Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION LINKE - Vom langen Marsch...
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Der MSB prangert an:
DIE 10 TODSÜNDEN DER MG
Der MSB-Beitrag in der letzten BSZ zur MG hat uns zu denken gege-
ben. Wenn wir ihn richtig verstanden haben, hat er an seinen De-
kalog des Minimalkonsenses demokratischer Opposition erinnert,
der in diesem Lande nun mal gelten müsse und gegen den wir - no-
stra culpa - mit unseren Äußerungen zu Krieg und Frieden laufend
verstoßen.
1. Du sollst nicht gegen die "Sicherung des Friedens" reden!
Zwar "kann" "Frieden durchaus Krieg in Grenada" bedeuten, aber
man darf "einem Heiner Geißler" nicht "das absolute Interpretati-
onsmonopol für solche Begriffe zugestehen". Die Friedensbewegung
braucht sich doch nicht ihr Ideal von bundesdeutscher Politik
nehmen zu lassen, weil eine hergelaufene Regierungsmannschaft,
nur weil sie über das Gewaltmonopol verfügt, die "Sicherung des
Friedens" falsch "interpretiert", indem sie z.B. laufend Nato-
kriege, die Regionen befrieden, unterstützt.
2. Du sollst den Nato-Imperialismus nicht als ein starkes Bündnis
darstellen!
"Einzelne Mitglieder haben sehr wohl Sonderinteressen, etwa die
BRD" bezüglich des Osthandels. Mit ihren Demonstrationen der Ei-
nigkeit in Williamsburg, Paris und Brüssel vertuschen sie nur
mühsam, daß die meisten unter ihnen eigentlich mit den Russen
friedlich auskommen wollen, was sie ja schließlich mit ihren Er-
pressungsmanövern (Kreditbedingungen, Cocom-Liste, Forderungen
nach "menschlichen Erleichterungen") dauernd unter Beweis stel-
len.
3. Du sollst nicht lästern wider das Kapital!
Schließlich ist das bundesdeutsche "Kapital durchaus an einer
Aufrechterhaltung des Auftragsvolumens interessiert, daß die so-
zialistischen Staaten zu vergeben haben". "Nur aus diesem Grunde
wurde einem Berthold Beitz die Ehrendoktorwürde verliehen." - Das
Kapital will doch nur seine Profite und die sind jedem Marxisten
schon lange als Springquelle von Frieden und Eintracht bekannt.
Daß dabei Planwirtschaften ruiniert werden, Leute nichts zu bei-
ßen haben und gegen ihre Regierungen rebellisch werden, ist dem
I-H. Berthold sicherlich auch ein Greuel, Hut ab!
4. Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen wider Staat und Demo-
kratie!
Schließlich ist "der Staat" (den man sowieso in Anführungszeichen
setzen muß) kein "widerspruchsfreies Wesen". - Im Gegenteil:
selbst die Herrschenden sind sich uneins und unsicher. Es ist
nämlich durchaus widersprüchlich und darum ausnutzbar, daß CDU
und SPD einhellig ihre exclusive Zuständigkeit - weil gewählte
Volksvertreter - für die Entscheidung über Krieg und Frieden de-
klamieren; daß die Herren Verantwortungsethiker im Parlament sich
nie und nimmer einem Druck der Straße beugen kön-
nen/wollen/dürfen, weil das Grundgesetz es befiehlt; daß von der
CSU bis zu den Grünen der Feind im Osten ausgemacht ist und daß
es dauernd Streit gibt uni den effektivsten Weg des Erfolgs einer
selbstbewußten deutschen Nation.
5. Du sollst "das System" nicht "lautstark angreifen"!
"Den Verdacht, das Geschäft der Rechten zu betreiben, wird die MG
nur ausräumen können, wenn sie i h r e Alternative zu dem von
ihr so lautstärk angegriffenen System das System waren schon mal
andere. Bei denen konnte man sich allerdings im Buch ihres Füh-
rers informieren, wohin die Reise gehen sollte". - Eben: weil der
Führer die damalige Demokratie als zu labberig für
D e u t s c h l a n d s Ruhm und Größe kritisierte, darf man dem
heutigen Gemeinwesen (das das Geschäft der nationalen Stärke im
übrigen längst viel perfekter beherrscht,) niemals vorwerfen, es
s c h ä d i g e ganz systematisch seine Bürger. "N u r gegen"
die Verursacher der Opfer zu sein, geht nicht an, man wird ja
schließlich nur von der schlechten Seite "des Kräfteverhältnis"
verarmt, arbeitslosgemacht, eingezogen und versaftet. Deswegen
muß man sich auch unbedingt konstruktive Mißtrauensvoten einfal-
len lassen - ansonsten: Schnauze!
