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Korrespondenz
DIE MSZ - "IDEALISMUS AUS INTELLEKTUELLER FEIGHEIT"?
Als unregelmäßigen Leser Ihres Periodikums MSZ stört mich immer
wieder sein irreführender und im Kern falscher Titel, wobei ich
mich auf das "M" beziehen möchte. Ohne eine marxologische Debatte
führen zu wollen, scheint mir für eine Rechtfertigung des Titels
zumindest die Verwendung grundlegender materialistischer Prinzi-
pien vonnöten.
Es fällt bei Ihren Artikeln auf, wie sehr die sich auf die kommu-
nikative Ebene, auf das, was Leute (v.a. Politiker) sagen, kon-
zentrieren. Dies stellt an sich noch kein Problem dar. Doch das,
was jemand sagt, hat als einzigen Inhalt, daß er das sagt; sonst
sind keine weiteren Schlüsse (über Absichten, Zwecke etc.) mög-
lich solange kein Vergleich mit den I n t e r e s s e n (und
der zugrundeliegenden gesellschaftsstrukturellen Situation) der
Sprecher geleistet wird.
Ein gutes Beispiel für einen optimalen Einsatz von Zitaten bietet
das "Kapital"; ein Beispiel, wie losgelöst von Interessen und Ge-
sellschaftsstruktur über politische Ereignisse räsoniert werden
kann und zu welchen Ergebnissen dies führt, ist die MSZ, im fol-
genden illustriert an zwei Artikeln über Osteuropa.
Im Heft 7 - 8/86 werden die Reformen in Ungarn zu analysieren
versucht, wobei drei Gruppen von Beteiligten auftreten: zum einen
ist da der "Westen", der durch "Geschäftsinteressen" und einen
plakativ gebrauchten "Kapitalismus" charakterisiert wird; immer-
hin - im Westen handeln die Leute nach "Interessen", und das hat
was mit der gesellschaftlichen Organisation zu tun. Wie aber
sieht es in Ungarn selbst aus?
"Die USAP (Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei) (modifi-
ziert) ohne jede Not, ohne dazu... gedrängt worden zu sein, ihre
Herrschaftsverfahren." (S. 44) Und da die Reformpolitik also
nicht mit "Gedrängtwerden" erklärt werden kann, bleibt nur die
ideologische Begründung - zu einem Wandel in der Politik kommt
die USAP einzig "aufgrund ihres Nationalismus" (S. 39). Es sind
also nicht die Interessen, die das politishe Handeln der
Herrschenden bestimmen, sondern ihre Ideologie, das, was sie den-
ken.
Der dritte Teilnehmer am Szenario ist das "Volk", dem laut MSZ
die Reformpolitik sehr schadet. Es ist ja sehr nett von der MSZ,
sich zum Sachwalter des Volkes zu machen, es wäre aber noch viel
netter, das Volk auch um seine Meinung zu fragen. Aber - so ist
zumindest aus der Behandlung der 56er Revolution abzuleiten - das
Volk ist auch nicht anders als die Herrschenden. Da machte sich
der "kommunistische Jugendverband... für seine Vorstellung vom
Übergang zum Sozialismus stark" (S. 45), da gab es "national ge-
sonnene Arbeiter, die sich die Nachkriegsmangelwirtschaft ... er-
klärten", nur die Bauern tun so, als hätten sie
I n t e r e s s e n, da sie ja "um ihr jämmerliches Eigentum
fürchteten" (S. 46). Was aber so jämmerlich ist, kann nur ein
vorgeschobener Grund sein, dahinter steckt sicher wieder so etwas
Wesentliches wie eine nationalistische Einstellung.
Das Handeln des Volkes begründet sich also auf Vorstellungen, na-
tionaler Gesinnung, Erklärungen und Einstellungen, ebenso wie das
des Staates. Interessen, die aus ihrem "gesellschaftlichen Sein"
erwachsen, haben die Beteiligten - zumindest in Ungarn - offen-
sichtlich nicht. Aber es gibt ja noch den großen Bruder, die SU;
vielleicht ist dort alles ganz anders, deshalb soll kurz der
"Bericht" über die Gorbatschow'schen Reformbemühungen in der MSZ
2/87 beleuchtet werden.
