Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie
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"Global 2000 - Bericht an den Präsidenten"
DIE ÖKOLOGIE WIRD EINE STAATSWISSENSCHAFT
Wie kommt es, daß eine offizielle Regierungsschwarte aus den USA,
erstellt im Auftrag des Präsidenten unter Mitarbeit zahlreicher
US-Behörden inklusive der CIA nicht nur zum Bestseller in der BRD
und Westberlin, sondern auch zum Pflichtexemplar aller fort-
schrittlichen Bücherschränke geworden ist? Von den gängigen Um-
weltvernichtungsszenarios unterscheidet sich "Global 2000" seinem
Inhalt nach allein durch die immense Quantität der zwischen zwei
Buchdeckeln zusammengetragenen Tabellen, Diagramme, Statistiken
und farbigen Weltkarten. Der Witz des Schmökers liegt darin, daß
hier alle gängigen Argumente der Öko-Bewegung zu einem Dokument
der amerikanischeri Regierung geworden sind, womit die grüne
Ideologie durch die Weltmacht Nr. 1 sich bestätigen lassen kann,
daß ihre Probleme auch von der großen Politik zur Kenntnis genom-
men werden.
Die neue, amtliche Umweltstudie: Meere verseucht, Säureregen,
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Trinkwasser geht aus, Luft wird knapp. 20 DM bei Zweitausendeins.
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Ökologie global
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Was "Global 2000" in seinem "technischen Bericht" und den ihm
entnommenen Schlußfolgerungen zu bieten hat, ist in allen Ausfüh-
rungen über Bevölkerung, Ressourcen, Energie, Umwelt etc. nichts
anderes als eine erschöpfende Zusammenschau aller Ideologien und
Brutalitäten, die man erwarten kann, wenn vom
ö k o l o g i s c h e n S t a n d p u n k t aus der Menschheit
eine katastrophale Zukunft hochgerechnet wird:
"Wenn sich die gegenwärtigen Entwicklungstrends fortsetzen, wird
die Welt im Jahr 2000 noch übervölkerter, verschmutzter, ökolo-
gisch noch weniger stabil und für Störungen anfälliger sein als
die Welt, in der wir heute leben." (S. 25. Wie alle folgenden Zi-
tate aus "Global 2000")
W e n n also Überbevölkerung und Schadstoffemission weiter zu-
nehmen (so lauten die besagten Trends), d a n n steigen sie, so
lautet der tautologische Befund der gesammelten US-Intelligenz.
Das ist nicht einmal originell, sondern der schon traditionelle
Fehler solcher futurologischen Prophezeiungen: Die Produktiv-
kräfte auf der Welt werden auf ihre negativ bestimmten Wirkungen
hin sortiert, quantifiziert und hochgerechnet mit der Prämisse,
sie würden sich genauso, eventuell beschleunigt und verlangsamt,
weiterentwickeln, um dann das Chaos auszumalen. Die totale Ab-
straktion von den politischen und ökonomischen Verhältnissen, we-
gen derer und innerhalb derer emissioniert, bevölkerungsgewachst
und massengehungert wird, läßt natürlich jedes Interesse weg,
dessentwegen Natur und Mensch kaputtgemacht werden. So können
auch die negativen Folgen zum "Überlebensproblem" d e r
M e n s c h h e i t gemacht werden, obwohl es doch ohne weiteres
einsehbar ist, wer z.B. Atomreaktoren aus s e i n e m wohlver-
standenen Interesse heraus w i l l, sich um Schäden für andere
dabei einen Dreck schert und ihm diese auch ziemlich egal sein
können. Dieses elegante Hinweggehen über den kleinen Unterschied
von V e r u r s a c h e r n und B e t r o f f e n e n, die in
aller Regel nicht personalidentisch sind, eröffnet dann die Per-
spektive aller Weltuntergangsszenarios, daß nämlich "wir alle"
als S c h i c k s a l s g e m e i n s c h a f t dastehen, die
dazu aufgerufen ist, das Schlimmste zu verhüten.
Das führt dann zu brutalen Schuldzuweisungen, daß z.B. viele Men-
schen eine "Überbevölkerung" sind und sich mit ihrer "Konsumtion"
gerade überzählig machen und das Verhängnis vorantreiben. Die
Analysen und Prognosen des Getreideverbrauchs pro Kopf für die
verschiedenen Regionen der Welt, die mit Hunderten von Millionen
Hungertoter jonglieren, offenbaren die Brutalität solcher Be-
griffslosigkeit recht eindeutig. Ganz so als ginge es um Subsi-
stenzwirtschaft, werden Boden und Erträge durch Menschenanzahl
dividiert.
