die allwaltende Vernunft der Überlebensstrategien, derer sich die
Natur und ihr Inventar bedienen sollen, hat den S c h ö p f e r
in den Hintergrund gerückt, dem Gedanken vom K o s m o s, in
dem jedes Teilchen im Ganzen aufgeht und ein Abbild des ganzen
ist, aber um so mehr wissenschaftliche Reputation verliehen.
Ökosystem Mensch - eine einzige Störung des Naturhaushalts
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Zu guter Letzt ordnen die modernen Naturökonomen auch noch den
Umgang der kapitalistischen Gesellschaft mit ihren Produktionsbe-
dingungen in das Modell eines in sich ruhenden Naturzusammenhangs
ein, als eine besondere Sorte N a t u r verhältnis und Teil des
funktionierenden Naturautomatismus:
"So ist den meisten von uns kaum bewußt, wie sehr wir immer noch
ein Teil der natürlichen Umwelt sind - ein Teil, der sich zwar
von seinem ursprünglichen Platz entfernt hat, aber dennoch nur
innerhalb ihres Gefüges leben kann." (IV, 14)
Damit ist die (gar nicht so) neuartige Auskunft der Ökologie über
die Krone der Schöpfung im Grunde auch schon erschöpft. Die kapi-
talistische Produktion mit ihrer technologischen Beherrschung der
Natur, Armut und Reichtum, die politischen Machtverhältnisse und
ihr Wirken - alles löst sich auf in ein n a t ü r l i c h e s
H a u s h a l t s s y s t e m. Darin wirkt "der Mensch" - wie
die Abstraktion von allen, den Menschen gerade auszeichnenden,
Bestimmungen heißt - mit "seiner Umwelt" - so heißen die Le-
bensumstände in natürliche Zwangsverhältnisse verwandelt - im
Prinzip genauso zusammen wie andere Ökosysteme der Natur,
e i g e n t l i c h jedenfalls. Eine Besonderheit stellt sich
nämlich automatisch ein, wenn man alles gesellschaftliche Treiben
nur von seiner Naturseite her und als ein von ihr definiertes ei-
genes Ökosystem, die "Noosphäre", auffaßt und an den systembiolo-
gischen Erfindungen über deren Selbsterhaltungsmechanismen mißt:
Die Menschen halten sich n i c h t an sie, obwohl sie
m ü ß t e n. Der Mensch gehört als Teil der Natur zu ihr, paßt
aber nie, weil er sich über sie erhebt.
E r s t e n s hält sich kein Mensch an die "ökologische Nische
des Menschen", in der er sich neben den vielen anderen Arten und
Ökosystemen eingenistet haben soll. Das spricht natürlich nicht
für die W e l t f r e m d h e i t der Vorstellung, die Welt be-
stünde eigentlich aus lauter unberührter organischer Natur, son-
dern gibt den ökologischen M a ß s t a b ab, der allen Ernstes
an die umfassend vergesellschaftete Natur angelegt wird und dafür
spricht, daß der Mensch sich gefälligst als das Element im Natur-
ganzen auffassen soll, das er eigentlich ist.
Z w e i t e n s hat das "Übergipfelraubtier ohne natürliche
Feinde" ziemlich eigentümliche Arterhaltungsgesetze, die schon
wieder nicht so recht zu den sinnreichen natürlichen Regelkreis-
laufautomatismen passen, obwohl Ökologen steif und fest versi-
chern, daß "der Mensch gerade in seiner Populationsdynamik kei-
neswegs unter anderen Naturgesetzen" (II, 124) stehe. Einerseits
hat er zwar zur Populationsbegrenzung - alles ist bekanntlich
knapp! - eine originelle Variante des "Kampfs ums Dasein" erfun-
den, den K r i e g:
"Bei den Tieren hatten wir als ein zuweilen wirksames begren-
zungsprinzip den Kannibalismus kennengelernt. Kriege sind biolo-
gisch gesehen nichts anderes." (II, 125)
Andererseits stimmt das auch wieder nachdenklich:
"Auf der anderen Seite hat der Mensch in seiner ganzen Kulturge-
schichte seinesgleichen umgebracht, ja sogar massenhaft vernich-
tet - ein Verhalten, das bei höheren Tieren auch im stärksten
Konkurrenzkampf nicht zu beobachten ist." (II, 236)
Am Ende klagen Ökologen dann darüber bzw. die Menschheit an, daß
bei ihr der A u t o m a t i s m u s der Populationsgesetze ge-
rade n i c h t vorhanden ist, weshalb sie sich unbedingt so
verhalten soll, als gäbe es ihn, damit das wider-natürliche Be-
völkerungswachstum aufhört.
