Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie
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Rainer Grießhammer: Der Öko-Knigge
DIE NEUE SPARSAMKEIT
Das Buch verspricht umweltfreundliches Verhalten, das man auch
praktizieren kann, wenn man 8 Stunden am Tag arbeitet. Und es
soll Spaß machen. Wir haben das Buch gelesen. Unser Tip:
"Papierflut eindämmen", "oberstes Gebot: Müll vermeiden", DM 24.-
einsparen und dem Wald eine gute Tat erweisen.
Der Inhalt ist hinlänglich bekannt.
Dient die DB der Umwelt? Aber immer:
"Die sogenannte Ölkrise ist fast schon vergessen, auf den Auto-
bahnen wird wieder gerast wie je zuvor. Der Primärenergieumsatz
von PKW ist pro Person und Kilometer etwa dreimal so hoch wie bei
der Bahn!" (216)
Die DB hilft die Natur schützen! Die Rechnung bezüglich Energie-
umsatz pro transportierter Tonne ist allerdings nicht neu und bei
Technikern sehr beliebt, wenn sie die Wirtschaftlichkeit des
Rhein-Main-Donau-Kanals z.B. vorrechnen.
Soll man jetzt immer die Bahn benutzen wegen der Umwelt? Nein,
denn der Öko-Knigge möchte vernünftig sein. Aber es könnte ja
sein, daß Sie ein falsches Vorurteil gegen unsere Bahn haben.
"Überraschung Nr. 1: Bahnfahren 'spart' Zeit. Überraschung Nr. 2:
Beim Bahnfahren bekommt man leicht Kontakt und erlebt die ko-
mischsten Geschichten... überraschung Nr. 3: Mit etwas Übung kann
man den Bundesbahnfahrplan durchaus leicht gebrauchen..."
Sie hätten es vielleicht nicht gedacht, aber so einfach aufregend
kann Umweltschutz sein. Die Bundesbahnwerbung wird wahr. Und wem
die Bahn zu teuer erscheint oder wer schon lange für Freifahrt
für alle ist:
"Überraschung Nr. 4: Bahnfahren kann ganz schön billig sein...
das Rosarote Wochenende u.a.m."
Finanzierbar ist der private Naturschutz auch!
Das Muster der Argumentation wird deutlich. Man kann täglich et-
was für die Umwelt tun, ohne ein "radikaler" Grüner zu werden.
"Nicht nur die AEG, sondern auch ein paar Müsli-Freaks wollen uns
zeigen, wo's langgeht... Als Alltagsökologen arbeiten wir acht
Stunden, essen meistens in der Kantine, haben einen langen An-
fahrtsweg und kaum Zeit, bewußt einzukaufen...
Angewidert von der unanständigen Verachtung der Natur und genervt
von unerfüllbaren Fundamentalvorstellungen, 'wollen wir neue Wege
finden'. (Hoechst AG)" (11 f.)
Der Autor hat daraufhin sein Leben reflektiert und ganz viele
Punkte gefunden, wie auch du und ich sich a n s t ä n d i g
verhalten können. Haben Sie darauf geachtet, den Meßbecher für
Waschmittel nicht bis zum Rand vollzumachen, sondern nur bis zur
Meßmarke, da "die 'Voll'-Markierung sich unterhalb des Becherran-
des befindet" (51)? "Die grüne Tat":
"Umweltschutzpapier verwenden
Einwegflaschen in den Altglascontainer bringen (aber: Glassammeln
ist gut, Mehrwegflaschen sind besser!!!)
Batterien zum Händler bringen...
nicht rauchen
mäßig Alkohol trinken...
streßfrei leben..." usw.
Jeden Tag eine gute Tat für eine bessere Welt. Ab 15 in der Woche
gibt's ein gutes Gewissen in lindgrün.
Worauf sich der Öko-Knigge beruft, wenn er seine werte Leser-
schaft dazu aufruft, beim Kauf eines Elektrogerätes auf geringen
Stromverbrauch zu achten, ist auch klar. Er stützt sich auf die
Kalkulationen, die die Menschheit mit ihrem knappen Geldbeutel
ohnehin anstellt. Wer hat keine Mutter, die nicht auf sparsame
Verwendung von Geschirrspülmittel achtet.