"In den frühen 70er Jahren ernährte ein Hektar durchschnittlich
2,6 Personen, im Jahre 2000 wird ein Hektar 4 Personen ernähren
müssen." (S. 51)
Eine recht eigentümliche Rechnungsweise erlauben sich diese Ex-
perten des Welthungers. Wo die Umwandlung aller möglichen Weltge-
genden in Zulieferbetriebe für westliches Kapital stattgefunden
hat, und das Resultat dieser eigentümlichen ursprünglichen Akku-
mulation die Zerstörung der ehemals vorherrschenden Subsistenz-
wirtschaft gewesen ist, erlaubt man sich den wissenschaftlichen
Luxus, die Welt als mehr oder weniger ertragreiche Kornkammer für
unnütze Mäuler zu betrachten. Wenn die modernen Souveräne der
"unterentwickelten Regionen" Land und Leute als Mittel ihrer
Selbstbehauptung als Staaten begutachten, um über den Export von
mineralischen oder agrarischen Rohstoffen an den Reichtum zu kom-
men, ohne den auch eine 'Bananenrepublik' keinen Bestand hat,
dann hat das eben nichts zu tun mit dem Standpunkt der Versorgung
der Bevölkerung. Daß aus diesem Grund gerade die beklagten
Monokulturen, der Raubbau an Wäldern und die Verweisung des un-
brauchbaren Teils des eigenen Volkes auf die schlechtesten Böden,
mit den Folgen der Überweidung, Grundwasserabsenkung usw. ins
Werk gesetzt werden, kümmert die Verfasser einer ökologischen
Schwarte recht wenig. Mit der Tautologie der "dort herrschenden
Armut" hat man sich den Gegenstand geschaffen, den man prognosti-
zieren will, was halt gerade das Gegenteil davon ist, Gründe und
Verlaufsformen der Verhältnisse in der "Dritten Welt" zu klären.
Globale Schicksalsgemeinschaft...
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Gemäß dieser Vorgehensweise werden Wirkungen imperialistischer
Weltherrschaft als quasi naturgegeben eingeführt, auf ihre Ent-
wicklungstrends hin begutachtet und methodisch kontrolliert hoch-
gerechnet.
Wenn den für unbrauchbar erklärten Massen die Alternative bleibt,
entweder auf den schlechtesten Böden zu verhungern oder in den
Slums der Städte ein Weilchen dahinzusiechen, dann entdeckt
"Global 2000" den bedenklichen Trend der Landbevölkerung die
"städtischen 'Agglomerationen in Entwicklungsländern" voranzu-
treiben.
"Das rasche Städtewachstum wird für die Abwasserbeseitigung, die
Wasserversorgung, die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wohnraum
und Arbeitsplätzen enorme Probleme aufwerfen." (S. 45)
Es gehört schon eine gehörige Portion Arroganz zu solch einer Be-
trachtungsweise, als wären die Slums für die Versorgung der Leute
mit dem Lebensnotwendigsten da. Mit den "Problemen" wird ja
nichts anderes gesagt, als daß die Slumbewohner allenfalls als
Störenfriede betrachtet und demgemäß behandelt werden. Da gibt es
natürlich das Energieproblem und die daraus resultierenden
'Belastungen der Umwelt'. Ohne sich einen Furz darum zu kümmern,
wie denn der schöne Energiemarkt aussieht, daß es sich bei Öl,
Kohle, Uran und anderen "Energieträgern" um Geschäftsmittel er-
ster Klasse handelt, wird der Energieverbrauch hochgerechnet und
schon ist der schönste Nachfrageüberhang da, auf daß die
"Öl-Anbieter" nicht mehr nachkommen und "Ende der 80er Jahre An-
gebotsengpässe erleiden. Die Kapazität der Erdölproduktion wächst
nicht so schnell wie die Nachfrage." (S. 387)
Wie solche "Angebotsengpässe" von den "sieben Schwestern" gemana-
get werden, sollte eigentlich seit den "Ölkrisen" bekannt sein.