Als erster Grund für die neue Politik in der SU wird der Druck
des Auslandes (v.a. USA) angeführt (S. 28). Daß aber aus politi-
schem Druck nicht abgeleitet werden kann, w i e der Betroffene
reagiert, daß also spezifische innenpolitische Begründungen für
das jeweilige Verhalten von "Staat" und Bevölkerung gesucht wer-
den müssen, scheint auch den Autoren des Artikels klar zu sein.
Deshalb suchen sie nach den verhaltensbestimmenden Momenten bei
Volk und Führung.
Das einzige, was über das Volk zu erfahren ist, ist die
"Erkenntnis", daß sich sein Handeln nach moralischen Kategorie
richtet (S. 29), ansonsten dürfte wie in Ungarn der Nationalismus
der wesentliche Faktor sein. Ein wenig komplexer ist da schon die
Entscheidungsbasis bei Gorbatschow. Zwar geht es auch ihm um
"moralische Fragen" (S. 29), zugleich strebt er aber "Effizienz"
und "technologischen Fortschritt" (ebd.) an, einfach so. So ein
Zwitterwesen kann es wohl nur in der SU geben: einen hochmorali-
schen Computerfreak. Interessen als handlungsleitendes Moment
gibt es natürlich weder bei ihm noch beim Volk.
Während es - zumindest lt. MSZ - im Kapitalismus nur so wimmelt
von Kapitalisten, die auch ständig Kapitalistisches auf kapitali-
stische Weise machen, ist Ähnliches vom Sozialismus nicht festzu-
stellen. Dort gibt es, was von der MSZ kritisiert wird, keine
richtigen Sozialisten, also Leute, die nach ihren klar zu defi-
nierenden materiellen Bedürfnissen als Einwohner eines soziali-
stischen Staates leben, sondern nur Nationalisten und Fort-
schrittsfanatiker, die übersprudeln von Einstellungen, Vorstel-
lungen und moralischen Eigenschaften. Daß ihr Handeln (sowohl
beim Volk als auch bei den Führern) auch dementsprechend unsozia-
listisch ist, ergibt sich dann von selbst.
Während es also im Kapitalismus nur so kapitalistelt, scheinen
sich Abgründe zwischen dem Sozialismus, wie er sich definiert,
und den darin existierenden Menschen und Verhaltensweisen aufzu-
tun. Anstatt aber dies zum Ausgangspunkt zu nehmen, den Begriff
"Sozialisus und Co." für SU und Co. erst mal beiseite zu lassen
und eine materialistische (Klassen-)Analyse desselben durchzufüh-
ren, setzt die MSZ dem Ganzen die Krone auf: Sie mißt die realen
Verhaltensweisen - die dann quasi als suboptimal oder sogar kon-
traproduktiv erscheinen - an der endgültigen Definition von So-
zialismus: Planerfüllung ist "Mittel zum Zweck", und Zweck (eben
des realen Sozialismus) ist "Staatsreichtum und Massenwohlstand"
(S. 29). Diese Betrachtung des realen Sozialismus kann man sich
nur immer wieder genüßlich vor Augen führen: Der Zweck staatli-
cher Herrschaft ist das Wohlergehen der Beherrschten. Rührend!
So taucht er also wieder auf, der wohlwollend-aufgeklärte absolu-
tistische Fürst des 18. Jahrhunderts als Idealbild des Herr-
schers. Nur darüber haben die Franzosen schon damals gelacht und
dann eben diesen Herrscher gestürzt. Bisher lachen die Russen
noch nicht, deshalb ist auch keine Revolution zu erwarten. Viel-
leicht liegt es ja daran, daß Gorbatschow sich eben nicht als je-
mand präsentiert, dessen Herrschaft dem "Massenwohlstand" dient.
Ganz sicher ist das aber das Bild der MSZ von Herrschaft im re-
alen Sozialismus - wie es sein sollte. Das richtige oder falsche
(z.B. nationalistische oder effektivitätsorientierte) B e-
w u ß t s e i n des Herrschers ist die Basis seines Handelns,
mithin der "Marxismus" eine bloße Regierungstechnologie. Die MSZ
kritisiert das falsche D e n k e n, sie selbst denkt also
richtig und fordert das richtige Denken bei den Herrschenden.
