Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION LINKE - Vom langen Marsch...
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Was den westdeutschen Linken 1982 zur MG einfällt
ENTLARVT!
Erstens ist sie u n w i c h t i g, die Marxistische Gruppe.
Zweitens tritt sie ein bißchen zu häufig und zu zahlreich für den
heutigen linken Geschmack auf, ist also s t ö r e n d.
So tönt es einhellig aus den Blättern von Vereinen, die sich be-
müßigt fühlen, uns wieder einmal den richtigen Platz in der Ge-
schichte zuzuweisen. Dabei sind gewisse Neuerungen nicht zu über-
sehen, wenn die kaum zu leugnende Diagnose "bedeutungslos" mit
einiger Mühe zum A r g u m e n t gegen uns ausgebaut wird.
"Entsprechend" den Erfahrungen, die unsere linken Gegner ein
Jahrzehnt lang ausgekostet haben, konfrontieren sie uns nicht
mehr mit ihren wirklichen und vermeintlichen - Erfolgen, sondern
mit solchen der "realen Bewegung", die ihre berechnende Zuneigung
auf sich gezogen hat. In dieser Bewegung sind wir n i c h t
d a b e i - also eine "Sekte". Aber nicht nur das: Wir
w o l l e n gar nicht dabei sein - und das ist nicht etwa ein
Zeichen dafür, daß es uns auf etwas anderes ankommt. Die hoff-
nungslose Isoliertheit, die uns unentwegt attestiert wird, ver-
dankt sich unserer angeblichen "Erkenntnis, daß alles eigentlich
gar keinen Sinn hat und daß die Menschheit ihr Schicksal gar
nicht besser verdient hat" (Arbeiterkampf). Was also tut die MG?
Sie "verordnet politische Enthaltsamkeit und (!) Abstinenz"
(DKP). Sie knüpft damit "an Erscheinungen der Resignation, des
Ohnmachtgefühls, der Orientierungslosigkeit an ..." (DKP), ist
also die "Opposition der Ohnmacht" (MSB).
Fast ist man geneigt, bei der ehemals so stramm mit Parteiaufbau,
Anleitung von Kämpfen und Zurückschlagen der Reaktion beschäftig-
ten radikalen Linken um Entschuldigung nachzusuchen - dafür, daß
es uns überhaupt noch gibt, während sie im Kampf mit der
"Resignation" liegt, die das gewöhnlich immer zum Umsturz aufge-
legte Volk befallen haben soll. Dergleichen ist aber nicht nötig,
denn eines ist unseren Gegnern aus der Welt unter 1% nicht abhan-
den gekommen: die Hoffnung auf bessere Zeiten.
Ein schlechter Ruf
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ist in einer solchen Linken leicht zu kriegen. Die MG hat sich
laut "Arbeiterkampf" einer in allen deutschen Großbetrieben hoch-
angesehenen Zeitung - "mittlerweile den Ruf einer Landplage er-
worben". Und diesen Ruf möchten die Kämpfer aus dem Norden offen-
bar gerne fördern. So beteuern sie erst einmal, daß wir die Wür-
digung des Blattes eigentlich gar nicht verdienen: "Nicht durch
wirkliche politische Bedeutung, aber durch zahlreiche spektaku-
läre Auftritte... einen Namen gemacht." Daß es bisweilen sehr
gute Gründe gibt für linke Menschen, durch ein Spektakel Protest
anzumelden und sich Gehör für ein abweichendes Argument zu ver-
schaffen, weiß man allerdings auch im KB. Also wird ganz schnell
Verständnis dafür aufgebracht, daß "mancher dieser Auftritte hier
und da in der Linken auf klammheimliche Freude stoßen" mag, um
zur S ü n d e zu kommen: "...suchen sie auch linke Veranstal-
tungen und Seminare heim, um mit Schlaumeiereien, abseitigem Ge-
schwätz oder nötigenfalls auch mit massiver Provokation die Sache
platzen zu lassen." Klar, sowas ist verwerflich! Wen interessiert
da noch der gar nicht abseitige und ohne jede Schlaumeierei pro-