6. Du sollst "sozialen Gruppen" Deine Achtung nicht versagen!
Schließlich sind das lauter ehrenwerte, angesehene Menschen, weil
sie furchtbar sozial sind: sie tun ihre Pflicht, und ohne sie
wäre all das, was Wir in diesem unseren Lande besitzen, nicht
denkbar. Und daß sie all das, was sie tun müssen, von sich aus
für den Frieden tun, das dazuzusagen, darf man sich nicht nehmen
lassen.
7. Du sollst den Widerstand an den Hochschulen nicht herabmin-
dern!
"Wenn sich ganze Gruppen für ein gemeinsames Ziel aussprechen,
dann ist das eine besondere Qualität, weil diese die Aufkündigung
des gesellschaftlichen Konsenses in sich birgt, es bewegt sich
nicht mehr nur das bekannte politische Spektrum, sondern viele
Menschen, die aus ihrer gemeinsamen Stellung gemeinsame Interes-
sen ableiten," - Wenn Professoren und Studenten am 20.10. gemein-
sam unter dem Motto "Frieden" über die Aggresivität von Reptilien
reden, Naturwirte Politikern Unwissenheit über die Vernichtungs-
wirkung der von ihnen aufgestellten Atomwaffen attestieren, dann
rede da noch einer von gesellschaftlichem Konsens. Gemeinsam
kehrt jeder vor seiner Tür - sowas macht die Herrschenden, wie
man sieht, ganz schön fix und fertig.
8. Du sollst die Arbeiter als Teil der Massenbewegung ehren!
Schließlich waren die 5 Mahnminuten des DGB kein Löffelweglegen
für den inneren Frieden mit den Kriegsherren, womit der DGB sich
als verantwortliche Stütze freiheitlicher Raketenpolitik profi-
lierte, sondern ein erster Schritt des Einschlusses der Arbeiter-
bewegung in das weite Herz der Friedensbewegung. Den Arbeitern
allerdings mit der Aufforderung zu kommen, ihren Herrschaften die
Machtbasis zu entziehen, das ist natürlich eine ungeheure Bevor-
mundung, und "unrealistisch" sowieso ("Erzähl das mal in den Be-
trieben! Die Arbeiter lassen sich nämlich, Gottseidank!, von MG-
lern nicht so einfach aufhetzen, sie lassen sich also nicht ge-
fallen, "mit Gründen beliefert" zu werden, "sich weiter passiv zu
verhalten".
9. Du sollst Raketengegner nicht überfordern!
Schließlich ist "diese Friedensbewegung" "ein Bündnis zur Verhin-
derung von Pershing II und Cruise Missile", in dem "es über wei-
tergehende gesellschaftliche Positionen zwar Auseinandersetzun-
gen, aber keine Einheitlichkeit gibt". - Wer den geplanten Krieg
nicht von den Waffen her kritisiert, sondern an den politischen
Zwecken, dem diese sich verdanken, der ist (gegen die Macher und)
nicht "gegen die Raketen", und wer nicht gegen die ist, ist...
Pfui Teufel!
10. Du sollst die Friedensbewegung nicht spalten wollen!
Schließlich ist Frieden eine feine Sache, ein hohes Gut und ein
höchst moralischer Ehrentitel. Man kann nicht gegen Frieden sein,
auch wenn in ihm Kriege vorbereitet und geführt werden. Wer letz-
teres sagt, verbreitet "Ohnmacht" unter denjenigen, die ihre ohn-
mächtige, weil gewollt friedfertige, Gesinnung stolz auf Transpa-
renten zu Markte tragen.
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