Nicht Interessen, sondern Vorstellungen und I d e e n sind
geschichtsbildende Kräfte.
Dem B e w u ß t s e i n der einzelnen Herrschenden (das sich ja
- im Gegensatz zur MSZ natürlich! - zur Zeit bei Kadar in Ungarn
und Gorbatschow auf Abwegen befindet) steht in der obigen Defini-
tion des Sozialismus als Maßstab eine I d e e gegenüber, der
sich dieses Bewußtsein annähern kann und die am Kumulationspunkt
sich im völlig r i c h t i g e n B e w u ß t s e i n der Herr-
schenden widerspiegeln kann, sich dann in der Staatsmacht verkör-
pert, ihre Entsprechung im realsozialistischen Staat findet. Beim
geistigen Stammvater dieser "marxistischen" Betrachtungsweise der
MSZ steht für den Staat der König, die MSZ sieht immerhin mehrere
Herrschende in Gestalt der Parteiführung als Träger von Ge-
schichte eines Staats zugange (besteht die MSZ-Redaktion also aus
einem Kollektiv anstatt eines einzelnen Chefs?). Dies ist jedoch
der einzige Unterschied zwischen MSZ und ihrem geistigen Ziehva-
ter.
Deshalb sollte sie sich nicht mehr MSZ nennen, sondern HSZ:
"Hegelsche Sonntagszeitung - Für den Idealismus aus intellektuel-
ler Feigheit".
W.A., Göttingen
GEGEN DIE MARXOLOGISCHE FAHNDUNG NACH "REALEN" INTERESSEN
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Einmal abgesehen davon, daß sich unsere Analyse der ungarischen
Reformen oder des sowjetischen Modernisierungsprogramms auf die
politischen M a ß n a h m e n bezieht, die da durchgesetzt wer-
den - es stimmt nicht, daß das, was jemand sagt, keinen Schluß
auf seine Interessen erlaubt. Ideologien liefern sogar eine ver-
läßliche Auskunft über die Interessen ihrer Urheber, auch wenn
beides nicht dasselbe ist. Sie wären selbst bei einer Reise vor
Ort nicht in der Lage, Interessen auszumachen, die Ihren Ansprü-
chen genügen, indem sie sich ohne ideologische und bewußtseinsmä-
ßige Verkleidung betätigen. Sogar Ihrem Brief entnehmen wir ohne
besondere intellektuelle Anstrengung das Interesse, daß Sie uns
von etwas abbringen wollen, was Sie für einen Fehler halten, daß
es Ihnen um die Anwendung einer marxistischen Methode geht usw.
Leider sind Sie nicht allzu auskunftsbereit, wie eine korrekte
materialistische Erklärung des Ostblocks aussieht, sondern be-
streiten nur kategorisch, daß Nationalismus, politische Programme
oder Moral etwas mit Interessen zu tun haben könnten. Was soll
denn aber das politische Handeln der Herrschenden beispielsweise
in Ungarn bestimmen? Wie sieht denn das Staatsinteresse aus, wenn
es auf Methoden zur Stärkung der Ökonomie setzt, die sehr bewußt
und absichtlich lauter Gegensätze zu den Reproduktionsnotwendig-
keiten des Volkes aufmachen? Da hat sich eine Staatsgewalt dazu
entschlossen, um der ökonomischen Grundlage i h r e r Gewalt
willen das sozialstaatliche Programm des realen Sozialismus zu
liquidieren, weil sie das als H i n d e r n i s einer erfolg-
reichen Reichtumsproduktion ansieht. Und dieser Beschluß verdankt
sich keinem in der Gesellschaft vorhandenen Interesse, weder dem
von Arbeitern oder Genossenschaftsbauern noch dem von Kapitali-
sten, die es ja gar nicht gibt, die sich dieser Staat vielmehr
gerade erst heranzüchten möchte. Es handelt sich eben um ein rein
p o l i t i s c h e s, s t a a t l i c h e s Interesse, und das
nennen wir - mit Verlaub - Nationalismus.