pagierte Quark, der heute fester Bestandteil bürgerlicher Weltan-
schauung und sozialdemokratischer Politik ist, also als links
gilt! Das einzige, was zählt, ist schließlich die
B e r e i t s c h a f t oder W e i g e r u n g, bei allem, was
heute für links ausgegeben wird, d a b e i zu sein, "positiv"
mitzumischen - aber genau das: "positive Aktionsvorschläge, prak-
tische Alternativen, Aktionsbündnisse gibt es bei der MG über-
haupt nicht." Wie wär's denn mal, liebe Freunde, mit einem Ver-
such? Habt ihr schon einmal geprüft, ob es nicht genügend Gemein-
samkeiten in der einen oder anderen Sache mit uns gibt - so daß
ein "Aktionsbündnis" zustandekommt? Ja? Und ihr habt dafür keine
Grundlage entdeckt? Seht ihr, genauso geht es uns auch! Wir fra-
gen nämlich schon danach, was andere Vereine so wollen, wen sie
mit welchen Gründen für ihren Gegner halten und was sie wissen -
oder g l a u b e n! Vom U r t e i l über die Politik der Bun-
desregierung, der NATO, der Sowjetunion, über die Techniken und
Zwecke der Ökonomie und ihrer gewaltsamen Absicherung hängt es -
man verzeihe uns den Dogmatismus - schon ein wenig ab, was einer
v o r h a t! Und sooft Leute daherkommen und eine Bewegung auf-
machen, die den Staat und das Kapital kritisiert und angreift,
sind wir schon deshalb zur Stelle, weil uns viel daran liegt, daß
sie das richtig und effektiv tun. Wenn wir sie dabei auf Fehler
hinweisen und sie umgekehrt uns, so halten wir das für die nor-
malste Sache von der Welt - dann muß eben geprüft werden, was an
den gegensätzlichen Auffassungen dran ist.
Seltsamerweise wird uns eben diese Verfahrensweise zur Last ge-
legt, und zwar nicht einmal von den armen Opfern unseres Auftre-
tens, die sich schon selbst zu helfen und zu entscheiden wissen,
wenn sie mit unseren Auffassungen konfrontiert sind. Die
L i n k e n erklären sich zu den Anwälten der MG-geschädigten
Welt, die sie höchst anerkennend "wirkliche Bewegung" tauften:
"Alles, was sich an wirklicher politischer Bewegung zeigt, ist
den Marxistischen Gruppen nur Hohn und Spott wert."
(Arbeiterkampf) Und angesichts dieses "Vergehens" stellen sie
dann die saudumme Frage: "Entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend
der radikalen Linken haben die MG in den letzten Jahren offen-
sichtlich kräftig an Zulauf bekommen. Wieso eigentlich?"
Wieso eigentlich sind linke Vereine nicht zufrieden damit, end-
lich ihren I d e a l e n einer Arbeiterbewegung samt Avantgarde
abgeschworen zu haben?
Wieso eigentlich freuen sie sich nicht ganzen Herzens darüber,
Parteigänger von etwas W i r k l i c h e m geworden zu sein?
Wieso eigentlich werfen sie einer Sekte, die "nicht linker als
Poona" einzuordnen ist, vor, daß sie "in keiner einzigen prakti-
schen Bewegung" anzutreffen ist?
Sie haben doch alles, was sie brauchen: eine wirkliche Bewegung,
eine praktische dazu, auf die sie setzen können und mit der sie
zumindest uns ständig blamieren!
Ein guter Ruf
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ist bei dieser Linken offenbar noch leichter zu kriegen als ein
schlechter. Die Anzahl der in Sachen Frieden aufgebrochenen Men-
schen, und erst einmal gar nicht ihr politischer Wille - der um
nichts praktischer oder wirklicher ist als der der Marxistischen
Gruppe verbietet da von vorneherein zuviel Distanz. Zumindest für
Leute, die sich den Sektierervorwurf zu Herzen genommen haben.
