Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION LINKE - Vom langen Marsch...


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       Vom 27.-29. Nov. fand an der RUB in Bochum die 3. "Sozialistische
       Konferenz" zum  Thema "Kriegsgefahr  und Friedenspolitik"  statt.
       Die Veranstaltung,  konzipiert als  das periodisch  stattfindende
       Disskussionsforum der  Linken in Deutschland, stand von Beginn an
       unter keinem  guten  Stern:  statt  der  angekündigten/erwarteten
       1500-2000 Teilnehmer  kamen gerade  600 zur  Eröffnungsveranstal-
       tung; von  den geladenen "Repräsentanten unterschiedlicher sozia-
       listischer Positionen"  ließen sich  ausgerechnet die repräsenta-
       tiven Figuren  verleugnen: allen  voran Rudolf  BAHRO,  der  hier
       "nicht als  einer unter  vielen  Rednern  auftreten"  wollte  und
       stattdessen lieber  am Kongreß  der Baghwan-Sekte in Berlin teil-
       nahm, wo  wenigstens die Leute vom Fernsehen dabei waren, die ihn
       ebenso freudig zur Kenntnis nahmen wie er sie (ZDF-Nachrichten am
       Samstag abend!).
       Am Sonntag waren es dann überhaupt nur noch 150, die sich für das
       Ende der  Sozialistischen Konferenz  interessierten, das  Ende in
       beiderlei Wortsinn. Daß aus den täglichen "Arbeitskreisen" nichts
       Nennenswertes zu  berichten war,  war wohl  schon in  die Planung
       einbezogen worden  (5 Minuten "Ergebnisbericht" pro Arbeitskreis,
       auf deren  Einhaltung peinlichst  geachtet  wurde!).  So  konzen-
       trierte sich  der Rest  der Aufmerksamkeit auf die Frage, wie man
       a) die  gelaufene SK  als Erfolg  verbuchen kann  ("Die 3. SK ist
       schon allein  deshalb ein  Erfolg, weil eine SK überhaupt möglich
       war, was  1979 noch  keiner geglaubt  hätte") und b), wie man das
       Projekt SK  nun wieder  begraben kann,  ohne  das  Begräbnis  als
       Scheitern bezeichnen  zu müssen  (Vorschlag: "Dezentrale Arbeits-
       konferenzen in begrenztem Rahmen, mit begrenztem Anspruch und be-
       grenzter Teilnehmerzahl").
       Wir drucken  im folgenden das Flugblatt ab, das wir zum Anlaß der
       "Sozialistischen Konferenz"  verteilt haben;  der Sache  nach ist
       dem auch  nach Beendigung  der Veranstaltung nichts hinzuzufügen.
       Außer eben,  daß R.  BAHRO nicht  predigen konnte,  weil er nicht
       verfügbar war. ...
       
       GRUNDSÄTZLICHE BEDENKEN,
       ========================
       DIE 3. SOZIALISTISCHE KONFERENZ BETREFFEND
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       Ein weiteres  Mal widmen  sich ein  paar hundert Leute 2 1/2 Tage
       lang einer   F i k t i o n.   Sie  präsentieren sich  als Gremium
       "der Linken"  und stellen sich Fragen, die eine "Suche nach Posi-
       tionen" vorspiegeln. Und dies in theoretischer wie in praktischer
       Hinsicht.
       Wer sich gleich im Vorwort seiner Materialien V dem Vorhaben ver-
       schreibt, "ideologische  Gräben zu  umgehen und  schrittweise  zu
       überwinden" und  gleich ein  kräftiges Lob für "nicht-sektiereri-
       sche Arbeit"  in jeder  heute für  oppositionell erachteten  Ecke
       ausspricht, der  hat ganz  bestimmt nicht das Problem, sich Klar-
       heit über  die Gründe  der laufenden Kriegsvorbereitungen zu ver-
       schaffen. Eher  schon liegt  ihm einiges  an der  Fortführung des
       linken Opportunismus,  der nichts  mehr zur  Zirkulation auch nur
       eines richtigen  Arguments gegen  die Subjekte  von Rüstungs- und
       Friedenspolitik beitragen  will. Eines Opportunismus, der den Ge-
       neralnenner "Frieden"  für eine wunderbare Bedingung hält, sozia-
       listische Politik  zu treiben, und diesen Generalnenner gegen die
       offenkundigen Gegensätze bewahren möchte, die er eröffnet.
       