Daß dieses Staatsprogramm in Ungarn allgemeine Zustimmung findet,
obwohl es den Leuten ziemliche ökonomische Härten beschert, zeigt
eben nur, daß auch dort das Staatsvolk gründlich politisiert wor-
den ist. D.h. es beherrscht den Fehler bestens, seine Abhängig-
keit von der Staatsgewalt, der es unterstellt ist, als guten
Grund zu nehmen für ein positives Interesse am Gelingen der
staatlichen Absichten. Gar nicht anders als die Arbeiter hierzu-
lande, die der täglichen Schädigung ihrer Interessen ja auch nur
immer die Forderung entnehmen, daß besser gemanagt, besser re-
giert, Deutschland noch stärker werden muß usw. usf. Um diese
"Volksmeinung" brauchen wir das Volk hier und drüben gar nicht
erst zu fragen, die kennen wir zur Genüge und haben nicht den ge-
ringsten Respekt davor:
Was eine "materialistische (Klassen-)Analyse des Ostblocks be-
trifft, müssen wir Sie enttäuschen: Klassen, wie sie sich durch
ihre Stellung zum Privateigentum bestimmen, gibt es dort nicht,
weil dort eben das Privateigentum an Produktionsmitteln abge-
schafft worden ist.
Es ist ein Fehler, von der Feststellung, daß im Ostblock offen-
sichtlich kein Kommunismus eingerissen ist, methodisch darauf zu
schließen, daß dann also Kapitalistisches irgendwie weiterwirkt,
daß es irgendwelche "neue Klassen" oder andere leicht modifi-
zierte kapitalistische Gesetzmäßigkeiten geben muß. Dieses in der
linken Kritik an der Sowjetunion sehr beliebte Verfahren verdankt
sich mehr dem Bedürfnis nach Denunziation als einer Analyse. Die
stößt nämlich als erstes darauf, daß sich die Einrichtung der so-
zialistischen Gesellschaft, die ökonomischen Zwänge, die da gel-
ten, ganz aus der Politik der Partei bestimmen. Der reale Sozia-
lismus ist immerhin die historisch erste Gesellschaft, in der die
Art und Weise des Produzierens sich ausschließlich einer politi-
sche Beschlußfassung verdankt, dem, was sich Lenin und seine Par-
tei zurechtgelegt haben, wie und nach welchen Maßstäben die öko-
nomischen Aufträge erteilt werden. Insofern, als eben kein
"stummer Zwang der Verhältnisse" existiert, die Gesetze der kapi-
talistischen Reichtumsakkumulation eben nicht wie Naturgesetze
gelten, kommt es gerade im Sozialismus sehr darauf an, welche
E i n s i c h t e n, welches B e w u ß t s e i n sich die Ma-
cher zugelegt haben.
Deren Fehler sind es gewesen, die drüben zur Installierung einer
Sorte Planwirtschaft geführt haben, die dem Massenwohlstand die-
nen soll, zugleich aber lauter Methoden der Reichtumsproduktion
vorschreibt, die dem entgegenstehen. Der Fehler der KPdSU, an-
stelle einer Planung der Produktion rein nach dem Kriterium der
benötigten Gebrauchswerte sich lieber auf quasi-sachgesetzliche
ökonomische Normative verlassen zu wollen, anstelle von sachlich
begründeten Aufträgen den Produzenten Rechnungsweisen mit Kosten
und Gewinn vorzuschreiben, hat die eigentümliche Hebelwirtschaft
mit ihren Interessengegensätzen hervorgebracht. Interessengegen-
sätze zwischen Betrieben und Planungsbehörden, zwischen den Be-
trieben selbst, zwischen Betrieben und Arbeitern, Kommunen und
Zentralgewalt usw. Die Arbeiter sollen die Nutznießer sein, ihre
Teilhabe am Reichtum wird aber gleichzeitig durch den Lohn be-
grenzt, der in der den Betrieben vorgeschriebenen Rechnung immer-
hin als gegensätzliche Größe zum Gewinn auftritt. Auf der anderen
Seite sind sie mit Preisen konfrontiert, die im Interesse des be-
trieblichen Gewinns die Konsumtion beschränken oder dem Staat zur
Last werden, wenn er sich einmal zu "verbraucherfreundlichen"
Vorschriften verstiegen hat. Lauter Gegensätze, die der Staat
dann auch wieder tilgen will, z.B. durch subventionierte Preise,
Reproduktionsgarantien aller Art.