Und das sind sie, unsere unerbittlichen, Kritiker. Ein Jahrzehnt
haben sie ihren Adressaten den festen Willen zum Sozialismus un-
terstellt und sie über die Machenschaften sämtlicher Feinde und
Nutznießer der "Massen" unterrichtet; nie ist ihnen in den Sinn
gekommen, o b j e k t i v e Auskünfte über den Gang der Ausbeu-
tung und der politischen Herrschaft als etwas anderes denn als
"Geschwätz" auszugeben; immer haben sie unter Beschwörung ihrer
Parteilichkeit die schlechten E r f a h r u n g e n der arbei-
tenden Klasse, gute Erfahrungen ihres Kampfes (zumeist erfundene)
und eine heiße Perspektive als A r g u m e n t verkauft. Den
G l a u b e n an die Arbeitersache haben sie zur Schau gestellt
und dabei nicht einmal bemerkt, daß sie Menschen mit Willen und
Bewußtsein vor sich haben, die sich in ihrer Abhängigkeit von Ka-
pital und Staat notgedrungen e i n r i c h t e n, die auf das
Zurechtkommen mit den Zumutungen von Kapital und Klassenstaat
setzen - und sich ein entsprechendes Weltbild zurechtlegen. Der
G l a u b e an die offenkundige Notwendigkeit eines Umsturzes,
der für die meisten Linken der BRD nach wie vor e c h t e Demo-
kratie, e c h t e Freiheit, e c h t e Gleichheit herzustellen
hat und einen ganz gerecht mit guten Arbeitern umgehenden Staat
herbeiführt - dieser Glaube hat viele seiner Träger enttäuscht.
Mit dem B e k e n n t n i s zum Kampf der Arbeiter kann man
eben keinen Arbeiter überzeugen, mit dem Lob der Arbeit, die al-
les - vor allem Kapital - schafft, niemanden zur praktischen Kri-
tik bewegen. Leider hat sich mit der Enttäuschung über das Aus-
bleiben von Zulauf nicht das Weltbild unserer linken Gegner geän-
dert. Sie haben nicht von der Chimäre gelassen, daß Sozialisten
gute Menschen und gute Menschen derselben Sache verpflichtet sind
wie die anderen - vornehmlich wie die Erniedrigten und Beleidig-
ten. Daß Kommunismus hauptsächlich darin besteht, jedem Geschä-
digten der Klassengesellschaft zu raten, "gemeinsam" und "für un-
sere Interessen" einzutreten, möglichst entschieden natürlich,
finden sie immer noch. Ihre "Selbstkritik" nach 10 Jahren Partei-
aufbau betrifft nicht die Idiotie der Mitteilung "Wir wollen doch
nur dasselbe wie ihr!" (1. eine Lüge, 2. als Agitation verrückt),
sondern lediglich die in Erfahrung gebrachte D i f f e r e n z
zu den "Massen", die den eigenen Behauptungen so offensichtlich
widersprach, wurde für einen Fehler gehalten - und seitdem haben
sich die paar tausend Revisionisten daran gemacht, s i c h zu
verändern.
Nur auf diese Weise "bekehrte" Sozialisten bringen es zuwege,
jede Kritik an der Friedensbewegung zurückzuweisen, indem sie auf
die "Einheit höchst unterschiedlicher Strömungen" aufmerksam ma-
chen. Da wird in großspuriger historischer Gesamtschau, so als
wäre es ein U r t e i l und nicht eine E i n s t e l l u n g
zum Treiben der Friedensbewegung, verkündet, daß "natürlich jede
wirkliche politische Bewegung ihre Befehle, ihre Defizite, ihre
Beschränktheiten und Absonderlichkeiten" (AK)
hat - und vor allem der MG das Recht bestritten, diese "Defekte"
beim Namen zu nennen und den Versuch zu unternehmen, die Frie-
densfreunde von ihren Fehlern abzubringen. Nein, eine "wirkliche
Bewegung" verdient erst einmal U n t e r s t ü t z u n g - und
wer die Brauchbarkeit ihres Anliegens mit Argumenten bezweifelt,
vom da praktizierten politischen Anspruch, von den Forderungen
etc. nichts hält, ist -
Zyniker
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Seit die MG in größerem Maßstab auftritt, bekommt sie dieses Eti-
kett angehängt. Als ob es eine Schande und eine Lüge dazu wäre,
zu behaupten, daß sich die arbeitende Klasse, der "kleine Mann"
und treue Staatsbürger einseifen ließen. Abgesehen davon, daß wir
das ohnehin nicht für eine übermäßig brauchbare Mitteilung halten
und uns gewöhnlich aufs "Wie" konzentrieren - die Analyse von
ökonomischen Techniken in der Fabrik, von politischen Verfahren
der Bürgerbetörung scheint uns eben tatsächlich wichtig zu sein
-, können wir uns jedenfalls nichts Überflüssigeres vorstellen
als Kommunisten, die den Gedeckelten des neudeutschen
Imperialismus den Hof machen und ihnen erzählen, sie würden schon
richtig liegen oder zumindest fast!
