Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION OEKOLOGIE - Reaktionäre Naturphilosophie
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STICHWORT UMWELT
Für jede Produktion wird die Natur gebraucht und Naturstoff ver-
braucht. Das ist eine Sache.
Eine ganz andere Sache ist es, w i e dies geschieht. In der
freien Marktwirtschaft liegt die Verfügung über die Natur und
ihre Verarbeitung in den Händen derjenigen, die E i g e n-
t ü m e r d e r P r o d u k t i o n s m i t t e l sind. Der
Normalsterbliche hat da wenig zu melden. Er muß vielmehr schauen,
welche Luft ihm zum Atmen bleibt. Denn wo natürliche
Lebensgrundlagen G e s c h ä f t s a r t i k e l sind, bleiben
S c h ä d e n nicht aus.
Im Kapitalismus steht a l l e s im Dienst des Geschäfts -
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also auch jede natürliche Lebensbedingung. So verlangt es
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das System
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Die Ruinierung von Natur durchs Geschäft geht schon auf bei der
Lohnarbeit los. Jeder der seinen Lohn in einem modernen Betrieb
verdient, kennt das: Die G e s u n d h e i t bleibt ein wenig
auf der Strecke. Das bringt die Einrichtung der Arbeitsplätze so
mit sich. Die müssen k o s t e n g ü n s t i g sein. Deswegen
v e r s c h l e i ß e n sie Herrn oder Frau "Arbeitsplatz-
besitzer/in". Lärm und Gift gibt es gratis mit dazu; oder auch
gegen ein paar Pfennig Entschädigung, die allemal billiger kommt
als der technische Aufwand für eine gesunde Atmosphäre.
Technischer Aufwand wird getrieben, wo er sich l o h n t; also
z.B. wo er die Leistung steigert. Um d i e s e n Effekt zu er-
reichen, werden den Leuten auch schon mal Belastungen erspart.
Aber das ist es dann auch schon. Die "Natur" von Lohnarbeitern,
ihre Gesundheit, ist ansonsten z u m V e r b r a u c h e n da
- dafür kriegen sie ja ihren Lohn!
Das Produzieren dient dem Geschäft. Deswegen werden in einer loh-
nenden Produktion auch keineswegs bloß Gebrauchsgüter herge-
stellt. Ganz nebenher wird v e r g i f t e t, was das Zeug
hält. Flüsse dienen als kostenloses Kühlwasser für Atom- und an-
dere Kraftwerke; anschließend sind sie ein bißchen radioaktiv.
Sie dienen, ebenso wie der kostenlose Luftraum, zum Abtransport
aller anfallenden Schadstoffe, deren Vermeidung zu teuer käme.
Ein bißchen Landschaft und ein bißchen Grundwasser dürfen dafür
herhalten, um die Müllfässer der Industrie aufzunehmen; und wenn
das hierzulande, wegen der Giftigkeit der Sachen, zu teuer kommt,
wird der Mist für ein paar Dollar bei den Negern abgestellt.
Hauptsache, die Produktionskosten bleiben günstig.
Wo die kapitalistische Industrie ihren Dreck hinpustet, sind au-
ßerdem die für den EG-Markt wirtschaftenden Bauern mit ihren
Giftspritzen auch schon unterwegs. Die müssen ja zusehen, daß ihr
Betrieb konkurrenzfähig bleibt - und das tun sie gründlich. Sie
donnern Gift und Dünger auf den Boden, Hormone und Arzneimittel
in ihr Viehzeug; denn Geld kriegen sie für die M a s s e ihrer
Produkte, nicht für Sauberkeit. Böden und Grundwasser sind danach
- und die Lebensmittel auch.