In einem solchen System sieht schließlich auch die Bedeutung der
Moral etwas anders aus als im Kapitalismus. Daß ein Arbeiter
hierzulande jeden Tag pünktlich in seiner Fabrik erscheint und
seine acht bis mehr Stunden abarbeitet, diktiert die schlichte
Existenznotwendigkeit. Sonst fliegt er nämlich und kann schauen,
wie er sich ernährt. Daß sich die Menschheit die Zwänge, denen
sie unterliegt, noch in lauter moralische Prinzipien übersetzt,
ist eine Zutat, von der aber das Funktionieren einer Fabrik nir-
gendwo abhängt. Im realen Sozialismus aber anerkennt und be-
schränkt der Staat mit seinen Beschlüssen über Produktion und
Verteilung das Interesse der Arbeiter zugleich; er zwingt seinen
Produzenten mit seinen Planungsmethoden laufend die Kalkulation
auf, wie sich das eigene Interesse am besten mit der Erfüllung
der staatlichen Auflagen kombinieren läßt. Das ergibt vom Beschiß
bis zum Karrierismus eine ganze Latte von Möglichkeiten. Gerade
deshalb aber kommt es in dieser Sorte Ökonomie ganz anders auf
die Moral an, die regelrecht den Charakter einer Extra-Produktiv-
kraft besitzt: Wie sehr sich die Produzenten, von den Arbeitern
bis zu den Betriebsdirektoren, für das Gelingen der staatlichen
Absichten einsetzen, davon hängt einiges ab, ob brauchbare Pro-
dukte, genügend Produkte usw. zustande kommen. Unter den Bedin-
gungen kann sich die Moral der Leute, die sie sich genauso wie
ihre kapitalistischen Klassenbrüder zulegen, als Motiv
b e t ä t i g e n. Ob man und wie man eine Sonderschicht zugun-
sten des stürmischen Ausbaus des Sozialismus einlegt, ist eine
Sache, von der einiges abhängt. Und Gorbatschow ist kein Zwitter-
wesen, sondern beherrscht ganz einfach den gedanklichen Fehler
aller realsozialistischen Politiker, den G r u n d für ökonomi-
sche Resultate a u s s c h l i e ß l i c h in der E i n-
s t e l l u n g der Leute, ihren subjektiven Geneigtheiten zu
suchen, anstatt in den ökonomischen Sachverhalten, den Vorgaben
des Plans, auf die sich diese Einstellung überhaupt bloß bezieht,
bzw. von denen sie erzeugt wird.
Zu Ihrer Invektive mit dem König - wer außer der MG erlaubt sich
denn überhaupt die Beurteilung politischer Verhältnisse von dem
Standpunkt, was die Massen davon haben: Wenn Sie die Feststellung
empört, daß der Massenwohlstand in der Sowjetunion zum Staatspro-
gramm gehört - tut uns leid, das ist nun aber mal so. Und das ist
auch kein Lippenbekenntnis der Partei, sondern wird z.B. in der
gesamten sozialstaatlichen Betreuung der Bevölkerung durchgezo-
gen. Das rechnen gerade die westlichen Freunde der Sowjetunion
gerne vor, daß das reine Verschwendung wäre. Daß der Massenwohl-
stand andererseits sehr mäßig ausfällt und warum das so ist, das
können Sie wiederum ausschließlich in der MSZ erfahren. Woanders
werden Sie immer nur zu hören bekommen, daß es daran liegt, daß
die Sowjetunion kein Kapitalismus ist, in dem es ja bekanntlich
den Massen so blendend geht. Zum Schluß noch eine Empfehlung:
Russenhetze gibt es wirklich mehr als genug. Noch eine neue, zur
"Klassenanalyse" aufgemotzte methodische Suche nach Interessen,
objektiven und subjektiven dazu, zu produzieren, ist nach unserer
Auffassung reichlich überflüssig. Außerdem gibt es den Unsinn
schon. Da müssen Sie nur bei Djilas, Bettelheim, Damus, beim jun-
gen Altvater und frühen Bahro nachlesen.
MSZ-Redaktion
P.S. Ein Literaturhinweis: MARXISTISCHE GRUPPE, Die linken Kriti-
ker Bd. II.
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