Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION LINKE - Vom langen Marsch...
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Korrespondenz
"Was tut eigentlich die MG!"
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"Entweder kombinieren wir alle möglichen Mittel (und damit meine
ich wirklich ALLE, das gesamte Spektrum von RZ und RAF bis hin zu
Pax Christi!) aller an der Sache interessierten Personen und
Gruppen, oder man wird uns auf diese oder jene Weise zu beseiti-
gen wissen.
Wobei mir gleich die Frage in den Sinn kommt: Ihr lehnt sehr
viele Methoden und Ansätze recht kategorisch ab, ich kenne von
Euch letztlich nur den Ansatz der Agitation. Glaubt Ihr, daß Ver-
balismus uns weiterhelfen kann? Im Ernst, ich habe bislang nicht
von MG-Aktionen gehört - was läuft bei Euch in dieser Richtung?
Für mich ist es traurig zu sehen, daß eine vergleichsweise unpo-
litische Organisation wie Greenpeace den Mut und die Phantasie
aufbringt, die Herrschenden ab und an zu besiegen, wenn auch nur
auf Nebenschauplätzen (doch wer weiß, Mururoa kann noch ein Sieg
werden) -, und daß gleichzeitig die Linke erstarrt ist in ewigen
Grundsatzdebatten, sich in destruktiver Kritik verfängt und so
nicht zur Aktion kommt.
Das gilt in gewisser Form auch für Euch. Ihr lehnt meine Idee ei-
ner Wahlbeteiligung ab, aus Eurer Sicht sicherlich zu Recht -
dann bietet aber bitte auch eine andere, sinnvolle Methode an,
die über den Bereich der Agitation hinausgeht und den politischen
Gegner wirklich beeinflussen kann."
R.S., Regensburg
"...alle Gegenbewegungen mitgemacht... Zugegeben bis jetzt alles
ohne Erfolg, also falsch und sinnlos.
Aber was tut Ihr? Gut, Ihr macht die MSZ
Ihr macht sonst noch einige gute Sachen, Resultate-Verlag, MAZ
usw. Auch kenne ich Eure Veranstaltungen in Mainz und Frankfurt.
Auf Kundgebungen der Friedensleute verteilt Ihr Schriften dage-
gen. Glaubt Ihr im Ernst, irgend etwas damit bewirken zu können?
Keine Nationalstaaten, keine Ausbeutung, keine Streitkräfte,
keine Polizei usw., gut ich bin einverstanden, aber wie das er-
reichen? Bis jetzt habe ich noch keinen Hinweis darauf bei Euch
gefunden. Wie soll denn die Zukunft aussehen? Bis jetzt könnte
doch nur Resignation von all Eurem Wirken herauskommen."
W.A., Bad Kreuznach
Ein für allemal: "Was tun!" ist eine blöde Frage!
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Diese Frage gehört ja mit ihrem bedeutungsschwangeren Unterton
nicht gerade zum Katalog der alltäglichen Erkundigungen am Kü-
chentisch. Mit ihr soll irgendwie schon was Existentielles ge-
meint sein, was ihr in Politikeransprachen oder während dramati-
scher Krisen in Fernsehserien zwar ein breites Anwendungsgebiet
erschließt - der Betrachter weiß, daß es jetzt um höchste, gar
Sinnfragen geht -, ihr gerade deswegen im gewöhnlichen Sprachge-
brauch nur banale Antworten wie "Gehen wir essen" oder "Die Zünd-
kerze muß raus" einbringen kann. Diese Frage einer linken Partei
gestellt, meint also keinesfalls so Trivialitäten wie "Wie brin-
gen wir die Flugblätter an die Fabriktore und an den Mann?", son-
dern stellt sich bewußt ignorant. Schließlich gibt eine solche
Partei schon in ihrer simplen Existenz zu erkennen, daß sie einen
Z w e c k im Auge hat und d a f ü r etwas tut. Was sie tut,
ist unübersehbar - und sei es nur das Beantworten von Leserbrie-
fen, die sich wiederum aus den Aktivitäten der Partei ergeben.