Jedenfalls die erschwinglichen. Denn natürlich gibt es auch in
der Marktwirtschaft Genuß ohne Reue - aber der kostet. Übrigens
nicht bloß bei den Lebensmitteln. Auch für die industriell herge-
stellten Bedarfsartikel des modernen Lebens, von der Preßspan-
platte bis zum Auto und von der Plastiktüte bis zum Kühlschrank,
gilt die Faustregel: Es war schon immer etwas teurer, Schadstoffe
zu vermeiden. Oder umgekehrt: Was man den Massen mit ihrer be-
schränkten Kaufkraft andrehen will, muß billig und darf deswegen
schon mal ein bißchen giftig sein. Die Sache mit den Autoabgasen
und dem Katalysator ist dafür bloß e i n Beispiel. Und
d e s w e g e n sind Allergien und andere so nette Vergiftungs-
krankheiten zur Massenerscheinung geworden: Die m e n s c h-
l i c h e Natur hält eben doch nicht alles aus.
Es ist daher der blanke Hohn, wenn bei jedem neu entdeckten
"Umweltproblem" mit allen Zeigefingern auf "den Verbraucher" ge-
deutet wird: D e r ausgerechnet hätte es in der Hand, durch
kluge Produktauswahl die Herstellung schadstofffreier Güter zu
erzwingen. Ausgerechnet "der Verbraucher", diese allertrostlose-
ste Figur unserer freien Marktwirtschaft! Soweit der von einem
Normallohn leben muß, hat er genug damit zu tun, sein Geld zwi-
schen den e r s c h w i n g l i c h e n Bedarfsartikeln aufzu-
teilen - und sich zu wundern, was immerzu h i n t e r h e r
über die Giftigkeit und Gesundheitsschädlichkeit dieser Sachen
rauskommt!
Weil das so läuft, ist es schon längst kein Luxus mehr, sondern
zur Lebensnotwendigkeit geworden, verstunkene Luft und giftstoff-
reiche Umgebung gelegentlich zu verlassen und sich "in freier
Natur" davon zu erholen. Allerdings muß man danach suchen. Und
auch für diese Suche gilt: E s g e h t - mit genügend Zeit und
Kleingeld für die Freizeit...
Das also ist das ganze "Geheimnis" des "Umwelt-Problems": Was die
Natur als Mittel der Ausbeutung im Kapitalismus hergibt, das
macht sie untauglich in ihrer Eigenschaft als Lebensmittel für
die Leute. Sie werden eben nicht verbraucht, um das Leben ange-
nehm zu machen, sondern fürs Geschäft; d e s w e g e n wird sie
in zunehmenden Maß ruiniert - und es wird immer teurer, trotzdem
klarzukommen. An "sterbenden" Wäldern und toten Robben, vergifte-
tem Trinkwasser und radioaktiven Lebensmitteln, Stinkluft und
Müll-Landschaften zeigt sich bloß einmal mehr das altgewohnte
Prinzip: In der Marktwirtschaft sind Land und Leute f ü r s
E i g e n t u m d a, mit dem Geschäfte gemacht werden und
d a m i t Geschäfte gemacht werden können. Der Landstrich zwi-
schen Nordsee und Alpen ist eine H e i m a t f ü r s
K a p i t a l und deswegen so wenig wohnlich für die Leute, die
sowieso bloß dafür diesen Landstrich bevölkern, damit sie dem Ge-
schäftsgang dienen - bloß dafür kriegen sie ja überhaupt einen
Lebensunterhalt.
Und jetzt soll bloß keiner neunmalklug einwenden: "Aber drü-
ben...!" Die sauberen Honecker- und Gorbatschow- Sozialisten
krieg(t)en mit ihrer U n - Planwirtschaft auch einiges an Ruin
der Natur hin. Aber das ist erstens gar kein Argument dagegen,
daß es b e i u n s die freie und soziale M a r k t w i r t-
s c h a f t m i t i h r e n K o n k u r r e n z g e s e t-
z e n ist, die Land und Leute gewinnbringend ruiniert. Zweitens
haben diese modernen Sozialisten sich und ihre Länder gar nicht
einer vernünftigen Planung, sondern dem G e w i n n als
oberstem Zweck ihrer Wirtschafterei verschrieben - fast so wie
beim kapitalistischen "Vorbild". D a f ü r und aus sonst keinem
Grund lassen sie fast so viel Dreck und Gift produzieren wie die
freiheitlichen Firmen im Goldenen Westen - und nehmen denen sogar
noch den giftigsten Müll und manchen radioaktiven Abfall ab!