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       Diese Gegensätze  beruhen nicht  auf  u n g e k l ä r t e n  Fra-
       gen, sondern  auf ziemlich  eindeutigen und  - mit Verlaub - sehr
       verkehrten   A n t w o r t e n,  welche von den diversen Frieden-
       sinitiativen und  Linken erteilt  werden. Schon die Übernahme der
       von oben  ventilierten  Sprachregelung  von  der    "K r i e g s-
       g e f a h r",   mit der  dann von  der Regierung  bis  zur  Frie-
       densinitiative der  Kirche alle   "k o n f r o n t i e r t"  sein
       wollen, ist  ein Fehler,  der sich im übrigen in der Rede von der
       "Friedenspolitik" fortsetzt. Wenn ganze Ideologien in Worten ihre
       gestanzten Lügen  zusammenfassen,  dann  sollten  sich  Linke  zu
       schade sein, das Zeug nachzubeten. Was haben sie denn davon, wenn
       sie sich  in der  aufgeregten Beschwörung  der "Kriegsgefahr" mit
       den Bonner  Verwaltern von deutschem Geschäft und Gewalt, mit den
       um den  Frieden betenden Christen und mit Liebhabern aggressions-
       freier Kommunikation  gemein machen?  Wenn sie  dann  feststellen
       müssen, daß  jeder seine private Meinung über Gut und Böse in Sa-
       chen Rüstung  hegt und entsprechend andere Bedingungen für's Mit-
       machen aufmacht  - Bedingungen,  die in den meisten Fällen nichts
       weiter als   B e k e n n t n i s s e   des  eigenen Willens,  vom
       Krieg verschont zu bleiben, darstellen?
       
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       Freilich lassen  sich die  erst einmal rein theoretisch zu beant-
       wortenden Fragen  nach den Zielsetzungen der NATO, der BRD-Regie-
       rung und  der Sowjetunion elegant umgehen, wenn man sich so rich-
       tig   p r a k t i s c h   in Pose  setzt. Wenn man gleich strate-
       gisch und  taktisch   d i e   "Friedensbewegung" nach   i h r e m
       Erfolg und  Einflußmöglichkeiten abklopft!  Da erübrigen sich ei-
       nige Wahrheiten  über den  Imperialismus, über  seine Macher  wie
       seine Opfer  - und  eröffnet ist  die freie Spekulation über "Wie
       kann sich die Friedensbewegung auf. ... beziehen"! In einer poli-
       tischen  Landschaft,   wo  jeder,   aber  auch  jeder  Verein  an
       s e i n e m    "friedenspolitischen  Ansatz"  bastelt,  entdecken
       Linke wieder einmal Chancen über Chancen, gute wie schlechte, und
       die verrücktesten  Kalkulationen des  alternativen  Nationalismus
       erfahren ihre Würdigung als "widersprüchliche Konzepte" - die man
       natürlich nicht  widerlegt, sondern  auf die  man sich "bezieht"!
       Ist es  denn wirklich  so schwer, den Nationalismus einer SPD-Re-
       gierung, eines DGB zu kritisieren und nachzuweisen, wer seine Ma-
       növriermasse bildet?  Wissen Linke heute nicht mehr, daß Militär-
       strategie auf  Sieg berechnet  ist, und was die NATO samt Bundes-
       wehr überall  auf dem  Globus verteidigt?  Warum fragen sie, ganz
       Anwälte der Betroffenheit, nach den "sozialen Folgen" der Hochrü-
       stung -  und wollen  die Ausbeutung, die nützlich gemachte Armut,
       gar nicht  mehr als das  M i t t e l  begreifen, mit dem sich die
       imperialistischen Demokratien so schlagkräftig in Szene setzen?
       
