Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION LINKE - Vom langen Marsch...
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EINE STERNSTUNDE DER "INTERNATIONALEN SOLIDARITÄT"
Angesichts der offen vorgetragenen militärischen US-Offensive ge-
gen Nicaragua und in Erwägung der aktiven Rolle des BRD-Imperia-
lismus bei der gewaltsamen Durchsetzung von Freedom und Democracy
beschloß die MARXISTISCHE GRUPPE (MG) am 7. Mai in Hamburg, Nürn-
berg und Stuttgart gegen den US-Krieg in Nicaragua zu demonstrie-
ren. Wir gingen davon aus, daß die westdeutsche Friedensbewegung
gegen Kriege auch dann ist, wenn sie nicht nur erst v o r-
b e r e i t e t werden sondern bereits s t a t t f i n d e n,
und diverse vorliegende Erklärungen zu Nicaragua aus Kreisen der
Friedensbewegung, inklusive den Äußerungen von Bundestags-
abgeordneten der GRÜNEN im Parlament, vermittelten den Eindruck,
daß man auch von dieser Seite aktiv werden wollte.
Welch' ein Irrtum! Auf diverse Absagen mit fadenscheinigen Be-
gründungen ("Terminschwierigkeiten", "müssen erst unsere Basis
konsultieren" etc.) sei hier nicht weiter herumgeritten, nicht
kommentarlos durchgehen lassen wollen wir jedoch nachfolgend ab-
gedruckte Stellungnahme einer "Koordination der Hamburger Mittel-
amerika-Komitees", die im Lokalteil der "TAZ" vom 6. Mai unter
der Rubrik "Störzeile" erschien
"Pseudolinke Nabelschau
Die Koordination der Hamburger Mittelamerika-Komitees hält es für
wichtig zur Nicaragua-Demonstration der "Marxistischen Gruppe
(MG) am 7. Mai öffentlich Stellung zu beziehen, wegen der großen
Bedeutung der gegenwärtigen Angriffe auf Nicaragua und weil wir
von vielen Seiten nach unserer Haltung zu dieser Demonstration
gefragt wurden.
Wir sehen in dieser Demonstration ein sektiererisches Manöver der
MG. Sie will mit der US-Intervention in Nicaragua Werbung für
sich machen. Daß die MG gar nicht mit anderen zusammen demon-
strieren will, wird z.B. daran deutlich, daß sie die Mittelame-
rika-Komitees zum letzten Montag zu einer Besprechung über die
Demo und den Aufruf eingeladen hat, der Aufruf jedoch schon ab
dem vorausgegangenen Freitag bereits verteilt wurde. Weiterhin
ist der Demo-Aufruf der MG mit einer ihrer typischen Anpissereien
gegen die SPD und den DGB auf dem gleichen Flugblatt verbunden.
Wie berechtigt auch immer eine Kritik an diesen Organisationen
sein mag - eine gleichzeitige Mobilisierung gegen die US-Politik
und gegen SPD und DGB heißt auf jeden Versuch zu verzichten, eine
breitest mögliche Einheit gegen die Kriegspolitik der US-Regie-
rung auf die Beine zu kriegen.
Der wahre Charakter der MG-Mobilisierung wird jedoch am besten
daran deutlich, daß die MG in verschiedenen Stadtteilen systema-
tisch Plakate überklebt hat, die für die Solidaritätsveranstal-
tung mit Mittelamerika am 8. Mai, 19.00 Uhr, in der Fabrik wer-
ben! Die MG-Demo stellt sich selbst gegen die Solidaritätsarbeit.
Sie benutzt Krieg und Mord für die eigene Nabelschau.
Boykottieren wir diese Demo, um Sektierertum und Spaltung eine
Absage zu erteilen und um größere und gemeinsame Aktionen gegen
den US-Krieg vorzubereiten!
Hamburg, den 4. Mai 1983"
Einmal abgesehen davon, daß uns nicht in den Kopf will, wieso
eine Einladung zur Diskussion über Aufruf und Demonstration ein
Beleg dafür sein soll, "daß die MG nicht mit anderen zusammen de-
monstrieren will", hätten wir gerne gewußt, was Euch an dem Auf-
ruf zur Demonstration nicht paßt, außer, daß er schon am Freitag
verteilt worden ist? Schreibt doch mal in der "TAZ" an Reagan, er
soll den Vormarsch seiner Contras stoppen, weil ihr ihn für "ein
sektiererisches Manöver" haltet!
Einmal abgesehen davon, daß im Aufruf weder die SPD noch DGB ex-
tra kritisiert worden sind, meint Ihr etwa nicht, man dürfte den
Glotz "anpissen ", wenn ihm zum Völkermord in Nicaragua einfällt,
"daß ganze Völker so dem Kommunismus in die Hände getrieben" wür-
den? Seit ihr etwa für einen Anti-Kommunismus, aber bitte ohne
Völkermord? Oder wollt Ihr nur lieber mit Antikommunisten demon-
strieren als mit der MG?
Einmal abgesehen davon, daß Euch auch schon geschicktere kleine
Unwahrheiten eingefallen sind als die mit den "überklebten Plaka-
ten", ist es nicht in Wirklichkeit so, daß Ihr an Eure Argumenta-
tion gegen die Demonstration selbst nicht recht geglaubt habt und
ihr deshalb mit einer Lüge auf die Beine helfen wollt? Oder,
werte Mittelamerika-Komitees, ist es nicht vielleicht ganz ein-
fach so, daß Euch der US-Krieg gegen Nicaragua auf einmal schei-
ßegal ist, wenn ihr Eure exklusiven und solidarischen Nutzungs-
rechte in Sachen Imperialismus durch eine Demonstration gegen den
Imperialismus, die bezeichnenderweise nicht Euch eingefallen ist,
gefährdet seht?
Deshalb übergehen wir auch den Spruch von der "pseudolinken Na-
belschau mit Krieg und Mord", wenn er von Leuten kommt, die als
e c h t e L i n k e dabei lieber zuschauen.
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