Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION LINKE - Vom langen Marsch...


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       Offener Brief
       an die Teilnehmer der Demo
       
       "Kein Krieg am Golf! - Entrüstet Daimler!"
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       "Kein  Krieg   am  Golf",   "Stopp  aller   Rüstungsexporte"  und
       "Umstellung der  Rüstungsproduktion auf sozial nützliche und öko-
       logisch sinnvolle  Güter" -  fordert Ihr von der Bundesregierung.
       Habt Ihr  Euch aber  schon mal die Frage gestellt, ob Ihr mit der
       Bundesregierung nicht  an die  falsche Helferin bei der Verhütung
       eines Krieges  am Golf  und bei  der Verwandlung von Daimler-Benz
       von einem "Rüstungsmoloch" in eine Öko-Schmiede geraten seid?
       "Ohne die  tatkräftige Unterstützung der Bundesregierung wäre der
       Rüstungskonzern Daimler-Benz  nicht entstanden." stellt der Demo-
       Aufruf fest.  Wenn das  so ist, seid Ihr dann mit Eurer Forderung
       an die Bundesregierung wirklich an der richtigen Adresse? So frei
       nach dem Motto "Die Regierung hat's gegeben, die Regierung wird's
       auch wieder nehmen, gelobt sei die Regierung!" Spricht nicht aber
       einiges dafür, daß die Herren in Bonn sehr handfeste Gründe dafür
       hatten, ein  paar Milliarden aus ihrem Haushalt für die Schaffung
       dieses Rüstungskonzerns  zu opfern? Sich um diese Gründe nicht zu
       kümmern, halten  wir für einen schweren Fehler, wenn man der Bun-
       desregierung und  ihren "Hoflieferanten" bei ihren kriegsträchti-
       gen Umtrieben im Golf und anderswo das Handwerk legen möchte.
       Liegt nicht der Schluß nahe, daß sich die Bundesregierung deshalb
       einen Konzern schuf, der u.a. Kampfbomber und Raketen bauen kann,
       weil sie  auf Verhältnisse  hinarbeitet, in denen sie auf dem Ge-
       biet solcher  kriegsentscheidender Waffen  nicht von  Lieferungen
       irgendeines anderen  Staates -  auch nicht ihrer bisherigen NATO-
       Partner -  abhängig sein  will, weil sie sich durchaus ernsthafte
       Konflikte mit ihnen vorstellen kann?
       Daher ist  es auch falsch zu glauben, bei den "zivilen" Waffenex-
       porten bundesdeutscher  Firmen an  Saddam Hussein  u.a. handle es
       sich um  einen Fall von mangelnder politischer Aufsicht über pro-
       fitgierige Rüstungsgeier. Ganz im Gegenteil - die Bundesregierung
       sah es gar nicht ungern, daß immer mehr Staaten auf der Welt ihre
       Waffen aus bundesdeutscher Produktion bezogen. In einer Welt, die
       in der  Zeit des  Ost-West-Gegensatzes fix  und fertig aufgeteilt
       war -  hauptsächlich in  Ost und West, darunter aber auch noch in
       besondere Einflußzonen  der USA, Großbritanniens und Frankreichs,
       aber eben  nicht des Weltkriegsverlierers Deutschland -, verdank-
       ten so immer mehr Machthaber in der 3. Welt ihre Macht Waffenlie-
       ferungen aus  deutschen Landen. Auf diese Weise gelangte die BRD,
       obwohl sie  nur untergeordnetes  Mitglied des NATO-Bündnisses mit
       regional beschränkten  Aufgaben war, zu Einfluß auf ferne Länder.
       Dies entsprach  durchaus nicht  immer den  Interessen des  großen
       Freundes jenseits  des Atlantiks.  Deshalb geriet  die BRD  ja im
       Falle Libyen  (Giftgasfabrik) und  Irak (Raketen und schon wieder
       Giftgas) ins Schußfeld US-amerikanischer Beschwerden.
       Kein Wunder,  daß dieser Waffenhandel als Export "ziviler" Fabri-
       kationsanlagen und  nicht selten  am Rande der Legalität abgewic-
       kelt wurde.  Die Bundesrepublik war Mitglied des NATO-Bündnisses,
       und eine  höchstoffizielle Ausstattung mit Waffen  g e g e n  die
       Interessen des  großen NATO-Freundes  wäre bündnissprengend gewe-
       sen. Der  leistete ja  der Exportnation etliche wichtige Dienste:
       Weltweit erfüllten  die USA  mit ihren  offenen und "schmutzigen"
       Kriegen eine  Weltpolizistenaufgabe, die auch die friedlichen Ge-
       schäfte deutscher Exporteure und die lukrativen Kreditbeziehungen
       deutscher Banken  absicherten. Und  nur mit den USA im Rücken war
       der Anschluß  der DDR hinzukriegen. Um der Sowjetunion mit Aufrü-
       stung, also  mit Kriegsdrohungen,  klar zu machen, daß die Siche-