Was soll zynisch daran sein, wenn wir zeigen, daß ein aus christ-
licher Überzeugung gegen die "Nachrüstung" antretender Friedens-
demonstrant sich sehr gründlich täuscht über 1. Waffen, 2. Poli-
tik, 3. Zweck des Klassenstaates? Darf und soll man ihn nicht po-
lemisch darauf hinweisen, daß seine Staatsmänner die Entscheidun-
gen in Rüstungsdingen nicht nach den Maßstäben irgendeiner Moral
fällen? Daß sie umgekehrt die moralischen Vorstellungen ihrer Un-
tertanen sehr cool zur Beschönigung ihrer "Verantwortung" - für
Geschäft und Gewalt - hernehmen?
Was fällt unseren linken Gegnern eigentlich ein, wenn sie - in
internen Debatten der Friedensbewegung selbst Opfer des antikom-
munistischen Abgrenzungswahns - uns rechtgeben und zurückweisen
zugleich:
"Völlig (!) frei erfunden sind die Polemiken der M G nicht ein-
mal: Auf bestimmte Strömungen... auf manche anzutreffende Vor-
stellungen treffen die zitierten Beschreibungen mehr oder weniger
zu."
Na klar, Leute vom AK, eben auf die, die gerade kritisiert wer-
den! Aber ihr wollt ja Unrecht verhindern, und dazu fallen euch
andere ein; "einfach pauschal der gesamten Bewegung angedichtet "
heißt dann der empörte Tadel, als ob eine Kritik an Bastian, an
einem Grünen und an einem Christen ausgerechnet bei uns nicht
auseinanderzuhalten wären!
"Wirkliche Bewegung" - das ist etwas aus höchst verschiedenen
Strömungen zusammengesetztes, also auch aur d i f f e r e n-
z i e r t zu würdigendes Ding - so lautet die eine Verteidigung.
Und es ist eine sehr prinzipielle Verteidigung einer Bewegung, zu
der sich die Linken bekennen u n d von der sie sich
distanzieren zugleich. Denn mit Verlaub: Welcher unserer Einwände
ist denn eigentlich zurückgewiesen mit eurem einschätzenden
Sachverstand bezüglich der "besseren Tendenzen", die wir immer
nicht sehen wollen?
"Wirkliche Bewegung" - da kommt es nicht so sehr auf die Unter-
schiede, sondern mehr auf die G r ö ß e an, denn die ist ent-
scheidend, z.B. für die Verhinderung der neuen Raketen. So lautet
die andere Verteidigung, die die E i n h e i t beschwört:
"Gerade in dieser allerwichtigsten Frage fällt die MG mit Argu-
ment und Tat (Spaltungsdemonstration) der Friedensbewegung in den
Rücken. Das ist reaktionär - das nützt der anderen Seite." (MSB)
Und auch hier ist die Verteidigung einer Bewegung, an die man
sich wegen "wirklich und praktisch" anwanzt, gepaart mit Distanz.