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       Nein, angesichts der "Kriegsgefahr" wollen Sozialisten keine Kri-
       tiker des  Imperialismus sein  - lieber  spielen sie  Befürworter
       d e s   Friedens. Dann sind sie nicht so isoliert, brauchen nicht
       als "Sektierer"  dazustehen und können jeden, der es anders hält,
       ohne den  geringsten sachlichen  Einwand  verachten.  Gibt  nicht
       schon seit  Jahren gerade  die MG  den schönsten Beweis dafür ab,
       daß sie unter christlichen Wählern hoffnungslos isoliert dasteht?
       Muß nicht  die alte  revisionistische Lehre beherzigt werden, daß
       eine Politik  genau so  gut ist,  wie die ihrer Anhänger - so daß
       nicht die  Überzeugung zu  richtigem Kampf  ansteht, sondern  die
       "Einheit mit den Massen"? Wo die doch alle für den Frieden sind!
       Uns wundert  das im  übrigen nicht, weil wir nie "davon ausgegan-
       gen" sind,  daß außer  ein paar Faschisten sich irgendjemand nach
       einem Stahl-  oder Strahlengewitter sehnt! Wir haben auch nie be-
       hauptet, daß  Helmut Schmidt  samt den  übrigen  NATO-Häuptlingen
       K r i e g   will. Die  Sache ist nämlich ernster: Der Krieg - und
       das liegt  sogar noch in der Logik der Abschreckungsideologie ist
       ein fest  einkalkuliertes  M i t t e l;  wenn sich anders die au-
       ßenpolitischen Erpressungen  nicht mehr  durchsetzen lassen,  muß
       der Gegner  eben durch Gewalt gezwungen werden. Und bis dahin ist
       selbst den  Militärs dieser  Welt die Drohung, die Nachgiebigkeit
       beim Feind  erwirkt, lieber.  Sie nennen das  F r i e d e n - und
       ihre Erpressungen  F r i e d e n s p o l i t i k.
       
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       Wie Weltpolitik  geht und  mit welchem  Inhalt, wird wohl auf der
       Sozialistischen  Konferenz   kaum   zur   Sprache   kommen.   Die
       B e r e c h n u n g,   sich als  Linke zu behaupten - wo doch der
       "lokale Unterbau"  der Sozialistischen  Konferenz "empfindsam ge-
       schrumpft" ist  - angesichts  und in  einer nicht zu übersehenden
       Friedensbewegung, bestimmt  da den  Gang der Diskussion, der jen-
       seits aller Argumentation auch wieder mit Appellen an die Einheit
       unterbrochen werden  darf. Und  eine "Aktivität" in Gestalt eines
       Flugblatts oder  gar einer Kampagne für die Bevölkerung des deut-
       schen NATO  Staats ist schon gar nicht zu erwarten.  D a s  haben
       sich deutsche  Sozialisten gründlich  abgewöhnt während ihrer ML-
       Phase. Es  wäre ja  auch ein  bißchen doof,  einen Zettel mit der
       Frage zu verteilen, "weshalb gibt es im Bundestag eine Allpartei-
       enkoalition für  die NATO?",  wo jeder  weiß, wen er gewählt hat.
       Nicht so  doof freilich wäre es, denen, die in Fabrik und Kaserne
       ihren Zwangsbeitrag  zur politischen  Weltgeltung  des  deutschen
       Bündnisnationalismus abliefern, zu zeigen, was sie sich alles da-
       mit einbrocken; was ihre freigewählten Rüstungsdiplomaten mit ih-
       ren vergangenen und künftigen Diensten vorhaben -  u n d  daß die
       Vorteile der  Freiheit und  des Wohlstands, von denen so viel die
       Rede ist,  gar nie existiert haben - es sei denn im Vergleich mit
       Hinterindien! Nein, so geht Sozialismus in der BRD '81 nicht. Der
       erörtert sicher  ausgiebig die  Schuldfrage der  Sowjetunion, als
       wäre die  Kritik an der drüberen Sorte Herrschaft ein guter Grund
       für die  NATO und  das "Bündnis" ein Revolutionsersatz, als wären
       NATO und  Bündnis westlichen Freiheitshelden wegen der polnischen
       Arbeiter und ihrer Bedürfnisse eingefallen!
       