"Ein kleiner Tip: Wenn Sie die Spülmittelflasche oben nur ein
klein wenig aufschneiden, kommt bei Druck nur sehr wenig Spülmit-
tel. Sie müssen dann zwei, dreimal drücken, bis genug heraus-
kommt. Und weil das so lästig ist, drücken Sie bestimmt kein
viertes Mal." (56)
Der 'Brigitte'-Tip weiland war besser: Verdünnen Sie das Spülmit-
tel mit Wasser, und Ihr Mann oder Sohn, der im Haushalt hilft,
kann soviel Spülmittel nehmen wie üblich... Wer hat keinen Onkel
mit Eigenheim, dem der Wasserverbrauch im Haus ein täglicher Dorn
im Auge ist:
"Toilettenspülkasten. Verringerung der Gesamtspülwassermenge...
Ziegelstein in den Spülkasten legen..." (26)
Wer hat keine Großmutter, die auf Kaffeesatz für den Kompost
schwört (zieht die Würmer an. Keine Filtertüten verwenden!)
"Küchenabfälle: auf den Kompost bringen." (97)
Der Bürger soll alle Kalkulationen, die er ohnehin wegen seiner
Sparsamkeit anstellt, um einen neuen Gesichtspunkt bereichern:
Dient es der Umwelt? Und so hat er einen Grund mehr, sich wie die
Kleinbürger des Kriegsdeutschland aufzuführen. Die Theorie, die
zugrundeliegt, ließe sich leicht erschließen, würde der Autor sie
nicht selbst im Vorwort erläutern.
"Die Zeiten, in denen man und frau für diese Umweltzerstörungen
leichter Hand nur die Industrie verantwortlich machen konnte,
sind vorbei...
Die Umweltzerstörung ist auch ein Resultat des ungehemmten Mas-
sengüterkonsums, des Überkonsums und der Wegwerfmentalität." (10)
Die durch die Industrie verursachten Schäden sollen damit bei-
leibe nicht weggeredet werden. Ganz im Gegenteil: In vollem Be-
wußtsein muß man dagegen anstinken.
"Das schönste Energiesparen wird zum Hohn, wenn das große Kohle-
kraftwerk neben dran ohne Wärmekraftkoppelung läuft und ohne
Rauchgasentschwefelung." (267)
Ein Ökoknigge versteht dies nicht als E i n w a n d gegen ein
Privatprogramm zur Rettung der Natur, sondern allenfalls als
B e h i n d e r u n g des Öko-Anstands. Wider besseres Wissen
erklärt man sich von der Allgemeinheit einer ganzen Produktions-
weise - unserer schönen Marktwirtschaft nämlich - für unabhängig.
"...wir möchten den ungespritzten Apfel schon heute kosten. Wir
wollen die Zerstörung unserer Umwelt und Lebensgrundlage nicht
mitmachen und wollen wenigstens im persönlichen Bereich, da wo
wir wohnen, essen und uns erholen, umweltfreundlich sein." (11)
So, als würde der Verbraucher bestimmen, was er von der deutschen
Industrie frisch auf den Tisch serviert bekommt, stellt sich kei-
nerlei Unzufriedenheit mit dem Markt ein. Der grüne Mensch hat
tausend Möglichkeiten, wenn er es nur richtig anstellt, und es
gibt alles für den Umweltschutz - zu kaufen. Der Autor will dabei
noch nicht einmal bemerken, daß ein paar Q u a l i t ä t s-
produkte für die Leute im Lande ein wenig mehr k o s t e n
würden, und daß dafür der Geldbeutel der Mehrheit ein wenig
erweitert werden müßte. Aber das wäre wohl zuviel verlangt für
die deutsche Wirtschaft? Ein Ökoknigge richtet sich ein und
rechnet sich aus, daß Umweltsparen b i l l i g ist.
Ein schönes Resultat: Anstand gegenüber der Natur geht! Wovon
hängt er ab? Von der Aufklärung des Verbrauchers. Woran liegt es,
daß immer noch so wenig passiert? An der mangelnden Vermassung
des Öko-Anstands. Also muß er vermaßt werden und "politisch" wer-
den. Treten Sie einer Bürgerinitiative bei!
"Die Ökologie ist immer vernetzt, und wenn Sie ökologisch wirken
wollen, müssen Sie sich mit vielen anderen vernetzen."
Nach 267 Seiten Öko-Knigge auch das noch. Mit anderen Wegwerf-
Flaschen gemeinsam ein Vereinsleben aufmachen!
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