Ihr diese Frage ganz grundsätzlich anzutragen, meint nichts an-
deres, als diesen Zweck und die dafür ergriffenen Mittel gleich
niederschmetternd mit der Qualifizierung "N i c h t s
g e t a n" belegen zu können. Und zwar o h n e Angabe von
Gründen, sehr wohl aber von einem i n s g e h e i m e n Ver-
gleich getragen. Der Fragesteller hat Höheres im Sinn und kommt
demonstrativ nicht umhin, seiner Enttäuschung Ausdruck zu geben.
Diese Frage m u ß in ihrer ganzen Bedeutungsschwere gerade in
der westdeutschen Linken sehr beliebt sein. Und zwar in einer
Linken, die sich eben als buntgemischtes Sammelsurium moralisch
lauterer Menschen a l s Linke begreift und - aber das gehört
zusammen - e r f o l g l o s ist. Mit diesem Einheitsbrei hat
man nämlich einen ganz inhaltsleeren Zwang des Sich-aufeinander-
Beziehens aufgemacht, iman hat eine gemeinsame Aufgabe. Und wenn
man nicht erfolglos wäre dann müßte man auch nicht die anderen
dauernd darauf befragen, was sie für "d i e S a c h e" leisten
- man tut halt, was man kann. Die Gründe für die Erfolglosigkeit
wären leicht zu analysieren und das Begehren nach einer gemeinsa-
men Sache der Linken ebenso schnell als billige Selbstbeweihräu-
cherung entlarvt. Aber nein, diese Linke kann sich einfach nicht
vorstellen, daß ihre Sendung womöglich für die Katz ist; und noch
weniger kann sie sich vorstellen, daß das ihr eigener
F e h l e r ist. Am allerwenigsten kann sie sich aber vorstel-
len, daß das Stellen dummer Fragen auch eine ziemlich gründliche
Methode ist, sich um die Welt n i c h t zu kümmern.
Der Endpunkt ist denn auch immer der an uns geäußerte "Vorschlag"
- der ein Vorwurf ist, weil ein jeder weiß, daß wir davon nichts
halten -, nicht "destruktive Kritik an anderen" zu üben, sondern:
Z u s a m m e n h a l t e n! Die Erfolglosigkeit und ihre Gründe
ignorieren: W a s tun! Dieser Vorwurf/Vorschlag dringt also
nicht darauf, daß dieses oder jenes getan werden müsse, sondern
ist ein Hochhalten von Tätigkeit schlechthin, die als solche
nicht angegriffen werden darf. Ganz entgegen dem ersten Anschein
ist der kritische Frager sehr zufrieden mit der Welt: Es g i b t
ja die Bewegung und es rührt sich dauernd "was".
Diese Sorte, n i c h t den Kapitalismus und den bürgerlichen
Staat zu b e k ä m p f e n, sondern pur und abstrakt die
B e r e c h t i g u n g des eigenen Anliegens hochzuhalten und
sich dafür lauter s y m b o l i s c h e A k t i o n e n auszu-
denken, die gar nicht auf Wirkung berechnet sind, ermöglicht
einen Umkehrschluß: Jeder, der bei diesem üblen Selbstverständnis
der Linken nicht mitmacht - und die vornehmste Aufgabe ist,
d a r ü b e r D e b a t t e n zu führen -, der macht sich
dreier Verbrechen schuldig:
- Nichts tun
- Spalten
- Resignation verbreiten.
Bitteschön, schweißt ihr Pax Christi und die RAF zusammen, d a
habt ihr "was" zu "tun"! Besiegt die Herrschenden an den Wahlur-
nen und im Mururoa-Atoll! Denkt euch sinnvolle Methoden aus, über
den Bereich der Agitation hinauszugehen! Macht falsche und sinn-
lose Sachen! Haltet euch bei der Stange, so daß die vielbeschwo-
rene Resignation euch bloß nicht ereilt (ein Tip: Sie ist schon
längst da, und ihr l i e b t sie) - aber vergleicht uns nicht
dauernd mit eurem welthistorischen Auftrag "der Linken".
MSZ-Redaktion
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