Der Sozialstaat kümmert sich um alles - er o r g a n i s i e r t
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die Zerstörung der natürlichen Lebensbedingungen
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"Umweltschutz" als Staatsaufgabe, mit eigenen Ministern, Ämtern
usw., das gibt es überhaupt nur deswegen, weil Unmassen Dreck und
die seltsamsten Gifte längst jeden Winkel der Republik belasten.
Und alle diese Überwachungsbehörden sind Dauereinrichtungen: Sie
leben von der Sicherheit, daß es mit dem Vergiften von Land, Luft
und Wasser kein absehbares Ende hat, sondern eher immer schlimmer
wird. Das ist sehr realistisch. Denn grundsätzlich ist ja der ge-
schäftsmäßige Umgang mit Land und Leuten in unserem System nicht
bloß erlaubt, sondern staatlich gewünscht. Deswegen ist und
bleibt das Vergiften grundsätzlich das gute Recht des produktiven
Eigentums, dem der Staat freie Bahn verschafft.
Bisweilen muß natürlich gegen gewisse "Auswüchse" dieser frei-
heitlich-marktwirtschaftlichen Rechtslage eingeschritten werden.
Aber das will allemal sorgfältig abgewogen sein. Da muß z.B. ein
Geschädigter auf s e i n gutes Recht pochen - am besten darauf,
daß s e i n produktives Eigentum durch den Dreck des Nachbarn
Schaden leidet. Das leuchtet dem Rechtsstaat ein, sofern die Be-
weislage eindeutig ist - und der Geschädigte kriegt einen Scha-
denersatzanspruch...
Ansonsten sind verdorbene Badefreuden, die Volkskrankheit Asthma,
die Bequerel-Werte der Babynahrung und ähnliches ein sehr belieb-
tes politisches T h e m a, auch für CDU-Generalsekretäre und
auch für die Chefs der chemischen Industrie; aber deswegen sind
sie noch lange kein ausreichender Grund für "überstürzte"
E i n g r i f f e. Stehen die Schäden fest, dann wird die Abwas-
sereinleitung in die Flüsse oder die Verpestung der Luft noch
lange nicht einfach verboten. Vielmehr wird mit viel Expertenver-
stand ausgeknobelt, w i e v i e l Schaden z u m u t b a r
sein soll. Für jedes erkannte und für schlimm befundene Gift, für
Radioaktivität, für krebserregenden Staub usw. werden
G r e n z w e r t e festgelegt. Die geben an, bis zu welchen
Obergrenzen das Vergiften a u f a l l e F ä l l e e r-
l a u b t ist und bleibt.
Diese Grenzwerte sind ein interessantes Kapitel. Wo es dem Ge-
schäft nützt, in gewissen Betrieben nämlich, darf die
"Konzentration von Schadstoffen" viel höher sein als draußen, wo
das Volk ja bloß ganz unproduktiv vergiftet wird. An der
"frischen Luft" kriegt man aber auch noch genug ab. Was will man
denn auch machen - so "argumentieren" die staatlichen Umwelt-
schützer -, wenn die Giftgrenzwerte in freier Wildbahn über-
schritten werden, und ein Überwachungsamt merkt das auch noch?
Dann muß man ja erst einmal sorgfältig ermitteln, wo welcher Be-
trieb womöglich u n e r l a u b t e Gift- und Dreckmengen abge-
blasen oder abgelassen hat. Und falls man den "Umweltsünder" wi-
der Erwarten erwischt, kriegt der ein Bußgeld aufgebrummt - für
das ein moderner Unternehmer längst seinen Posten in der Kalkula-
tion hat. Denn auch das ist klar, und alle Beteiligten gehen fel-
senfest davon aus: Staatlich verordnete Gifthöchstwerte sind da-
für da, ü b e r s c h r i t t e n zu werden - wozu gäbe es
sonst den schönen Bußgeldkatalog?