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       Daß "der  Friede" ohne  die Aufkündigung  des sozialen  Friedens,
       ohne die  Verabschiedung vom  Nationalismus bei denen, auf die es
       ankommt,  nicht   zu  haben  ist  -  dergleichen  gehört  in  den
       "Dogmatismus" von  Unverbesserlichen. Deutsche Sozialisten denken
       weiter, auch strategisch. Sie diskutieren "atomwaffenfreie Zonen"
       als wünschenswerte Alternativen bis zur Biscaya - und halten ihre
       Blockfreiheitsspekulationen noch für  r e a l i s t i s c h:  sie
       d e n k e n   sich das  Zeug ohne Aufkündigung des nationalen Ge-
       horsams als   A l t e r n a t i v e    d e s    d e u t s c h e n
       S t a a t e s   einfach aus. Wofür die gute Nation da ist, wollen
       sie den Händeln der maßgeblichen Leute, die ihr Volk im Namen ih-
       rer Freiheit  einspannen für die Kriegsvorbereitungen, nicht ent-
       nehmen.
       
       "...auf staatliches  Handeln Einfluß  nehmen, ohne  integriert zu
       werden?"
       
       heißt dann  eine weitere  brennende Frage.  Opportunisten martern
       ihr Hirn mit dem Problem, ob sie sich - wo sie sich doch von kei-
       ner "friedliebenden"  Kreatur sonst  unterscheiden wollen  - noch
       als Oppositionelle bemerklich machen!
       
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       Und  wenn   sie  dann     f ü r    ihre  Berechnungen  doch  noch
       "theoretisch" werden, dann greifen sie ins Schatzkästlein des Re-
       visionismus ihrer  kämpferischen Tage. Ganz ohne Ironie attestie-
       ren sie  dem Kapitalismus eine  K r i s e,  der Hegemonie der USA
       eine   K r i s e,   der Versorgung mit Ressourcen eine  K r i s e
       - so  daß wieder einmal ein Papiertiger Krieg führt, am Ende noch
       wegen der "sozialen Spannungen" daheim.
       Dabei ist nicht nur die Botmäßigkeit der arbeitenden Klasse, ohne
       die kein  Genscher und  kein Reagan ihre Weltwirtschaftsgipfel so
       souverän abwickeln  könnte, ein  Zeugnis ganz  gegenteiliger Art.
       Diese "sozialistische  Linke" selbst,  die  auf  ihrer  Konferenz
       s i c h  und  i h r e  "Schwierigkeiten" bespricht, als wolle sie
       eine kollektive Psychotherapie entwickeln; ein Konferenzsozialis-
       mus, in  dem sich  die Richtungen nicht einmal mit Argumenten be-
       kämpfen, sondern  sich wechselseitig dem Verdacht aussetzen, eben
       "Positionen" zu  haben ("Positionalisierung der Positionen" nennt
       einer diesen  Quark!), ist selbst der beste Garant dafür, daß der
       deutsche Sozialismus  falsch   u n d  noch dazu eine wirkungslose
       Besonderheit bleibt.
       
       8.
       
       Die Arbeitsgruppe,  die sich fragt: "Und wie sieht es mit unserem
       Männerbild aus?  Achten wir  nicht einen, der ein bißchen größer,
       älter, wissender, stärker, aggressiver, durchsetzungsfähiger... -
       ist?" soll  halt ihr  "Männerbild" ändern. Dann kann sie sich den
       Gründen der Kriegsvorbereitung zuwenden.
       
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       Rudolf Bahro sollte das Wort zum Sonntag übernehmen - so ein biß-
       chen global und katastrophenbewußt-welthistorisch.
       
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       Nein, die  Freude, euch  einen einigenden Hauptfeind zu stellen -
       jenseits aller  Differenzen ist  die MG böse -, bereiten wir euch
       nicht nochmal. Nehmt halt diesmal die Russen!

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