       rung der Ergebnisse des 2. Weltkrieges über ihre Kräfte ging, da-
       für war die Bundesrepublik eine Nummer zu klein.
       Und jetzt,  wo die  Bundesrepublik  durch  den  Rückzug  der  So-
       wjetunion an  der Schwelle zur Großmacht steht, entdeckt Ihr aus-
       gerechnet in  der Bundesregierung  die Instanz,  bei der  man den
       Stopp aller  Rüstungsexporte einklagen  und die  Zerschlagung der
       Rüstungsproduktion einfordern könnte?
       Ist es denn wirklich ein Zufall und paßt es wirklich nicht in die
       "politische Landschaft"  der Wiedereroberung  Osteuropas für  die
       kapitalistische Marktwirtschaft,  daß Deutschland  im Jahre  1990
       nicht nur  den höchsten  Wehrhaushalt seiner Geschichte aufgelegt
       hat, sondern auch den höchsten Rüstungs f o r s c h u n g s etat?
       Offenbar  gibt   es  für   eine  werdende  Großmacht  eine  Menge
       k ü n f t i g e r   Militärprojekte! Verteidigungsminister  Stol-
       tenberg hat  hier schon  laut vorgedacht,  daß  der  Zerfall  der
       sowjetischen Macht  jede Menge  "Chaos" - also "Ordnungsbedarf" -
       schaffen könnte...
       Was die Verhinderung eines Krieges am Golf betrifft, seid Ihr bei
       der Bundesregierung  wieder an  der falschen Adresse. An der Tat-
       sache, daß  sie den  Irak mit  Kriegspotential  ausgerüstet  hat,
       stört diese Regierung nur eines: Sie war zwar imstande, durch ge-
       duldete bis geförderte Rüstungsexporte Saddam Hussein kriegstüch-
       tig zu  machen, ihr fehlen jedoch die Mittel, den Herrscher Iraks
       von einer  Eroberung Kuwaits  abzuhalten, bzw.  ihn zum  Abzug zu
       zwingen. So  mußte sie  feststellen, daß  nur die USA dazu in der
       Lage sind,  am Golf  mit einer  kriegsentscheidenden  Streitmacht
       aufzukreuzen. Die Bundesregierung interpretierte aus dem Grundge-
       setz das  Verbot einer  direkten Beteiligung am US-Aufmarsch, un-
       terstützt das Kriegsszenario aber ansonsten nach Kräften. Darüber
       hinaus  stellte  sie  zugleich  klar,  daß  sie  nicht  nur  eine
       Verfassungsänderung anstrebt,  sondern auch über die Kriegswaffen
       verfügen möchte,  die für den neuen weltweiten Verfassungsauftrag
       vonnöten sein werden.
       Die "EINE  WELT, in  der alle  Völker ohne  Rüstung zusammenleben
       können, in  der kein  Mensch verfolgt wird und Hunger leiden muß"
       ist daher leider weder mit der Bundesregierung noch mit der Daim-
       ler-Benz AG  zu haben. Die Bundesregierung betreibt eine Außenpo-
       litik, die  schon in  der Vergangenheit nicht ohne Waffen auskam.
       Um so weniger will diese Regierung in der Zukunft auf das einzige
       Mittel  verzichten,   mit  der    i m p e r i a l i s t i s c h e
       Staaten anderen Staaten ihren Willen aufzwingen, - auf Waffen und
       deshalb auf Rüstungskonzerne. Daher gehen auch alle konstruktiven
       Vorschläge zur   K o n v e r s i o n  an der Sache gründlich vor-
       bei.
       Es mangelt  der Bundesregierung  und deutschen Konzernen nicht an
       Einsicht in den Bedarf an "sozial nützlichen und ökologisch sinn-
       vollen Gütern".  Der Wirtschaft,  die sie beaufsichtigt gestattet
       sie ja,  jede Menge  soziale Opfer  zu schaffen und die Natur als
       billige Müllkippe  zu benutzen. Nicht sozial nützliche und ökolo-
       gisch sinnvolle   K o n v e r s i o n   Hand  in Hand mit Daimler
       wäre daher  am Platze,  sondern die  Einsicht,  daß  es  die  ka-
       pitalistische Wirtschaftsordnung  ist, die  zu ihrer  Absicherung
       nach innen und außen der Gewalt bedarf, weil sie gerade durch den
       friedlichen Handel  jede Menge Konflikte und Schädigungen hervor-
       ruft. Deshalb eignet sich eine kapitalistische Aktiengesellschaft
       wie Daimler-Benz auch so schlecht zur Verhütung der "sozialen und
       ökologischen" Folgen ihrer Produktion!
       Druck auf  Daimler: Bewußtsein  schaffen, daß  Daimler der größte
       Rüstungskonzern ist - wird es die Kunden der zivilen Güter dieses
       Konzerns: Dienstwagen,  Firmenwagen, Luxusautos,  LKW, Busse, öf-
       fentliche Verkehrsmittel...  wirklich stören,  beim größten  Waf-
       fenhändler der Nation einzukaufen?
       
       Marxistische Gruppe(MG)
       
       Mehr darüber in MSZ Nr. 4 und 5/90;

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