Das Ergebnis ist höchst folgerichtig. Der Wald "stirbt", die Rob-
ben krepieren, manchmal auch Menschenbabies, von Zeit zu Zeit
schwimmen tote Fische im Rhein, und stets von neuem geht die Fra-
gerei los: Wer kann das nur gewesen sein?! Nichts Genaues will
man dann wissen können; die erlaubten Gifthöchstmengen kommen ja
schon allein deswegen nicht als Ursache in Frage, weil sie staat-
lich erlaubt sind. Und wenn kein einzelner Schuldiger dingfest
gemacht werden kann, dann muß es sich wohl um unvermeidliche Op-
fer des "Fortschritts" oder - ausgerechnet! - "des Wohlstands"
handeln. Denn schon längst haben die Politiker und ihre Sachver-
ständigen für alle derartigen Fälle die Lüge in die Umwelt ge-
setzt, ohne Radioaktivität gibt es kein Licht mehr, ohne Sonder-
müll keinen Kunststoff, und die Nordsee wäre an der Bequemlich-
keit zugrundegegangen, mit der "wir alle" die Klospülung benut-
zen.
So tritt dann der Umweltminister Töpfer an, dessen Behörde jede
Menge Vergiftung e r l a u b t; er bejammert die von "uns al-
len" geschädigte Natur, ruft auf zum großen Gemeinschaftswerk -
und bittet zur Kasse. Denn das ist die billige "Lösung", der ein
verantwortungsbewußter Minister noch jedes "Umweltproblem" zu-
führt: Mit "Wasserpfennigen", Sondersteuern auf verbleites Benzin
u.ä. schröpft er die Leute, ohne den Gewinn zu schmälern und die
Freiheit produktiver Vergiftung zu beschneiden.
So und nicht anders geht "Umweltpolitik"!
"Umweltbewußtsein" - ein einziger Fehler!
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Der kapitalistische Giftmüll und die Frechheit, mit der Politiker
ihn zum "Gemeinschaftswerk" aufarbeiten: Das sind gleich zwei
gute Gründe, den Glauben ans marktwirtschaftliche-demokratische
System zu verlieren. Tatsächlich ist aber etwas ganz Anderes zum
modernen Lieblingsgedanken in dieser Frage geworden. Die Lüge vom
"wir alle" als dem eigentlichen Schuldigen hat voll eingeschla-
gen.
So laufen massenhaft Leute mit der Vorstellung durch die Gegend,
"der Mensch" wäre die eigentliche Sau und sollte sich gefälligst
e i n s c h r ä n k e n, damit es "der Natur" besser geht. Man-
cher geht "mit gutem Beispiel voran" und tut so, als wäre alles
in Butter, wenn jeder - so wie er - Jutetaschen statt Plastik
trägt, auf Spraydosen und Tabak verzichtet und manchmal mit dem
Fahrrad statt dem Auto fährt. Das ist natürlich lächerlich; die
wirklich interessanten Gifte und Dreckmischungen kriegt der nor-
male Mensch sowieso im Leben nie hin. Leider wird solcher Blöd-
sinn aber sehr gerne ernstgenommen; vor allem in der Weise, daß
Mitmenschen wegen dem bißchen Dreck angemacht werden, das sie
hinter sich lassen. Sehnsucht nach mehr staatlicher Gewalt kommt
auf, die ausgerechnet den Rauchern und Plastikflaschenverbrau-
chern das Leben schwermachen sollte. Genau die Instanz, die die
großzügigste Vergiftung von Land und Leuten regelt, wird angeru-
fen, um die "Umwelt" vor dem Zugriff "des Menschen" zu bewahren.
So lassen sich Politiker natürlich gerne anrufen. Sie denken sich
Steuern gegen "unvernünftige Verbraucher" aus und lassen sich
d a f ü r auch noch wählen - alles im Namen der Umwelt. So lei-
sten das zunehmende Gift und der hemmungslos wachsende Dreck des
Kapitals auch noch ihren Beitrag zur demokratischen Kultur.
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