D r i t t e n s bringt der Mensch Unordnung in die naturnotwen-
dig ausgeglichenen Kreisläufe. Daß die Energiequellen nach
K o s t e n gesichtspunkten der Geschäftswelt und nationalen Be-
rechnungen erschlossen und verbraucht werden, stellt sich als un-
natürlicher, p r o b l e m a t i s c h e r E n e r g i e-
f l u ß heraus:
"In natürlichen Ökosystemen ist die Energiebilanz ausgeglichen
oder sogar positiv. Die 'künstlichen Ökosysteme' der Industriege-
sellschaft dagegen haben eine negative Energiebilanz... Diese En-
ergiequellen werden dabei verbraucht." (VI, 94)
Und daß die kapitalistische Gewinn- und Verlustrechnung dank
staatlicher Unterstützung allerlei Schädliches (mit)produziert
und sich billig davon entsorgt, ist recht besehen ein negativer
Sonderfall des ewigen Energie-Stoffkreislaufs:
"... betrachten die Umweltverschmutzung in allgemeiner Form als
thermodynamischen Prozeß, der als Nebenprodukt der Energieumset-
zungen und der Nutzung der Stoffe als 'Unordnung' schaffender
Vorgang aufzufassen ist. So gesehen vermindert die beim Produkti-
onsprozeß auftretende Verschmutzung die Positivbilanz." (I, 93)
So kann man den R u i n von tauglichen L e b e n s u m-
s t ä n d e n und G e s u n d h e i t auch auffassen: Eine
u n n ö t i g e Beeinträchtigung der Leistungsbilanz der
N a t u r. Dann erschließen sich auch ganz zwanglos Imperia-
lismus, Ost-West-Gegensatz, Waffen und manches andere als
Verbrechen an der Natur, wenn man nämlich z.B. "bedenkt, welchen
Energieverschleiß die ideologischen Zwiste der Weltmächte unter-
einander und zur Dritten Welt bedeuten". (III, 143) Genauso wie
ein zur Arbeit fahrender Prolet natürlich!
V i e r t e n s stellt alles P r o d u z i e r e n u n d
K o n s u m i e r e n, verglichen mit dem selbstgenügsamen Haus-
halten von Mutter Natur, ein g e n e r e l l e s
ö k o l o g i s c h e s D i l e m m a dar, nämlich eine Abkehr
von dem, was Natur von alleine hergibt. Der Mensch ist
"notwendig auf unreife Ökosysteme angewiesen, die eine hohe Pro-
duktion aufweisen und somit hohe Erträge abwerfen. Sich selbst
überlassen müßten solche Sukzessionsvorgänge bald wieder in die
Klimax übergehen. Natürliche Ökosysteme werden so in lebensdien-
liche, künstliche umgewandelt, die oft schlechter an ihre Umwelt
angepaßt sind." (IV, 65 f.)