Umgekehrt werden die Emmissionen, die man von der, Energiewirt-
schaft erwartet, hochgerechnet. Dabei wird wieder wie selbstver-
ständlich davon ausgegangen, daß jede Menge Kohlen- und Schwe-
feloxide, Staubteilchen und sonstiger Dreck halt in die Luft ge-
blasen wird, und das in steigendem Maße. Über die Kalkulation mit
Grenzwerten und Filteranlagen, die Staat und Energiewirtschaft
anstellen, ist diese Studie erhaben. In ihr gilt es ja, bedenkli-
che Entwicklungen offenzulegen, die über die Menschheit herein-
brechen, wenn "nicht bald etwas geschieht".
Ob Süßwasser, Metalle, Energie, Umwelt oder gar genetische Res-
sourcen, alles wird möglichst pro Kopf und in Graphiken zusammen-
gestellt, um "Grenzen des Verbrauchs" sichtbar zu machen. Mit
dieser Tour wird noch ein jeder ein Verbraucher knapper Ressour-
cen, und jeder Ruhrkumpel oder Amazonasindio wird dingfest ge-
macht für die versaute Zukunft der Menschheit. Da wird die Welt
unterteilt in arme und reiche Länder und Kontinente, wobei mit
der Fiktion des für den Konsum der Massen zur Verfügung stehenden
Reichtums - am Bruttosozialprodukt pro Kopf - vorgenommen wird.
Da werden regionale Prognosen für Wasser, Wald, nichtenergetische
Mineralien aufgemacht, womit neben dem allgegenwärtigen pro-Kopf-
Verbraucher, den für ihm zuständigen Herrscher unvernünftiges
Handeln vorgeworfen wird, was ja wohl vor allem darin besteht,
die umweltzerstörenden, ressourcenverbrauchenden, Wald als Brenn-
holz verheizenden und vor allem sich rasend vermehrenden einhei-
mischen Massen nicht ordentlich an ihrem frevelhaften Tun zu hin-
dern.
...der Naturverbraucher
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Was der Imperialismus bei der Unterordnung des Globus und der da-
mit einhergehenden Sortierung von Land und Leuten nach nützlichen
und unbrauchbaren Gebieten und Völkern zustande gebracht hat, er-
scheint hier gemäß dem ökologischen Dogma als Wirkung des Men-
schen auf Umwelt und Ressourcen. Weil sich "Global 2000" ebenso
wie frühere Szenarien dem Thema der begrenzten Brauchbarkeit des
Planeten Erde für die Menschheit widmet, oder wie es so schön
heißt, wie "die Belastbarkeit der Erde zu erhalten" sei, sind
die, die die beklagten Eingriffe ins Werk setzen aus dem Schnei-
der. Eine Anklage der Politik kommt so stets nur als Appell an
diese heraus, sich doch das ökologische Anliegen zu Herzen zu
nehmen. Und in der Tat ist mit "Global 2000" ein neues Verhältnis
von Politik und Ökologie eingerissen, handelt es sich bei der
Studie doch um einen Regierungsauftrag. Dem Idealismus der Auto-
ren, der den Zweck von Regierung im Verhindern unerwunschter Wir-
kungen der ihnen untergebenden Gesellschaften erblickt, ist
freier Lauf gelassen.
"Dieses Land (die USA) muß der genauen Überprüfung seiner Außen-
und Innenpolitik im Hinblick auf die Probleme der Bevölkerung,
der Ressourcen und der Umwelt Vorrang einräumen. Die Vereinigten
Staaten, die stärkste Wirtschaftsmacht der Erde, können davon
ausgehen, daß ihre Politik einen bedeutenden Einfluß auf die
weltweiten Entwicklungstrends hat." (S. 31)
Während es für die Auftraggeber der Studie schlicht darum ging,
sich vorführen zu lassen, womit die USA alles zu rechnen haben,
wenn man als Weltmacht Nr. 1 auf der Erde herumfuhrwerkt, kommen
die beauftragten Ökowissenschaftler, die endlich ihr negatives
Verhältnis zur herrschenden Politik aufgeben wollen, darauf,
gleich noch auf die Wucht ihres "America" zu setzen.