Von uns darauf aufmerksam gemacht - was ihr verehrter Lenin an
korrekten Dingen zum Pazifismus gedacht hat -, daß wir in der
Friedensbewegung weder den Zweck noch die Mittel entdeckt haben,
die Freiheit des Klassenstaates zu beschränken (sie soll alterna-
tiv und volksfreundlich-friedlicher gebraucht werden!) - haben
fündige MSBler den Zynismus und "Nutzt der Reaktion"-Bescheid um
die Auskunft erweitert, natürlich müsse die Friedensbewegung mit
der Arbeiterbewegung vereint werden!
Vielleicht ist es nicht unnütz, darauf hinzuweisen, wieso ausge-
rechnet wir uns "Zynismus" vorwerfen lassen dürfen: Weil es uns
an der schulterklopferischen Kumpanei mangelt, die andere Linke
immer pflegen, sobald sich einer ihrer Adressaten auch nur über
etwas beschwert. Weil wir auf den Charakter und Inhalt der Be-
schwerde achten - und sie nicht in "Tendenzen" einordnen, die wir
hoffnungsvoll begrüßen. Weil wir folgendes Rezept, das der AK bei
uns nicht berücksichtigt sieht, für Quark und moralischen dazu
halten:
"Widersprüche überhaupt wahrzunehmen, Entwicklungstendenzen zu
erkennen und gar auf dieser Grundlage auch noch praktische Poli-
tik zu machen."
Da wird nämlich die banale Kategorie "Widerspruch" zum Hoff-
nungschimmer, und die großspurig als "revolutionär" gepriesene
Theorie und Praxis entpuppt sich als Politik, die den "Tendenzen"
g e r e c h t wird, mit denen der Imperialismus der achtziger
Jahre schwanger geht. Mit dieser methodischen Idiotenformel ent-
deckt nicht zufällig jeder Verein das Seine - vom Untergang des
geschwächten Imperialismus, der aus purer Not einen Krieg anzet-
telt, über die klassenkampfträchtige Szene in den Rheinauen bis
zu den herrlichen Widersprüchen im Deutschen Gewerkschaftsbund.
Das alles können Linke a u s n ü t z e n, vorausgesetzt, sie
sagen nicht einfach, w a r u m sie w o v o n nichts halten
oder doch etwas.
In Sachen DGB
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haben wir uns nicht nur von den offiziellen Verwaltern der deut-
schen Wertarbeit eine kleine Fahndungskampagne und gründliche Zu-
rückweisung eingehandelt. Die Linke, seit Jahren selbst mit der
säuberlichen Gegenüberstellung von Führung (böse) und Basis (gut)
befaßt, hat sich angelegentlich unseres M a n i f e s t s
g e g e n d e n D G B zum kämpferischen Anwalt der Gewerk-
schaft und der Arbeiter in ihr entwickelt. Ein Verein, der unter
dem Kürzel KABD auftritt, hält einerseits folgendes für eine
"Tatsache" :
"Die DGB-Führer haben die Gewerkschaften von Kampforganisationen
zu Verhandlungsorganisationen heruntergewirtschaftet. Statt das
Kapital zu bekämpfen, arbeiten sie mit ihm zusammen."
Für den Schluß:
"Drei Jahrzehnte DGB sind genug!"
ist er aber nicht zu haben. Denn mit seiner Verurteilung einer
böswilligen F ü h r u n g will er offenbar gar nicht den
Z w e c k angreifen, den die westdeutschen Staatsgewerkschaften
tatsächlich verfolgen, sondern an den e d l e r e n Zweck -
"Kampf" - erinnern, der i h m zum Stichwort "Gewerkschaft" ein-
fällt, und zwar mit so tödlicher Sicherheit einfällt, daß sich
jede Befassung mit dem tatsächlichen Anliegen und Kämpfen des DGB
erübrigt. Eine A b w e i c h u n g vom vorgestellten
w a h r e n Ziel einer Gewerkschaft festzustellen, gilt ihm be-
reits als scharfsinniges und erschöpfendes U r t e i l über die
wirkliche Politik der wirklichen Gewerkschaft. Und wer sich so in
dem idyllischen Trost gefällt, der DGB täte, was er tut, nur des-
wegen, weil seine Führung ihn von seinen e i g e n t l i c h e n
Idealen und Vorhaben "h e r u n t e r gewirtschaftet" hätte, dem
leuchtet natürlich auch der ehrenvolle Auftrag ein, ihn von der
Basis her wieder zur vollen Höhe gewerkschaftlicher Kampfmoral
"hinaufzuwirtschaften".