Jede landwirtschaftliche Nutzung der Natur - von der industriel-
len ganz zu schweigen - produziert also systemnotwendige Pro-
bleme; deswegen kleidet der Ökologe seine Warnung in die Frage,
ob es
"überhaupt ein bewirtschaftetes Ökosystem (gibt), das seine Um-
welt nicht belastet?" (IV, 72)
Die Tendenz heißt natürlich Nein. Ökologen entdecken schon in den
finstersten Zeiten naturverhafteten Jäger- und Sammlerdaseins den
Keim des ökologischen Frevels. Wieviel mehr heutzutage, wo
w i r k l i c h alle Naturreserven erschlossen werden, kein
Stück Natur unberührt bleibt, noch das hinterletzte Urwaldreser-
vat und erst recht die Wälder, Felder und Städte zivilisierter
Breiten ihre Existenz und ihr Aussehen allein den Gesetzen des
Kapitalkreislaufs, des Weltmarkts, der gewaltsamen Staatenkonkur-
renz verdanken.
Der "Umwelt"-Gedanke - ein politisches Bescheidenheitsprogramm
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Das ökologische Gedankengebäude endet also bei dem Dogma, "der
Mensch" sei "als destruktiver ökologischer Faktor" (III, 186)
aufzufassen. Damit folgt aus der N a t u r philosophie ganz
zwanglos die Z i v i l i s a t i o n s kritik, die ökologisches
Gedankengut so beliebt gemacht hat: Daß "die Menschheit" an "die
Grenzen des Wachstums" gestoßen sei und in die "Ökokatastrophe"
zu schliddern drohe - wenn sie sich nicht darauf besinne, daß
auch sie den Gesetzen der Natur unterworfen sei. Es macht den
Witz dieser Pseudowissenschaft aus, daß sie die
ö k o n o m i s c h e n K n a p p h e i t s- u n d
H a u s h a l t s v o r s t e l l u n g e n, die sie erst der
N a t u r angedichtet hat, am Ende wieder auf die
g e s e l l s c h a f t l i c h e n Verhältnisse z u r ü c k-
ü b e r t r ä g t und mit dem ganzen wissenschaftlichen Material
über den unerfreulichen Zustand der natürlichen Grundlagen allen
Handels und Wandels bebildert.
Die angeblichen Gesetze der Selbsterhaltung der Natur bewähren
sich in dieser immer weiter ausufernden und viel Umweltpapier
verschlingenden weltanschaulichen Modeabteilung der Ökologie als
eherne Notwendigkeiten einer 'natürlichen' Lebensgestaltung unter
allumfassenden Knappheitsbedingungen. Ausgerechnet an eingebilde-
ten Bestimmungen über die Natur, mit der die Menschheit längst
instrumentell verfährt - umfassend ruinieren kann man schließlich
nur, was man umfassend beherrscht -, soll sie sich ein Maß neh-
men, sich also von den Mitteln bestimmen lassen, derer sie sich
gemäß den herrschenden gesellschaftlichen Interessen bedient. Die
K o n s t r u k t i o n e n über die Natur verwandeln sich in
lauter Postulate, m o r a l i s c h e G e b o t e, an denen
sich jeder gesellschaftliche Umgang blamiert.
Der "Umwelt"-Gedanke, der das Gerede vom technischen Fortschritt,
der 'uns allen' zugute kommt, abgelöst hat, macht mitten im flo-
rierenden Kapitalismus, der alle Naturgegebenheiten für das Kapi-
talwachstum einspannt, Arbeitskräfte dafür vernutzt und die Mehr-
heit vom Reichtum ausschließt, eine T h e o r i e n a t u r-
g e g e b e n e r A r m u t auf, die eine gesellschaftliche
Handlungsmaxime darstellen soll: Auf Wachstum verzichten und das
Überleben sichern! So sprechen moderne Staatsagitatoren dem
Individuum ein R e c h t auf seine B e d ü r f n i s s e zu
und fordern mit dem Hinweis auf die b e g r e n z t e n
M i t t e l von ihm zugleich, zu seinem eigenen Besten
Z u r ü c k h a l t u n g und Bescheidenheit zu üben. In den
behaupteten N a t u r p r i n z i p i e n Sparsamkeit, Aus-
gleich, Haushalten formulieren sie nur die U m k e h r u n g
der altbekannten V o r w ü r f e an den m o d e r n e n