Kritischer Öko-Imperialismus
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Mit Genugtuung dürfen sie feststellen, daß ihre Pseudowissen-
schaft, die Ökologie von der US-Regierung als Software zur Lösung
aller Weltprobleme anerkannt und gekauft worden ist. Dafür revan-
chieren sie sich mit dem Kompliment an die Politikmacher, sie
seien die Subjekte, die die "Lösungen" in Angriff zu nehmen
haben. Zugleich sichern sie ihre eigene Unentbehrlichkeit als
Diagnostiker der ökologischen Weltlage als weiteres Ergebnis
ihrer Studie ab:
"Die US-Regierung benötigt eine Instanz zu kontinuierlichen Über-
prüfung der Vorannahmen und Methoden von denen die Bundesbehörden
in ihren Prognosen ausgehen." (S. 32)
Die Ökologie schafft sich so ein Verhältnis zu ihrem politischen
Auftraggeber, indem sie diesem bis zum St. Nimmerleinstag die Re-
sultate seiner Herrschaft als Warnung verbrämt bis auf drei Stel-
len hinter'm Komma prognostisch hochrechnet.
Für den deutschen kritischen Leser und die hiesige grüne Politik
ergeben sich hier noch die letzten Bedenken gegen "Global 2000":
Man hätte sich etwas mehr Distanz zur offiziellen Politik ge-
wünscht, weil man sich doch als oppositionelle Umweltpolitik zur
offiziellen, zumal der US-Öko-Politik profilieren möchte. Zumal
der Zusatzband "Global Future - Time of Act" ganz offen die Be-
deutung der Untersuchung dadurch der US-Regierung veranschauli-
chen will, daß er die Ziele ökologischer Politik umstandslos mit
den Interessen der Weltmacht Nr. 1 auf dem Globus zusammenfallen
läßt:
"Schon heute wird die politische und wirtschaftliche Sicherheit
der Vereinigten Staaten von den globalen Ressourcen-, Umwelt- und
Bevölkerungsproblemen stärker beeinflußt als man gemeinhin an-
nimmt." (Global Future, S. XIII)
Wenn also die Ökologie sich dazu emporgearbeitet hat, ihr Anlie-
gen im nationalen Interesse aufgehoben zu sehen, dann stört das
den hiesigen Konsumenten solcher Traktate erst einmal gar nicht,
vielmehr gilt "Global 2000" als Beleg für eine längst fällige An-
erkennung des Ökogedankens. Daß es nichts Gutes heißt, der US-Re-
gierung oder der hiesigen aus guten Gründen wie Frieden, Stabili-
tät, Ressourcenerhaltung die Übernahme des Ökogedankengutes an-
zuempfehlen, kommt dem nicht in den Sinn, der auch noch Stolz ist
auf die Hoffähigkeit seines Anliegens. Ohne auch nur ein Wort
verlieren zu müssen über die US-Interessen, wird das 'Positive'
der ganzen Studie festgehalten.
"Global 2000 ist eine amerikanische Studie, aber fast jeder Be-
reich zeigt unsere eigene Problematik: UNSER Wasser ist ver-
seucht, UNSERE Wälder sterben, UNSERE Nahrung ist vergiftet, UN-
SERE Luft ist verschmutzt." (Vorwort des Verlages zum Abdruck von
"Global Future")
Mit dem großgeschriebenen WIR ist mehr als bloß die eigene Ver-
antwortlichkeit für die Menschheit beschworen, nämlich auch die
fällige Beachtung durch die bundesdeutsche Politik. "Global 2000"
ist also ein wichtiger Beitrag für die hiesige Ökobewegung, ist
es ihr doch möglich, offizielle Anerkennung zu reklamieren und zu
erhalten, auch wenn diese in nichts anderem besteht, als daß Bun-
destagsfraktionen die Studie interessiert zur Kenntnis nehmen,
Kernkraftwerke nicht mehr ohne den Verweis auf "vernünftige Um-
weltpolitik" in Betrieb genommen werden und nicht einmal Rudi Ca-
rell in seiner Tagesshow ohne Kalauer zum Umweltschutz auskommt.
Daß auf diese Weise der Unterschied zwischen "Verursachern" und
"Betroffenen" endgültig zum Verschwinden gebracht wird, bringt
der deutsche Herausgeber von "Global 2000" in Reinkultur auf den
Begriff:
"Wir hoffen, daß die Politiker und jede(r) einzelne die Kraft
finden, unsere Umwelt zu retten." (Vorwort des Verlages zu
"Global Future")
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Die Bevölkerungs-'säule'
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