Mit der "Basis", die ja immerhin einstweilen noch ihre Führung
ziemlich ungehindert wirtschaften läßt, kann ein linker Verein,
der sie zur Sanierung des westdeutschen Gewerkschaftswesens mobi-
lisieren möchte, natürlich auch nicht voll zufrieden sein. Ehe er
aber einräumt, daß deutsche Arbeiter einen enormen F e h l e r
machen, wenn sie sich als "Basis" einer "Führung" aufführen, die
beispielsweise mitten in einer Lohnsenkungs-Tarifrunde keine grö-
ßeren Sorgen kennt als die moralische Sauberkeit ihrer öffentli-
chen Vertreter, - da würde ein linker Gewerkschaftsverbesserer
sich lieber die Zunge abbeißen. Selbst wo er den geliebten Massen
mit onkelhaften Mahnungen daherkommt -
"...Gewerkschaften... wieder zu Kampforganisationen machen, indem
wir uns von dem Sozialpartnerschaftsdenken lösen, das sowohl Ka-
pitalisten als auch Regierung und Gewerkschaftsführung verbrei-
ten" (KABD) -,
will er keinen Fehler kritisiert haben, sondern unter den Massen
für die r i c h t i g e S t i m m u n g sorgen - d i e hat
der "Basis" ja auch als einziges noch gefehlt! Einen Menschen,
der einen Arbeiter schlicht als denkendes Subjekt anreden und
darauf aufmerksam machen, was für einen schädlichen Fehler er
sich leistet, wenn er sich die hierzulande übliche patriotische
Moral zueigen macht und dem Gewerkschaftsleben unterwirft, das
ist für die Linke in dieser Republik eine Todsünde. Ehe sie sich
dazu versteht, auch nur einen Millimeter kritischer Distanz zwi-
schen sich und den Gewerkschaftsmassen aufkommen zu lassen, wi-
derruft sie notfalls lieber die Differenz zwischen "Führung" und
"Basis", aus der sie ansonsten ihre eigene Tätigkeit überhaupt
bloß begründet, und e n t s c h u l d i g t jeden politischen
Fehler, den sie selber mal festgestellt haben könnte, ausgerech-
net damit, daß es doch ein Fehler der geliebten Arbeiter ist:
"Bei einer gründlichen Analyse hätte sie (die MG) feststellen
müssen, daß die Gewerkschaft schlicht und ergreifend die Organi-
sation der Arbeiterklasse ist. Ihre Politik, in allem was daran
richtig oder falsch ist, entspricht (!) dem Stand der gesamten
Arbeiterklasse in der BRD heute." (KHB vom "Arbeiterbund")
Schlichter und ergreifender läßt sich die eigentümliche
E i n h e i t v o n I d e a l i s m u s u n d O p p o r-
t u n i s m u s, die die westdeutsche Gewerkschaftslinke
auszeichnet, gar nicht ausdrücken. Im Namen einer idealistischen
Überhöhung des tatsächlichen Gewerkschaftslebens zur (wie auch
immer mangelhaften) Verwirklichung des linken Ideals einer
kämpfenden Arbeiterklasse - einer Deutung, die zur Begründung nur
noch platt darauf verweist, daß die Arbeiterklasse k e i n e
a n d e r e Organisation habe! - wird der Praxis des
Gewerkschaftslebens mit bedingungslosem Opportunismus die Treue
gehalten. Die A r r o g a n z, mit der da "der gesamten Arbei-
terklasse in der BRD heute" die Diagnose gestellt wird, nicht um
eine "falsche Politik" zu beseitigen, sondern um den Arbeitern zu
bescheinigen, daß die falsche Politik ihnen ganz offenkundig
"entspricht"; diese Manier, sich zum Proletariat als einer denk-
unfähigen Manövriermasse zu stellen, die ein linker Kritiker
nicht zu agitieren, sondern sorgfältig zu beobachten hat; dieser
Überrest von linker Besserwisserei, gepaart mit untertäniger An-
betung des "wirklichen Standes" der Dinge: das beseelt eine Ge-
werkschaftspolitik, die Kritik als Anbiederung, linke Kritik als
besonders scham- und bedingungslose Anbiederung versteht und
praktiziert.
