Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION LINKE - Vom langen Marsch...
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3.11 DEMONSTRATION "GEGEN DAS FEIERN - GEGEN DAS VERGESSEN"
Am 3.11. haben einige Tausende in Berlin gegen die Einverleibung
der DDR, das neue Großdeutschland, seine äußere und innere
Machtentfaltung und die nationale Feierstimmung demonstriert. Die
Aufrufer zur Demo meinten, sich unter Erinnerung an die
"Reichspogromnacht" vom 9.11.38 auf den offiziellen Antifaschis-
mus der BRD berufen zu können. Ihre Abneigung gegen die neue
deutsche Großmacht und ihren neuen Feiertag "9.11.89" meinten sie
als Mahnung angesichts der Taten der alten vortragen zu können.
Sie haben sich getäuscht. Der polizeilichen V o r a b behandlung
als Straftäter folgte wie angeordnet tagsdrauf der öffentliche
Richtspruch.
Der demokratische Antifaschismus schlägt zurück
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"Gegen das Vergessen
Schon das Motto des Aufrufs zu der gestrigen Demonstration in der
Stadtmitte "Gegen das Feiern und Vergessen" forderte zum Wider-
spruch heraus. Die Koppelung suggeriert, wir Deutschen wollten
unsere Vergangenheit wegfeiern. Das wurde auch ausdrücklich unter
der Verwendung der Vokabel "Entsorgung" behauptet.
Radikale linke Gruppen, die das Aufgehen der DDR in einem
Deutschland des Grundgesetzes nicht oder nicht so wollten, be-
streiten der großen Mehrheit des Volkes das Recht zum Feiern über
die Wiedervereinigung wegen der Last der Vergangenheit, die zur
Spaltung geführt hatte.
Für diese absichtsvolle unfaire Koppelung gibt es eine scheinbare
terminliche Legitimation. Der 9. November ist, als hätte die Ge-
schichte selbst die Deutschen zum Erinnern gemahnt, nicht nur der
Tag der Befreiung der DDR, sondern auch der Gedenktag des Juden-
pogroms. Doch den federführenden Studentenausschüssen der West-
Berliner Universitäten ging es offenkundig nicht um das Bewälti-
gen des Gestern, sondern um die Diffamierung des Heute. Denn es
war, wie schon gemeldet, vom "mörderischen Deutschland" die Rede,
dessen "rassistische Maßnahmen in der Tradition der NS-Gesetze"
stünden.
Das ist kein Memento, sondern Hetze. Es tangiert Straftatbestände
und läßt es nicht verwunderlich erscheinen, daß unter den Veran-
staltern ausdrücklich sogenannte Autonome aufgeführt waren, die
für ihren Beitrag zur Demokratisierung Deutschlands nicht selten
Strumpfmasken benötigen.
Wer Grundrechte in Anspruch nimmt, darf nicht vergessen, worauf
sie beruhen, wer sie garantiert und es zu Recht sowie dankbar
feiert, dies nun in ganz Deutschland tun zu können."
(Der Tagesspiegel 4.11.90)
1. WIR vergessen das "Gestern" nicht: WIR schämen uns regelmäßig,
"wenn die Geschichte selbst die Deutschen zum Erinnern gemahnt",
ganz demonstrativ für Hitler, um umso unverschämter "zu Recht und
dankbar" das neue Großdeutschland zu feiern! WIR mögen Hitler
wirklich nicht, schon wegen "der Last der Vergangenheit, die zur
Spaltung geführt hatte", die WIR jetzt endlich revidiert haben!
2. WIR sind stolz auf die "Grundrechte" des neuen Deutschlands:
WIR wissen, in Deutschland, wo man demonstrieren d a r f, da
gibt's doch keinen Grund g e g e n etwas zu demonstrieren! De-
monstriert werden darf schon: "das Recht zum Feiern über die Wie-
dervereinigung" z.B.! Solche Demonstrationen, wo WIR mit Fahne
statt mit "Strumpfmasken" rumlaufen, mögen WIR!
3. WIR wissen, worauf die Grundrechte "beruhen, wer sie garan-
tiert": Wer das Demonstrationsrecht zur "Diffamierung des Heute"
mißbraucht, "tangiert Straftatbestände"! Staatsgewalt walte dei-
nes Amtes! "Strumpfmasken" runter!
4. WIR wissen nämlich, wofür das Grundgesetz da ist: für "das
Aufgehen der DDR in einem Deutschland des Grundgesetzes"! WIR
feiern, daß die Staatsorgane "nun in ganz Deutschland tun kön-
nen", was WIR hier immer schon verlangen: "Radikale linke Grup-
pen" verdienen einen drauf - im Namen "der großen Mehrheit des
Volkes"!
5. Das ist natürlich keine "Hetze", sondern ein "Memento"!
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