B ü r g e r, die sie zu guter Letzt auch wieder explizit
anführen - als Gründe für die beklagten Sünden an natürlichen
Harmonieverhältnissen: V e r s c h w e n d u n g s s u c h t,
A n s p r u c h s d e n k e n, V e r a n t w o r t u n g s-
l o s i g k e i t gegenüber dem großen Ganzen. Wie immer, wenn
für eine 'natürliche' Lebens- und Denkweise gepredigt wird, ist
mit der Menschheitsumkehr auch diesmal das Allernatürlichste
gefordert - freiwilliger Verzicht, Unterordnung unter gültige
Beschränkungen und aktive Sorge für den Staats-Fortbestand. Die
gekonnte Verwechslung der G a t t u n g M e n s c h mit der
p o l i t i s c h e n A b s t r a k t i o n 'wir alle', der
S t a a t s v e r h ä l t n i s s e mit N a t u r g e g e-
b e n h e i t e n, des ö k o n o m i s c h e n Z w a n g s
mit einer falschen Einstellung zu o b j e k t i v e n G e g e-
b e n h e i t e n verleiht der staatsbürgerlichen Verantwor-
tungspropaganda den Charakter eines jenseits aller wirtschaft-
lichen und staatlichen Interessen liegenden, vorgesellschaft-
lichen Notwendigkeit.
Genau in dieser Abstraktheit taugt das ökologische Gedankengut
als B e g l e i t i d e o l o g i e der staatlichen Aufsicht
über sämtliche Lebensverhältnisse, deren Anwälte Ökologen sein
wollen; übersetzt diese Ökologie doch nur den staatlichen An-
spruch in eine Forderung des verantwortlichen Bürgers an sich
selbst. Die angesprochene Menschheit braucht dabei gar nichts von
den biologischen Gesetzmäßigkeiten zu wissen, mit denen Ökologen
ihr erzieherisches Wirken anreichern und beglaubigen. Was wieder
mal gerade in irgendeinem Stoffkreislauf angereichert wird, er-
fährt jeder aus den aktuellen Schadensmeldungen; den Energiefluß
aus der Steckdose bezahlt er; und für die verantwortliche Ein-
stellung reicht der Grundgedanke vom ökologischen Sündenfall aus:
daß alles knapp und der Mensch ein Verschwender ist, der sich
selbst beschränken muß.
Während Ökologen ihre düsteren Zukunftsvisionen ausmalen und alle
Gegebenheiten bis zur Weltkatastrophe im 21. Jahrhundert hoch-
rechnen und ein generelles Umdenken predigen, machen die laufen-
den 'Umweltskandale' die Bevölkerung nicht unduldsamer, sondern
abgebrühter; der Umweltgedanke ist politisches Programmgut für
jedermann und damit offiziell wählbar geworden; unter der Auf-
sicht der so gewählten Politiker geht das Kapitalwachstum seinen
Gang; und das Recht auf eine lebenswerte Umwelt sowie das ökolo-
gisch gebildete Umweltbewußtsein toben sich derweil in Gesund-
heits- und Antiraucherkampagnen aus. So ist der Fanatismus einer
"ökologischen Moral", den diese Ersatzreligion schürt, durch und
durch funktional.
Literatur:
I Odum/Reichholf: Ökologie, München 1980
II W. Tischler: Einführung in die Ökologie, Stuttgart 1984
III K. H. Kreeb: Ökologie und menschliche Umwelt, Stuttgart 1979
IV F. Klötzli: Einführung in die Ökologie, Stuttgart 1976
V B. Stugren: Grundlagen der allgemeinen Ökologie, Stuttgart 1986
VI G. Osche: Ökologie, Freiburg 1981
VII F. Kurt: Das Management von Mutter Natur. Eine Einführung in
die Ökologie, München 1985
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Nahrungsketten
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Modell eines Ökosystems (nach Ellenberg)
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Kreislauf des Kohlenstoffs
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Funktionsschema Mensch-Umwelt
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Veränderungen des Wasserhaushalts in einem Wald nach Kahlschlag"
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