Quelle: Archiv MG - BRD OPPOSITION LINKE - Vom langen Marsch...
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Aufruf zur Demonstration am 17. Juni in Bonn
Aufstellung: 12.30 Uhr, Schlachthof
Abmarsch: 13.30 Uhr
Schlußkundgebung: 15.30 Uhr, Münsterplatz
GEGEN DEN BRD-IMPERIALISMUS!
GEGEN DIE GEWALTSAME DEUTSCHE WIEDERVEREINIGUNG IM NATO-WELTKRIEG
1.
Am 17. Juni ist es wieder einmal soweit. Deutschland-West feiert
den 30. Jahrestag eines Arbeiteraufstands in Deutschland-Ost.
Zwar haben die Festredner für Arbeiteraufstände im allgemeinen
wenig übrig; wenn sie aber drüben passieren, sind sie immer
brauchbar. Erstens läßt sich behaupten, daß die jeweilige Regie-
rung in Bonn samt ihren NATO-Partnern der legitime Anwalt und
Erbe der Arbeiter im Osten ist. Zweitens besteht dieses Erbe in
dem Auftrag, die immer noch ungelöste d e u t s c h e F r a g e
zu lösen. Heuer werden deshalb Kohl, Carstens und andere den An-
spruch bekräftigen, auch den "Menschen" im anderen Teil Deutsch-
lands ihre tiefe Sehnsucht nach einer Wende zu erfüllen und ihnen
"Frieden in Freiheit" zu bringen. Das Geheimnis der tausendfachen
Beschwörung, dieses Unternehmen solle "natürlich" nur mit fried-
lichen Mitteln abgewickelt werden, ist heute offener denn je.
"Gewaltverzicht" war immer schon die diplomatische Formel für ein
Programm, dessen Erfolg allemal vom rechten Einsatz der Gewalt
abhängt. Ein solches Programm läßt es keineswegs bei Aufrüstung
bewenden!
2.
Die erforderlichen Mittel stehen bereit, und die Bundeswehr wird
in diesem Jubiläumsjahr der deutschen Einheit auf den neuesten
Stand gebracht. Und das im Rahmen eines freiheitsstiftenden Bünd-
nisses namens NATO und als Teil von dessen umfassenderen Mitteln
und Vorhaben. Demokratische Führer berufen sich heute auf die Sa-
che der F r e i h e i t, wenn sie den nie aufgegebenen Anspruch
auf das Regieren von Land und Leuten erneuern, die im letzten
Krieg von schlechten Deutschen zum Leidwesen der guten Deutschen
"verspielt" wurden. Als wäre die westdeutsche Außenpolitik be-
scheidener geworden, weil sie an der Seite ebenso mächtiger wie
rücksichtsloser Freunde nicht bloß für Deutschland, sondern für
die Freiheit schlechthin und überall mitwirken will.
Für ihre Dienste als F r o n t s t a a t verlangen deutsche Po-
litiker nach einem besonderen Lohn dafür, daß sie ihr Volk für
die Beseitigung des östlichen, immer noch viel zu mächtigen Är-
gernisses einspannen. Die Ausrüstung besteht 1983 zusätzlich zum
Dreimillionenheer auch noch in M i t t e l s t r e c k e n-
r a k e t e n, die den Russen wieder einmal mit der "Sprache der
Gewalt" kommen, welche sie nach Aussagen amerikanischer und
deutscher Politiker allein verstehen; in einer zusätzlichen
Drohung "von deutschem", also "europäischem" Boden aus, die dem
Osten das Nachgeben in allen Belangen nahelegt. Der Lohn heißt -
ganz im Sinne des "unverzichtbaren" Alleinvertretungsanspruchs,
dessen Menschenfreundlichkeit schon durch das Grundgesetz
unterstrichen wird - R e c h t a u f s R e g i e r e n a u c h
d r ü b e n und hinter der Oder-Neiße - für d i e Herr-
schaften, die sich bislang mit ihrem "Opfer-für-alle"-Programm
nur im viel zu kleinen Bonner Regierungsbereich zwischen Kapstadt
und Nordkap bewähren dürfen.
3.
Das Ganze wird im Namen d e r Freiheit vorgebracht und vollzo-
gen, die schon seit geraumer Zeit ihre weltweite Wirkung tut. Wer
entscheidet denn gleich hinter der Weltmacht USA und mit ihr auf
Weltwirtschafts- und anderen Gipfeln, wieviel Not und Gewalt in
allen Weltgegenden fällig sind? Wieviele Diktaturen sind denn
"mit uns" befreundet und deswegen ständig in der "Rückkehr zur
Demokratie" begriffen? In welcher Weltgegend ist eigentlich
"unser Interesse" nicht im Spiel, so daß westdeutsche Politiker
ihr R e c h t geltend machen, mit DM und Waffen der richtigen
Seite zum Durchbruch zu verhelfen? Selbstverständlich unter ener-
gischer Inanspruchnahme ihres Arbeits- und Wählervolkes daheim,
das mit Arbeitslosigkeit und Opferprogrammen schon wieder einmal
gegen einen Feind im Osten aufgerüstet wird.
Weil die Dinge so liegen, erklingen am 17. Juni, und diesmal be-
sonders innig, wieder die gar nicht bescheidenen Töne von
"Einigkeit und Recht und Freiheit...", jene Melodien, in denen
neue westliche Raketen als die konsequente Einlösung des Kampfes
vorkommen, den ostdeutsche Arbeiter einmal gegen ihre Regierung
unternommen haben.
D e u t s c h e E i n i g k e i t:
Das ist der Anspruch von bundesdeutschen Politikern auch auf die
Zuständigkeit für Gebiete und "Menschen", die bislang von anderen
gedeckelt werden.
D e u t s c h e s R e c h t:
Das ist die Bekräftigung dieses Anspruches unter Bezugnahme auf
den Erfolg, den bundesdeutsche Politik daheim und auswärts im
Bündnis bereits errungen hat.
D e u t s c h e F r e i h e i t:
Das ist die ewige Konsequenz auch demokratischer Nationalisten,
die aus der Verwandlung ihrer Ansprüche von einst in erfolgreiche
Interessen nur eines gelernt haben: Die Freiheit Deutschlands ist
noch viel zu klein und geht "...über alles in d er Welt".
Uns geht sie schon viel zu weit!
MARXISTISCHE GRUPPE (MG)
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