Und für die, das versteht sich von selbst, unsere Kritik schon
allein deswegen ein Verbrechen ist, weil sie es an Devotion vor
dem Objekt linker Begierden, der wie und wozu auch immer organi-
sierten Arbeiterklasse, so offenkundig fehlen läßt. Nicht, als ob
der KB bei der Begutachtung der letzten Lohnrunden zu freundli-
cheren Befunden gelangt wäre als wir -
"die tiefgründige Erkenntnis", "eine geringere Lohnsteigerung"
wäre "noch nicht das gleiche wie eine Lohnsenkung, auch wenn
durch die Inflation diese geringere Lohnerhöhung zu einer gerin-
geren Kaufkraft führt", blieb bislang Privateigentum der Frank-
furter "Alternativen Zeitung"! -;
aber ausgewachsene Arbeiter darauf aufmerksam zu machen, daß sie
hier wieder einmal ihr Fell haben verkaufen lassen, das gar noch
massenhaft, und
"dabei womöglich gleich einen Satz heiße Ohren zu riskieren",
das will einer Zeitung mit dem Wörtchen "...kampf" im Titel nicht
in den Sinn. Na gut, ihr braucht euch ja auch nicht durch Agita-
tion zu kompromittieren, wenn ihr Liebeserklärungen an Lohnemp-
fänger im Sinn habt. Bloß: Weshalb meint ihr eigentlich, ihr müß-
tet dieses liebenswerte Volk ausgerechnet vor uns ganz furchtbar
i n S c h u t z n e h m e n? Es mag ja sein, daß ihr selbst
den Gegensatz zwischen Kritik und Publikumsbeschimpfung nicht
kennt; nur: weshalb haltet ihr es dann für so überaus notwendig,
die "beschimpften" Massen darüber "aufzuklären", wir hielten sie
für "dämlich" und "bescheuert"? Es mag ja sein, daß ihr nichts
als Schadenfreude empfindet, wenn der DGB seine Schlägertrupps
gegen uns losschickt, so als wäret ihr als Fans einer
w a h r e n Gewerkschaft im Schoße der w i r k l i c h e n
warm und sicher aufgehoben; aber müßt ihr dann gleich auch noch
euer Publikum dazu aufrufen, der MG eine "bundesweite Abfuhr" zu
erteilen? Ist euch noch nicht einmal aufgefallen, daß der Kampf
um die unbefleckte Ehre der Arbeiterklasse, den ihr da stellver-
tretend für diese, rhetorisch und manchmal schon nicht mehr bloß
rhetorisch gegen uns führt, unter dem westdeutschen Proletariat
wohl kaum mehr und größeres Interesse findet als unsere Kritik,
gegen die ihr da eifert? Merkt ihr noch nicht einmal mehr den lä-
cherlich farcenhaften Charakter des Stellvertreterkriegs, den ihr
euch leistet - und von dem die "verteidigten" Massen noch nicht
einmal Notiz nehmen?!
Gute, edle Menschen
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seid ihr; 'das geben' wir gerne zu. Arbeiterfreunde mit all der
kläglichen Berechnung, die allemal hinter der Anbetung einer
"Bewegung" steckt, der ihr als höchstes Lob das Attribut
"wirklich" zuerkennt. Opportunisten im Namen der idealistischen
Vorstellung, die "Wirklichkeit", die ihr so schätzt, wäre ein
Stück Verwirklichung eurer linken Sehnsüchte nach einer Welt
edelmütiger Kämpfer.
Bloß: Meint ihr im Ernst, genau und nur das hätte der Menschheit
gerade noch gefehlt?
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